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Wurf- beziehungsweise buchtenweises Aufstallen von Ferkeln – Auswirkungen auf Futteraufnahme, tägliche Zunahmen und Kratzspuren
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Neben der Trennung von der Muttersau, der Änderung der Haltungsumgebung und der Umstellung der Fütterung kann das Mischen von Ferkeln aus unterschiedlichen Würfen beziehungsweise Abferkelbuchten während des Absetzens einen Stressfaktor darstellen. In einer Versuchsreihe wurde in Futterkamp der Einfluss des Mischens von Ferkeln aus verschiedenen Würfen bei nicht schwanzkupierten Ferkeln auf das Schwanzbeißverhalten geprüft. Die Häufigkeiten von Verletzungen und Schwanzverbiss folgten zwischen den Versuchsgruppen (wurfweise und gemischt) keinem klaren Trend (Veit et al., 2016). In einem Versuch in Schwarzenau sollte bei kupierten Ferkeln untersucht werden, wie sich ein wurf- bzw. buchtenweises Absetzen gegenüber einer Aufstallung der Ferkel aus verschiedenen Würfen bzw. Abferkelbuchten bei ansonsten gleicher Fütterung auf die Aufzuchtleistung und auf die Intensität von Verletzungen in der ersten Aufzuchtwoche auswirkt.

Die wurfweise Aufstallung der Ferkel brachte schlechtere Wachstumsergebnisse

Ferkel wurden buchtenweise und gemischt aufgestallt

Der Versuch wurde am Versuchs- und Bildungszentrum für Schweinehaltung in Schwarzenau durchgeführt. Dabei wurden in die Hälfte der Ferkelaufzuchtbuchten pro Bucht nur Ferkel aus einer einzigen Abferkelbucht eingestallt (wurf-/buchtenweises Absetzen). Die andere Hälfte der Abferkelbuchten wurde pro Bucht mit Tieren aus verschiedenen Abferkelbuchten bestückt (gemischte Gruppen). Somit ergaben sich folgende Versuchsgruppen:

Gruppe „gemischt“: 8 Buchten mit Ferkeln aus verschiedenen Abferkelbuchten in jeder Bucht.

Gruppe „wurfweise“: 8 Buchten mit Ferkeln aus nur einer Abferkelbucht pro Bucht.


In beiden Gruppen wurde auf eine vergleichbare Anzahl von Tieren, auf eine vergleichbare mittlere Lebendmasse (LM) sowie auf ein gleiches Geschlechterverhältnis geachtet. Insgesamt wurden 194 Tiere aufgestallt. Der Versuch gliederte sich in zwei Fütterungsphasen von jeweils drei Wochen Dauer mit einem Ferkelaufzuchtfutter (FAF) für jede Phase. Die Ferkel wurden auf Kunststoffspalten ohne Einstreu gehalten. Während beider Durchgänge wurde der Kot einmal in der Woche bonitiert (Note 1 = hart bis 4 = wässrig). Fünf Tage nach Einstallung in das Ferkelaufzuchtabteil wurde eine Bonitierung der Ferkel auf Kratzspuren durchgeführt (vgl. Tabelle 2).

Futter entsprach den gewünschten Werten

In Tabelle 1 sind die Versuchsrationen sowie die kalkulierten Inhaltsstoffe aufgeführt.

Tabelle 1: Versuchsrationen, kalkulierte Inhaltsstoffe

Die analysierten Gehalte an Rohfaser, Rohprotein, Kalzium, Phosphor und Aminosäuren (Ausnahme Lysin im FAF II) stimmten im Rahmen der Analysenspielräume mit den vorab kalkulierten Werten überein, wenn auch die analysierten Gehalte des Rohproteins und der Aminosäuren eher im unteren Bereich lagen. Verursacht ist dies vermutlich durch den während des Versuchs verwendeten Sojaextraktionsschrot (non- GMO), der zur Versuchsplanung einen hohen Rohprotein- und Lysingehalt aufwies. Eine Kontrollanalyse zeigte jedoch deutlich niedrigere Gehalte in der Nachlieferung. Der Gehalt an umsetzbarer Energie wurde um etwa 0,5 MJ/kg höher ermittelt als vorab kalkuliert.

Keine Unterschiede in der Kotbeschaffenheit

Auf die Bewertung der Kotbeschaffenheit zeigte die Art der Aufstallung der Ferkel (gemischt oder wurfweise) keinen Effekt. Im Mittel beider Gruppen wurde der Kot mit der Note 2,0 als normal bewertet. 14 Ferkel aus den gemischten Buchten und drei Ferkel aus der wurfweisen Aufstallung mussten medikamentös behandelt werden. Hauptursachen waren Probleme mit dem Bewegungsapparat. Dies betraf zwölf Tiere der gemischten Gruppe und ein Tier aus der wurfweisen Aufstallung. Zwei Tiere aus der gemischten Gruppe und ein Tier aus der Gruppe „wurfweise“ wurden aus dem Versuch genommen.

Härtere Rangkämpfe bei gemischter Aufstallung

In Tabelle 2 ist die Bonitur auf Kratzerspuren zusammengestellt. Während bei der wurfweisen Aufstallung nahezu alle Tiere mit den Noten 0 und 1 bewertete wurden, d.h. keine nennenswerten bzw. nur leichte Kratzspuren aufwiesen, wurden bei den Ferkeln, die aus unterschiedlichen Abferkelbuchten stammten, nur knapp 60 % mit den Noten 0 und 1 bewertete. 27 % dieser Tiere hatten deutliche Kratzspuren, knapp 14 % wiesen tiefe Kratzer auf.

Tabelle 2: Bonitur von Kratzspuren am Tag 5 nach Umstallung in das Ferkelaufzuchtabteil (% der Tiere)

In der Gruppe mit gemischter Aufstallung traten mehr Kratzspuren (Rangkämpfe) auf

Deutliche Unterschiede in den Wachstumsleistungen

In Tabelle 3 sind die Lebendmasseentwicklung, die täglichen Zunahmen, die Futter- und Energieaufnahmen sowie die daraus errechneten Futter- und Energieeffizienzzahlen zusammengestellt.

Tabelle 3: Wachstumsleistungen im Versuchsverlauf (LSQ-Means)

Im Mittel der Aufzucht wurden in der Gruppe „gemischt“ mit 463 g signifikant höhere Zunahmen erzielt als in der Gruppe „wurfweise“ mit 406 g. Betrachtet man die einzelnen Aufzuchtphasen, so sind auch hier signifikante Unterschiede bei den täglichen Zunahmen festzustellen. In Phase 1 wurden rund 50 g (296 gegenüber 243 g) und in Phase 2 etwa 60 g (639 g gegenüber 577 g) niedrigere tägliche Zunahmen bei wurfweisem Aufstallen erzielt.

Betrachtet man die LM-Entwicklung der Tiere (vgl. Abbildung 1), so wurden im Aufzuchtzeitraum in den gemischt aufgestallten Buchten 2,3 kg LM-Zuwachs mehr registriert als bei der wurfweisen Aufstallung. Differenziert man nach Einstallgewicht, waren die Unterschiede bei den Ferkeln im Gewichtsabschnitt zwischen 7,5 und 9,0 kg LM mit 1,7 kg am geringsten. Leichtere Ferkel hatten 2,5 kg, schwerere Ferkel 2,3 kg Unterschied. Insgesamt waren in der Gruppe „wurfweise“ die Streuungen der Ferkel in den Buchten größer sowie der Anteil leichter Ferkel (<7,5 kg) höher.

Abbildung 1: Verlauf der LM-Entwicklung der Ferkel während der Aufzucht

Buchtenweise aufgestallte Ferkel haben weniger gefressen

Die höheren Tageszunahmen in der Gruppe „gemischt“ sind dabei einem signifikant höheren Futterverbrauch bzw. einer signifikant höheren ME-Aufnahme geschuldet. So wurden in der gesamten Aufzucht bei gemischter Aufstallung 787 g Futter bzw. 10,6 MJ und bei wurfweiser Aufstallung 670 g Futter bzw. 9,0 MJ pro Tier und Tag aufgenommen. Auch in den einzelnen Versuchsabschnitten lag der Futterverbrauch bzw. die ME-Aufnahme mit 472 g bzw. 6,4 MJ gegenüber 395 g bzw. 5,3 MJ in Phase 1 und mit 1118 g bzw. 15,1 MJ gegenüber 959 g bzw. 12,9 MJ in Phase 2 bei der gemischten Aufstallung deutlich höher. In Abbildung 2 ist der Futterverbrauch während der Aufzucht für beide Gruppen dargestellt.

Abbildung 2: Verlauf des Futterverbrauchs der Ferkel während der Aufzucht

Eine geringere Streuung der LM der Tiere und eine neu entstandene Rangordnung in den gemischten Buchten könnten hierfür als Ursachen diskutiert werden.

Auf den Futteraufwand bzw. den Aufwand an ME je kg Zuwachs zeigte die Art der Aufstallung keinen signifikanten Effekt. Im Mittel der Aufzucht lag der Futteraufwand bzw. der Aufwand an ME pro kg Zuwachs zwischen 1,65 und 1,70 kg bzw. zwischen 22,3 und 23,0 MJ. In der 1. Fütterungsphase wurden Werte zwischen 1,60 und 1,66 kg Futter bzw. zwischen 21,6 und 22,5 MJ ME ermittelt. In der 2. Fütterungsphase lagen die Werte zwischen 1,66 und 1,75 kg Futter bzw. zwischen 22,5 und 23,7 MJ ME.

Fazit

Die wurf- bzw. buchtenweise Aufstallung von abgesetzten, schwanzkupierten Ferkeln führte in den ersten Tagen der Aufzucht zu weniger Kratzspuren am Körper. Gegenüber den Tieren der gemischten Gruppen verzehrten bzw. verbrauchten die Ferkel bei wurfweiser Aufstallung signifikant weniger Futter bzw. nahmen signifikant weniger ME auf. Dies führte zu deutlich geringeren Aufzuchtleistungen. Eine höhere Streuung der LM der Ferkel pro Bucht und eine seit der Säugezeit bestehende Rangordnung könnten diesbezüglich diskutiert werden. Weiterer Forschungsbedarf ist deshalb notwendig. Die Herausnahme extrem leichter bzw. schwerer Tiere sowie die Aufstallung aus zwei Abferkelbuchten sind in weiteren Versuchen zu untersuchen.

DER DIREKTE DRAHT

Dr. Wolfgang Preißinger
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Tierernährung und Futterwirtschaft
Dienstort Schwarzenau
D-97359 Schwarzach a. Main
Stadtschwarzacher Str. 18
E-mail: Wolfgang.Preissinger(at)LfL.bayern.de

Stand: 7/2020