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Biobetrieb Brunner im Weidener Becken – Schweinehaltung als wichtiger Betriebszweig
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Familie Brunner bewirtschaftet ihren Betrieb im Weidener Becken heute mit 60 Hektar Ackerland, 470 Mastschweineplätzen und 170 Legehennen zur Direktvermarktung. Da eine Vergrößerung des Betriebes vor einigen Jahren nicht möglich war und die Fragen im eigenen Hofladen nach Herstellung und Bewirtschaftung immer mehr zunahmen, entschieden sich Brunner im Jahr 2008 ihren Betrieb nach den Ökorichtlinien umzustellen. Unter anderem wurden hierzu neue Auslaufmöglichkeiten und Mehrklimazonen geschaffen. Eine besondere Herausforderung stellte nach der Umstellung die Fütterung dar.

Nach dem Besuch der Technikerschule in Triesdorf hat Reinhard Brunner im Jahr 1990 den elterlichen Betrieb im Außenbezirk von Weiden in der Oberpfalz übernommen. Zunächst ist der Betrieb nach altem Muster weitergelaufen. Allerdings hat die Jungsauenproduktion für BHZP bald nicht mehr genug abgeworfen. Daher hat Reinhard Brunner nach 2000 die Sauenhaltung eingestellt und auf 800 Mastschweineplätze umgesattelt. Zu dieser Zeit wurde der gesamte Betrieb noch konventionell bewirtschaftet.

„Da ich damals schon immer in Kreisläufen gedacht habe, brauchte es nur noch einen kleinen Anstoß, um in die ökologische Bewirtschaftung zu wechseln“, so der Betriebsleiter. Diesen Anstoß erhielt er von seinen Kunden. Denn im Jahr 2007 wurde der Hofladen eröffnet. Da im Umkreis von 50 km kein Spargel angebaut wurde, haben sich die Brunners zusätzlich auf den Anbau dieses Feldgemüses spezialisiert. Helga Brunner, die den Hofladen managt, bekam immer mehr Fragen zur Herstellung und Bewirtschaftung des Hofes, was schließlich in dem Entschluss endete, den gesamten Hof auf ökologische Wirtschaftsweise umzustellen. Dazu beigetragen hat sicher auch die geringe Anzahl von 800 Mastplätzen, die wirtschaftlich so kaum mehr für das Familieneinkommen ausreichten. Eine Vergrößerung der Tierhaltung ist auf dem Hof Brunner aus räumlichen Gründen nicht möglich gewesen. Also hat man sich 2008 dazu entschlossen, den Betrieb umzustellen. Aus den 800 Mastplätzen wurden dann 470. Auch die Bewirtschaftung des Ackerlandes wurde umgestellt (siehe Betriebsspiegel).

„Wir haben sicher anfangs Lehrgeld bezahlen müssen, jetzt ist die Kreislaufwirtschaft aber so ins Blut übergegangen, dass ich nichts anderes mehr machen möchte“ sagt der Betriebsleiter.

Natürlich waren Umbaumaßnahmen für den Schweinestall notwendig. Nach den Ökorichtlinien, Reinhard Brunner hat sich damals gleich dem Naturland-Verband angeschlossen, mussten Auslaufmöglichkeiten geschaffen werden. Sowohl in der Vormast, wie auch im Endmastbereich hat er Mehrklimazonen geschaffen. Die sehen überall etwas anders aus, da er in erster Linie seine Altgebäude nutzen musste und wollte. Außerdem war er mit der Flüssigfütterungsanlage sehr zufrieden und wollte auch die weiter nutzen.

Im Vormastbereich befindet sich der Liegebereich im wärmegedämmten Innern des Stalles. Dieser ist planbefestigt und wird eingestreut und ist mit je zwei Ausläufen mit dem kalten Außenbereich verbunden. Wichtig ist Brunner die Möglichkeit zur Größenverstellung des Liegebereiches. „Wenn der Liegebereich zu groß ist wird er verschmutzt.

Das gleiche gilt für Zugluftecken. Daher haben wir alle offenen Ecken an der Buchtenabtrennung geschlossen. Seit dem halten sich die Verschmutzungen in Grenzen“.

Gefüttert werden die Vormasttiere, die in 33er Gruppen gehalten werden, im überdachten Außenbereich. Bei einem Tier-Fressplatzverhältnis von 1:1 gibt an den Langtrögen der Flüssigfütterung auch wenig Probleme mit Kämpfen oder Schwanzbeißen. Dazu trägt auch die ad libitum Fütterung in diesem Haltungsabschnitt bei.

Im Endmastbereich ist das schon etwas anders. Hier erfolgt die Fütterung im wärmegedämmten Innenbereich des Stalles, der den vorher genutzten Spatenboden behalten hat.

Trotz eines gleichen Tier-Fressplatzverhältnisses kam es bei einer hier durchgeführten rationierten Fütterung doch hin und wieder zu Schwanzbeißereien. Dem hat man in Weiden aber etwas entgegen zu setzen. „Immer wieder habe ich beobachtet, dass meine Tiere nach der Fütterung zuerst zur angebotenen Silage gegangen sind. Dann erst zur Heuraufe.“ So Reinhard Brunner. Ab diesem Zeitpunkt wurde die Silagefütterung obligatorisch. Vom ersten Schnitt auf seinem Grünland und den Kleegrasflächen macht er seit dieser Zeit Silage und Heu. Die Silage wird dann von September bis April gefüttert. „Im Sommer macht es auf Grund der hohen Außentemperaturen keinen Sinn, dann habe ich zu viele Verluste“ sagt Brunner. Der zweite Schnitt wird dann vom Bruder für seine Rinder genutzt. Das erzeugte Heu wird ganzjährig über Futterraufen angeboten.

Der Außenklimabereich, der auch hier über abgehängte Wandöffnungen erreichbar ist, hat Reinhard Brunner auch zweigeteilt. Zunächst folgt auf den wärmegedämmten Bereich ein planbefestigter, eingestreuter und überdachter Auslauf. Hier befinden sich auch die Silage- und Heurufen.

Den Abschluss bildet dann der ebenfalls planbefestigte nicht überdachte Auslauf. Hier befindet sich in erster Linie der Mistbereich. Daher ist ein regelmäßiges Ausmisten mit dem Hoftraktor notwendig. Vor dem Auslauf befinden sich dann Spaltenelemente um den ausgeschobenen Mist aufzunehmen und abzutransportieren.

Wie wichtig die ausreichende Versorgung mit Wasser ist, hat der Weidener auch in den vielen Jahren gelernt. „Daher sind Maßnahmen getroffen worden, dass auch im Winter eine ausreichende Wasserversorgung sichergestellt ist. Zirkulationsleitungen mit Erwärmung tragen hier zur Sicherheit bei“ erklärt Brunner.

Seit 2016 arbeitet der Betriebsleiter auch im MuD-Projekt „Aufzucht und Haltung unkupierter Schweine“ mit. In diesem Projekt ist er als einziger Biobetrieb vertreten. „Die Zusammenarbeit mit meinen konventionell arbeitenden Kollegen ist ausgezeichnet. Wir können uns gegenseitig viele Ratschläge geben“ schwärmt Reinhard Brunner.

Besonders die Beachtung der Futterhygiene hat er seinen Kollegen abgeschaut, dafür wird er nicht müde die Bedeutung der Raufuttergabe im Blick auf Schwanzbeißen zu betonen. Wichtig sind ihm seitdem auch ganz besonders die Hygienemaßnahmen in seiner Flüssigfütterungsanlage. Eine Säureverneblung im Anmischbehälter ist für ihn unverzichtbar. Gleichzeitig auch eine Reinigung der Leitungen mit heißem Wasser. Hinzu kommt besonders im Biobereich die Reinigung des Getreides vor der Verfütterung. „In meinen Stall kommt kein ungereinigtes Getreide mehr“ betont der Betriebsleiter. Schlechte Erfahrungen hat er mit erhöhten Mykotoxingehalten schon zu Beginn der Umstellungsphase gemacht.

„Die Fütterung von Ökoschweinen ist weitaus schwieriger als im konventionellen Betrieb. Uns stehen keine freien Aminosäuren zur Verfügung, um Ungleichgewichte in den Futtermitteln auszugleichen. Besonders in der Anfangsmast ist da problematisch“ umreißt Brunner die Probleme in der Fütterung. Daher ist es ihm auch ganz wichtig, dass er die Inhaltsstoffe seiner Futtermittel ganz genau kennt. Futtermitteluntersuchungen der eingesetzten Komponenten sind für ihn daher unverzichtbar. Nur so können auch bedarfsgerechte Rationen zusammengestellt werden.

Bisher hat er immer die gegebene Möglichkeit genutzt, 5 % konventionelle Futtermittel einzusetzen. Hier kam dann in erster Linie Kartoffeleiweiß, mit hohen Aminosäurengehalten, zum Einsatz. Da diese Möglichkeit jetzt nicht mehr gegeben ist, wird seit ein paar Wochen Molke aus einer nahegelegenen Molkerei eingesetzt. Durch die Nutzung der Flüssigfütterung ist dies auch technisch möglich. Allerdings müssend damit auch erst einmal ausreichend Erfahrungen gesammelt werden. Abgeliefert wird sie jeweils montags und donnerstags, wenn ein Behälter leer ist.

Als weitere Eiweißfutter kommen Futtererbsen und Ackerbohnen zum Einsatz. Zum Teil selbst erzeugt, zum Teil zugekauft. Zudem hat Reinhard Brunner auf zugekauftes Sojakuchen gesetzt. Mit Rapskuchen alter Saaten hat er vor vielen Jahren einmal schlechte Erfahrungen gemacht. Der Einsatz aus neuen Züchtungen mit geringeren Gehalten an Glucosinolaten ist aber wieder in sein Sichtfeld gerückt. „Um weitere umstellungswillige Landwirte zu unterstützen, setze ich auch etwa 30 % Umstellungsgetreide bei mir ein. Meine Devise lautet dabei, zunächst kaufe ich in der Region, nur wenn es dort nichts gibt, wende ich mich an den Verband und kaufe von weiter entfernten Betrieben.“ schildert Brunner seine Futtereinkaufstrategie.

In Tabelle 1 sind die aktuellen Futterrationen dargestellt. Dabei sind auch jeweils die Rationen enthalten, die vor der Verfütterung von Molke angewandt wurden.

Es zeigt sich, dass durch die große Anzahl von Proteinfuttermitteln die Ansprüche an die Qualität des Proteins in der Ration annähernd erreicht werden können. Dies zeigen auch die guten Leistungen, die im Betrieb Brunner erreicht werden. 860 g Tageszunahmen werden im Schnitt erzielt. Dies bei einer Futterverwertung von 2,9 kg Futter je kg Zunahmen. Als Grundlage für die Leistungen sieht Reinhard Brunner auch seine eingesetzten Rassen. Grundlage bildet dabei das Schweizer Edelschwein als Muttergrundlage. Der speziell dazu passende Schweizer Premo-Eber kann über die Besamungsstation in Neustadt bezogen werden. Steht er mal nicht zur Verfügung tut es auch ein Duroc-Eber.

Obwohl Brunner gerade dort Unterschiede sieht. Die Nachkommen der Premo-Eber scheinen ihm doch etwas spätreifer und damit ruhiger in der Haltung, was auch positive Auswirkungen auf das Schwanzbeißgeschehen hat. „Wenn ich Duroc-Eber anpaare, ist immer mehr Lärm im Stall, das bekommen auch die Spaziergänger, die unmittelbar am Stall entlang gehen, mit. Ich wurde darauf schon mehrmals angesprochen“ resümiert der Betriebsleiter. Grund dafür ist auch die Haltung von immunokastrierten Ebern, die sich bis zur zweiten Impfung ja wie normale Eber verhalten.

Aus diesem Grund impft man in Weiden auch dreimal. Üblich sind zwei Impfungen. „Ich verspreche mir von der dreifachen Impfung ein ruhigeres Schwein, da ich früher mit der zweiten Impfung bin. Zudem kann ich mir als Direktvermarkter keinen „Stinker“ leisten und hoffe mit den drei Impfungen allen Tiere zu erreichen. Bisher hat das gut funktioniert, da nehme ich auch gerne die 2-3 Euro höhere Kosten in Kauf.“ Verteidigt der Betriebsleiter die dreimalige Impfung. Ein Versuch mit reiner Ebermast hat er auch schon gemacht, aber das war die Unruhe im Stall noch größer.

Immerhin werden ca. 30 Schweine im eigenen Hofladen vermarktet. Die übrigen werden so mit ca. 130 kg an die Hermannsdorfer Landwerkstätten und die Altdorfer Biofleisch GmbH vermarktet. Zum Ziel hat sich Reinhard Brunner die Erzeugung von 1.200 – 1.300 Mastschweinen gesetzt. Abhängig aber ist er auch von seinem Ferkellieferant, mit dem aber bis jetzt aber sehr gute Erfahrungen gemacht hat.

Erstes Ziel für seinen Betrieb ist nicht die Vergrößerung sondern die Konsolidierung der Produktion. Innere Strukturen sollen gefestigt und verbessert werden. Kosteneinsparungen und Erhöhung stehen sicher auch bedingt durch die Selbstvermarktung an oberer Stelle für die Zukunft.

DER DIREKTE DRAHT

Dr. Manfred Weber
Klein Schwechten
Tel.: 039388/28423
E-Mail: Manfred.H.Weber(at)gmx.de

Stand: Januar 2020