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5 Jahre Erfahrung mit N- und P-reduzierter Fütterung – Die Agrargesellschaft Leinetal Sausedlitz
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Die Agrargesellschaft Leinetal im sächsischen Seenland bewirtschaftet 950 ha Ackerland und 50 ha Grünland. Das Grünland wird von einer kleinen Mutterkuhherde beweidet, die ganzjährig im Freien verbleibt. Ein weiteres Standbein ist die Schweineproduktion. Dabei setzt die Agrargesellschaft Leinetal seit fünf Jahren N- und P-reduzierte Futtermischungen ein. 

Trocken ist es in diesem Jahr im sächsischen Seenland. Hier am Seelhausener See, einem gefluteten Tagebaurestloch an der Grenze zwischen Sachsen und Sachsen-Anhalt ist die Agrargesellschaft Leinetal Sausedlitz beheimatet. Sie bewirtschaftet mit 8 AK 950 ha Ackerland und 50 ha Grünland. Hauptsächlich wächst Getreide auf dem mit durchschnittlich 28 Bodenpunkten bewerteten Ackerland. Das Grünland wird von einer kleinen Mutterkuhherde beweidet, die ganzjährig im Freien verbleibt.

Bei solchen Bodenverhältnissen ist ein weiteres Standbein des Betriebes Pflicht. In Sausedlitz hat man sich für die Schweineproduktion entschieden, wie Dietmar Mieth, Chef des Betriebs informierte. Die Schweinemastanlage mit 9 Einzelställen, die auf einem ca. 4 ha großen Gelände in 3 Blöcken angeordnet ist, stammt aus den sechziger Jahren.

Die Anlage wurde mehrmals umgebaut, letztmalig im Jahr 2014. Auslöser für diese Investition waren die nicht mehr regelkonformen Spaltenböden, die aufgrund zu breiter Spalten komplett ausgetauscht werden mussten. Nach der Entkernung wurden moderne Haltungsbuchten mit Betonspaltenboden, Fließkanal und Langtrog (je Tier ein Fressplatz) und einer Flüssigfütterungsanlage eingebaut. Da die Anlage in Dorfnähe liegt, musste auch die Abluftführung verändert werden. Die Abluft gelangt jetzt gebündelt über zwei Zentralaustritte je Stall mit jeweils vier Abluftrohren und einer Höhe von 4–5 m über First nach draußen. Gleichzeitig wurden zwei neue abdeckbare Güllebecken mit einer Kapazität von je 4200 m³ errichtet. Mit den zwei vorhandenen Altbehältern reicht diese Lagerkapazität für 9 Monate. Das Bauvorhaben wurde mit Investitionskosten von 400 €/Tierplatz abgeschlossen.

In diesen Ställen können bis zu 6.648 Mastschweine gehalten werden. Allerdings, so Wolfgang Enge, der Verantwortliche für die Schweinehaltung, stehen im Moment nur etwa 5000 Mastschweine in den Ställen, da man an der Initiative Tierwohl teilnimmt und den Schweinen 20 % mehr Platz anbietet, als es gesetzlich gefordert wird.

Die Ställe sind alle gleich aufgebaut. Sie enthalten 40–42 Buchten, in denen 14-15 Tiere gehalten werden mit einem Platzangebot von ca. 0,9 m². Werden sie mal schwerer als durchschnittlich 110 kg, dann erhalten sie 1,2 m². In jedem Stall ist ein Genesungsabteil installiert, in dem ein Teil der Grundfläche mit Gummimatten als weiche Liegefläche ausgelegt ist.

Die Luftzufuhr wird über Wandelemente, die über die Lüftungsregelung gesteuert werden, gewährleistet. Diese öffnen sich aber auf Wunsch des Anlageleiters nicht alle gleich weit, sondern in unterschiedlichen Größenordnungen. „So verteilt sich die Luft homogener und die Luftqualität ist deutlich besser geworden“ behauptet er. Dies konnte beim Stallbesuch bestätigt werden. Die Luftqualität, auch bei den neu eingestallten Tieren, war ausgezeichnet. Die vier gebündelten Abluftkamine sind jeweils im ersten und letzten Viertel des Stalles angeordnet.

Auch gegen hohe Temperaturen im Stall wird in Sausedlitz etwas getan. Trotz der schwierigen Wasserqualität, hat man eine Hochdruckverneblung eingebaut. Diese passt hervorragend zu der Strahllüftung. Die schnell und gezielt eindringende Luft nimmt den eingesprühten Wassernebel sofort auf und verteilt ihn über den gesamten Stallbereich. Messungen habe den Sausedlitzern gezeigt, dass damit die Stalltemperatur um etwa 3–4 Grad gesenkt werden kann. Ab einer Innentemperatur von 25°C springt die Verneblung zunächst sporadisch, bei höheren Temperaturen für längere Intervalle an. „Ohne ein vorgeschalteten Wasserfilter funktioniert die Anlage allerdings nicht, da die feinen Düsen doch recht schnell zur Verstopfung neigen“ so Wolfgang Enge.

Gehalten werden alle Tiere auf vollperforiertem Boden. Nur an der Wand ist der Boden konstruktionsbedingt etwa 30 cm plangeschlossen. Wenn sich Verschmutzungen in den Buchten zeigen dann hier, aber auch nicht immer und überall. Insgesamt wurden alle Buchten sehr sauber gehalten. Organisches Spielmaterial wird über integrierte Holzposten an der Buchtentrennwand realisiert. Beschäftigungsfutter wird nicht angeboten, da sonst das Güllesystem in Mitleidenschaft gezogen würde.

Im Rahmen der Umbaumaßname ist im Jahr 2014 der mit Krankheiten belastete Altbestand komplett verkauft und nach Fertigstellung mit SPF-Ferkeln (frei von PRRS, Rhinithis, APP 1–12, APP, Läuse, Räude, Dysenterie) neu belegt worden. Mit diesen Tieren konnten bis Ende 2018  hohe MTZ von 960 g, bei 95,8 kg SG, einem MFA von 58,5 % und einem Futteraufwand von 2,82 kg/kg Zuwachs erzielt werden.

Wegen einer eingeschleppten Infektion mit dem APP Typ 2 Ende Dezember 2017  stiegen die Tierverluste in kurzer Zeit stark an, in den letzten 2 Einstallgruppen im Februar auf 4,6 und 5,1 % (s. Tab.1). Als Krankheitssymptome  traten auf: Fieber bis 41 °C, starker Husten und zunehmend Lungenverwürfe bis 30 %. Der Futteraufwand stieg auf mehr als 3,0 kg/kg Zuwachs. Es mussten verstärkt Tierbehandlungen (Einstall- und Einzeltierbehandlungen) durchgeführt werden, wodurch die Tierarzt- und Medikamentenkosten sowie der Arbeitsaufwand stiegen. Außerdem  verschlechterte sich das Tierwohl (kranke Lungen) und die Verbraucherbedürfnisse konnten nicht mehr eingehalten werden (erhöhter Antibiotikaeinsatz).

Daher entschloss man sich in Sausedlitz zu einer erneuten Repopulation des Bestandes

Ablauf der Repopulierung (nach Dr. Johannsen DTL DK)

  • Stopp der Neueinstallung von Läufern,
  • Stallweise Verkauf der Schlachtschweine wie bisher
  • Ställe einweichen, normale Stallreinigung mit Hochdruckspritze durch das Anlagenpersonal (incl. Reinigung der nach außen gehenden Lüftungskanäle)
  • Ablassen der Güllewannen (soweit wie möglich)
  • Restgülle und Spaltenboden mit Weißkalkhydrat desinfizieren

     

    • Streuen des Kalkes aus Säcken auf die Spaltenböden (ca. 2 kg/ Tpl., 64 Säcke Kalk/Stall für 650 Tpl.)
    • Danach einkehren in die Güllekanäle (Dauer ca. 180 min/Stall) Kalk verblieb 3 bis 14 Tage in den Güllekanälen.

     

  • Nach einigen Tagen Einwirkung Abspritzen des Rest-Kalkes vom Spaltenboden mit Hochdruckspritze
  • Abschlussdesinfektion der Buchten mit Ascarosteril     
  • Stallweise Wiederbelegung mit SPF-Läufern vom bisherigen Lieferanten  
  • (nach Leerstand der Anlage von 7 Tagen)
  • Anfangs erfolgten 2 Doppeleinstallungen im Abstand von 2 Tagen, um so schnell wie möglich in den normalen Einstallrhythmus zu kommen.

Die Sanierungsaufwendungen einschließlich entgangenem Deckungsbeitrag für die Zeit der nur teilweisen Belegung der Anlage betrugen 130.627 € (22 €/Mpl.). Zusätzlicher Lohn für die Sanierungsarbeiten wurde nicht angesetzt, weil dieser Aufwand bereits in dem entgangenen Gewinn verrechnet wurde. Seit dieser Zeit werden mit DK Durocferkel 1010 g MTZ bei einem Futteraufwand von 2,70 kg/kg Zuwachs erzielt. Der durchschnittliche Magerfleischanteil beträgt 58,6 %. Also Leistungen die sich sehen lassen können. Zur Verbesserung des Betriebsergebnisses tragen auch die geringeren Tierverluste von nur 1,7 % (Verendungen und Nottötungen) sowie die Verringerung der Kosten für Tierarzt und Medikamente auf <1 €/verkauftes MS bei. Durch die realisierte Leistungsverbesserung können die Sanierungskosten nach rund 1,6 Produktionsjahren ausgeglichen werden.

Gefüttert werden die Mastschweine alle über eine Flüssigfütterung mit Langtrog. Angemischt wird zentral im Futterhaus, und das Futter wird dann zum Teil über weite Strecken in alle Ställe verteilt. Die unterirdisch verlegten Futterleitungen treten dann erst unmittelbar vor dem Stall aus dem Boden aus. Nach jeder Fütterung werden die Leitungen mit Wasser gespült. Weitere Reinigungsmaßnahmen hat man in Sausedlitz seit 2014 bisher nicht vorgenommen.

Um überhaupt eine Genehmigung für die Umbauten im Jahr 2014 zu bekommen, mussten sich die Sausedlitzer zu einer N- und P-reduzierten Fütterung verpflichten. „Mit dieser nährstoffreduzierten Fütterung kommen wir aber seit Jahren gut zurecht, die guten Ergebnisse zeigen es ja“ erläutert Marlen Grünhagen, die sich hauptsächlich um die Fütterung der Mastschweine kümmert. Die Grundzüge der gefütterten Rationen werden von der Agrargesellschaft Leinetal vorgegeben. Gemischt wird dann im benachbarten Kraftfutterwerk SAL, wo ein Großteil des selbst erzeugten Getreides verwertet wird.

Schaut man sich die beiden Rationen an, entsprechen sie in etwa den Vorgaben der DLG für eine stark N- und P-reduzierte Fütterung. Entscheidend ist der Fakt, dass mit den beiden Futtersorten (Vormast und Endmast) über die Flüssigfütterung eine Multiphasenmast möglich ist. So wird nur die ersten 4–8 Tage nach der Einstallung der Ferkel das Vormastfutter allein gefüttert. Dann erfolgt ein teilweiser Austausch durch die Endmastmischung. 1–2 % der Vormastmischung werden dann an jedem Masttag mehr durch Endmastfutter ausgetauscht. So etwa ab dem 70. Masttag besteht dann die Ration nur noch aus Endmastfutter.

Schaut man sich die Futtermischungen an, sind sie in erster Linie getreidebasiert. Soja- und Rapsprodukte werden in etwa gleichen Teilen als Eiweißfutter eingesetzt. Die Erfahrungen mit den Rapsprodukten sind durchaus positiv. „Die Anteile der Eiweißfutter können in den Rationen auch schwanken. Wir machen keine Vorgaben für Raps- oder Sojaschrot. Sie werden so genommen, wie die Optimierung sie empfiehlt“ erklärt Konstanze Semrau vom Mischfutterwerk. Der Zusatz von Benzoesäure und Bioaktiv ist allerdings von den Leinetalern gewollt. Beide haben ähnliche Zielrichtungen. Grundsätzlich sind dies eine Verbesserung bzw. Stabilisierung der tierischen Leistungen und eine Verbesserung des Stallklimas. Während Benzoesäure durch eine physiologische Änderung der Stickstoffausscheidung wirkt, kommt das Bioaktivpulver eher aus Richtung der Naturheilkunde. Über eine Aktivierung der aeroben Bakterien in der Gülle soll ein natürlicher Rotteprozess einsetzen und weniger Ammoniak gebildet werden und ausgasen. Alle vier Maßnahmen (Lüftungsmanagement, N-reduzierte Fütterung, Benzoesäure, Bioaktiv) zur Reduzierung der Ammoniakgehalte scheinen in Sausedlitz zusammen zu spielen, da sich die Luftqualität in den Ställen sehr gut darstellt.

Die in Tabelle 2 auszugsweise dargestellte Futterkurve zeigt die gewünschte Multiphasenfütterung deutlich. Hinterlegt ist eine Wachstumskurve der Schweine, die auf Erfahrungswerten basiert. Dennoch sind nicht alle Buchten im Wachstum über einen Kamm zu scheren. „Nur durch die regelmäßige Kontrolle der Futtertröge und die daraus resultierende tägliche Anpassung der ausdosierten Futtermengen werden solch hohe Zunahmen ermöglicht“ erklärt dazu Marlen Grünhagen. Alle Buchten werden täglich bewertet und täglich an den Bedarf angepasst. Dazu dient ein großes Heft, in dem die zugegebenen oder abgezogenen Futtermengen akkurat dokumentiert werden. Die Übertragung in den Futterrechner ist dann nur noch eine Fleißaufgabe.

Obwohl die Schweine weder geschlechts- noch gewichtssortiert aufgestellt werden, gelingt es den Sausedlitzern doch recht gut einheitliche Partien zu vermarkten. Dazu werden 2–4 Vorausstallungen und eine Endausstallung durchgeführt. Nur wenn mal ein Lieferstopp die Sortierung durcheinander bringt, sind deutliche Verluste durch Übergewichte hinzunehmen. Grundsätzlich dienen die Aufzeichnungen der Futtermengen als gute Grundlage zur Vermarktung. Mit den Buchten, die die meisten zusätzlichen Futtermengen bekommen haben, wird begonnen.

FAZIT

Zusammenfassend lässt sich sagen, das A und O der Mastschweinehaltung stellen Gesundheitsstatus, Fütterung und Luftqualität dar. In Sausedlitz hat man nun schon über Jahre mit N- und P-reduzierten Futtermischungen sehr gute Erfahrungen gemacht und hervorragende Leistungen erzielt. Da ist es auch egal, ob Sojaschrot oder Rapsschrot die Eiweißergänzung darstellt. Entscheidend ist, dass durch gute Beobachtung der Futteraufnahme schnell reagiert werden kann, um die Futteraufnahmekapazität der Tiere auszunutzen.

Ob sich die N- u. P-Ausscheidungen durch noch weiter reduzierte Mischungen, die dann auch noch finanziell interessanter sind, stärker senken lassen, geben wir den Sausedlitzern als Hausaufgabe für die nächste Zeit mit auf den Weg.

DER DIREKTE DRAHT

Dr. Manfred Weber
Klein Schwechten
Tel.: 039388/28423
E-Mail: Manfred.H.Weber(at)gmx.de

Stand: November 2019