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Proteinreduzierte Broilermast - auch mit Erbsen und Rapsextraktionsschrot möglich (Teil I)
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In einem vorangegangenen Versuch konnten die o. g. Autoren (Weindl et al. 2016; siehe auch Beitrag für Proteinmarkt v. 14.3.18) nachweisen, dass RES-Anteile bis 15 % in Kombination mit Erbsenanteilen von bis zu 20 % in Alleinfuttermischungen ohne Leistungseinbußen auch bei schnellwachsenden Ross308-Broilern eingesetzt werden können.

Mit der vorliegenden Studie wurde der Ansatz einer weitergehenden Substitution von Sojaextraktionsschrot (SES) durch Rapsextraktionsschrot (RES) und/oder Erbsen bei gleichzeitiger Absenkung der Energie- und Rohproteinkonzentrationen in Verbindung mit der Supplementierung von freien Aminosäuren geprüft.

Dieser erste Teil des Beitrags befasst sich mit der ‚Einleitung‘ und ‚Vorgehensweise‘. Der zweite Teil beinhaltet die ‚Ergebnisse‘, Bewertung der Ergebnisse‘ und ‚Schlussfolgerungen‘.

        Folgende Fragestellungen sollten in der vorliegenden Studie geklärt werden:

        • Welche Anteile an Sojaextraktionsschrot (SES) können durch den Einsatz von Erbsen (weißblühende Sorte, 20 bzw. 30 %) in Kombination mit Rapsextraktionsschrot (RES, 15 bzw. 20 %) in Alleinfuttermischungen für die intensive Broilermast eingespart werden?
        • Lassen sich durch einen zusätzlichen Einsatz von nachrangig essenziellen Aminosäuren (Valin, Isoleucin, Arginin, Leucin) die Rohproteinkonzentrationen ohne Leistungseinbußen absenken?
        • Kann dadurch möglicherweise komplett oder zumindest überwiegend auf SES verzichtet werden?
        • Wie wirkt sich dieses Fütterungskonzept auf die Futteraufnahme sowie die Mast- und Schlachtleistungen von männlichen Ross308-Broilern aus?

        Vorgehensweise

        Zeitplan

        Der Fütterungsversuch wurde im Geflügelstall des Lehr- und Versuchsbetriebes der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf durchgeführt. Der Versuch gliederte sich in zwei nahezu identische, aufeinander folgende Versuchsdurchgänge (3-Phasen-Mast). Die Versuchsdauer war jeweils auf 35 Masttage angelegt. Am 36. Masttag erfolgte die Schlachtung und Zerlegung der für die Auswertung ausgewählten Tiere. Die einzelnen Mastabschnitte erstreckten sich über folgende Zeiträume:

              Starter-Phase (P1):                 1. bis 10. Masttag
              Mast-Phase (P2):                   10. bis 24. Masttag
              Endmast-Phase (P3):             24. bis 35. Masttag.

        Tabelle 1: Versuchsplanung, Mischungsanteile (%) an geschältem Sojaextraktionsschrot (HP-SES), Rapsextraktionsschrot (RES) und Erbsen im Alleinfutter von männlichen Broilern (Ross308)

        Futtermischungen

        In Summe wurden in den beiden Versuchsdurchgängen neun Fütterungsvarianten (vgl. Tab. 1) mit abgesenkten Energie- und Aminosäurenkonzentrationen auf Basis der Versorgungsempfehlungen von Aviagen (2014) für Ross308-Broiler (Tab. 2 und 3) durchgehend geprüft.

        Tabelle 2: Versorgungsempfehlungen für Ross308-Broiler mit einem Endmastgewicht von 1,70 bis 2,40 kg (Aviagen, 2014)

        Tabelle 3: Angepasste Versorgungsempfehlungen für energie- und proteinreduzierte Futtermischungen für Ross308-Broiler, nach Aviagen (2014)

        Dieses Vorgehen wurde u.a. bereits im vorangegangenen Versuch erfolgreich getestet (Weindl et al., 2016). Die Berechnung der Rationen hinsichtlich der Ausstattung mit essenziellen Aminosäuren erfolgte auf der Ebene der standardisierten ilealen Verdaulichkeiten (SID), wobei die Bedarfsempfehlungen von Aviagen (2014) und die Verdaulichkeitsquotienten der Rohstoffe von Evonik AminoDat 4.0 (2010) sowie ergänzend von Evonik (2015) abgeleitet wurden. Die Zusammensetzung der in den einzelnen Phasen eingesetzten Mischungen ist in den Tabellen 4 bis 6 dargestellt.

        Tabelle 4: Zusammensetzung der Alleinfuttermischungen (%) in der Starterphase des Fütterungsversuches mit männlichen Broilern (Ross308)

        Tabelle 5: Zusammensetzung der Alleinfuttermischungen (%) in der Mastphase des Fütterungsversuches mit männlichen Broilern (Ross308)

        Tabelle 6: Zusammensetzung der Alleinfuttermischungen (%) in der Endmastphase des Fütterungsversuches mit männlichen Broilern (Ross308)

        Neben den Prüffuttermitteln enthielten die Alleinfuttermischungen vor allem Mais und Weizen als energieliefernde Komponenten sowie - in Abhängigkeit der Prüfvarianten - Hochprotein-Sojaextraktionsschrot (HP-SES). Der energetische Ausgleich erfolgte über Rapsöl (konstanter Anteil über alle Mischungen einer Phase hinweg) sowie Kokosfett (variable Anteile in Abhängigkeit des Ergänzungsbedarfs). Das Kokosfett als variable Energiekomponente wurde gewählt, um die Fettkonsistenz und Haltbarkeit der Schlachtkörper nicht durch zu hohe Einsatzraten an mehrfach ungesättigten Fettsäuren in den Futtermischungen negativ zu beeinflussen.

        Als Kontrolle fungierten zwei Alleinfuttermischungen (K1 und K2), wobei K1 Rohproteinkonzentrationen im Bereich der aktuellen Empfehlungen (Aviagen, 2014) aufwies und lediglich mit L-Lysin-HCl, DL-Methionin und L-Threonin supplementiert wurde. Mittels der Variante K2 sollte der Effekt der Proteinabsenkung in Verbindung mit der zusätzlichen Supplementierung von L-Valin, L-Isoleucin und L-Arginin getestet werden. In den Fütterungsvarianten (3) und (4) wurde SES partiell gegen RES in Anteilen von 15 bzw. 20 % ersetzt; in Variante (5) und (6) gegen Erbsen in Anteilen von 20 bzw. 30 %. Variante (7) und (8) enthielten eine Kombination aus den beiden alternativen Eiweißfuttermitteln, jeweils in Höhe der niedrigeren oder der höheren Zulagestufe (15 % RES/20 % Erbsen oder 20 % RES/30 % Erbsen). Mittels der Alleinfuttermischungen der Variante (8) wäre eine sojaschrotfreie Mast ab Phase 3 möglich. Die Varianten (9a) und (9b) unterscheiden sich hinsichtlich der Einsatzraten von Erbsen (30 %) und RES (20 %) nicht von der Variante (8), jedoch bezüglich der zugesetzten freien Aminosäuren, die in diesen Varianten entsprechend höher ausfallen, um die reduzierte Aminosäurenkonzentration durch das Weglassen des SES ab Phase 2 bei Variante (9a) bzw. ab Versuchsstart bei Variante (9b) ausgleichen zu können. Die Varianten (7), (8), (9a) und (9b) wiesen zudem ein rechnerisches Defizit an L-Leucin auf, wodurch in den genannten Mischungen auch L-Leucin supplementiert wurde.

        Die Anteile an Erbsen und RES wurden in den Startermischungen gegenüber der Mast- und Endmastmischungen in allen Varianten halbiert, um den Anteil an antinutritiven Inhaltsstoffen, insbesondere der Glucosinolate im RES, für die sehr jungen Tiere möglichst gering zu halten.

        Haltung

        Alle Alleinfuttermischungen wurden in pelletierter Form mittels Rundtrog-Futterautomaten ad libitum verfüttert. Die Wasserversorgung wurde über Plasson-Tränken sichergestellt. Im 1. Durchgang (DG) wurden insgesamt 720 männliche Eintagsküken der genetischen Herkunft Ross308 (Aviagen Group, Huntsville, USA; Bezug über die Brüterei Süd in Regenstauf), verteilt auf 30 Haltungsboxen, eingestallt; im 2. Durchgang 648 Küken, verteilt auf 27 Haltungsboxen. Dies entspricht somit 24 Tieren je Box (á 6 m²). Die Streuung der Einzeltiergewichte innerhalb einer Box war nahezu identisch, da die Tiere vorab gewogen und entsprechend zugeteilt wurden. Die Versuchsvariante 9b, in der eine sojaschrotfreie Mast ab Einstallung überprüft werden sollte, wies am Ende der Phase 1 des 1. Durchgangs ein deutlich niedrigeres Durchschnittsgewicht auf als die Kontrollgruppen (gegenüber K1: - 29,1 %; K2:   - 33,1 %), weshalb diese Gruppe weder in Phase 2 und 3 des 1. Durchgangs noch im 2. Durchgang weiterverfolgt wurde.

        Die Beheizung des Stalles erfolgte über zwei thermostatgesteuerte Ölöfen und einen zusätzlich in jeder Box angebrachten Infrarot-Wärmestrahler (150 W). Die Boxen wurden vor Versuchsbeginn einheitlich mit 1.000 g Hobelspäne je m2 eingestreut. Bereits in der Brüterei erfolgte nach dem Schlupf eine Impfung gegen die Infektiöse Bronchitis (IB) sowie Kokzidiose mittels Spray-Verfahren (IB-Primer und Paracox5). Zudem wurden die Tiere innerhalb der ersten drei Lebenswochen nochmals gegen IB sowie gegen die Newcastle Disease (ND) und Gumboro über das Tränkewasser geimpft.

        Futtermittelanalytik

        Für den eingesetzten RES wurden die Glucosinolatgehalte nach VO (EG) 1864/90 im Labor der Fa. Intertek Food Services GmbH, Linden ermittelt. Weiter wurden mittels gängiger Analysemethoden (Vdlufa, 1976) sowohl die Rohstoffe als auch das Alleinfutter auf ihren Nährstoff- und Aminosäuregehalt untersucht. Die Rohnährstoffanalysen erfolgten im Labor des Forschungszentrums Weihenstephan für Brau- und Lebensmittelqualität (BLQ) der TU München. Die Aminosäurenkonzentrationen wurden im Futtermittellabor der Landwirtschaftlichen Kommunikations- und Servicegesellschaft mbH (LKS), Niederwiesa analysiert. Während für die Rohstoffe alle essentiellen Aminosäuren (mit Ausnahme von Tryptophan) ermittelt und in der Mischungskalkulation berücksichtigt wurden, erfolgte für die Futtermischungen aus Kostengründen lediglich eine Analyse auf Lysin, Methionin, Cystein und Threonin. Die Tryptophan-Gehalte in den verwendeten Rohstoffen wurden anhand der futtermittelspezifischen Regressionsgleichungen von Evonik (2010) geschätzt. Rein rechnerisch ergab sich für keine der eingesetzten Alleinfuttermischungen ein Defizit hinsichtlich Tryptophan. Für die Berechnung der Energiegehalte in den verwendeten Rohstoffen und im Mischfutter wurden die Schätzgleichungen nach WPSA (1984) und WPSA (1989) verwendet.

        Datenerhebung

        Die Erfassung der Gewichte und des Futterverbrauches der Tiere erfolgte nach jedem Phasenwechsel. Alle Tierverluste wurden dokumentiert. Das Gewicht, der Futterverbrauch und die Tierverluste dienten der Berechnung des Futteraufwands je kg Lebendmassezuwachs.

        Nach Abschluss der Endmastphase wurden aus jeder Box jeweils 2 Tiere (insgesamt 54 Tiere pro Durchgang), welche in ihrem Gewicht dem Mittelwert der Box am nächsten lagen, selektiert, nach tierschutzrechtlichen Vorgaben geschlachtet, gerupft, ausgenommen und am Folgetag in die Teilstücke Brustfleisch, Keulen, Flügel und Carcasse zerlegt.

        Statistik

        Die statistische Auswertung der erhobenen Daten (Einzeltierdaten bzw. Boxenmittelwerte) erfolgte anhand einer Varianzanalyse mit dem Statistikprogramm SAS 9.4 (2013) unter Anwendung der Prozedur GLM (General Linear Model). Als fixe Effekte gingen die „Fütterungsvariante“ und der „Durchgang“ in das Modell ein.

        DER DIREKTE DRAHT

        Dr. Petra Weindl
        Hochschule Weihenstephan-Triesdorf

        Email: petra.weindl(at)hswt(dot)de

         

        Peter Weindl
        Hochschule Weihenstephan-Triesdorf

        Email: peter.weindl(at)hswt(dot)de

         

        Prof. Dr. Gerhard Bellof
        Hochschule Weihenstephan-Triesdorf

        Email: gerhard.bellof (at)hswt(dot)de



        Stand: 9.2020