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Droht eine neue Dürre?
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Wetterprognosen zufolge droht in diesem Jahr wieder eine Dürre wie in 2018. Für die Bodenbearbeitung ist das trockene Wetter gerade günstig, so sorgen sich aber viele Bauern darum, dass es so bleibt. top agrar hat die aktuelle Faktenlage zusammengetragen.

Die Niederschläge im Winter haben den Grundwasserspiegel gut aufgefüllt. Nach zwei Dürrejahren in Folge schien im Ackerbau endlich wieder ein normales Jahr bevorzustehen. Doch nach dem anhaltend guten Wetter der letzten Wochen sind inzwischen die oberen Erdschichten ausgetrocknet. Bauern und Experten sind zunehmend in Sorge.

Dürrekarten verdeutlichen Ernst der Lage

Die oberen zehn Zentimeter Boden sind bereits trockengefallen, und bis in eine Tiefe von 1,80 Metern ist kaum Wasser vorhanden. Auf der Deutschland-Karte des Dürremonitors vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig sind viele Regionen nach wie vor dunkelrot eingefärbt, es herrscht weiterhin die höchste aller fünf Trockenstufen: Hier herrscht seit 2018 Dürre, und ein Ende ist nicht abzusehen.

Das sagen die Meteorologen

Die Meteorologen sind offiziell noch vorsichtig mit Warnungen, weil es für eine seriöse Vorhersage noch viel zu früh sei. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) sprach jedoch mit Fachleuten, und die sehen sich bei der derzeitigen Wetterlage fatalerweise an den Beginn der verheerenden Dürre im Jahr 2018 erinnert.

„Die Lage ist ähnlich wie vor zwei Jahren“, sagte Tobias Fuchs, der Leiter der Klimaabteilung beim Deutschen Wetterdienst der FAZ. Die Luft sei ähnlich trocken, ähnlich warm, die Einstrahlung ähnlich stark, die Böden ähnlich trocken. Und auch damals löste ein Hoch über Mitteleuropa das nächste ab und lenkte Tiefs am Kontinent vorbei, die Zeit der Dürre begann. Die Indizien seien da, aber noch könne niemand abschätzen, ob das auch so bleibe. Ob sich die Dürre also wiederholt, lässt sich nicht verlässlich vorhersagen.

Zum Problemmonat habe sich der ehemals launische April entwickelt. Der letzte zu nasse April liege zwölf Jahre zurück, jedes Jahr fehle im bundesweiten Schnitt mehr als ein Drittel des erwartbaren Monatsniederschlags, heißt es. Am härtesten trifft es Sachsen, dort fiel nur in einem der vergangenen 23 Jahre mehr Regen als üblich, und 2007 fiel der April besonders trocken aus. Da außerdem die Temperaturen stiegen und die Sonne inzwischen länger vom Himmel brennt, verdunstet überproportional viel Wasser, das die Pflanzen jedoch zu Beginn der Vegetationsperiode benötigen.

Droht Sommerkulturen der Umbruch?

Die frisch ausgebrachte Saat für die Sommerkulturen ist noch im Keimstadium, berichtet ein Landwirt dem Saarländischen Rundfunk. Sie hätten noch keine Wurzelbildung, mit der sie das Grundwasser nutzen könnten, und seien deshalb auf Niederschlagswasser angewiesen, so der Bauer aus Ensheim. Er hat Hafer und Gerste ausgebracht.

Im schlimmsten Fall kommt nur die Hälfte der Saat durch. Eventuell müssten er und seine Berufskollegen zusätzliches Futter für die Tiere kaufen, hohe Ausgaben kämen dann auf die Landwirte zu. Wenn es Ende der Woche regnen würde, dann sei alles im grünen Bereich, schilderte er dem Sender weiter. Sollte es dann im Juni eine längere Hitzewelle geben, sei allerdings auch wieder alles dahin. Im Grunde könne man erst eine Aussage treffen, wenn der Erntetermin da sei.

Zwiegespalten ist dagegen der Obst- und Gartenbauverein Merchweiler: Aktuell sei die Zeit der Obstblüte und da es trocken ist, würden auch die Bienen für die Bestäubung fliegen. Zudem gebe es durch die Trockenheit weniger Erkrankungen und weniger Pilzwachstum. Andererseits müssten die Betriebe schon jetzt reichlich bewässern. Das gehe ins Geld. „Wir stellen uns da auf eine größere Wasserrechnung ein in diesem Jahr. Das ist ein vierstelliger Betrag, der da locker reingeht“, sagte ein Gärtner dem SR.

Niedersachsens Beregnungsstandorte setzen auf mehr Roggen

„Ein stetiger Wechsel zwischen Regenschauern und wärmeren Tagen mit Sonnenschein sind für das Wachstum unserer Kulturpflanzen deutlich besser“, berichtete Thorsten Riggert dem Bauernverband aus Niedersachsen. Er bewirtschaftet einen Hof im Raum Uelzen, mit den Landkreisen Celle, Gifhorn und Lüneburg das Zentrum der Beregnungsstandorte.

Nach den Erfahrungen der vergangenen beiden Trockenjahre haben die Landwirte ihre Wasserrechte streng im Blick und schieben den Start der Beregnung möglichst weit nach hinten. Zusätzlich haben sie Konsequenzen für die Kulturartenauswahl gezogen und beispielsweise mehr Roggen angebaut, berichtet das Landvolk weiter. Er ist deutlich genügsamer als Winterweizen und kann Trockenphasen besser überstehen.

Auch in der Bodenbearbeitung für die noch laufende Frühjahrsbestellung reagieren die Landwirte auf die klimatischen Herausforderungen und verhindern durch eine rasche Aussaat oder Pflanzung nach der Bodenbearbeitung eine zu schnelle Abtrocknung der Felder. Die klimatischen Veränderungen sollten allerdings auch bei den Beregnungsrechten der Landwirte zum Tragen kommen, argumentiert Riggert. „Wir entziehen mit der Feldberegnung das Wasser nicht dem Wasserkreislauf, sondern führen es ihm auch wieder zu“, betont er. Daher wünscht er sich eine bessere Berücksichtigung der Landwirtschaft bei der Wasserverteilung zwischen verschiedenen Nutzern. Mit wassersparender Technik würden die Landwirte zusätzlich ihren Teil zu einem sorgsamen Umgang mit dem Faktor Wasser beitragen.

Einige Sorgen verursacht zurzeit auch der Wechsel zwischen relativ warmen Tagen und kühlen Nächten bis hin zu leichten Frostgraden. Die Wärme hat mittlerweile überall im Land den Raps zum Blühen gebracht, die nächtlichen Minusgrade allerdings bekommen den empfindlichen Blüten weniger gut. Der viel zu warme Winter hat die Frosttoleranz der Pflanzen zusätzlich geschmälert. Dafür befürchten die Landwirte, dass Schaderreger wie Rapsglanzkäfer oder Blattläuse den Winter unbeschadet überstanden haben. In großen Gelbschalen, die die Insekten anlocken, kontrollieren die Ackerbauern nun die Entwicklung der Schaderregerpopulationen und entscheiden sich zu Pflanzenschutznahmen erst, wenn bestimmte Schwellenwerte überschritten sind.

Weitere Informationen sowie die dazugehörigen Wetterkarten sind online verfügbar unter: https://www.topagrar.com/acker/news/droht-wieder-ein-duerrefruehling-12033659.html