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Vergleichender Einsatz von Körnerhirse und Körnermais in der Mast von Schweinen
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Einleitung

Global betrachtet ist Körnerhirse die fünftwichtigste Getreideart. Aufgrund ihrer hohen Toleranz gegenüber Trockenheit kann Körnerhirse (Sorghum bicolor) insbesondere bei langanhaltenden Trockenperioden, wie sie auch immer häufiger in Deutschland auftreten, punkten. Zudem zeichnet sie sich durch eine gute Standfestigkeit, eine hohe Stickstoffverträglichkeit sowie einen hohen Nährstoffgehalt bei stabiler Ertragslage aus. Körnerhirse kann für die Schweinefütterung sowohl eine Alternative für Weizen und Gerste in Trockenlagen, als auch für Körnermais bei Auftreten des Westlichen Maiswurzelbohrers darstellen. In vorliegender Untersuchung wurden hohe Anteile an Körnermais durch Körnerhirse in Rationen für Mastschweine ersetzt.

Ist Hirse als trockentolerantes Getreide in der Schweinemast eine Alternative?

Versuchsdurchführung

Der Fütterungsversuch wurde am Ausbildungs- und Versuchszentrum des Staatsguts Schwarzenau der Bayerischen Staatsgüter von Anfang September 2024 bis Januar 2025 durchgeführt. Dazu wurden 192 Absetzferkel der Rasse Pi x (DL x DE) nach Lebendmasse (LM), Abstammung und Geschlecht ausgewählt und gleichmäßig zwei Versuchsgruppen (Kontrolle mit Körnermais und Testgruppe mit Körnerhirse) zugeordnet.

Der Versuch gliederte sich in drei Fütterungsabschnitte (30-60 kg, 60-90 kg und 90-120 kg LM). Es wurden in den einzelnen Phasen Futtermischungen mit unterschiedlichen Rohprotein- und Aminosäuregehalten eingesetzt (s. Tabelle 1). Die Tiere wurden in 16 Buchten zu je 12 Tieren auf Betonspalten ohne Einstreu gehalten. Als Beschäftigungsmaterialien dienten Heu in Raufen und Luzernepressstangen.Rationen

Die Versuchsrationen (Tabelle 1) wurden mit dem Programm Zifo2 (Zielwert-Futteroptimierung) der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) berechnet, in der Versuchsmahl- und Mischanlage Schwarzenau hergestellt.

Tabelle 1: Zusammensetzung sowie kalkulierte Nährstoffgehalte der Rationen (Angaben pro kg bei 88 % TM)

Die Körnerhirse wies einen ME-Gehalt von 13,3 MJ, einen Rohproteingehalt von 102 g und einen Lysingehalt von 2,4 g pro kg bei 88 % TM auf. Die analysierten Gehalte stimmten gut mit den Angaben für Milokorn und Hirse in der Futterwerttabelle der LfL (LfL, 2024) überein. Eine größere Abweichung zeigte sich bei der Rohfaser mit 21 g gegenüber dem Tabellenwert von 46 g. Dies erklärt auch den gegenüber dem Tabellenwert um 0,4 MJ höheren Gehalt an ME. Der eingesetzte Körnermais wies gegenüber den Angaben in der LfL-Futterwerttabelle (LfL, 2024) niedrigere Gehalte an Rohprotein, Rohfett und Threonin auf.

Bei den Versuchsrationen stimmten die analysierten Gehalte bei der Mehrzahl der untersuchten Inhaltsstoffe im Rahmen ihrer ASR mit den vorab kalkulierten Werten überein, wenngleich die analysierten Werte in den Maisrationen eher im unteren Bereich der ASR lagen. Größere Differenzen zwischen kalkulierten und analysierten Gehalten gab es beim Valin im Mittelmastfutter der Maisgruppe und beim Kalzium im Anfangsmastfutter der Hirsegruppe.

Mastleistungen

In Tabelle 2 sind die täglichen Zunahmen, der Futterverbrauch, die kalkulierten Aufnahmen an ME sowie die daraus errechneten Futter- und Energieeffizienzzahlen dargestellt. Die täglichen Zunahmen bewegten sich im Mittel der Mast mit knapp 840 g in beiden Gruppen auf einem mittleren Niveau. Dies ist u.a. durch die verlängerte Mast begründet. Signifikante Unterschiede ergaben sich bei den täglichen Zunahmen in der Mittel- und Endmast. Während in der Mittelmast die Tiere der Hirsegruppe knapp 80 g niedrigere tägliche Zunahmen aufwiesen, war es in der Endmast umgekehrt. In dieser Phase hatten die Tiere der Hirsegruppe um rund 50 g höhere tägliche Zunahmen. Aufgrund der langen Mastdauer wurden zusätzlich die täglichen Zunahmen bis zum 1. Schlachttermin errechnet. Mit 843 bzw. 842 g waren diese in beiden Gruppen nahezu identisch.

Beim Futterverbrauch und Verbrauch an ME zeigten sich in allen Mastabschnitten und im Mittel der Mast keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen. Im Mittel der Mast wurden pro Tier und Tag 2,47 bzw. 2,49 kg Futter verbraucht und 35,7 bzw. 36,8 MJ rechnerisch an ME aufgenommen. Beim Futteraufwand und Aufwand an ME pro kg Zuwachs ergaben sich nur im 1. Mastabschnitt signifikante Unterschiede. In dieser Phase lag der Futter- bzw. ME-Aufwand pro kg Zuwachs in der Maisgruppe bei 2,59 kg bzw. 34,6 MJ und in der Hirsegruppe bei 2,32 kg bzw. 31,1 MJ. Im Mittel der Mast lagen die entsprechenden Zahlen bei 2,94 kg bzw. 42,6 MJ in der Mais- und bei 2,96 kg bzw. 43,8 MJ in der Hirsegruppe. In der Endmast ergaben sich durch die sehr lange Dauer dieses Fütterungsabschnitts von bis zu 9 Wochen und die damit verbundene zeitlich unterschiedliche Räumung der 16 Versuchsbuchten Verzerrungen bei der statistischen Auswertung mittels LS-Means. So fielen die Werte der LS-Means in dieser Phase deutlich höher aus als die der entsprechenden arithmetischen Mittelwerte. Insgesamt ergaben sich in der Endmast keine statistischen Unterschiede zwischen den Gruppen.

Auch in einem vorausgegangenen Versuch mit steigenden Hirseanteilen (40 % in der Anfangs- und 50 % in der Endmast) zeigten sich im Mittel der Mast gegenüber weizen- und gerstebetonten Rationen keine signifikanten Effekte auf Leistung, Futteraufnahme sowie Futtereffizienz (Preißinger et al., 2025). Es wurden Untersuchungen von Wetscherek-Seipelt und Wetscherek (2015) sowie Wetscherek (2023) bestätigt, die Hirse bis zu 40 % in die Ration aufnahmen. Aber auch die vollständige Substitution von Körnermais durch Körnerhirse ist laut Wetscherek (2023) möglich.

Tabelle 2: LM-Entwicklung, tägliche Zunahmen, Futter- und ME-Verbrauch sowie Futter- und ME-Effizienz in der Mast (LS-Means)

Schlachtkörperbeurteilung und Schlachterlöse

Die Beurteilung der Schlachtkörper geht aus Tabelle 3 hervor. Die Fütterung führte bei der Mehrzahl der untersuchten Merkmale zu keinen signifikanten Effekten. Mit 66,8 gegenüber 64,8 cm² war die Rückenmuskelfläche der Schlachtkörper in der Hirsegruppe signifikant höher.

Tabelle 3: Schlachtkörpermerkmale (LS-Means)

Der bezahlungsrelevante MFA war in beiden Gruppen mit 59 % für ein Schlachtgewicht von knapp 110 kg als passend einzustufen. Die SG lagen aufgrund der verlängerten Mast nur zu 61 % (Maisgruppe) bzw. 57 % (Hirsegruppe) im optimalen Bereich. Lediglich ein Tier der Maisgruppe hatte ein SG von unter 84 kg. Weniger als 57 % MFA hatten knapp 17 % der Tiere der Maisgruppe und knapp 14 % der Tiere der Hirsegruppe.

Die berechneten Auszahlungspreise pro kg SG waren in beiden Gruppen bei einem Grundpreis von 2,00 €/kg bei 57 % MFA (Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt 31/2025) mit 2,01 €/kg gleich hoch.

In der Schweinemast konnte Mais durch Hirse problemlos ausgetauscht werden. Die Leistungen der Futtergruppen unterschieden sich nicht.

Stickstoff- und Phosphorsaldierung

Durch die lange Mastdauer ergaben sich in beiden Gruppen sehr hohe Aufnahmen an N und P, was zu hohen Ausscheidungen führte. Signifikante Unterschiede zeigten sich beim P mit einer höheren Aufnahme (1435 vs. 1240 g) und somit auch einer höheren Ausscheidung (901 vs. 713 g) in der Hirsegruppe. Dies ist u.a. durch den höheren P-Gehalt der Hirse gegenüber dem des Maises bedingt. Hier kann mit einem Mineralfutter mit angepassten P-Gehalten gegengesteuert werden.

Tabelle 4: Stickstoff- und Phosphorsaldierung pro Tier (LS-Means)

FAZIT

In vorliegender Studie konnte gezeigt werden, dass höhere Anteile von Körnermais durch Körnerhirse in Rationen für Mastschweine ohne nachteilige Effekte auf die Leistung und die Schlachtkörpermerkmale ersetzt werden können. Dies bestätigent frühere Ergebnisse von Wetscherek und Wetscherek-Seipelt (2015) sowie Wetscherek (2023). Anders als in einer vorausgegangenen Untersuchung, in der Gerste- und Weizen gegen Körnerhirse ersetzt wurden (Preißinger et al., 2025), zeigten sich bei Anteilen von 50 % Körnerhirse in der Endmast keine nachteiligen Effekte. Höhere Anteile an Körnerhirse führten auch zu keinen negativen Effekten auf die bezahlungsrelevanten Schlachtkörpermerkmale. Laut dem in Österreich durchgeführten EIP-Projekt „Innobrotics“ (Innobrotics Broschüre für Praktiker) ist der Einsatz von Körnerhirse als alleinige Getreidekomponente möglich. Um dies zu bestätigen, sollten weitere Versuche mit Körnerhirse unter N- und P-angepassten Fütterungsbedingungen durchgeführt werden.

DER DIREKTE DRAHT

Dr. Wolfgang Preißinger
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Tierernährung und Futterwirtschaft
Dienstort Schwarzenau
D-97359 Schwarzach a. Main
Stadtschwarzacher Str. 18
E-mail: Wolfgang.Preissinger[at]LfL.bayern.de