Zur Navigation springen Zum Inhalt springen
proteinmarkt.de - Infoportal für Fütterungsberater und Landwirte
Umsetzung der neuen Fütterungsempfehlungen für Milchkühe und deren Auswirkungen auf die Ökonomie
-

Ändern sich die Futterkosten durch die Einführung der GfE2023-Empfehlungen?

Mit Einführung der neuen GfE2023 Empfehlungen zur Rationsberechnung und -optimierung für Milchkühe verändern sich nicht nur die zu bilanzierenden Kennzahlen wie die Futterenergie (früher NEL, heute ME) und Protein (früher nXP, heute sidP). Durch die Umstellung der energetischen Bewertung werden höher verdauliche im Vergleich zu weniger verdaulichen Futtermitteln begünstigt. Daher könnte es möglich sein, dass sich die Zusammensetzung der TMR mit der Vorzüglichkeit der einzelnen Futtermittel verändert und dies zu einer Veränderung in den Futterkosten führt. In diesem Beitrag sollen erste Vergleiche der Rationsberechnungen nach GfE2001 und GfE2023 vorgestellt und ökonomisch bewertet werden.

Thesen

1. Die Umstellung der energetischen Futterbewertung von NEL/ME2001 auf ME2023 führt zu einer Aufwertung der höher verdaulichen Futtermittel, insbesondere bei den Grobfuttermitteln, wogegen weniger verdauliche Komponenten tendenziell abgewertet werden (Tabelle 1).

Tabelle 1: Veränderung der energetischen Bewertung von Futtermitteln nach GfE2001 und GfE2023 in MJ ME/kg TM

2. Wenn die Grobfuttermittel energetisch besser sind, als sie in der Vergangenheit dargestellt wurden, ist es durchaus denkbar, dass mit den neuen Empfehlungen zur Rationsoptimierung insbesondere qualitativ hochwertige Grassilagen umfangreicher eingesetzt werden und der Kraftfutteranteil ggf. reduziert wird. Jedoch sind die Produktionskosten der Grobfuttermittel nicht zu unterschätzen, so dass der Fokus auch darauf zu richten ist, Futterrationen nicht nur nach Protein, Energie, TM-Aufnahme etc. zu optimieren, sondern auch entsprechend der aktuellen Futtermittelpreise.

3. Nach den neuen GfE – Empfehlungen ist der Energiebedarf für die Erhaltung bei laktierenden Kühen mit 0,64 vs. 0,49 MJ ME/kg0,75 KM erheblich höher und der für die Milchbildung deutlich geringer als nach GfE2001 (4,8 vs. 5,5 MJ ME/kg ECM). Dies führt zu tendenziell geringeren Gesamtenergieaufwendungen bei steigendem Leistungsniveau, trotz der gleichzeitig bei GfE2023 berücksichtigten Verringerung der Verdaulichkeit der organischen Masse (OMD) bei steigender Futteraufnahme (FAN).

4. Die Fütterung nach den neuen Versorgungsempfehlungen (sidP) führt zur "Einsparung" von ("höherwertigem") Futterprotein gegenüber GfE2001 (nXP).

5. Grasbetonte Rationen führen im oberen Leistungsbereich zu einer besseren Ausbilanzierung der Ruminalen Mikrobiellen Differenz (RMD, ausgeglichen bei 0 bis ca. -1,8 g N/kg TM).

Die neue energetische Futterbewertung bewirkt eine Aufwertung hoch verdaulicher Grobfuttermittel, wodurch Konzentratmengen in Rationen reduziert werden könnten.

Datengrundlage zum Vergleich GfE2001 mit GfE2023

Um die Auswirkungen differenzierter Gras- und Maissilage-Qualitäten (im Sinne der enthaltenen Nährstoffe) darstellen zu können, wurden je Grobfuttermittel Futtermittelatteste zweier unterschiedlicher Silagen nach alter und neuer Berechnung von der LKS mbH Lichtenwalde bereitgestellt. Charakteristisch für die sehr gute Grassilage sind ein hoher Zuckergehalt, niedriger Rohasche- und ein mäßiger Rohprotein- bzw. sidP-Gehalt (Tabelle 2). Die energetische Bewertung dieser Silage ist nach dem neuen System um 1 MJ ME je kg TM höher (vgl. Tabelle 3) und geht mit 10,9 (2001) bzw. 11,9 MJ ME (2023) je kg TM in die Rationsberechnung ein.

Auch die zweite Grassilage ist von der Gärqualität sehr gut, weist aber geringere TM-Gehalte und hohe Rohasche-, Faser- und Rohproteingehalte auf. Die Differenz im Energiegehalt zwischen GfE2001 und GfE2023 betrug bei dieser Silage nur 0,4 MJ ME/kg TM zugunsten der Bewertung nach GfE2023. Die Maissilagen unterscheiden sich insbesondere in der Trockenmasse- und der Stärkekonzentration. Die Differenz in der Energiekonzentration zwischen alter und neuer Empfehlung ist mit 0,4 bzw. 0,5 MJ ME je kg TM zugunsten der Bewertung nach GfE2023 nicht so groß wie bei den Grassilagen.

Tabelle 2: Futterwert der Silagen nach GfE2001 (Quelle: W. Richard, LKS mbH, 2026)

Tabelle 3: Futterwert der Silagen nach GfE2023 (Quelle: W. Richard, LKS mbH, 2026)

Die Futtermittelpreise

Die Preise für Konzentrate, Mineralstoffe und Saftfutter wurden bei Futtermittelhändlern bzw. Landwirtschaftsbetrieben (Kontrakte) abgefragt. Zuschläge für das Schroten, Mahlen und evtl. in den Silo-Schlauch Pressen von Trebern, Weißer Lupine oder Roggen wurden aus Berechnungen der BZA-Milch (LFA MV, 2025) abgeleitet (Tabelle 4). Die betrieblichen Aufwendungen für die Anwelk-und Maissilageproduktion wurden ebenfalls der BZA-Milch entnommen. Im fünfjährigen Mittel (Ernten 2020-2024) kostete die Anwelksilage 20,82 € je dt TM und die Maissilagen 13,34 € je dt TM. Hierbei handelt es sich um das kalkulatorische Betriebszweigergebnis. Betriebsprämien sind nicht enthalten, Prämien für extensive Bewirtschaftung hingegen schon. Hinzu kommen Opportunitätskosten für den Silomais in Höhe von 3,49 € je dt, da der entgangene Deckungsbeitrag aus der fünfjährigen Fruchtfolge in Ansatz gebracht werden muss (Abbildung A1 und Tabelle A1).

Tabelle 4: Preise/Kosten der eingesetzten Futtermittel

Vorgehensweise und Methodik

Folgende Rationen wurden entsprechend den Vorgaben aus den DLG-Informationen 1/2023 sowie 1/2025 „Rationsoptimierung und Fütterungskontrolle bei Milchkühen“ (DLG, 2023, 2025) miteinander verglichen:

  1. 1. Laktationsdrittel, 700 kg LM, sehr hohe Nährstoffgehalte (+++) und Verdaulichkeiten der Silagen, eher maissilagebetont für
    • 42 kg Milch je Kuh, Tag
    • 47 kg Milch je Kuh, Tag          
    • 52 kg Milch je Kuh, Tag       
  2. 1. Laktationsdrittel, 700 kg LM, geringere Nährstoffgehalte der Silagen (+), eher maissilagebetont für
    • 42 kg Milch je Kuh, Tag
    • 47 kg Milch je Kuh, Tag
  3. 1. Laktationsdrittel, 700 kg LM, sehr hohe Nährstoffgehalte und Verdaulichkeiten der Silagen, eher grassilagebetont für
    • 52 kg Milch je Kuh, Tag

Grundsätzlich mussten alle Rationen so berechnet werden, dass sie:

  • das Verzehrsvermögen (TM-Aufnahme) der Kühe nicht übersteigen,
  • wiederkäuergerecht sind, mit möglichst hohen Grobfutteranteilen,
  • energetisch und proteinseitig (nXP nach GfE2001 und sidP nach GfE2023) ausbilanziert sind
  • die Orientierungswerte für maximale Gehalte an unbeständiger Stärke und Zucker einhalten
  • die notwendige Mineralstoffversorgung sichern.

Die derzeit hohen Preise für Konzentrate untermauern auch den wirtschaftlichen Druck, vorhandene Grundfutterressourcen bestmöglich zu nutzen.

Ergebnisse

Kosteneinsparungseffekte in der Fütterung von Milchkühen sind grundsätzlich erkennbar, hängen jedoch stark von den eingesetzten Futtermitteln ab. Besonders deutlich werden diese Einsparungen in Zusammenhang mit niedrigeren Proteingehalten der Rationen. Vor allem bei Silagen mit geringerer Qualität (+) ist das Potenzial zur Kostenreduktion am größten (Abbildung 1), weil teures Protein-Konzentratfutter auf Grund der besseren Silagebewertung eingespart bzw. gegen günstigere Konzentrate ausgetauscht werden kann. Dieser Effekt ist auch erkennbar bei einer grassilagebetonten Ration im sehr hohen Leistungsbereich mit entsprechend hohen Silagequalitäten (52+++ Gras).

Abbildung 1: Kostensenkungspotential GfE2023 vs. GfE2001 (Ct je kg Milch)

Mit steigender Milchleistung der Tiere nimmt dieses Einsparpotenzial jedoch ab. In Hochleistungsherden kann es sogar dazu kommen, dass die Futterkosten leicht ansteigen, da höhere Leistungen eine präzisere und oft auch aufwendigere Nährstoffversorgung erfordern.

Unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Abbaugeschwindigkeiten der Futterkomponenten lassen sich grassilagebetonte Rationen gemäß den aktuellen Empfehlungen (GfE2023) dennoch gezielt und effizient optimieren. Insbesondere bei sehr hochwertigen Grassilagen besteht die Möglichkeit, den Einsatz von Konzentratfutter zu reduzieren. Dies kann zur Senkung der Kraftfutterkosten beitragen und sich positiv auf die Liquidität des Betriebs auswirken.

Die derzeit hohen Preise für Konzentrate, Saftfutter und Zusatzstoffe verstärken diese Effekte zusätzlich und erhöhen den wirtschaftlichen Druck, vorhandene Grundfutterressourcen bestmöglich zu nutzen.

Vor diesem Hintergrund gewinnen Maßnahmen im Grünlandmanagement an Bedeutung. Investitionen wie Kalkung oder Nachsaaten können sich bereits durch gesteigerte Erträge und eine verbesserte Futterqualität wirtschaftlich auszahlen und leisten somit einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Kostenoptimierung in der Milchproduktion

Die Fütterung nach den neuen Versorgungsempfehlungen könnte zur "Einsparung" von ("höherwertigem") Futterprotein führen.

DER DIREKTE DRAHT

Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern (LFA)
Institut für Pflanzenproduktion und Betriebswirtschaft/Sachgebiet Agrarökonomie
Jana Harms
Dorfplatz 1/OT Gülzow
18276 Gülzow-Prüzen

Tel.: 0385 / 588 60253
E-Mail: j.harms[at]lfa.mvnet.de

 

Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft e.V.
Dr. Bernd Losand
Klein Freienholz 10
18190 Sanitz

Tel.:  +49 171 3863543
E-Mail: Belo57@gmail.com

Anlagen

Tabelle A1: Entgangener Deckungsbeitrag der Marktfruchtfolgen von 2020-2024 von Referenzbetrieben der LFA

Abbildung A 1: Prozentualer Anteil der Marktfrüchte am entgangenen Deckungsbeitrag

Tabelle A2: Ration und Rationsparameter 1. Laktationsdrittel 42 kg Milch/Kuh, Tag, sehr gute Silagen, maissilagebetont

Tabelle A3: Ration und Rationsparameter 1. Laktationsdrittel 47 kg Milch/Kuh, Tag, sehr gute Silagen, maissilagebetont

Tabelle A4: Ration und Rationsparameter 1. Laktationsdrittel 52 kg Milch/Kuh, Tag, sehr gute Silagen, maissilagebetont

Tabelle A5: Ration und Rationsparameter 1. Laktationsdrittel 42 kg Milch/Kuh, Tag, gute Silagen, maissilagebetont

Tabelle A6: Ration und Rationsparameter 1. Laktationsdrittel 47 kg Milch/Kuh, Tag, gute Silagen, maissilagebetont

Tabelle A7: Ration und Rationsparameter 1. Laktationsdrittel 52 kg Milch/Kuh, Tag, sehr gute Silagen, grassilagebetont