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Trockensteherfütterung – einphasig oder zweiphasig?
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Die Gestaltung der Trockensteherfütterung hat einen entscheidenden Einfluss auf Stoffwechselstabilität, Futteraufnahme und einen erfolgreichen Start in die Laktation. Während in vielen Milchviehbetrieben zweiphasige Konzepte mit einer energieärmeren Frühtrockensteher- und einer Vorberreiterration etabliert sind, setzen insbesondere kleinere Betriebe aus arbeitswirtschaftlichen Gründen häufig auf einphasige Systeme. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob eine gezielte energetische Aufwertung der Ration in den letzten Wochen vor der Kalbung tatsächlich Vorteile hinsichtlich Futteraufnahme, Energiebilanz und Tiergesundheit bringt.

Ziele der Trockensteherfütterung (ca. sechs bis acht Wochen vor der Kalbung) sind neben der Sicherung der Stoffwechselstabilität und Milchfieberprophylaxe der Erhalt einer stabilen Pansenfermentation und die Stärkung des Immunsystems, um die Folgelaktation optimal zu starten. Eine zweiphasige Trockensteherfütterung ermöglicht eine bedarfsgerechte Versorgung sowohl der Frühtrockensteher (Vermeidung von Überversorgung) als auch der Kühe und Färsen in der Vorbereitung (3-0 Wochen a. p.) da der Energie- und Proteinbedarf zum Kalbetermin steigen. Die Herausforderung, in der Praxis homogene Rationen in der Vorbereiterphase zu mischen, liegt dann vor allem bei kleineren Betrieben oder in Monaten mit weniger Abkalbungen, wodurch unterschiedliche Strategien (einphasig statt zweiphasig) begründet sind.

In einer Trockensteher-Fütterungsuntersuchung in 2016 hat sich die Reduktion der Energiekonzentration von den zu dem Zeitpunkt empfohlenen 6,5 MJ NEL/kg TM auf 6,2 MJ NEL/kg TM positiv auf den Stoffwechsel mit geringeren Beta-Hydroxybutyrat (BHB) -Werten (Ketosen) und verminderten Entzündungsreaktionen nach der Kalbung ausgewirkt. Dagegen spricht die Vorbereitung des Pansens in Form von verstärktem Zottenwachstum des Pansenepithels für eine höhere Absorptionskapazität durch allmählich ansteigende Konzentratmengen in der Vorbereiterration.

Darauf aufbauend wurde am ZTT Iden 2025 untersucht, ob ein weiteres Absenken der Energiekonzentration positive Effekte bringt und wie sich dabei eine einphasige im Vergleich zu einer zweiphasigen Trockensteherfütterung auf Futteraufnahme, Energieversorgung, Körpermasseentwicklung und Leistungsparameter auswirkt.

Untersuchungsskizze und Fütterung

Insgesamt wurden 123 Deutsch Holstein-Kühe, die im Zeitraum von Juni bis Oktober 2025 abgekalbt haben, in die Untersuchung einbezogen. Es wurden zwei Trockensteher-Fütterungsgruppen gebildet:

  • Einphasig: 61 Tiere
  • Zweiphasig: 62 Tiere

Während der Frühtrockenstehphase erhielten beide Gruppen dieselbe Ration. Etwa drei Wochen vor dem errechneten Kalbetermin wurde die zweite Gruppe auf eine energiereichere Vorbereiterration umgestellt. Im Mittel waren die Kühe drei Wochen in der Vorbereitergruppe.

Die Trockenmasseaufnahme wurde tierindividuell über Futterwiegetröge erfasst. Zusätzlich wurden Körpermasse, Body Condition Score (BCS), Kolostrummenge und -qualität sowie die Milchleistung dokumentiert und Energiebilanzen berechnet.

Die Anteile der Rationskomponenten für die Gesamtmischration der jeweiligen Fütterungsgruppe sind in Tabelle 1 aufgezeigt.

Tabelle 1: Beschreibung der ante partum gefütterten Vorbereiterrationen.

Rationsbewertung nach GfE, 2023

Als Orientierungswerte für die Trockensteherfütterung nach DLG, 2025 sind für die einphasige Fütterung 9,2 bis 10,2 MJ ME je kg Trockenmasse (TM) und mindestens 92 g sidP je kg TM empfohlen. Für die zweiphasige Vorbereiterration ist seitens Energie ein Bereich von 9,7 bis 10,4 MJ ME je kg TM bei mindestens 95 g sidP je kg TM beschrieben. Wie in Tabelle 2 dargestellt, liegen die Konzentrationen sowohl für die einphasige, als auch für die zweiphasige Ration eher im unteren Bereich der Empfehlungen. Durch deutlich höhere realisierte Futteraufnahmen als der Orientierungswert (>13 kg Trockenmasseaufnahme) war eine Bedarfsdeckung in beiden Fütterungsgruppen jederzeit gegeben.

Tabelle 2: Ausgewählte Energie- und Nährstoffkonzentrationen der ante und post partum gefütterten Rationen

Nach der Kalbung erhielten alle Kühe eine identische Ration für Hochleistungstiere. Während der Frühtrockenstehzeit, als alle Tiere mit der einphasigen Ration gefüttert wurden, lagen die TM-Aufnahmen der Tiere auf einem identischen hohen Niveau von über 16 kg je Tier und Tag. Das Futteraufnahmeniveau (FAN) lag bei 2,2. Bei den Vorbereitern unterschieden sich die TM-Aufnahmen zwischen der einphasigen und zweiphasigen Fütterungsgruppe. Im Mittel lag die TM-Aufnahme der zweiphasig gefütterten Tiere bis zur Kalbung 1,5 kg über der TM-Aufnahme der einphasig versorgten Tiere (Vorbereiter-FAN einphasig: 1,9; zweiphasig: 2,2). Dieser Unterschied setzte sich zu Beginn der Folgelaktation fort und glich sich bis zur fünften Laktationswoche an (Abbildung 1). Die kalkulierte Energiebilanz in der Folgelaktation war bei der einphasigen Fütterungsgruppe bis zur dritten Laktationswoche stärker negativ (-49 MJ ME) als bei der zweiphasigen Fütterungsgruppe (-36 MJ ME). Die Energiebilanz der Tiere war in beiden Fütterungsgruppen zwischen der neunten und zehnten Laktationswoche ausgeglichen.

Abbildung 1: Trockenmasseaufnahmen der Fütterungsgruppen vor und nach der Kalbung. Keine Messung in Laktationswoche 1 (Werte interpoliert).

Die Milchmengen unterschieden sich lediglich in der ersten Laktationswoche, in der die Tiere mit der zweiphasigen Ration 1,7 kg mehr Milch hatten.

Körpermassen der Tiere nicht unterschätzen

Zu definierten Zeitpunkten wurden die Kühe gewogen und innerhalb der Fütterungsgruppen verglichen. Zwischen den Gruppen lag kein Unterschied vor. Auffällig sind jedoch die hohen Körpermassen, die zum Trockenstellen und bei Umstallung in die Vorbereitergruppe im Mittel deutlich über dem Orientierungswert (Frühtrockensteher: 760 kg; Vorbereiter: 790 kg) lagen (siehe Tabelle 3). Der Energiebedarf steigt mit zunehmender Körpermasse an, was in der Rationskalkulation und -bewertung berücksichtigt werden sollte.

Tabelle 3: Entwicklung der Körpermassen im Verlauf der Fütterungsuntersuchung zwischen den Fütterungsgruppen (MW ± SD).

Geburtsgewichte der Kälber und Kolostrumqualität

Die Geburtsgewichte der Kälber unterschieden sich in der vorliegenden Untersuchung nicht. Vorstellbar wäre ein höheres Geburtsgewicht der Kälber aus der zweiphasig gefütterten Gruppe aufgrund der höheren Energieversorgung gewesen, da die fetale Zunahme hauptsächlich in den letzten beiden Trächtigkeitsmonaten stattfindet. Dem entgegen waren in einer Studie der LFA Mecklenburg-Vorpommern die Kälber von einphasig gefütterten Trockenstehern 3,5 kg schwerer bei der Geburt im Vergleich zu zweiphasig versorgten Tieren. Im Mittel lag das Geburtsgewicht bei 45 kg in beiden Gruppen. Die Anzahl weiblicher Kälber (einphasig: 30, zweiphasig: 28) war ausgeglichen zwischen den Gruppen. Die Messung des Brix-Wertes zur Bestimmung der Kolostrumqualität ergab im Mittel 27 % (einphasig) und 26 % (zweiphasig). Die einphasig versorgten Tiere konnten häufiger (86 %) einen Brix-Wert über 23 % erreichen. Bei den Tieren, die die zweiphasige Ration erhielten, waren es 69 %. Angestrebt ist ein Brix-Wert >23 %, dieser deutet auf eine hohe Konzentration von Immunglobulinen hin, die für die Immunisierung neugeborener Kälber entscheidend ist.

FAZIT

Die energetische Aufwertung der einphasigen Ration bei den Vorbereitern führte dazu, dass die Tiere mehr Futter aufnahmen. Dieser Unterschied blieb auch nach der Kalbung bestehen. Bei Leistung und Körpermasse- sowie Konditionsentwicklung der Tiere konnten jedoch keine Unterschiede zwischen den Gruppen festgestellt werden. Besonders bei hoher Trockenmasseaufnahme sollten die Energiekonzentrationen der Vorbereitungsration eher im unteren empfohlenen Bereich liegen (9,5 bis 9,7 MJ ME/kg TM).

DER DIREKTE DRAHT

Dr. Marleen Sültmann
Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau (LLG) Iden,
Dezernat Milchviehhaltung und -zucht

 marleen.sueltmann[at]llg.sachsen-anhalt.de