Zur Navigation springen Zum Inhalt springen
proteinmarkt.de - Infoportal für Fütterungsberater und Landwirte
Test eines Ergänzungsfutters mit Eipulver in der Ferkelaufzucht
-

Für eine erfolgreiche Ferkelaufzucht steht eine alters- und bedürfnisgerechte Rationsgestaltung mit Deckung des Energie- und Nährstoffbedarfs sowie die Vermeidung von Infektionen, insbesondere Durchfall im Vordergrund. Dabei muss der Übergang zwischen Säugen und Aufzucht gut gelingen. Aktuell wird in dieser kritischen Phase u.a. auch der Einsatz von Eipulver diskutiert. Eipulver ist reich an Immunoglobulinen und stärkt somit die Vitalität. Als Paste wird der Einsatz bereits bei neugeborenen Ferkeln beworben. Für das Absetzfutter wird der Einsatz von Eipulver bereits bei der Rezeptur entsprechender Ergänzungsfuttermittel berücksichtigt.

In vorliegender Untersuchung wurde deshalb ein derartiges Ergänzungsfutter mit Eipulver mit einer konventionellen Aufzuchtstrategie ohne Eipulverzusatz verglichen.

In Schwarzenau wurde der Einsatz von Eipulver in der Absetzphase getestet

Versuchsdurchführung


Die Fütterungsstudien mit Eipulver wurden in zwei Durchgängen am Ausbildungs- und Versuchszentrum des Staatsguts Schwarzenau der Bayerischen Staatsgüter durchgeführt. Dazu wurden jeweils 192 schwanzkupierte Ferkel der Rasse Pi x (DL x DE) nach Körpermasse (KM), Abstammung und Geschlecht ausgewählt und gleichmäßig auf folgende Gruppen aufgeteilt.

  • „Kontrolle“: Rationen mit einem hochwertigen Ergänzungsfutter (Einsatzrate 50 %)
  • „Eipulver“: Rationen mit einem Ergänzungsfutter mit Eipulveranteil (Einsatzrate 30 %)

In beiden Durchgängen wurden in den ersten beiden Wochen nach dem Absetzen die unterschiedlichen Ergänzungsfuttermittel (Standard vs. Eipulver) eingesetzt. In den Fütterungsabschnitten 2 und 3 erhielten die Tiere beider Gruppen einheitliche Ferkelaufzuchtfutter (FAF).

In Durchgang 2 wurde in der Eipulvergruppe in der ersten Woche des 2. Fütterungsabschnitts das Futter mit dem Futter von Fütterungsabschnitt 1 verschnitten (vgl. Tabelle 1).

Tabelle 1: Fütterungsschemata beider Durchgänge

Die Ferkel wurden jeweils in 16 Buchten zu je 12 Tieren auf Kunststoffspalten ohne Einstreu gehalten.

Die Futtermischungen wurden mit dem Programm Zifo2 (Zielwert-Futter-Optimierung) der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) berechnet, in der Versuchsmahl- und Mischanlage Schwarzenau hergestellt und im Labor der Abteilung Laboranalytik (AL) der LfL in Grub nach Methoden des VDLUFA (2012) analysiert.

Rationen und eingesetzte Futtermittel

In beiden Durchgängen basierten die FAF der Fütterungsabschnitte 2 und 3 auf Getreide, Sojaextraktionsschrot (SES), Mineralfutter, Sojaöl und Fumarsäure (siehe Tabelle 2).

Das Ergänzungsfutter der Kontrollgruppe wurde mit 50 und das Ergänzungsfutter der Eipulvergruppe mit 30 % eingesetzt.

Tabelle 2: Zusammensetzung und mit Zifo 2 kalkulierte Nährstoffgehalte der Versuchsrationen beider Durchgänge (Angaben pro kg bei 88 % TM)

Ergebnisse

Futteranalysen

Durchgang 1

Die analysierten Gehalte an Rohfaser, Rohprotein, Lysin, Cystin, Tryptophan und Phosphor stimmten im Rahmen ihrer ASR gut mit den vorab kalkulierten Werten überein. Im FAF 1 der Kontrolle lagen der Rohproteingehalt und die Gehalte am Methionin und Cystin nur knapp außerhalb der jeweiligen ASR. Im FAF 1 der Eipulvergruppe lagen der Cystin- und Tryptophangehalt außerhalb der ASR. Die Kalziumgehalte lagen außer beim FAF 1 (Kontrolle) höher und außerhalb des ASR. Beim Phosphor wurde nur im FAF 2 ein höherer und außerhalb des ASR liegender Gehalt festgestellt.

Durchgang 2

In Durchgang 2 stimmten die analysierten Gehalte an Rohfaser, Aminosäuren und Phosphor im Rahmen ihrer ASR gut mit den vorab kalkulierten Werten überein bzw. lagen z.T. nur knapp außerhalb.

Beim FAF 2, das in der Kontrollgruppe durchgängig und in der Testgruppe nur in der 2. Hälfte des Fütterungsabschnitts 2 eingesetzt wurde, lagen die analysierten Gehalte der Aminosäuren eher im unteren Bereich ihrer ASR. Knapp außerhalb lag nur der Gehalt an Valin.

Die analysierten Rohproteingehalte lagen meist deutlich niedriger als die kalkulierten Werte und außerhalb ihres ASR. Beim Kalzium war im FAF 1 der Kontrollgruppe und im FAF 3 eine deutliche Differenz zwischen kalkulierten und analysierten Werten zu erkennen, ansonsten stimmten die analysierten Kalziumgehalte im Rahmen ihrer ASR gut mit den vorab kalkulierten Werten überein bzw. lagen ebenfalls nur knapp außerhalb.

Alle Analysenergebnisse sind beim Verfasser erhältlich

Behandlungsmaßnahmen und Tierausfälle

In Durchgang 1 wurden drei Tiere der Kontroll- und fünf Tiere der Eipulvergruppe medikamentös behandelt. In der 2. Versuchswoche mussten alle Tiere wegen Hustens behandelt werden. Ein Tier der Kontroll- und drei Tiere der Eipulvergruppe mussten aus dem Versuch genommen werden.

In Durchgang 2 wurden nach der ersten Versuchswoche die Tiere von sechs Buchten der Eipulvergruppe wegen leichten Durchfalls behandelt (kein Antibiotikum). Ansonsten wurden drei Tiere der Kontroll- und sieben Tiere der Eipulvergruppe behandelt. Hauptursachen waren Augen- und Schulterprobleme. Insgesamt drei Tiere der Kontroll- und zwei Tiere der Eipulvergruppe verließen vorzeitig den Versuch.

Aufzuchtleistungen

In Tabelle 3 sind die KM-Entwicklung, die täglichen Zunahmen, der Futterverbrauch, die kalkulierten Aufnahmen an ME sowie die daraus errechneten Futter- und Energieeffizienzkennzahlen beider Durchgänge dargestellt.

Tabelle 3: KM-Entwicklung, tägliche Zunahmen, Futter- und ME-Verbrauch sowie Futter- und ME-Effizienz beider Durchgänge (LS-Means)

Körpermasseentwicklung und tägliche Zunahmen

Durchgang 1

Die Körpermassen der Tiere bewegten sich in Durchgang 1 nach der 3. Versuchswoche auf unterschiedlichen Niveaus. Am Versuchsende wiesen die Tiere der Kontrollgruppe mit 26,4 kg eine signifikant höhere KM auf als die der Eipulvergruppe mit 25,5 kg. Dies spiegelte sich auch in den täglichen Zunahmen wider, die in der Kontrollgruppe in der zweiten Phase (459 vs. 383 g) und auch insgesamt (457 vs. 438 g) signifikant höher lagen.

Durchgang 2

In Durchgang 2 hatten die Tiere der Kontrollgruppe nach der ersten und zweiten Versuchswoche eine signifikant höhere KM. Zu Versuchsende wiesen die Tiere der Kontroll- bzw. Eipulvergruppe mit 26,8 bzw. 27 kg eine nahezu gleich hohe KM auf. Dies spiegelte sich auch in den täglichen Zunahmen wider, die im Mittel in der Kontrollgruppe bei 463 g und der Eipulvergruppe bei 471 g lagen. Während in der Fütterungsphase I die Tiere der Kontrollgruppe mit 281 g gegenüber 244 g signifikant höhere tägliche Zunahmen erreichten, war es in Fütterungsphase II umgekehrt. Hier wurden in der Eipulvergruppe mit 480 g gegenüber 434 g signifikant höhere tägliche Zunahmen erzielt. In Fütterungsphase III zeigte sich mit 691 g (Kontrolle) und 705 g (Eipulver) kein Unterschied.

Futterverbrauch und Futteraufwand

Durchgang 1

Der Futterverbrauch und damit auch die kalkulierte Aufnahme an ME war in Durchgang 1 in den ersten zwei Phasen in der Kontrollgruppe signifikant höher als in der Eipulvergruppe. In Phase III konnte der Unterschied nicht statistisch abgesichert werden. Im Mittel wurde mit 673 g pro Tier und Tag in der Eipulvergruppe signifikant weniger Futter verbraucht als in der Kontrollgruppe mit 744 g. Die mittlere ME-Aufnahme lag in der Kontrollgruppe bei 9,9 MJ pro Tier und Tag und damit signifikant höher als in der Eipulvergruppe mit 8,9 MJ pro Tier und Tag. Abbildung 1 veranschaulicht den Futterverbrauch der beiden Versuchsgruppen vom Absetzen bis zur Aufstallung in die Mast.

Sowohl der Futteraufwand als auch der Aufwand an ME lag in der Eipulvergruppe mit 1,51 kg bzw. 20,0 MJ pro kg Zuwachs signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe mit 1,62 kg bzw. 21,6 MJ.

Abbildung 3 veranschaulicht den Futterverbrauch der Tiere beider Gruppen in den einzelnen Wochen von Durchgang 1.

Abbildung 1: Futterverbrauch der Ferkel in den einzelnen Wochen von Durchgang 1

Durchgang 2

In Durchgang 2 unterschied sich der Futterverbrauch und damit auch die kalkulierte Aufnahme an ME weder in den einzelnen Fütterungsphasen noch im Mittel des Versuchs signifikant. Im Mittel wurden in der Kontrollgruppe 702 g Futter pro Tier und Tag verbraucht, was einer ME-Aufnahme von 9,3 MJ entsprach. In der Eipulvergruppe lagen die entsprechenden Werte bei 710 g bzw. 9,4 MJ. Auch der Futteraufwand bzw. der Aufwand an ME pro kg Zuwachs unterschied sich in Durchgang 2 weder in den einzelnen Fütterungsphasen noch im Mittel des Versuchs signifikant. Im Mittel lag der Futteraufwand bei 1,5 kg und der Aufwand an ME bei 20 MJ für beide Gruppen.

Abbildung 2 zeigt den Futterverbrauch der Tiere beider Gruppen von Durchgang 2 in den einzelnen Versuchswochen.

Abbildung 2: Futterverbrauch der Ferkel in den einzelnen Wochen von Durchgang 2

Stickstoff- und Phosphorsaldierung

Durchgang 1

Im Mittel von Durchgang 1 wurde in der Kontrollgruppe mit 746 g signifikant mehr N pro Tier aufgenommen als in der Versuchsgruppe mit 679 g. Der N-Ansatz unterschied sich mit 482 g (Kontrolle) und 469 g (Eipulvergruppe) nicht signifikant. In der Kontrollgruppe errechnete sich mit 263 g gegenüber 210 g eine signifikant höhere N-Ausscheidung. Der P-Ansatz unterschied sich in Durchgang 1 mit 96 bzw. 93 g zwischen den Gruppen nicht. Die P-Aufnahme ließ sich mit 165 und 153 g ebenfalls statistisch nicht absichern (p=0,059). Daraus errechnete sich eine P-Ausscheidung von 69 g in der Kontroll- und von 59 g in der Eipulvergruppe. Dieser Unterschied ließ sich wiederum statistisch absichern.

Durchgang 2

In Durchgang 2 gab es weder bei der Aufnahme noch beim Ansatz von N und P signifikante Unterschiede. Auch die N- bzw. P Ausscheidungen unterschieden sich mit 189 und 201 g N bzw. 55 und 59 g P nicht signifikant.

Das Ergänzungsfutter mit Eipulver kann in der Ferkelaufzucht erfolgreich und wirtschaftlich eingesetzt werden

FAZIT

Der Einsatz eines Eipulver-Ergänzungsfutters führte in den ersten zwei Wochen nach dem Absetzen in Durchgang 1 nicht nur zu signifikant geringeren täglichen Zunahmen, geringerem Zuwachs und KM, sondern auch zu einem geringeren Futter- und ME-Verbrauch. Gleichzeitig war der Aufwand an Futter und ME pro kg Zuwachs signifikant geringer als in der Kontrollgruppe, in der ein hochwertig ausgestattetes Ergänzungsfutter in den ersten zwei Wochen nach dem Absetzen eingesetzt wurde.

Wird das Ergänzungsfutter mit Eipulver über einen längeren Zeitraum (+ 1 Woche) verschnitten, (Durchgang 2) zeigten sich keine negativen Effekte im Vergleich zur Kontrollgruppe mit dem hochwertigen Ergänzungsfutter. Mit 471 gegenüber 463 g waren die täglichen Zunahmen in der Eipulvergruppe numerisch höher.

Zum Zeitpunkt des 2. Durchgangs kostete das hochwertig ausgestattete Ergänzungsfutter der Kontrollgruppe 157 €/dt (netto) und das Ergänzungsfutter mit Eipulver 212 €/dt (netto). Für alle weiteren Futterkomponenten galten gleiche Preise.

In Durchgang 1 ergaben sich beim Einsatz des Ergänzungsfutters mit Eipulver 8 Cent niedrigere Futterkosten pro kg Zuwachs. Dabei waren aber sowohl der Futterverbrauch als auch die täglichen Zunahmen signifikant niedriger. In Durchgang 2 waren die Futterkosten pro kg Zuwachs in beiden Gruppen nahezu identisch.

Insgesamt funktionieren die Fütterungsstrategien mit beiden Ergänzungsfuttermitteln gut, beide stammen aus dem Premiumbereich. Auch das Ergänzungsfutter mit Eipulver kann in der Ferkelaufzucht erfolgreich und wirtschaftlich eingesetzt werden. Entscheidend ist dabei eine ausreichend lange Übergangsfütterung, da dieses keinen SES enthält.

DER DIREKTE DRAHT

Dr. Wolfgang Preißinger
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Tierernährung und Futterwirtschaft
Dienstort Schwarzenau
D-97359 Schwarzach a. Main
Stadtschwarzacher Str. 18

E-mail: Wolfgang.Preissinger[at]LfL.bayern.de