Rapsextraktionsschrot stabil verfüttert – Ergebnisse aus dem deutschlandweiten Monitoring der Fütterungsreferenten 2025
„Der Winterrapsanbau zur Ernte 2026 ist ausgedehnt worden. Mit 1,10 bis 1,15 Millionen Hektar ist die Aussaatfläche leicht über die diesjährigen Erntefläche angestiegen. Gute Erträge dürften, den Experten der Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e.V. (UFOP) zufolge, die Landwirte bewogen haben, ihre Anbauplanung auszuweiten. Dazu kam, dass die Bedingungen Ende August/Anfang September größtenteils gut waren.“, so die Ufop in ihrer Prognose zur Anbauentwicklung für das Jahr 2026. Die Anbau- und Ernteflächen der letzten Jahre sind in Abbildung 1 dargestellt.
Damit steht auch im Jahr 2026 den deutschen Ölmühlen ein wichtiger Rohstoff gleich vor der Tür zur Verfügung. Dass Rapsextraktionsschrot (RES) aus den deutschen Ölmühlen in der Tierfütterung weiterhin sehr beliebt ist, zeigen die Einsatzzahlen, die der DVT jährlich herausgibt. Wie in Abbildung 2 dargestellt, haben sich die Einsatzmengen über die letzten Jahre bei ca. 4 Mio. t stabilisiert
Gedeckt wird dieser Bedarf zum größten Teil aus deutschen Ölmühlen, die mittlerweile eine Verarbeitungskapazität von ca. 9,5 Mio. t Rapssaat im Jahr aufweisen.
Die hohen Einsatzmengen an RES sind Ausdruck dafür, dass vor allem Rinderhalter dieses Futtermittel schon seit Längerem als Alternative zum SES akzeptieren. Eine wesentliche Grundlage dafür haben umfassende Fütterungsversuche gelegt, die in Koordination zwischen mehreren Landesversuchseinrichtungen und mit maßgeblicher Unterstützung der UFOP durchgeführt worden sind. Die Versuche zeigen, dass Milchkuhrationen auch im Hochleistungsbereich ganz ohne SES machbar sind und so die mittlerweile nahezu als Standard geforderte Gentechnikfreiheit der Futtermittel gewährleisten können. Nach Angaben des Vereins VLOG liegt der Anteil von „ohne Gentechnik“-Milch im Jahr 2023 über 75 %.
Aber auch im Bereich der Schweinefütterung beginnt unter den momentanen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ein Umdenken. Nachdem auch hier Untersuchungen der letzten Jahre deutlich gezeigt haben, dass bei Einhaltung der Empfehlungen für die Gesamtration ohne Probleme bis zu 15 % RES in der Mastschweineration eingesetzt werden können, hat sich der Einsatz im Schweinefutter ebenfalls deutlich erhöht. Interessant ist es immer dann, wenn sich eine Preisrelation von unter 65 – 68 % zum Preis von SES ergibt. Dies gilt dann vor allem für Rationen, die „gentechnikfrei“ erstellt werden müssen, weil es dazu Auflagen des Vermarkters gibt. Gegenüber gvo-freiem Sojaschrot liegen wir momentan bei einer Preisrelation von 50 %, was den Einsatz von RES besonders lohnend erscheinen lässt.
Im Jahr 2025 wurden gegenüber den vorherigen Jahren in Monitoring tatsächlich nur in Deutschland erzeugte Rapsextraktionsschrote einbezogen. Dies konnte gewährleistet werden, da die Proben mit maßgeblicher Unterstützung durch OVID e. V. direkt in den Ölmühlen gezogen wurden. Weiterhin erfolgt die Untersuchung auf Inhaltsstoffe bei der Landwirtschaftlichen Kommunikations- und Servicegesellschaft (LKS) Lichtenwalde. Damit schließt das Monitoring auch an die Untersuchungen von 2018 bis 2024 an. Allerdings sind in diesem Jahr auch die Parameter erfasst worden, die die Grundlage für die neuen Fütterungsempfehlungen beim Rind darstellen.
Ähnlich den Ergebnissen der letzten Jahre zeigte das RES auch in 2025 eine durchgehend gleichmäßig hohe Qualität (Tabellen 1 und 2). Mit einer mittleren Trockenmasse von 89,3 % waren optimale Voraussetzungen für die Lagerung gegeben. Der Rohfasergehalt bewegt sich auf dem Niveau der Vorjahre bei 13,2 %. Der Fettgehalt liegt mit 3,8 % auf gleichem Niveau wie in den letzten Jahren. Der Eiweißgehalt lag mit 31,7 % leicht über dem Vorjahresniveau. Hier zeigt sich aber seit 5 Jahren ein Trend zu geringeren Proteingehalten in den untersuchten Proben. Eine Erklärung dafür kann der züchterisch kontinuierlich zunehmende Ölgehalt der modernen Rapssorten sein. Der hohe Maximalgehalt von 388 g stammt aus einem RES, das aus kanadischer Rapssaat hergestellt wurde. Ebenfalls hoch lag der Rohproteingehalt bei australischer Rapssaat.
Alles dies hat keine Auswirkungen auf den Energiegehalt, der im Jahr 2025 mit 6,3 MJNEL für das Rind und 9,8 MJME für das Schwein im Mittel der Jahre zuvor lag. Der Energiewert für das Geflügel liegt mit durchschnittlich 7,3 MJME im Bereich der Tabellenwerte. Sowohl die nXP-Werte (213 g) als auch die RNB-Werte (17 g) trafen die Werte der vergangenen Jahre ziemlich genau. Erstmals wurden auch die neuen Parameter für die Rinderfütterung mit ausgewiesen. Neben dem Gehalt an Bruttoenergie auch die Umsetzbare Energie nach neuer Formel. Im Bereich der Eiweißbewertung sind es RDP (das im Pansen abgebaute (verfügbare) Rohprotein und (Ruminally Degraded Crude Protein)) und die RMD: Ruminale Mikrobielle Differenz, RDP-MCP-Differenz).
Die Aminosäuregehalte im Jahr 2025 lagen höher als 2023 und 2024. Das liegt in erster Linie auch an den höheren Proteingehalten. Bei der Untersuchung auf Mengen- und Spurenelemente zeigte sich auch in 2025, dass die tabellierten Werte in etwa erreicht wurden (Tabelle 2). Der besonders interessante Phosphor-Gehalt lag in diesem Jahr mit 11,0 g/kg RES leicht über dem Mittelwert der vorangegangenen Jahre. Man erkennt eine Streuung der Werte, die Abweichungen von rund 20 % nach oben und unten ausweisen. Da wir aber dabei noch im Bereich des Analysenfehlers bleiben, kann man von einer recht niedrigen Streuung sprechen.
Berechnet man aus den Werten für K, Na, Cl und S das Kationen-Anionen-Verhältnis (DCAB), das für die Beurteilung einer eventuell bestehenden Milchfiebergefahr in der Vorbereitungsfütterung bei Milchkühen von Bedeutung ist, erhält man hier Werte von durchschnittlich -100 meq/kg. Damit liegt der Wert deutlich niedriger als der der Vorjahre.
Der Glucosinolatwert liegt im Mittel mit 7,8 mmol in ähnlicher Größenordnung wie in den vergangenen Jahren. Dabei schwanken die Werte zwischen 2,6 und 13,3 mmol.
Deklarationen wurden eingehalten
Im Zuge des Monitorings wurden weiterhin die Angaben der Hersteller von RES in Bezug auf die Rohproteinwerte der verkauften Ware überprüft. Dazu galt es, die Abweichungen der Analysenwerte von den deklarierten Werten festzustellen. In Abbildung 3 sind diese Abweichungen für jede einzelne Partie dargestellt. Abweichungen nach oben sagen aus, dass bei den Analysen mehr Rohprotein gefunden wurde als deklariert war. Bei nach unten abweichenden Werten lagen die Analysenwerte unter den deklarierten Werten. Bezieht man die Toleranzen mit ein, haben in diesem Jahr bis auf zwei (mit nur sehr geringer Unterschreitung) der untersuchten RES alle die deklarierten Rohproteinwerte eingehalten. Die Auswertung belegt also, dass bei Rationsberechnungen der vom Verkäufer deklarierte Rohproteinwert angesetzt werden kann und sollte. Die numerische Tendenz zu geringeren Proteingehalten gegenüber der Deklaration zeigt sich auch in dieser Abbildung. Der Handel sollte daher seine deklarierten Werte überdenken und ggf. anpassen.
DER DIREKTE DRAHT
Dr. Manfred Weber
LLG Iden
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Mail: Manfred.Weber[at]llg.sachsen-anhalt.de
Sabine Schmidt
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