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Praxisversuch zum Einsatz neuer Sojabohnensorten in der Ferkelfütterung
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Die heimische Sojaanbaufläche ist in den letzten Jahren auf mittlerweile knapp 40.000 Hektar stark angestiegen. Auch schweinehaltende Betriebe setzen vermehrt auf den Anbau von Soja. Vielfach kommt dabei die Frage auf, ob und wie die hofeigenen Sojabohnen in der Schweinefütterung sinnvoll eingesetzt werden können.

Die heimische Sojaanbaufläche ist in den letzten Jahren auf mittlerweile knapp 40.000 Hektar stark angestiegen. Auch schweinehaltende Betriebe setzen vermehrt auf den Anbau von Soja. Vielfach kommt dabei die Frage auf, ob und wie die hofeigenen Sojabohnen in der Schweinefütterung sinnvoll eingesetzt werden können.

Der Anbau von Sojabohnen in Österreich und Deutschland wird immer beliebter

Sojabohnen eignen sich aufgrund des hohen Proteingehalts und ihres Aminosäuremusters ideal zur Eiweißversorgung von Schweinen. Sie enthalten jedoch auch eine Reihe von antinutritiven Faktoren (ANF). Diese Substanzen haben für die Pflanze wichtige Funktionen und dienen zum Beispiel dem Schutz vor einem Fraß der Samen. Im Tier hingegen führen sie zu negativen Effekten wie einer Reduktion der Futteraufnahme, Hemmung von Verdauungsenzymen oder einer Vergrößerung der Bauchspeicheldrüse.

Die wichtigsten ANF in Sojabohnen sind Trypsin-Inhibitoren. Diese hemmen das Enzym Trypsin im Verdauungstrakt des Tieres und behindern dadurch die Aufspaltung des im Futter enthaltenen Eiweißes in die einzelnen Aminosäuren, wodurch diese für das Tier nicht verfügbar sind. Um keine Leistungseinbußen durch den Einsatz von Sojafuttermitteln zu riskieren, muss die Aktivität der Trypsin-Inhibitoren reduziert werden. Laut zahlreichen Literaturangaben gilt es für den Einsatz beim Monogastrier die Trypsin-Inhibitor-Aktivität (TIA) im Sojafuttermittel so weit wie möglich, jedoch zumindest unter 4 g/kg zu senken.

Reduktion der Trypsin-Inhibitoren

Aufgrund der Wärmeempfindlichkeit der Trypsin-Inhibitoren können diese durch Hitzeeinwirkung inaktiviert werden. In der Praxis hat sich dazu sowohl bei der Herstellung von Sojaextraktionsschrot als auch zur Behandlung von vollfetten Sojabohnen das Verfahren des „Toastens“ etabliert. Wichtig dabei ist eine Abstimmung der Parameter Temperatur und Behandlungsdauer auf das Ausgangsmaterial, denn Faktoren wie Korngröße, Erntefeuchte oder generell TIA in der rohen Bohne haben entscheidenden Einfluss auf das Ergebnis. Neben einer zu geringen Reduktion durch eine zu niedrige Behandlungsintensität führt eine zu intensive Behandlung zur Schädigung des Proteins (Maillard-Reaktion) und damit ebenfalls zu Leistungseinbußen.

In den letzten Jahren gibt es zudem Bestrebungen, TIA in Sojabohnen züchterisch zu reduzieren. Aktuell sind am österreichischen Markt zwei solcher TIA-reduzierten Sojabohnensorten für den Anbau erhältlich.

Einsatz TIA-reduzierter Sojabohnen in der Praxis

In Österreich ist 2022 auf einem oberösterreichischen Praxisbetrieb ein Fütterungsversuch zum Einsatz einer TIA-reduzierten Sojabohnensorte in der Ferkelfütterung durchgeführt worden. In der Kontrollgruppe (SES) wurde als Rohproteinquelle nur herkömmlicher HP-Sojaextraktionsschrot verwendet.

In den weiteren Gruppen wurde ein Teil davon durch vollfette Sojabohnen ersetzt. Eine Gruppe (SBEX) enthielt 10 % hitzebehandelte vollfette Sojabohnen, in zwei weiteren Gruppen kamen 5 (X5) bzw. 10 % (X10) unbehandelte vollfette Sojabohnen der TIA-reduzierten Sorte Xonia zum Einsatz. In der letzten Gruppe (SB5) wurden 5 % herkömmliche unbehandelte vollfette Sojabohnen eingesetzt.

Rohe Sojabohnen enthalten hohe Anteile an antinutritiven Inhaltsstoffen, die die Züchtung zu vermindern sucht

Ergebnisse des Fütterungsversuches

Sowohl in den Sojarohstoffen als auch in den 5 Futtermischungen wurde TIA analysiert. Die Werte des eingesetzten Sojaextraktionsschrots (0,90 g/kg), sowie der hitzebehandelten Sojabohnen (1,78 g/kg) lagen auf niedrigem Niveau. Die eingesetzte TIA-reduzierte Sojabohne Xonia lag mit 16,6 g/kg erheblich höher. Die herkömmliche Sojabohne enthielt 21,2 g/kg TIA. In den 5 Futtermischungen wurden 0,63 g/kg (SES), 0,55 g/kg (SBEX), 0,88 g/kg (X5), 1,61 g/kg (X10) und 1,32 g/kg (SB5) TIA analysiert.

Während der 34-tägigen Aufzuchtphase konnten deutliche Unterschiede in den Tageszunahmen der einzelnen Gruppen festgestellt werden. Die Kontrollgruppe (SES) erzielte mit 556 g/d die höchsten Zunahmen. Die Gruppe SBEX lag mit 507 g nur leicht darunter. Die Zunahmen der weiteren Gruppen X5 (-113 g/d), X10 (-144 g/d) und SB5 (-132 g/d) waren signifikant (= statistisch abgesichert) geringer (Tabelle 1).

Tabelle 1: Aufzuchtleistungen in den unterschiedlichen Futtergruppen

Diese Unterschiede hatten, wie Tabelle 1 zeigt, auch deutlichen Einfluss auf die Tiergewichte zu Versuchsende. Ebenso war ein Einfluss der Futtergruppe auf die Futterverwertung feststellbar. So war diese in der Gruppe X10 mit 1,96 kg/kg signifikant schlechter als in der Kontrollgruppe (SES) mit 1,70 kg/kg.

Im Versuch konnte zudem ein enger Zusammenhang zwischen dem Gehalt an TIA im Alleinfutter und den Leistungsparametern Tageszunahmen und Futterverwertung nachgewiesen werden. Abbildung 1 zeigt, dass mit einer Zunahme um 1 g/kg TIA im Futter die Tageszunahmen um 115 g sinken und die Futterverwertung um 0,24 kg/kg schlechter wird. Bei aktuellen Futterpreisen verursacht dies allein durch den erhöhten Futteraufwand Mehrkosten von über 2,00 €/Ferkel.

Abbildung 1: Zusammenhang zwischen TIA-Gehalt und Tageszunahmen bzw. Futterverwertung

Auch TIA-reduzierte rohe Sojabohnen reduzieren das Wachstum von Ferkel stark

FAZIT

Die seit vielen Jahrzehnten bekannte Wichtigkeit der Reduktion von TIA in Sojafuttermitteln vor der Verfütterung an Schweine wurde auch in diesem Versuch bestätigt. Durch Züchtungsarbeit ist es gelungen, TIA in einigen Sorten zu reduzieren. Der bisher realisierte Zuchtfortschritt lässt jedoch aktuell noch keine generelle Einsatzempfehlung zur Verfütterung dieser Sojasorten in unbehandeltem Zustand an Ferkel zu. Zur Vermeidung von Minderleistungen empfiehlt sich vor der Verfütterung hofeigener Sojabohnen eine Analyse des TIA-Gehaltes.

DER DIREKTE DRAHT

Prof. Dr. Reinhard Puntigam
Telefon: 02921 – 378 3817
E-Mail: puntigam.reinhard@fh-swf.de