Nachhaltige Schweinefütterung: Nebenprodukte füttern
Im Jahr 2050 müssen voraussichtlich 10 Mrd. Menschen ernährt werden. Da die landwirtschaftliche Fläche kaum noch zunimmt, muss die Lebensmittelproduktion effizienter werden. Die Tierernährung kann dazu beitragen, die Erzeugung von Nahrungsmitteln wie beispielweise Fleisch zu verbessern. In diesem Zusammenhang werden jedoch Futtermittel, die auch für die menschliche Ernährung geeignet sind, zunehmend kritisch gesehen. Deshalb geht es bei der Veredelung von pflanzlichen Futtermitteln zu hochwertigen Lebensmitteln tierischer Herkunft auch um Nahrungsmittelkonkurrenz. Dabei darf nicht vergessen werden, dass z.B. beim Getreideanbau Nebenprodukte anfallen, die für die Humanernährung ungeeignet sind. Zudem ist die Verwertung von Nebenerzeugnissen aus der Lebensmittelherstellung, z.B. Rapsextraktionsschrot, schon lange landwirtschaftliche Praxis.
Denn Tiere sind in der Lage, diese Biomasse zu verwerten. Aufgrund der Konkurrenz zwischen Lebens- und Futtermitteln wird verstärkt der Ansatz diskutiert, pflanzliche Produkte, die der Mensch direkt verzehren kann, möglichst wenig in der Tierernährung einzusetzen. Die Folge ist, dass mehr faserreiche Komponenten verfüttert werden, was sich auch auf die Effizienz der Verwertung auswirkt. Die LWK Niedersachsen überprüfte in einem Fütterungsversuch, wie Rationen mit geringerer Nahrungsmittelkonkurrenz die Leistung und Wirtschaftlichkeit von Mastschweinen beeinflussen.
Auch in der Schweinefütterung lässt sich die Nachhaltigkeit durch den Einsatz von Nebenprodukten erhöhen

Versuchsdurchführung in der LPA Quakenbrück
In der Leistungsprüfungsanstalt Quakenbrück wurden 112 Tempo-Kreuzungsferkel (TN Tempo x Topigs Norsvin TN 70) nach Gewicht und Geschlecht (weibliche Tiere und Kastraten) auf zwei Futtergruppen verteilt und in Zweiergruppen gehalten. Beide Gruppen wurden stark N-/P-reduziert nach DLG-Vorgaben gefüttert. Während die Kontrollgruppe eine Standardration erhielt, wurden im Futter der Versuchsgruppe mehr Nebenprodukte eingesetzt. Es war ein Gewichtsbereich von 28 bis 123 kg geplant. Die Trockenfütterung mit pelletiertem Fertigfutter erfolgte ad libitum. Zusätzlich wurde gehäckseltes Stroh angeboten. Die Schweine wurden bei jedem Futterwechsel gewogen. Der Versuch lief von Februar bis Juni 2025.
Die Futteranalysen bestätigten mit einer Ausnahme (Phosphorgehalt des EM-Versuchsfutters) die Planungswerte.
Die Kontrollfutter enthielten u.a. Weizen, Roggen und Mais. Der Anteil dieser drei Komponenten, die auch in der Humanernährung eingesetzt werden können, betrug mindestens 50 % in den Futtermischungen. Die Versuchsfutter enthielten keine dieser Getreidearten, stattdessen Triticale und deutlich mehr Gerste. Zudem wurden nennenswerte Mengen an Nebenerzeugnissen aus der Getreideverarbeitung eingesetzt. Der Anteil an Extraktionsschroten war reduziert. Insbesondere weniger Sojaschrot aus Südamerika verringert den CO2-Fußabdruck. In geringem Umfang war noch Schlempefutter aus der Bioethanolerzeugung enthalten (Tabelle 3).
Triticale in der Schweinefütterung führt zu einer geringen Konkurrenzsituation zur Humanernährung als die Verfütterung von Weizen

Keine Leistungsunterschiede
Die Tempo-Endprodukte erreichten im Mittel 1138 g Tageszunahmen bei einem Futteraufwand von 2,44 kg je kg Zuwachs. Die mit dem Standardfutter versorgten Tiere der Kontrollgruppe erzielten 1131 g und die Versuchsgruppe (Nebenprodukt-reiche Fütterung) 1144 g Tageszunahmen, der Futteraufwand je kg Zuwachs lag bei 2,42 bzw. 2,46 kg. Die Tiere in den Zweiergruppen nahmen täglich 2,71 kg (Kontrollgruppe) bzw. 2,81 kg Futter (Versuchsgruppe) auf. Die Unterschiede waren nicht signifikant. In der Endmast ab 90 kg übertraf die Versuchsgruppe mit 1248 g Tageszunahmen die Kontrollgruppe mit 1216 g. Der höhere Futterverbrauch von 3,80 kg/Tag in der Versuchsgruppe war statistisch abzusichern.
Die Schweine wurden nach AutoFOM klassifiziert. Die Kontrollgruppe erzielte 0,993 und die Versuchsgruppe 0,985 Indexpunkte je kg Schlachtkörpergewicht. Es traten keine gesicherten Unterschiede in der Schlachtkörperbewertung auf.
Futterkosten
Die Berechnung der Futterkosten beruhte auf den Nettopreisen im Versuchszeitraum. Die Futterkosten je 100 kg Zuwachs lagen in der Kontrollgruppe bei 80,36 € und in der Versuchsgruppe (Nebenprodukte-reich) bei 82,36 €. Bei aktuellen Futterpreisen reduziert sich die Differenz von 2,00 € auf 1,32 €.
FAZIT
In einem Versuch wurde geprüft, wie Rationen mit geringerer Nahrungsmittelkonkurrenz die Leistung und Wirtschaftlichkeit von Mastschweinen beeinflussen. Dazu wurden Nebenprodukt-reiche Mischungen mit Standardrationen verglichen. In beiden Gruppen wurde stark N-/P-reduziert gefüttert. Die mittleren Leistungen lagen bei 1138 g Tageszunahmen und einem Futteraufwand von 2,44 kg je kg Zuwachs. Bis auf den täglichen Futterverbrauch in der Endmast gab es keine gesicherten Unterschiede in der Mastleistung. Im Mittel wurden 0,989 Indexpunkte je kg Schlachtkörpergewicht und 59,5 % MFA erreicht. Auch in der Schlachtkörperbewertung traten keine signifikanten Unterschiede auf.
Die Fütterung mit höheren Anteilen an Nebenprodukten verursachte höhere Futterkosten je 100 kg Zuwachs von 2 €. Diese Versuchsergebnisse zeigen, dass Nebenprodukte in großen Mengen an Mastschweine ohne Leistungseinbußen eingesetzt werden können, aber höhere Futterkosten verursachen.
DER DIREKTE DRAHT
Clara-Marie Homeyer
Spezialistin Fütterung und Nährstoffe
Landwirtschaftskammer Niedersachsen
Tel.: 0511 3665-4479




