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Marktbericht KW 36 / 2020
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Zumindest die Preisentwicklung für Raps am deutschen Kassamarkt hat sich wieder etwas belebt, nachdem in den vergangenen beiden Wochen nahezu Stillstand herrschte. 365 EUR/t im Bundesdurschnitt entsprechen einem Anstieg von etwa 2,50 EUR/t zur Vorwochenlinie. Die leichten Preissteigerungen können die Abgabebereitschaft aus Erzeugerhand allerdings nur sporadisch motivieren, im Großen und Ganzen wird Inlandsraps fortgesetzt kaum gehandelt. Das hat vor allem mit der schwachen Nachfrage der Ölmühlen zu tun. Die sind teilweise für den Herbst schon gedeckt und kaufen ansonsten in erster Linie Importraps vom Baltikum oder der Schwarzmeerküste. Dabei scheinen die Lieferungen an Fahrt aufzunehmen, obwohl aus der Ukraine mit geringen Rapsimporten als in der Vorsaison bzw. einem früheren Versiegen des Importzustroms von dort gerechnet wird. Doch im Moment ist davon noch nichts zu spüren. Am Rostocker Hafen trafen zuletzt neben 12.000 t baltischem Raps auch 7.000 t ukrainische Ware ein. Solange es genug Raps aus dem Ausland zu kaufen gibt, werden die Ölmühlen in Deutschland den in der Regel teureren Inlandsraps eher vernachlässigen und solange werden wohl auch die Preisvorstellungen hiesiger Erzeuger unerfüllt bleiben, außer vom Terminmarkt kommt mal ein kräftiger Impuls, aber dort geht es seit Tagen ruhig zu. 

Am Rapsschrotmarkt ist in der 36. Kalenderwoche wieder eher Ruhe eingekehrt, die Nachfrage ist höchstenfalls noch stetig, aber keineswegs mehr so lebhaft wie in der Vorwoche. Auf den vorderen Positionen herrscht leichter Preisdruck, wegen einzelner Druckpartien im Osten Deutschlands, konkret an den Standorten Riesa und Wittenberg. Marktbeobachter sind der Meinung, dass die deutschen Rapsschrotpreise ihren Höhepunkt nun erreicht haben. In den kommenden Wochen dürfte sich zumindest die Nachfrage nach Rapsschrot zur sofortigen Lieferung sehr in Grenzen halten, da die meisten für diesen Monat versorgt sind. Mit Sojaschrot sollen die meisten Verwender ihre Versorgung für den Herbst und Winter größtenteils abgesichert haben, doch besteht am Terminmarkt durchaus Potenzial für kräftige Kurssteigerungen. Die hatte es in den vergangenen Tagen bereits gegeben. Angetrieben von den Erntesorgen im Mittleren Westen der USA. 

Die Forderungen für Sonnenblumenöl fob Rotterdam haben das höchste Niveau seit Dezember 2016 erreicht. Sie wurden zuletzt kräftig angehoben, 793,50 EUR/t entsprechen einem Aufschlag von 78,50 EUR/t oder 11 % zur Vorwoche. Der Vormonat wird um 38,50 EUR/t übertroffen. Grund für den Preisauftrieb sind die derzeitigen Ernteverzögerungen in der Ukraine, der mit Abstand wichtigste Importherkunft von Sonnenblumenöl für die EU, mit einem Anteil von fast 90 % an den jährlichen Gesamteinfuhren. Die ukrainischen Exporteure, die bereits umfangreiche Kontrakte mit EU-Käufern eingegangen sind, bringt das nun in Bredouille, ihren Vertragsverpflichtungen nicht fristgerecht nachkommen zu können und am hiesigen Markt könnte eine vorübergehende Engpasssituation entstehen. 
Die Zugkraft am EU-Pflanzenölmarkt geht, trotz großer Preissteigerungen, aber weniger vom Sonnenblumenöl als vielmehr vom Sojaöl aus. Dieses verbucht ein beachtliches Preisplus von 20 EUR/t oder knapp 3 % auf 733 EUR/t fob Hamburg, das höchste Niveau seit Februar 2020. Auslöser sind hier vor allem die kräftigen Kurssteigerungen für Sojabohnen und Nachprodukte in Chicago. Speziell Sojaöl hatte zuletzt eine Verschnaufpause von einer sechstägigen Hausse eingelegt. Auslöser der Befestigung sind lebhafte US-Sojabohnengeschäfte mit China, aber auch die wachende Sorge um die diesjährige US-Ernte, da es im Mittleren Westen verbreitet zu trocken ist. 
Rapsöl mangelte es zuletzt an richtungsweisenden Impulsen, weshalb sie sich vor allem den festen Sojaölkursen anschlossen. Rapsöl hat sich zur Vorwoche um 12 auf 794 EUR/t fob Hamburg befestigt. In den kommenden Wochen besteht aber durchaus Potenzial für weitere und noch deutlichere Preissteigerungen, wenn die RME-Nachfrage saisonbedingt spürbar anziehen sollte, was zu erwarten ist.