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Inhaltsstoffe von Körnerleguminosen 2025 deutschlandweit geprüft
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Körnerleguminosen als auflockerndes Glied in der Fruchtfolge waren lange Zeit beliebte Futtermittel für Schweine und Rinder. Mit zunehmendem Import von Sojabohnen bzw. Sojaextraktionsschrot, das zu günstigen Preisen auf den deutschen Markt gekommen ist, nahm die Anbauvorzüglichkeit aber kontinuierlich ab. Dies hatte sicherlich auch mit den ackerbaulichen Herausforderungen (z.B. geeignete Pflanzenschutzmittel, Anbaupausen etc.) zu tun, die immer stärker ins Gewicht fielen. Die momentane gesellschaftliche Diskussion um gentechnisch veränderte Pflanzen scheint den Anbau der Körnerleguminosen allerdings wieder in ein anderes Licht zu rücken. Aktuelle Fördermöglichkeiten im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik wie die Ökoregelung 2 in der 1. Säule sowie eine ergänzende Agrar-, Umwelt- und Klimaschutzmaßnahme in der 2. Säule in fünf Bundesländern zur Unterstützung des Anbaus von Körnerleguminosen zeigen dies sehr deutlich. Folge ist ein Anstieg der Anbauflächen für Körnerleguminosen. In Abbildung 1 sind diese Anstiege einmal veranschaulicht.

Körnerleguminosen finden sich wieder öfter in den Fruchtfolgen der deutschen Landwirte

Abbildung 1: Anbauflächen von Körnerleguminosen und Sonnenblumen in Deutschland (Quelle: Destatis)

Nach jahrelangem Rückgang der Anbaufläche hat sich der Trend ab den Jahren 2014/2015 umgekehrt. Mit knapp 140.000 ha Anbaufläche für Futtererbsen und 66.000 ha für Ackerbohnen im Jahr 2025sind die Anbauflächen in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Aber auch Sojabohnen gewinnen in der Gunst der Ackerbauern. Dazu tragen sicher auch neue Sorten bei, die deutlich frühreifer geworden sind.

Der Großteil der in Deutschland angebauten Körnerleguminosen werden im eigenen Betrieb verfüttert. Obwohl sich die beiden Futtermittel sehr gut für die Schweine- und Rinderfütterung eignen, wurden im letzten ausgewerteten Wirtschaftsjahr 2023/24 nur 197000 t ins Mischfutter eingemischt. Der Grund dafür liegt in erster Linie in der geringen und nicht über das gesamte Jahr kontinuierlich angebotenen Menge der beiden Ackerfrüchte.

Um die Eignung eines Futtermittels für die Verfütterung bei Rind, Schwein und Geflügel zu beurteilen, sind die Futterinhaltsstoffe zu analysieren. Dabei fällt bei der Erbse auf, dass diese neben einem hohen Eiweißgehalt, der allerdings den geringsten der Körnerleguminosen darstellt, einen hohen Energiegehalt aufweist. Bei der Ackerbohne findet man einen deutlich höheren Eiweißgehalt, dafür aber einen niedrigeren Energiegehalt. Bei der Beurteilung als Futtermittel für Schweine ist betreffend dieProteinqualität der Maßstab der verdaulichen Aminosäuren anzuwenden. Hierbei zeigt sich, dass diese gegenüber dem Referenzfuttermittel Sojaschrot in deutlich geringerer Konzentration vorliegen, was sich sowohl durch eine geringere Bruttomenge, wie auch eine geringere Verdaulichkeit begründen lässt. Zudem sind Körnerleguminosen mit Ausnahme der Sojabohne besonders arm an schwefelhaltigen Aminosäuren (Methionin, Cystin), was bei der Rationszusammenstellung beachtet werden muss.

Auch beim Rind können die Körnerleguminosen eine Alternative zum Soja- oder Rapsschrot sein

Tabelle 1: Daraus ergeben sich folgende maximale Empfehlungen für den Einsatz (%, nach UFOP-Empfehlungen):

In den letzten Jahren wurden auf Grund der geringen Erzeugungsmengen an Körnerleguminosen nur wenige Analysen auf Inhaltsstoffe in Deutschland durchgeführt. Da sich der Anbau aber momentan deutlich erhöht, haben sich die Fütterungsreferenten der Länder mit Unterstützung der UFOP entschlossen, die deutschlandweite Beprobung von Körnerleguminosen wieder aufzunehmen. In 2025 wurden daher deutschlandweit 50 Futtermittelproben in Zusammenarbeit mit dem LeguNet gezogen. Die Proben wurden bei der LKS Lichtenwalde auf Inhaltsstoffe untersucht.

In Tabellen 2 sind die ermittelten Inhaltsstoffe aufgeschlüsselt.

Aus den 2025er Daten lassen sich folgende Aussagen ableiten:

Rohprotein und Aminosäuren:

Bei den Ackerbohnen, Süßlupinen und Sojabohnen werden die aus den DLG-Tabellen entnommenen Mittelwerte für das Rohprotein in etwa erreicht. Bei Erbsen liegen die Werte deutlich unter den Tabellenwerten.

Bei allen Inhaltsstoffen treten allerdings große und für Rationsberechnungen relevante Streuungen auf. Daher ist eine Inhaltsstoffuntersuchung vor dem Einsatz im eigenen Betrieb bzw. ggf. in der Futtermittelindustrie unbedingt notwendig.

ADF/NDF:

Gegenüber den bisher aufgelisteten Werten für die säurelöslichen und neutraldetergenzienlöslichen Faserbestandteile zeigen die in diesem Jahr analysierten Werte starke Abweichungen. Ähnlich fielen die Werte im Körnerleguminosen-Monitoring von 2015-2017 aus. Hier sind sicherlich Anpassungen der Tabellenwerte nötig.

Beim Schwein wirken sich insbesondere die Erbsen positiv auf die Darmgesundheit aus

Neue Bewertungsparameter Rinderfütterung

Erstmals wurden auch die neuen Futtermittelbewertungsparameter in der Rinderfütterung, neben den bisher etablierten mit ermittelt. Auch hier zeigen sich deutliche Unterschiede in der Parameterausprägung zwischen den Körnerleguminosen. Die deutlichen Schwankungsbreiten insbesondere bei den Parametern der Proteinbewertung entstehen durch die hohen Schwankungsbreiten im Rohprotein.

Tabelle 2: Inhaltsstoffe der Körnerleguminosen (Angaben je kg 88% TM, Mittelwert und Spannbreite)

Tabelle 3: Inhaltsstoffe der Körnerleguminosen (Angaben je kg 88% TM, Mittelwert und Spannbreite)

DER DIREKTE DRAHT

Dr. Manfred Weber
LLG Iden
Tel: 0393906283
Mail: Manfred.Weber[at]llg.sachsen-anhalt.de

Sabine Schmidt
LLG Iden
Tel: 0393906409
Mail: Sabine.Schmidt[at]llg.sachsen-anhalt.de