Kappungsgrenzen für Anbaubiomasse im EU-Recht neu bewerten
Einer ersten Schätzung des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) zur weltweiten Pflanzenölbilanz 2026/27 zufolge wird sich die globale Erzeugung auf voraussichtlich 244,1 Mio. t belaufen, das sind rund 6,8 Mio. t mehr als in der laufenden Saison. Dieses Angebot wird den Bedarf von voraussichtlich 237,6 Mio. t vollständig decken. Die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e. V. (UFOP) sieht daher einen dringenden Evaluierungsbedarf zur Anpassung der Kappungsgrenze bei Biokraftstoffen aus Anbaubiomasse und begründet dies mit der Pufferwirkung des Rohstoffangebotes und dem Beitrag zur Versorgungssicherheit.
Palmöl bleibt nach Einschätzung der Agrarmarkt Informations‑Gesellschaft mbH (AMI) bei Herstellung und Verbrauch das weltweit bedeutendste Pflanzenöl. Die globale Produktion wird auf einen Höchstwert von 81,4 Mio. t geschätzt. Gegenüber 2025/26 entspricht das einem Plus von 90.000 t. Indonesien bleibt mit 47,5 Mio. t größter Erzeuger, gefolgt von Malaysia mit 19,6 Mio. t und Thailand mit 3,7 Mio. t.
Die Produktion von Sojaöl dürfte im kommenden Wirtschaftsjahr ebenfalls zunehmen. Mit einem Zuwachs von 2,9 Mio. t auf 74,7 Mio. t fällt der Anstieg hier am deutlichsten aus. China bleibt als mit Abstand größter Verarbeiter von Sojabohnen mit 21,4 Mio. t Sojaöl Hauptproduzent, gefolgt von den USA mit gut 14,8 Mio. t.
Die Rapsölerzeugung dürfte 2026/27 mit 37,2 Mio. um 2,7 Mio. t höher ausfallen als in der laufenden Saison. Die Produktion von Sonnenblumenöl wird mit 23,5 Mio. t voraussichtlich um rund 2,6 Mio. t ausgeweitet, vor allem aufgrund von Produktionssteigerungen in der Ukraine, Russland und der EU‑27.
Die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e. V. (UFOP) hebt infolge der in den EU-Mitgliedsstaaten erfolgten Umsetzung der RED III sowie der ambitionierten Quotenpolitik in Nord- bzw. Südamerika und in Asien den hiermit einhergehenden zunehmenden Bedarf an Abfallölen und- fetten für die Herstellung von Biodiesel bzw. HVO hervor. Bei den Abfallölen geht die UFOP davon aus, dass 5 % bis 10 % der globalen Pflanzenölproduktion als Abfallöl eingesammelt werden können. Das globale sammelfähige Abfallölaufkommen betrage daher nur ca. 12 bis 24 Mio. t. Hinzu komme, dass sich die Sektoren Schiffs- und Flugverkehr zu Wettbewerbern um diesen Rohstoff entwickelten. Denn nach EU-Recht müssen Biokraftstoffe, die in diesen Sektoren angerechnet werden sollen, aus Abfall- bzw. Reststoffen hergestellt sein.
Dieser Umlenkungseffekt gehe zu Lasten der Dekarbonisierung des Straßenverkehrs, betont die UFOP. Daher stelle sich mit Blick auf die anstehende Neufassung der Erneuerbare Energien-Richtlinie (RED IV) die Frage nach einer Revision der Kappungsgrenzen für Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse und deren Beitrag zur Versorgungssicherheit. Die UFOP begründet dies mit der Schaffung eines Angebotspuffers, um die gesetzlichen Zielvorgaben in der Beimischung und auch bei den Klimaschutzvorgaben erfüllen zu können. Der Expertenrat für Klimafragen komme in seinem aktuellen Bericht zum Ergebnis, dass das Klimaschutzprogramm der Bundesregierung für den Verkehrssektor nicht ausreichend sei, sondern vom Prinzip „Hoffnung“ getragen werde, stellt die UFOP kritisch fest.
