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Futterwert regional angebauter Körnerleguminosen
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Die zunehmende Forderung des Lebensmitteleinzelhandels nach einer GVO-freien Fütterung und dem häufig einhergehenden Verzicht auf Sojaimporte macht die Findung weiterer geeigneter Proteinquellen zu einem zentralen Thema in der Milchviehfütterung.

Der Einsatz von regional angebauten Körnerleguminosen stellt eine alternative Proteinquelle in der Rinderfütterung dar. Körnerleguminosen gelten als wertvolle und anspruchsvolle Kulturpflanzen. Durch die Fähigkeit zur Stickstoffbindung mit Hilfe von Knöllchenbakterien leisten sie einen wichtigen Beitrag zur regenerativen N-Versorgung im Ackerbau. Ebenso lockern sie getreidereiche Fruchtfolgen auf und werden im Rahmen der Greeningprämie gefördert.

Die regional angebauten Körnerleguminosen sind in den vergangenen Jahren fast vollständig aus den Rationen unserer Rinder verschwunden. Ebenso fehlen Befunde zu den Futterwerten aktueller Züchtungen. Die heimischen Körnerleguminosen unterliegen starken Ertragsschwankungen und die Proteinqualität ist im Vergleich zu den Ölschroten (Raps- und Sojaextraktionsschrot) deutlich geringer. Das Protein von Körnerleguminosen unterliegt teilweise einem hohen mikrobiellen Abbau im Pansen. Daraus ergibt sich ein geringer UDP-Gehalt von 15 bzw. 17 % bei Ackerbohne und Erbse. Mit Hilfe von unterschiedlichen Behandlungsmethoden (z.B. Rösten oder Toasten) kann die Proteinbeständigkeit von Körnerleguminosen positiv beeinflusst und eine effizientere Nutzung des Proteins ermöglicht werden. Bei Erbsen und Ackerbohnen ist eine thermische Behandlung genau abzuwägen, da es zu einem Stärke-Aufschluss kommen kann. Folge ist ein rascherer und umfänglicherer Abbau der Stärke im Pansen, was in der Rinderfütterung nicht erwünscht ist.

In der vorliegenden Untersuchung sollten aktuelle Daten bezüglich der Verdaulichkeit und des Futterwertes von Körnerleguminosen ermittelt werden.

Methode

Im Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Riswick, Kleve wurden Verdaulichkeitsmessungen mit drei Körnerleguminosen (Sojabohne, Ackerbohne und Erbse) durchgeführt.

Die Prüfung erfolgte im Differenzversuch entsprechend der Vorgaben der GfE (1991) zur Durchführung von Verdaulichkeitsmessungen an Wiederkäuern mit je vier Hammeln. Es wurden 500 g Prüffutter und 500 g Heu je Hammel und Tag verfüttert. In der Heugruppe bekamen die Hammel 1.000 g Heu je Tier und Tag. Nach einer zweiwöchigen Anfütterungsphase wurden Kot und Futter über sieben Tage quantitativ erfasst. Die Futter- und Kotproben wurden bei der LUFA NRW, Münster, nasschemisch analysiert. Das Vorgehen orientiert sich an den Vorgaben des VDLUFA. Auf Basis der verdaulichen Rohnährstoffe wurden die Gehalte an ME und NEL nach den Maßgaben der GfE (2001) kalkuliert.

Ergebnisse

In der Tabelle sind die Rohnährstoffgehalte, in vitro-Parameter, Verdaulichkeiten und Energiegehalte der geprüften Leguminosen im Vergleich zu den Tabellenwerten für diese Futtermittel aus der DLG Futterwerttabelle (1997) dargestellt.

Die Analysenbefunde der Sojabohne wiesen mit 84,5 % einen geringen TM-Gehalt auf. Die Rohprotein- und Rohfettgehalte waren im Vergleich zu den Tabellenwerten der DLG Futterwerttabelle (1997) erhöht. Auffällig ist außerdem ein geringerer Anteil an Faserbestandteilen sowie ein um fast 20 % erhöhter Kaliumgehalt. Der Vergleich mit den in der DLG Futterwerttabelle (1997) angegebenen Verdaulichkeiten deutet auf eine geringere Fettverdaulichkeit der vorliegenden Sojabohnen hin. Der errechnete Energiewert lag trotz der geringen Fettverdaulichkeit mit 10,7 MJ NEL/kg TM um 0,8 MJ NEL/kg TM über dem Tabellenwert.

Bei den Ackerbohnen lagen die Rohasche- und Rohproteingehalte auf dem in der DLG-Futterwerttabelle (1997) ausgewiesenen Niveau. Der Rohfettgehalt sowie der Anteil an Faserfraktionen waren im Vergleich zu den Tabellenwerten erhöht. Der Stärkegehalt war mit 382 g/kg TM um zehn Prozent geringer als in der Futterwerttabelle, wohingegen der Zuckergehalt um zehn Prozent erhöht war. Insgesamt ergab sich eine Verdaulichkeit der organischen Masse von 90,5 %. Die ermittelten Verdaulichkeiten stimmen gut mit den Daten aus der DLG Futterwerttabelle (1997) überein. Der aus den Verdaulichkeiten errechnete Energiewert liegt bei 8,6 MJ NEL/kg TM und damit auf gleichem Niveau wie in der Futterwerttabelle beschrieben.

Beim Einsatz von Ackerbohnen und besonders von Erbsen in der Ration ist vor allem auf deren hohen Stärkegehalt zu achten.

Im Versuch wurden ebenfalls zwei Erbsenproben mit jeweils vier Hammeln untersucht (Erbse I und II). Bei beiden Proben bestehen bezüglich der Analysenbefunde und der errechneten Energiegehalte deutliche Abweichungen zu den Angaben der DLG-Futterwerttabelle (1997). Der Rohfettgehalt bei Erbse I überschritt mit 25 g/kg TM deutlich die Tabellenwerte, das Futter wies zudem einen höheren Stärkegehalt und einen relativ geringen Phosphorgehalt auf. Das Futter Erbse II besaß mit lediglich 83,2 % einen geringen TM-Gehalt. Ein Wasseranteil von über 15 % schränkt die Lagerfähigkeit von Futtermitteln dieser Art deutlich ein. Bei dieser Probe wurde der in der Futterwerttabelle angegebene Rohproteingehalt leicht unterschritten. Ebenso wie bei der Probe Erbse I lag der Stärkegehalt deutlich oberhalb des Tabellenwertes.

Auffallend war bei beiden Proben eine sehr hohe Verdaulichkeit der organischen Substanz, die deutlich oberhalb der tabellierten Werte liegt. Die Verdaulichkeit der Rohfaser betrug bei dem Futtermittel Erbse I über 94 Prozent und liegt damit 16 Prozentpunkte über dem Tabellenwert. Aus der Verdaulichkeit der organischen Substanz von über 93 % ergab sich bei Erbse I ein errechneter Energiegehalt von 9,1 MJ NEL/kg TM und bei Erbse II, trotz des hohen Wassergehaltes, ein Energiegehalt von 9,0 MJ NEL/kg TM.

Rohnährstoffgehalte, in vitro Parameter, Verdaulichkeiten und Energiegehalte von Sojabohne, Ackerbohne und Erbse sowie die Angaben zu den Futtermitteln aus der DLG-Futterwerttabellen für Wiederkäuer, 1997

FAZIT

Körnerleguminosen zählen zu den energiereichsten Futtermitteln, wobei die Herkunft aus ökologischem oder konventionellem Anbau keinen Einfluss auf die Energiewerte hat. Der hohe Energiegehalt ergibt sich aus hohen Stärke- oder Fettanteilen und durch die hohe Verdaulichkeit der Faserstoffe. Die Verdaulichkeit der organischen Masse liegt bei der Ackerbohne und den Erbsen bei ≥ 90,5 % und damit oberhalb der derzeit unterstellten Tabellenwerte. Aufgrund von Sorten-, Jahres-, Boden- und Klimaeffekten gibt es hinsichtlich der Inhaltsstoffe erhebliche Schwankungsbreiten. Es ist somit anzuraten, eine entsprechende Analyse zu veranlassen, um den korrekten Einsatz in der Fütterung zu ermöglichen. Außerdem ist in der Fütterung zu berücksichtigen, dass unbehandelte Körnerleguminosen geringe UDP-Anteile im Rohprotein aufweisen und daher eine stark positive RNB besitzen.

In der Wiederkäuerration wird die Nutzbarkeit der Körnerleguminosen in erster Linie durch die Erfordernisse der Rationsoptimierung bestimmt. Bei Erbse und Ackerbohne ist der relativ hohe Stärkeeintrag zu beachten sowie bei der Sojabohne der Fettgehalt der Gesamtration. Die antinutritiven Inhaltsstoffe führen in der Wiederkäuerration nicht zu einer Einsatzbeschränkung.

Die Nutzung der regional angebauten Körnerleguminosen kann bei ausbilanzierter Fütterung entsprechend den Rationsvorgaben empfohlen werden.

 

DER DIREKTE DRAHT

Dr. Jana Denißen und Bernadette Feldmann,
Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen

Fotos (Katrin Mahlkow-Nerge)