Einsatz von Weißer Süßlupine in der Milchkuhfütterung
Weiße Süßlupinen gehören zu den eiweißreichen heimischen Körnerleguminosen. Dank der Toleranz der neuen Sorten (Celina und Frieda) gegenüber Anthraknose könnte der Anbau in Deutschland wieder an Attraktivität gewinnen. Allerdings können Süßlupinen auch hohe Gehalte an Alkaloiden aufweisen, die die Futteraufnahme der Milchkühe senken können und auch in die Milch übergehen können. Vor diesem Hintergrund wurden unterschiedliche Mengen Weißer Süßlupinen in einem Milchkuhfütterungsversuch der LLG Iden und der LWK Niedersachsen geprüft.
Fütterungsuntersuchung in Iden
Zwei Fütterungsgruppen (Kontrollgruppe [KG], Versuchsgruppe [VG]) mit je 36 Milchkühen wurden gebildet. Die Tiere beider Gruppen befanden sich zu Versuchsbeginn im Mittel bei 76 Laktationstagen (28. bis 130. Laktationstag) und innerhalb der 1. bis einschließlich 5. Laktation.
Während die KG durchweg mit Rationen ohne Weiße Süßlupine gefüttert wurde, erhielten die Tiere der VG in der ersten Fütterungsphase für 13 Wochen eine TMR mit 2,5 kg Weißer Süßlupine (Sorte Celina), auf die eine einwöchige Auswaschphase mit lupinefreier Fütterung erfolgte. In der sich anschließenden vierwöchigen Fütterungsphase wurde den Versuchstieren eine TMR mit 4,0 kg Weißer Süßlupine (Sorte Celina) gefüttert, auf die wiederum eine einwöchige Auswaschphase folgte. Der Versuch wurde um eine Einheitsfütterung I (alle Tiere ohne Süßlupine) und II (alle Tiere mit 2,0 kg Süßlupine) erweitert (Tabelle 1).
Tabelle 1: Konzept des Fütterungsversuches zum Einsatz von Weißen Süßlupinen in der Milchkuhfütterung in der LLG Iden 2024

In der Phase mit dem Einsatz von 2,5 kg Weiße Süßlupinen je Tier und Tag in der TMR der Versuchstiere wurden zusätzlich 1,3 kg Rapsextraktionsschrot (RES) eingesetzt. Bei den Kühen der KG wurden in diesem Fütterungsabschnitt dagegen 2,8 kg RES in die TMR eingemischt. Damit konnte durch den Einsatz von 2,5 kg Weißer Süßlupine 1,5 kg RES ersetzt werden. Beim Einsatz von 4,0 kg Weißer Süßlupine + 1,0 kg RES je Tier und Tag in der TMR der Versuchsgruppe konnten dann gegenüber der Kontroll-TMR 2,0 kg RES eingespart werden. Hierbei muss aber immer der Einsatz der Grobfuttermittel berücksichtigt werden, da im Fütterungsabschnitt mit den 4,0 kg Weißer Süßlupine keine Luzernesilage mehr in der TMR eingesetzt wurde (Tabelle 2).
Der Austausch der beiden Futtermittel kann aber auch über die Gehalte an Rohprotein kalkuliert werden. Die Weißen Süßlupinen wiesen einen Gehalt von 252 g/kg TM Rohprotein (88 % TM) und das RES von 291 g/kg TM auf. Damit kann 1,0 kg Weiße Süßlupine bezogen auf Rohprotein eine Menge von 0,86 kg RES ersetzen. Zu beachten sind auch die Gehalte der Weißen Lupine, die in den Futterwerttabellen der LfL Bayern (2024) mit 376 g und in den Futterwerttabellen der DLG (2014) mit 370 g je kg angegeben werden. Hier wird erneut die Notwendigkeit einer Untersuchung der betrieblich erzeugten Futtermittel deutlich.
Am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wurden die Futterkomponenten Weiße Süßlupine, das lupinefreie Mischfutter und die TMR auf ihren Gehalt an Chinolizidinalkaloiden (QA) untersucht. Die TMR (vier Untersuchungen) und das Mischfutter (zwei Untersuchungen) wiesen keine QA auf. Dagegen wiesen die Weißen Süßlupinen im Mittel QA-Gehalte von 1.879 mg je kg TM auf (Abbildung 1). Da die zugekaufte Ware zwar von einem Betrieb, aber mehreren Ackerflächen stammte, wurde mindestens einmal wöchentlich das verfütterte Süßupinenschrot untersucht.
Dabei ergaben sich zwischen den beiden Fütterungsabschnitten nur geringe Unterschiede im QA-Gehalt (1.910 bzw. 1.848 mg je kg TM).
Aufgrund der betrieblichen Futterbedingungen vor allem bei den Grobfuttermitteln mussten die Rationen mehrmals im Verlauf der Untersuchungen angepasst werden. Die eingesetzten Rationen wiesen im Mittel einen Anteil an Grobfutter von 59 % auf. Beim Einsatz von 4,0 kg Weißer Süßlupine musste die Luzernesilage aus der TMR entfernt werden, was einen höheren Anteil an Grassilage in diesem Fütterungsabschnitt erforderte (Tabelle 2).
Tabelle 2: Zusammensetzung der TMR und Rationsparameter der beiden Fütterungsgruppen während des Einsatzes von 2,5 kg (KG 1/VG 1) bzw. 4,0 kg (KG 2/VG 2) Weiße Süßlupinen je Kuh/Tag

Süßlupinen bringen hohe Leistungen
Im ersten Fütterungsabschnitt betrug die mittlere TM-Aufnahme beider Fütterungsgruppen 27,7 kg, wobei sich die Futteraufnahme zwischen den Gruppen nicht signifikant unterschied. In Auswaschphase I nahmen die Kühe im Durchschnitt 26,3 kg TM auf. In der anschließenden Phase mit 4,0 kg Süßlupinen je Tier wurden 26,2 kg TM und in der abschließenden Auswaschphase II dann 27,1 kg TM aufgenommen. Werden die Futteraufnahmen der Kontroll- und Versuchsgruppe differenziert betrachtet (Tabelle 3), kann in der Phase mit den 4,0 kg Süßlupinen der höchste Differenzbetrag dokumentiert werden.
In der TM-Aufnahme gab es weder im Mittel der 24-wöchigen Untersuchung (27,2 kg/TM in der KG und 27,1 kg/TM in der VG) noch in den verschiedenen Abschnitten signifikante Unterschiede zwischen den beiden Fütterungsgruppen (Abbildung 2).
Die mittlere Milchleistung der Kühe im Fütterungsabschnitt I mit 2,5 kg Süßlupine betrug 40,6 kg je Tier und Tag unterschied sich nicht zwischen den beiden Fütterungsgruppen. In der Auswaschphase 1 lag die ECM-Leistung aller Kühe bei 37,6 kg ECM, während die Kühe der Versuchsgruppe im Fütterungsabschnitt mit 4,0 kg Süßlupinen eine um + 1,4 kg ECM höhere ECM-Leistung erbrachten (Tabelle 4).
Über den gesamten Zeitraum der analysierten Wochen konnte für die Milchkühe der Versuchsgruppe eine signifikant höhere ECM-Leistung je Tag dokumentiert werden (KG: 39,9 kg ECM; VG: 40,8 kg ECM), was bei einer vergleichbaren Milchleistung vor allem auf den signifikant höheren Gehalt an Milchfett (KG: 3,64 %; VG: 3,85 %) und einen tendenziell höheren Gehalt an Milcheiweiß (KG: 3,37 %; VG: 3,39 %) zurückzuführen ist (Abbildung 3).
Der Milchharnstoffgehalt lag im gesamten Versuchszeitraum im Rahmen der Empfehlungen von 150 bis 250 mg/l. Dabei zeigten sich höhere Werte von 246 mg/l in der Versuchsgruppe beim Einsatz von 2,5 kg Weißer Süßlupine. Im Fütterungsabschnitt der 4,0 kg Variante verringerte sich der Gehalt um 22 mg/l (Tabelle 5).
Die Milcheiweißmenge war über den gesamten Versuchszeitraum zwischen der Kontrollgruppe und der Versuchsgruppe auf einem sehr ähnlichen Niveau, auch wenn eine laktationsbedingte Verminderung der erzeugten Eiweißmenge in beiden Gruppen ersichtlich wurde (Tabelle 6). Über den gesamten Zeitraum und auch in den verschiedenen Fütterungsabschnitten konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen ermittelt werden.
Aufgrund der höheren Milchleistung und der erhöhten Gehalte an Milchfett bei den Kühen der Versuchsgruppe in der Fütterungsvariante mit den 2,5 kg Weiße Süßlupinen konnte eine höhere Milchfettmenge (+ 82 g Fett je Tag) ermittelt werden (Tabelle 7). Bei der 4,0 kg Variante betrug die Differenz + 93 g/Tag und unterschied sich signifikant zwischen den beiden Fütterungsgruppen.
Aus einem Fütterungsversuch des BfR mit Milchkühen zum Transfer von Chinolizidinalkaloiden (QA) aus Blauer Süßlupine in die Milch wurde eine Aufnahme von 2.600 mg Gesamt-QA je Kuh und Tag abgeleitet, bei der infolge des Transfers in die Milch auch bei hohem Verzehr von Milch und Milchprodukten keine gesundheitlichen Effekte bei allen Verbrauchergruppen zu erwarten sind (BfR-Stellungnahme Nr. 051/2024). Im vorliegenden Versuch mit Weißer Süßlupine nahmen die Milchkühe im Fütterungsabschnitt mit den 2,5 kg Süßlupinen 4.774 mg QA und beim Einsatz von 4,0 kg Weißer Süßlupine 7.329 mg je Tier und Tag auf.
Wie hoch der Transfer von QA aus Weißen Süßlupinen in die Milch ist und welche Einsatzmengen sich in der Milchkuhfütterung aus Sicht des gesundheitlichen Verbraucherschutzes ergeben, kann erst nach Abschluss der BfR-Auswertungen mitgeteilt werden.
FAZIT
Aus den vorliegenden Untersuchungen zum Einsatz unterschiedlicher Mengen an Weißer Süßlupine bei Milchkühen lassen sich folgende Schlussfolgerungen für die praktische Umsetzung ableiten:
- Weiße Süßlupinen bis zu einer Menge von 4,0 kg je Kuh und Tag senken nicht die TM-Aufnahme. Damit können Weiße Süßlupinen bei ausreichender Verfügbarkeit in der Fütterung der Milchkühe eingesetzt werden, um eine Reduzierung anderer zugekaufter Eiweißfuttermittel zu ermöglichen.
- Mit dem Einsatz von Weißen Süßlupinen ergaben sich bei einer vergleichbaren Futteraufnahme höhere Milchleistungen mit signifikant höheren Milchfettgehalten und tendenziell höheren Milcheiweißgehalten.
- Neben den positiven Eigenschaften der Weißen Süßlupinen in der Fütterung muss mit Blick auf den gesundheitlichen Verbraucherschutz der Transfer der Chinolizidinalkaloide (QA) aus dem Futter in die Milch berücksichtigt werden.









