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Einsatz von verarbeiteten tierischen Proteinen (VTP Geflügel) beim Ferkel – Versuchsdurchgang 2
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Der Einsatz von verarbeiteten tierischen Proteinen (VTP) in der Tierernährung ist seit Herbst 2021 wieder erlaubt (Verordnung (EU) 2021/137 der Kommission). Grundsätzlich dürfen VTP nicht an dieselbe Art verfüttert werden (Kannibalismusverbot). Dies bedeutet, dass die Verwendung von VTP von Schweinen für Geflügelfutter und von VTP von Geflügel für Schweinefutter möglich ist.

Die VTP sind nicht mehr vergleichbar mit den Fleisch- bzw. Fleischknochenmehlen (DLG, 1992) aus der Zeit vor der BSE-Krise. Deshalb sind entsprechende Fütterungsversuche notwendig. In einem ersten Versuch mit Ferkeln am Staatsgut Schwarzenau wurden Rationen mit VTP und Rationen mit pflanzlichen Eiweißträgern (Sojaextraktionsschrot) verglichen. Das VTP wurde über ein Ergänzungsfutter eingesetzt. In diesen Versuch führte der Einsatz von VTP zu niedrigeren Futteraufnahmen und Leistungen (Preißinger et al., 2023). Diese Ergebnisse stehen in Widerspruch zu Untersuchungen aus Köllitsch (Meyer und Olschewski, 2023), bei dem Geflügelmehl als Rationskomponente und nicht über ein Ergänzungsfutter eingesetzt wurde.

In vorliegendem Versuch wurde das Geflügelmehl direkt in die Ration eingemischt, um evtl. geschmackliche Beeinträchtigungen durch weitere Bearbeitungsprozesse auszuschließen. Die Einsatzrate des Geflügelmehls mit 3,5 % in der Ration entspricht der des vorhergehenden Versuchs (Preißinger et al., 2023) und dient der Vergleichbarkeit.

Der Fütterungsversuch mit VTP aus Geflügelmehl wurde von August bis Sept 2024 am Ausbildungs- und Versuchszentrum des Staatsguts Schwarzenau der Bayerischen Staatsgüter (BaySG) durchgeführt. Dazu wurden 192 schwanzkupierte Ferkel der Rasse Pi x (DL x DE) nach Lebendmasse (LM), Abstammung und Geschlecht ausgewählt und gleichmäßig auf folgende Gruppen aufgeteilt.

  • Kontrollgruppe: kein Geflügelmehl
  • VTP-Gruppe: 3,5 % Geflügelmehl in der Ration

Zu Versuchsbeginn waren die Ferkel im Mittel 28 Tage alt und wogen knapp 8 kg. Der Versuch gliederte sich in zwei Fütterungsabschnitte von jeweils drei Wochen Dauer. In den einzelnen Phasen wurden Ferkelaufzuchtfutter (FAF) mit unterschiedlichen Rohprotein- und Aminosäuregehalten eingesetzt (s. Tabelle 1). Die Ferkel wurden in 16 Buchten zu je 12 Tieren auf Kunststoffspalten ohne Einstreu gehalten.

Wie verwerten Ferkel Geflügelmehle im Futter?

Was ist drin im verarbeiteten tierischen Protein vom Geflügel

Die analysierten Nährstoffgehalte und die Gehalte an Nährstoffen laut Datenblatt des eingesetzten VTP gehen aus Tabelle 1 hervor. Beim Vergleich der Analysenergebnisse mit den Angaben im Datenblatt fallen die deutlich niedrigeren Gehalte an Lysin- und Methionin bei der Analyse auf. Demgegenüber ergaben sich durch die Analyse beim Cystin bzw. Tryptophan 2,7- bzw. 3,4-fach höhere Werte. Bei Valin und Threonin stimmen Analyse und Angaben im Datenblatt im Rahmen der ASR sehr gut überein. Auch bei der TM, der Rohasche und dem Rohprotein passten die Angaben im Datenblatt gut zu den analysierten Werten. Lediglich beim Rohfett wurde gegenüber der Angabe im Datenblatt ein höherer Gehalt gefunden. Beim Kalzium passte die Analyse im Rahmen des ASR gut zum Wert im Datenblatt, beim P lag der analysierte Wert höher und knapp außerhalb des ASR. Gegenüber dem Datenblatt wurde ein deutlich niedrigerer Gehalt an Eisen analysiert.

Tabelle 1: Angaben im Datenblatt und analysierte Nährstoffgehalte des verarbeiteten tierischen Proteins (Angaben pro kg Frischmasse)

Die Versuchsfutter enthielten 3,5 % Geflügelmehl, das dem Futter direkt zugesetzt wurde

Die FAF beider Gruppen basierten auf Getreide, Sojaextraktionsschrot (SES), Mineralfutter, Sojaöl und Fumarsäure (siehe Tabelle 2).

Tabelle 2: Zusammensetzung und mit Zifo 2 kalkulierte Nährstoffgehalte der Versuchsrationen (Angaben pro kg bei 88 % TM)

Bei der Mehrzahl der untersuchten Inhaltsstoffe stimmten Analyse und Kalkulation im Rahmen der ASR gut überein bzw. die analysierten Werte lagen gegenüber der Kalkulation nur knapp außerhalb der jeweiligen ASR. Höhere und außerhalb der ASR liegende Werte wurden bei der Rohfaser im FAF II der Kontrollgruppe sowie beim Kalzium in allen Futtermischungen außer dem FAF I der Kontrollgruppe analysiert. Der P-Gehalt im FAF I der VTP lag niedriger als kalkuliert und außerhalb des ASR.

Deutlich geringere Zunahmen in der Geflügelmehlgruppe

In Tabelle 3 sind die LM-Entwicklung, die täglichen Zunahmen, der Futterverbrauch, die kalkulierte Aufnahme an ME, die daraus errechneten Futter- und Energieeffizienzkennzahlen sowie die N- und P-Saldierung dargestellt.

Tabelle 3: LM-Entwicklung, tägliche Zunahmen, Futter- und ME-Verbrauch, Futter- und ME-Effizienz sowie N- und P-Saldierung (LS-Means)

Futterverbrauch

Der Futterverbrauch war bei Einsatz der verarbeiteten tierischen Proteine in allen Versuchsphasen numerisch vermindert. In der ersten Versuchsphase ließen sich die Unterschiede von 409 Gramm gegenüber 516 Gramm in der Kontrolle aufgrund der großen Streuung in der Kontrollgruppe bei 8 Buchten pro Behandlung statistisch nicht mehr absichern.

In der zweiten Fütterungsphase und im Mittel des Versuchs lag der Futterverbrauch in der VTP-Gruppe niedriger. Die Unterschiede ließen sich ebenfalls statistisch nicht absichern. In der zweiten Fütterungsphase wurden 1125 beziehungsweise 1192 Gramm und im Versuchsmittel 758 beziehungsweise 846 Gramm Futter pro Tier und Tag verbraucht.

Tägliche Zunahmen

In der ersten Phase sowie im Mittel der Aufzucht lagen die täglichen Zunahmen in der VTP-Gruppe signifikant niedriger. So wurden in der ersten Phase 289 gegenüber 313 Gramm und im Mittel der Aufzucht 483 gegenüber 508 Gramm erzielt. Im zweiten Fütterungsabschnitt wurden 689 gegenüber 712 Gramm erzielt. Wie in Versuch 1 gehen die niedrigeren täglichen Zunahmen in der VTP-Gruppe mit dem ebenfalls in dieser Gruppe niedrigerem Futterverbrauch einher. Dies spiegelt sich auch in der Entwicklung der Lebendmasse wider.

Futteraufwand

Was den Futteraufwand betrifft, so ergaben sich in beiden Phasen und im Mittel der Ferkelaufzucht keine signifikanten Unterschiede. Der Futteraufwand pro Kilogramm Zuwachs lag im Versuchsmittel bei 1,57 Kilogramm in der VTP-Gruppe und bei 1,65 Kilogramm in der Kontrollgruppe.

Stickstoff- und Phosphorsaldierung

Es errechnete sich eine N-Ausscheidung von 339 g in der Kontroll- und von 272 g in der VTP-Gruppe. Dieser Unterschied ließ sich statistisch nicht absichern.

Wegen der numerisch höheren P-Aufnahme und des geringfügig niedrigeren P-Ansatzes in der VTP-Gruppe gegenüber der Kontrolle ergab sich in der VTP-Gruppe mit 88 g gegenüber 69 g eine signifikant höhere P-Ausscheidung (P=0,049).

Insgesamt schlechtere Leistungen durch den Einsatz der VTP

FAZIT

Geringere Leistungen durch VTP?
Wie auch im vorhergehenden Versuch (Preißinger et al. 2023) zeigte der Einsatz von VTP (Geflügel) bei einer bedarfsgerechten Rationsgestaltung keine Vorteile gegenüber einer rein pflanzlichen Futterration auf Basis von SES. Während der gesamten Ferkelaufzucht waren der Futterverbrauch beim Einsatz von VTP numerisch und die täglichen Zunahmen in der VTP-Gruppe signifikant niedriger. Das Einmischen über ein Ergänzungsfuttermittel und das direkte Einmischen des VTP aus Geflügels führte zu vergleichbaren Ergebnissen.

Aufgrund der geringeren Leistung im vorliegenden Versuch erübrigt sich eine wirtschaftliche Betrachtung für das VTP. Durch den Anteil von 3,5 % VTP in der Ration ließ sich der Anteil an SES um 6 Prozentanteile verringern. Würde man eine vergleichbare Leistung unterstellen, so dürfte das VTP bei einem Preis von 40 €/dt für SES knapp 70 €/dt kosten.

Um Einsatzempfehlungen für VTP vom Geflügel geben zu können sind weitere Versuchsanstellungen notwendig, zumal es sich bei VTP je nach Anteil von Fleisch und Knochen um heterogene Futtermittel handelt und die Ergebnisse aktueller Studien zum Teil widersprüchlich sind (Meyer und Olschewski, 2023).

So berichten Meyer et al. (2023) beim Ferkel von signifikant verbesserten Zunahmen (525 g gegenüber 514 g) und einem numerisch erhöhten Futterverbrauch um 35 g (801 g gegenüber 766 g) bei Einsatz von VTP von Geflügel beim Ferkel. Allerdings erhielten die Ferkel bei Meyer et a. (2023) erst nach einer Woche nach dem Absetzen das Futter mit den VTP für 28 Tage, während in vorliegender Untersuchung das VTP unmittelbar nach dem Absetzen über 42 Tage zum Einsatz kam.

Die insgesamt zur Verfügung stehenden Mengen, die Einsatzmöglichkeiten im Heimtierbereich sowie der hohe logistische Aufwand für die Futtermittelindustrie, der u.a. durch das Verbot von Kannibalismus verursacht wird, sind bezüglich des Einsatzes von VTP vom Geflügel in der Schweinefütterung zu diskutieren.

DER DIREKTE DRAHT

Dr. Wolfgang Preißinger
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Tierernährung und Futterwirtschaft
Dienstort Schwarzenau
D-97359 Schwarzach a. Main
Stadtschwarzacher Str. 18

E-Mail: Wolfgang.Preissinger[at]LfL.bayern.de