Einsatz von verarbeiteten tierischen Proteinen (VTP Geflügel) beim Ferkel – Versuchsdurchgang 1
Der Einsatz von verarbeiteten tierischen Proteinen (VTP) in der Nutztierfütterung ist seit Herbst 2021 möglich (Verordnung (EU) 2021/1372 der Kommission). Grundsätzlich dürfen VTP nicht an die gleiche Tierart verfüttert werden, d.h. Kannibalismus muss ausgeschlossen sein. Das bedeutet, dass nur die Verwendung von VTP von Schweinen für Geflügelfutter und von VTP von Geflügel für Schweinefutter erlaubt ist. VTP von Rindern dürfen nicht verwendet werden.
Die VTP sind nicht mehr vergleichbar mit den Fleisch- bzw. Fleischknochenmehlen (DLG, 1992) aus der Zeit vor der BSE-Krise. Deshalb sind Fütterungsversuche notwendig, um die Einsatzmöglichkeiten dieser Futtermittel zu prüfen. In einem Versuch am Staatsgut Schwarzenau wurden Ferkelrationen mit VTP und Rationen auf rein pflanzlicher Basis (Sojaextraktionsschrot, SES) miteinander verglichen.
Der Fütterungsversuch dauerte 6 Wochen
Der Fütterungsversuch mit VTP wurde von Januar bis März 2023 am Ausbildungs- und Versuchszentrum des Staatsguts Schwarzenau der Bayerischen Staatsgüter durchgeführt. Dazu wurden 192 schwanzkupierte Ferkel der Rasse Pi x (DL x DE) nach Lebendmasse (LM), Abstammung und Geschlecht ausgewählt und gleichmäßig auf folgende Gruppen aufgeteilt.
- Kontrolle, nur pflanzliche Eiweißfutterkomponenten
- VTP-Gruppe mit 3,5 % VTP in der Ration
Zu Versuchsbeginn waren die Ferkel im Mittel 28 Tage alt und wogen ca. 8,5 kg. Der Versuch gliederte sich in zwei Fütterungsabschnitte von jeweils drei Wochen Dauer. In den einzelnen Phasen wurden Ferkelaufzuchtfutter (FAF) mit unterschiedlichen Rohprotein- und Aminosäuregehalten eingesetzt (s. Tabelle 1). Die Ferkel wurden in 16 Buchten zu je 12 Tieren auf Kunststoffspalten ohne Einstreu gehalten. Als Beschäftigungsmaterial gemäß Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung diente Heu in Raufen.
Die Versuchsfutter enthielten 3,5 % VTP
Die FAF der Kontrollgruppe basierten auf Getreide, Sojaextraktionsschrot (SES), Mineralfutter, Sojaöl und Fumarsäure (siehe Tabelle 1). In der Testgruppe wurde ein Ergänzungsfutter eingesetzt, das 50 % VTP enthielt. Das Mineralfutter in der Kontrollgruppe und das Ergänzungsfutter mit VTP stammten von der gleichen Firma und waren auf die jeweiligen Fütterungskonzepte abgestimmt.
Tabelle 1: Zusammensetzung und mit Zifo 2 kalkulierte Nährstoffgehalte der Versuchsrationen (Angaben pro kg bei 88 % TM)

Im FAF I zeigten sich gegenüber der Kalkulation keine größeren Unterschiede bzw. Abweichungen bei den analysierten Inhaltsstoffen zwischen dem Futter der Kontroll- und der VTP-Gruppe. Auch im FAF II passte die Mehrzahl der analysierten Inhaltsstoffe im Rahmen der jeweiligen ASR gut zur Kalkulation. In beiden Gruppen wurden jedoch höhere und außerhalb des ASR liegende Kalziumgehalte analysiert. Beim Rohprotein lag in der Kontrollgruppe der analysierte Gehalt niedriger als der kalkulierte und außerhalb des ASR. Beim Phosphor wurde in der VTP-Gruppe ein gegenüber der Kalkulation höherer Gehalt festgestellt, der knapp außerhalb des ASR lag.
Keine positiven Effekte durch das Geflügelmehl
In Tabelle 2 sind die Lebendmasseentwicklung, die täglichen Zunahmen, der Futterverbrauch, die kalkulierten Aufnahmen an ME sowie die daraus errechneten Futter- und Energieeffizienzkennzahlen dargestellt.
Tabelle 2: LM-Entwicklung, tägliche Zunahmen, Futter- und ME-Verbrauch sowie Futter- und ME-Effizienz (LS-Means)

Futterverbrauch
Der Futterverbrauch war bei Einsatz der verarbeiteten tierischen Proteine in der ersten Versuchsphase mit 446 gegenüber 487 Gramm in der Kontrolle signifikant niedriger. Auch in der zweiten Fütterungsphase und im Mittel des Versuchs lag der Futterverbrauch in der VTP-Gruppe niedriger. Die Unterschiede ließen sich aber statistisch nicht absichern.
In der zweiten Fütterungsphase wurden 1041 beziehungsweise 1087 Gramm und im Versuchsmittel 736 beziehungsweise 780 Gramm Futter pro Tier und Tag verbraucht.
Tägliche Zunahmen
In beiden Phasen sowie im Mittel der Aufzucht lagen die täglichen Zunahmen in der VTP-Gruppe signifikant niedriger. So wurden in der ersten Phase 292 gegenüber 314 Gramm und in der zweiten Phase 536 gegenüber 584 Gramm erzielt. Im Mittel der Aufzucht lagen die Tageszunahmen in der VTP-Gruppe um 35 Gramm niedriger als in der Kontrolle (411 gegenüber 446 Gramm). Die niedrigeren täglichen Zunahmen in der VTP-Gruppe gehen mit dem ebenfalls in dieser Gruppe niedrigerem Futterverbrauch einher. Dies spiegelt sich auch in der Entwicklung der Lebendmasse wider.
Höhere Phosphorausscheidungen in der Versuchsgruppe
Im Versuch errechnete sich eine Stickstoffausscheidung von 345 g in der Kontroll- und von 336 g in der VTP-Gruppe. Der Unterschied von rund 3 % ließ sich statistisch nicht absichern.
Die Phosphorausscheidungen lagen bei 78 g in der Kontroll- und bei 88 g in der VTP-Gruppe. Der Unterschied von rund 13 % ließ sich statistisch absichern.
FAZIT
Was brachte der Versuch?
In vorliegendem Fütterungsversuch mit Ferkeln zeigte der Einsatz von VTP (Geflügel) bei einer bedarfsgerechten Rationsgestaltung keine Vorteile gegenüber einer rein pflanzlichen Futterration auf Basis von SES. Während der gesamten Ferkelaufzucht wurde ein niedrigerer Futterverbrauch beim Einsatz von VTP festgestellt. In den ersten drei Wochen war der Unterschied signifikant. Warum die Ferkel weniger von dem Futter mit VTP aufgenommen bzw. verbraucht haben, konnte nicht abschließend geklärt werden. Möglicherweise ist die mangelnde Akzeptanz für dieses Futter auf den Geschmack des VTP zurückzuführen. Die Tageszunahmen waren in der VTP-Gruppe ebenfalls niedriger. Die Unterschiede ließen sich über die gesamte Ferkelaufzucht statistisch absichern.
Aufgrund der geringeren Leistung im vorliegenden Versuch erübrigt sich eine wirtschaftliche Betrachtung für die VTP. Durch den Anteil von 3,5 % VTP in der Ration ließ sich der Anteil an SES um 4,5 Prozentanteile verringern. Würde man eine vergleichbare Leistung unterstellen, so dürfte das VTP bei einem aktuellen Preis von 50 €/dt für SES etwa 64 €/dt kosten.
Um Einsatzempfehlungen für VTP vom Geflügel geben zu können sind weitere Versuchsanstellungen notwendig, zumal es sich bei VTP je nach Anteil von Fleisch und Knochen um heterogene Futtermittel handelt und die Ergebnisse aktueller Studien zum Teil widersprüchlich sind.
So berichten Meyer et al. (2023) beim Ferkel von signifikant verbesserten Zunahmen (525 gegenüber 514 g) und einem numerisch erhöhten Futterverbrauch um 35 g (801 gegenüber 766 g) bei Einsatz von VTP von Geflügel beim Ferkel. Allerdings erhielten die Ferkel bei Meyer et a. (2023) erst nach einer Woche nach dem Absetzen das Futter mit den VTP für 28 Tage, während in vorliegender Untersuchung das VTP unmittelbar nach dem Absetzen über 42 Tage zum Einsatz kam.
Die insgesamt zur Verfügung stehenden Mengen, die Einsatzmöglichkeiten im Heimtierbereich sowie der hohe logistische Aufwand für die Futtermittelindustrie, der u.a. durch das Verbot von Kannibalismus verursacht wird, sind bezüglich des Einsatzes von VTP vom Geflügel beim Schwein zu diskutieren.
DER DIREKTE DRAHT
Dr. Wolfgang Preißinger
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Tierernährung und Futterwirtschaft
Dienstort Schwarzenau
D-97359 Schwarzach a. Main
Stadtschwarzacher Str. 18
E-Mail: Wolfgang.Preissinger[at]LfL.bayern.de

