Einsatz von Körnerhirse in Ferkel- und Mastschweinerationen – Teil 2: Schweinemast
Global betrachtet ist Körnerhirse die fünftwichtigste Getreideart. Aufgrund ihrer hohen Toleranz gegenüber Trockenheit kann Körnerhirse (Sorghum bicolor) insbesondere bei langanhaltenden Trockenperioden, wie sie auch immer häufiger in Deutschland auftreten, punkten. Zudem zeichnet sie sich durch eine gute Standfestigkeit, eine hohe Stickstoffverträglichkeit sowie einen hohen Nährstoffgehalt bei stabiler Ertragslage aus. Körnerhirse kann für die Schweinefütterung sowohl eine Alternative für Weizen und Gerste in Trockenlagen, als auch für Körnermais bei Auftreten des Westlichen Maiswurzelbohrers darstellen.
In einer Versuchsreihe mit Ferkeln und Mastschweinen wurde der Einsatz von Körnerhirse vom Absetzen bis zur Schlachtung getestet. Dabei wurde anteilig Getreide (Gerste und Weizen) durch Körnerhirse ersetzt.
Es besteht die Frage, ob Körnerhirse als kompletter Ersatz von üblichen Getreiden in der Schweinemast fungieren kann.

Versuchsdurchführung
Die Versuchsreihe mit Körnerhirse (Sorte Arsky) am Ausbildungs- und Versuchszentrum des Staatsguts Schwarzenau der Bayerischen Staatsgüter wurde von Februar bis Juli 2024 durchgeführt.
Die Mast gliederte sich in drei Fütterungsphasen (30–60 kg, 60–90 kg und 90–120 kg LM). Die Mastschweine wurden am Langtrog mit Sensorsteuerung (Firma Schauer) flüssig gefüttert. Die Flüssigfuttermengen wurden für jede Bucht automatisch verwogen. Die Trockenmassen (TM) des Flüssigfutters wurden wöchentlich bestimmt. Die LM wurden wöchentlich am Einzeltier zur Berechnung der täglichen Zunahmen erfasst. Bei Erreichen von ca. 120 kg LM wurden die Mastschweine nach den Richtlinien der Mastleistungsprüfung (Bundesverband Rind und Schwein, 2019) an vier Terminen im Versuchsschlachthaus Schwarzenau geschlachtet. Die Schlachtgewichte (SG) und die Muskelfleischanteile (MFA) wurden mit einer in Bayern verbreiteten Abrechnungsmaske verglichen. Der optimale Gewichtsbereich lag dabei zwischen 84 und 110 kg SG. Der Basispreis errechnete sich bei 57 % MFA. Die Systemgrenzen lagen zwischen 84 und 120 kg SG bei 61 % MFA. Unter 84 kg SG wurden maximal 57 % MFA berücksichtigt.
Die Versuchsrationen (s. Tabelle 1) basierten auf Getreide, Sojaextraktionsschrot mit 44 % Rohprotein und Mineralfutter. Die FAF enthielten zusätzlich eine Futtersäure und Ölergänzung. Für das Absetzfutter wurde ein handelsübliches Ergänzungsfuttermittel herangezogen. In beiden Versuchsgruppen wurden die gleichen handelsüblichen Mineralfutter für Ferkel und Mastschweine verwendet. In der Hirsegruppe wurde Weizen und Gerste anteilig durch Körnerhirse ersetzt.
Tabelle 1: Zusammensetzung sowie kalkulierte Nährstoffgehalte der Rationen (Angaben pro kg bei 88 % TM)

Futteranalysen
Die analysierten Nährstoffgehalte und geschätzten Gehalte an ME der eingesetzten Körnerhirse und der Versuchsrationen sind in Tabelle 2 zusammengestellt. Zur besseren Vergleichbarkeit wurden diese auf Trockenfutter mit 88 % TM korrigiert.
Körnerhirse
Die Körnerhirse wies einen ME-Gehalt von 13,3 MJ, einen Rohproteingehalt von 102 g und einen Lysin-gehalt von 2,4 g pro kg bei 88 % TM auf. Die analysierten Gehalte stimmten gut mit den Angaben für Milokorn und Hirse in der Futterwerttabelle der LfL (LfL, 2024) überein. Eine größere Abweichung zeigte sich bei der Rohfaser mit 21 g gegenüber dem Tabellenwert von 46 g. Dies erklärt auch den gegenüber dem Tabellenwert um 0,4 MJ höheren Gehalt an ME.
Mastfutter
Bei den Mastrationen stimmten die analysierten Gehalte bei der Mehrzahl der untersuchten Inhaltsstoffe im Rahmen ihrer ASR mit den vorab kalkulierten Werten überein. Lediglich die analysierten Gehalte von Valin waren niedriger als kalkuliert und lagen außerhalb des ASR.
Tabelle 2: Analysierte Nährstoffgehalte der Körnerhirse und der Versuchsrationen (Angaben pro kg bei 88 % TM)
Leistungen in der Mast
In Tabelle 3 sind die LM-Entwicklung, die täglichen Zunahmen, der Futterverbrauch, die kalkulierten Aufnahmen an ME sowie die daraus errechneten Futter- und Energieeffizienzkennzahlen für den Mastabschnitt zusammengestellt.
Bedingt durch den 5-tägigen Abstand zur letzten Wiegung im Ferkelstall ergaben sich um 3,2 kg (Kontrolle) bzw. um 2,4 kg (Hirsegruppe) höhere LM beim Einstallen ins Mastabteil.
Die täglichen Zunahmen bewegten sich im Mittel der Mast mit 864 g in der Kontroll- und 852 g in der Hirsegruppe auf einem mittleren Niveau. Die Unterschiede waren nicht signifikant. Signifikante Unterschiede gab es in der Anfangs- und Endmast. Während in der Anfangsmast die Tiere der Hirsegruppe etwa 30 g höhere tägliche Zunahmen aufwiesen, war es in der Endmast umgekehrt. In dieser Phase hatten die Tiere der Kontrollgruppe um rund 80 g höhere tägliche Zunahmen. In der Mittelmast wurden in beiden Gruppen mit 904 bzw. 903 g nahezu identische tägliche Zunahmen erzielt.
Tabelle 3: LM-Entwicklung, tägliche Zunahmen, Futter- und ME-Verbrauch sowie Futter- und ME-Effizienz in der Mast (LS-Means)
Auf den Futterverbrauch und die kalkulierte Aufnahme an ME pro Tier und Tag zeigte sich in allen Mastabschnitten und im Mittel der Mast kein signifikanter Effekt. Im Mittel der Mast lag der Futterverbrauch bei 2,5 kg in der Kontroll- und bei 2,4 kg in der Hirsegruppe. Die entsprechenden Werte für die ME-Aufnahmen beliefen sich auf 31 MJ in der Kontroll- und auf 30 MJ in der Hirsegruppe.
Der Futteraufwand und der Aufwand an ME pro kg Zuwachs waren ebenfalls in allen Mastabschnitten und im Mittel der Mast nicht signifikant beeinflusst. Im Mittel der Mast lag der Futteraufwand bei 2,89 kg (Kontrolle) bzw. bei 2,78 kg (Hirse). Der Aufwand an ME belief sich im Mittel der Mast auf rund 35 MJ in beiden Gruppen
Schlachtkörperbeurteilung und Schlachterlöse

Die Schlachtkörperbeurteilung geht aus Tabelle 4 hervor. Beim bezahlungsrelevanten Schlachtkörperparameter Muskelfleischanteil (MFA) war mit mittleren Werten von 60,1 % (Kontrolle) und 59,5 % (Hirse) kein Effekt der Fütterung zu erkennen. Das galt auch für den Fleischanteil im Bauch mit 58,4 % (Kontrolle) und 58,0 % (Hirse). Die Ausschlachtung war in beiden Gruppen mit 81,1 % (Kontrolle) und 81,4 % (Hirse) vergleichbar hoch. Auch bei allen weiteren erhobenen Schlachtköpermerkmalen (Rückenmuskelfläche, Fettfläche, Fleisch- und Speckmaß, Fleisch-Fett-Verhältnis) zeigte sich kein signifikanter Unterschied. Einzig beim Schlachtgewicht und der Schlachtkörperlänge traten signifikante Unterschiede auf. So ergaben sich in der Kontrollgruppe mit 97,7 kg gegenüber 95,8 kg bzw. mit 1025 mm gegenüber 1015 mm signifikant höhere Werte.
Stickstoff- und Phosphorsaldierung
In den einzelnen Versuchsabschnitten (Ferkelaufzucht und Mast) gab es bis auf eine einzige Ausnahme keine signifikanten Unterschiede bei den N- und P-Aufnahmen, den N- und P-Ansätzen sowie den N- und P-Ausscheidungen (vgl. Tabelle 4).
In der Mast wurde im Mittel mit 2,0 in beiden Gruppen kein Unterschied in der Kotbeschaffenheit festgestellt.
FAZIT
In der Mast gab es bis zu 45 % Körnerhirse im Mittelmastfutter keinerlei Probleme. Erst nach Erhöhung auf 50 % zeichnete sich eine signifikante Leistungseinbuße in der Endmast ab. Auf die bezahlungsrelevanten Schlachtkörpermerkmale gab es keine signifikanten Einflüsse durch die Fütterung von Körnerhirse. Laut der o.a. angeführten Broschüre für Praktiker ist der Einsatz von Körnerhirse als alleinige Getreidekomponente möglich. Dies konnte durch die vorliegende Versuchsanstellung nicht bestätigt werden. Es sind deshalb weitere Versuche mit höheren Anteilen an Körnerhirse notwendig. Aufgrund der bisher vorliegenden Ergebnisse sollten maximal 45 % Körnerhirse in Mastrationen für Schweine eingesetzt werden.




