Einsatz von Körnerhirse in Ferkel- und Mastschweinerationen – Teil 1: Ferkelaufzucht
Global betrachtet ist Körnerhirse die fünftwichtigste Getreideart. Aufgrund ihrer hohen Toleranz gegenüber Trockenheit kann Körnerhirse (Sorghum bicolor) insbesondere bei langanhaltenden Trockenperioden, wie sie auch immer häufiger in Deutschland auftreten, punkten. Zudem zeichnet sie sich durch eine gute Standfestigkeit, eine hohe Stickstoffverträglichkeit sowie einen hohen Nährstoffgehalt bei stabiler Ertragslage aus. Körnerhirse kann für die Schweinefütterung sowohl eine Alternative für Weizen und Gerste in Trockenlagen, als auch für Körnermais bei Auftreten des Westlichen Maiswurzelbohrers darstellen.
In einer Versuchsreihe mit Ferkeln und Mastschweinen wurde der Einsatz von Körnerhirse vom Absetzen bis zur Schlachtung getestet. Dabei wurde anteilig Getreide (Gerste und Weizen) durch Körnerhirse ersetzt.
Körnerhirse weist eine gute Trockentoleranz auf und eignet sich hervorragend in der Schweinefütterung

Versuchsdurchführung
Die Versuchsreihe mit Körnerhirse (Sorte Arsky) am Ausbildungs- und Versuchszentrum des Staatsguts Schwarzenau der Bayerischen Staatsgüter wurde von Februar bis Juli 2024 durchgeführt. Dazu wurden 176 Absetzferkel der Rasse Pi x (DL x DE) nach Lebendmasse (LM), Abstammung und Geschlecht ausgewählt und gleichmäßig auf zwei Versuchsgruppen (Kontrolle und Hirse) aufgeteilt. Die eingesetzten Rationen sind in Tabelle 1 zusammengestellt.
Die Tiere wurden jeweils in 16 Buchten zu je 11 Tieren ohne Einstreu gehalten. Die Ferkelaufzucht gliederte sich einschließlich des Absetzfutters (Woche 1) in drei Fütterungsphasen. In den Versuchswochen 2 und 3 sowie in den Versuchswochen 4 bis 6 wurde jeweils ein Ferkelaufzuchtfutter (FAF) mit unterschiedlichen Nährstoffgehalten eingesetzt. Zu Versuchsbeginn waren die Tiere im Durchschnitt vier Wochen alt und wogen knapp 8 kg. Die Ermittlung des Futterverbrauchs erfolgte in der Ferkelaufzucht täglich für jede Bucht über eine Spotmix Waage- und Transporteinheit (Spotmix 2, Schauer Agrotronic GmbH).
Die Versuchsrationen (s. Tabelle 1) basierten auf Getreide, Sojaextraktionsschrot mit 44 % Rohprotein und Mineralfutter. Die FAF enthielten zusätzlich eine Futtersäure und Ölergänzung. Für das Absetzfutter wurde ein handelsübliches Ergänzungsfuttermittel herangezogen. In beiden Versuchsgruppen wurden die gleichen handelsüblichen Mineralfutter für Ferkel und Mastschweine verwendet. In der Hirsegruppe wurde Weizen und Gerste anteilig durch Körnerhirse ersetzt.
Tabelle 1: Zusammensetzung sowie kalkulierte Nährstoffgehalte der Rationen (Angaben pro kg bei 88 % TM)
Körnerhirse
Die Körnerhirse wies einen ME-Gehalt von 13,3 MJ, einen Rohproteingehalt von 102 g und einen Lysingehalt von 2,4 g pro kg bei 88 % TM auf. Die analysierten Gehalte (Tabelle 2) stimmten gut mit den Angaben für Milokorn und Hirse in der Futterwerttabelle der LfL (LfL, 2024) überein. Eine größere Abweichung zeigte sich bei der Rohfaser mit 21 g gegenüber dem Tabellenwert von 46 g. Dies erklärt auch den gegenüber dem Tabellenwert um 0,4 MJ höheren Gehalt an ME.
Ferkelaufzuchtfutter
Bei den Ferkelaufzuchtrationen stimmten die analysierten Gehalte bei der Mehrzahl der untersuchten Inhaltsstoffe im Rahmen ihrer ASR mit den vorab kalkulierten Werten überein bzw. lagen beim Methionin bei drei Rationen nur knapp außerhalb. Größere Abweichungen zur Kalkulation ergaben sich nur beim Rohprotein im Absetzfutter der Kontrollgruppe, beim Valin im Absetzfutter der Hirsegruppe sowie beim Kalzium im Absetzfutter der Kontrollgruppe und im FAF 2 der Hirsegruppe.
Tabelle 2: Analysierte Nährstoffgehalte der Körnerhirse und der Versuchsrationen (Angaben pro kg bei 88 % TM)
Leistungen in der Ferkelaufzucht
In Tabelle 3 sind die Lebendmasseentwicklung, die täglichen Zunahmen, der Futterverbrauch, die kalkulierten Aufnahmen an ME sowie die daraus errechneten Futter- und Energieeffizienzkennzahlen zusammengestellt
Im Mittel der Ferkelaufzucht ergaben sich mit 729 g (Kontrolle) und 738 g (Hirse) keine signifikanten Effekte auf den Futterverbrauch (siehe Tabelle 3). Ein signifikanter Unterschied zeigte sich nur in Phase 1 mit 232 g in der Kontroll- und 194 g in der Hirsegruppe. In den Phasen 2 und 3 waren mit 405 bzw. 418 g und 1130 bzw. 1153 g keine signifikanten Unterschiede zu erkennen. Fast man die Phasen 1 und 2 zusammen, so waren mit 347 g (Kontrolle) und 343 g (Hirse) keine Unterschiede zu erkennen. Auch bei der kalkulierten Aufnahme an ME wurde im Mittel der Ferkelaufzucht mit rund 10 MJ pro Tier und Tag in beiden Gruppen kein Unterschied festgestellt. Ein signifikanter Unterschied zeigte sich nur in Phase 1 mit 3,2 MJ in der Kontroll- und 2,7 MJ in der Hirsegruppe. In den Phasen 2 und 3 waren mit 5,5 bzw. 5,7 MJ und 15,4 bzw. 15,7 MJ keine signifikanten Unterschiede zu erkennen. Fasst man auch hier die Phasen 1 und 2 zusammen, so war mit 4,7 MJ in beiden Gruppen die Aufnahme an ME pro Tier und Tag in der ersten Hälfte der Ferkelaufzucht gleich hoch.
Beim Futteraufwand pro kg Zuwachs war weder im Mittel der Aufzucht noch in den einzelnen Phasen ein signifikanter Effekt festzustellen. Im Mittel belief sich der Futteraufwand pro kg Zuwachs auf 1,55 kg in der Kontroll- und auf 1,56 kg in der Hirsegruppe. Gleiches galt auch für den Aufwand an ME pro kg Zuwachs. Im Mittel der Ferkelaufzucht lag dieser in beiden Gruppen bei etwa 21 MJ pro kg Zuwachs.
In der Ferkelaufzucht wurden somit Empfehlungen aus Österreich bestätigt. Laut dem dort durchgeführten EIP-Projekt „Innobrotics“ (Innobrotics Broschüre für Praktiker) sollte bei hohen Leistungserwartungen in der Ferkelaufzucht der Hirseeinsatz auf etwa 30 % der Mischung begrenzt werden, da sonst mit einer Abnahme der Futterverwertung zu rechnen ist. Wetscherek-Seipelt und Wetscherek (2015) fanden bei Einsatzraten von bis zu 70 % Körnerhirse in Ferkelrationen jedoch keine signifikanten Effekte auf die Leistungen.
Abbildung 1 zeigt den Futterverbrauch der Tiere beider Versuchsgruppen vom Absetzen bis zur Aufstallung in die Mast.
Tabelle 3: LM-Entwicklung, tägliche Zunahmen, Futter- und ME-Verbrauch sowie Futter- und ME-Effizienz (LS-Means)
Stickstoff- und Phosphorsaldierung
In den einzelnen Versuchsabschnitten gab es bis auf eine einzige Ausnahme keine signifikanten Unterschiede bei den N- und P-Aufnahmen, den N- und P-Ansätzen sowie den N- und P-Ausscheidungen (vgl. Tabelle 4). In der Ferkelaufzucht wurde in der Hirsegruppe bedingt durch die analysierten höheren Rohproteingehalte des Absetz- und FAF 2 mit 797 g gegenüber 752 g numerisch mehr N pro Tier aufgenommen. Dies führte bei einem N-Ansatz von 492 g (Kontrolle) und 497 g (Hirse) zu einer signifikant höheren N-Ausscheidung von 300 g gegenüber 260 g.
Keinen Effekt zeigte die Fütterung der Hirse auf die Kotbeschaffenheit in der Ferkelaufzucht. Betrachtet man die gesamte Ferkelaufzucht, so lassen sich keine eindeutigen Unterschiede in der Kotbeschaffenheit feststellen. Der Durchschnittswert der Kontrollgruppe ist mit 2,3 leicht besser als der der Hirsegruppe mit 2,4. Lediglich in der ersten Versuchswoche wurde in beiden Versuchsgruppen mit im Mittel 3,4 ein deutlich weicherer Kot festgestellt.
FAZIT
Die Einsatzrate von 20 % Körnerhirse im Absetzfutter und von 30 % im FAF 1 und FAF 2 führte bei Ferkeln zu keinen negativen Effekten auf die Futter- und Energieaufnahme, den Futter- und Energieaufwand pro kg Zuwachs sowie die täglichen Zunahmen. Die Einsatzempfehlungen aus Österreich für Körnerhirse im Ferkelfutter (Innobrotics Broschüre für Praktiker) wurden dadurch bestätigt.





