Betrieb Harrer – Titting
Thomas und Helene Harrer haben sich im Jahr 2015 entschlossen, ihren schweinehaltenden Betrieb zu erweitern. 250 Sauen werden seitdem nach den Vorgaben des Naturland- Verbandes im Biobetrieb bewirtschaftet. Dazu kommen 540 Plätze für die Vormast und 700 Endmastplätze.
Der somit teilgeschlossene Betrieb liegt in Titting, einem Markt und staatlich anerkannten Erholungsort im oberbayerischen Landkreis Eichstätt auf den Jurahöhen der Frankenalb. 170 ha bewirtschaften die Harrers dort im Umfeld mit dem Schwerpunkt auf Getreide und Kleegras. Den Großteil des anfallenden Mistes wird in der betriebseigenen Biogasanlage veredelt.
Betriebsspiegel (Titting):
170 ha Ackerbau (Kleegras, Körnermais, Erbsen, Weizen, Hafer, Triticale, Winter- und Sommergerste)
Höhenlage: 540 ü.NN
250 Sauenplätze mit Aufzucht bis ca 12 kg
540 Vormastplätze, 700 Endmastplätze3,5 Mitarbeiter im Gesamtbetrieb
Lohnarbeiten im Ackerbau
„Nach längerer Überlegungsphase haben wir uns 2015/16 dann entschlossen mit unserer neuen Produktionsstätte auszusiedeln und dann ging es ganz schnell. Die Genehmigungen machten kaum Probleme, so dass wir in 2017 beginnen konnten unserer neuen Ställe zu bauen“ erzählt Thomas Harrer. Mit viel eigenen Ideen und Eigenarbeit konnten die Ställe schnell erstellt und mit ersten Tieren belegt werden.
2015 haben sich Helene und Thomas Harrer entschlossen, die Schweinehaltung in ihrem Biobetrieb neu aufzustellen

Gebaut wurde für den 2-Wochenrhythmus, betrieben wird er aber im Moment im Wochenrhythmus, wobei aber die Überlegungen in der Familie zum Übergang zum 2-Wochenrhythmus diskutiert werden. Dies hätte den Vorteil, dass die Abferkelställe tatsächlich im Wechsel betrieben und gereinigt werden könnten.
Warte- und Deckstall
In Titting hat man sich im kombinierten Warte-/Deckstall für die Dreiflächenbucht entschlossen. Neben einem abgedeckten Liegebereich weist die Bucht noch einen Aktivitätsbereich mit Schieberentmistung und einen Fressbereich mit Fressbuchten auf. Im Deckbereich stehen den Sauen 5 m² zur Verfügung, im Wartebereich 4,7. Gefüttert wird auf den Kontroll-/Futtergang, der sich zwischen den beiden Buchtenreihen befindet. „Wir haben dabei bewusst auf einen Futtertrog verzichtet. So können wird das benötigte Raufutter ebenfalls über den Futtergang anbieten. Dieses wird einmal am Tag wieder nachgelegt und mehrmals angeschoben“ macht Thomas Harrer deutlich. Die Sauen haben damit die Möglichkeit, ganztägig Beschäftigungsfutter aufzunehmen. Ausgebracht wird dieses wie das Stroh über den Einstreuroboter.
Die Einstreu ist dagegen komplett mechanisiert. Genutzt wird dabei das Einstreusystem Astor der österreichischen Firma Hetwin. Eine sich selbstfüllende Gondel, die alle Ställe durchfährt, kann neben der Stroheinstreu auch Heu als Beschäftigungsfutter in den Mastställen dosieren. Dabei bemerkt der Betriebsleiter: „Erst wenn die Einstreutechnik einmal ausfällt, was Gott sei Dank sehr selten bisher passiert ist, merkt man welche Arbeitsersparnis diese Technik mit sich bringt“.
Für die Abkühlung der Sauen im Sommer wurden in Titting poröse Schläuche genutzt, die über dem Aktivitätsbereich hängen und zeitgesteuert Wasser in kleinen Tropfen abgeben. Die Decken sind mit 20 cm Dämmstoff beauflagt, um eine Aufheizung im Sommer zu vermeiden.
Über dem Aktivitätsbereich ist das Dach offen, so dass sich hier auch der notwendige Auslauf innen im Stall befindet.
Abferkelstall – Aufstallung nach eigenen Erfahrungen
In den Bau der Abferkelställe sind viele eigenen Ideen eingeflossen. So sind die jeweils 2 der zweireihigen Ställe unter einem Dach zusammengefasst. Dadurch sind die im Biobetrieb notwendigen Ausläufe für Sauen und Ferkel jeweils komplett überdacht (einmal nach außen, einmal nach innen), was in Bayern zulässig ist. Besondere Sonnenschutzmaßnahmen sind daher nicht nötig und auch sehr wenig Regenwasser in der Einstreu. Als weiterer Vorteil eines innen liegenden Auslaufes ist die Möglichkeit des Weiterbetriebes auch im Zuge von AFP-Restriktionen.
Durch die Anbringung von steuerbaren Klappen an den offenen Längsseiten der Ställe lässt sich ein Winter- und Sommerbetrieb gewährleisten. Ab Außentemperaturen unter 5° C werden die Klappen geschlossen und der Stall in einen annähernden Warmstall umgewandelt. Die notwendige Wärmezufuhr im Winter erfolgt über eine Fußbodenheizung. „Dazu haben wir über 10 km Wasserrohre in den Liegebereichen verlegt. Damit können wir den kleinen Tieren ausreichend Wärme anbieten. Grund dafür ist auch die Nutzung der Wärme aus der Biogasanlage.“ ergänzt Thomas Harrer.
Auch in der Buchtengestaltung haben die Harrers ihre Vorstellungen mit eingebracht. „Die Bucht sollte so einfach wie möglich sein. Da wir freies Abferkeln durchführen, sind keine Absperrmaßnahmen für die Sauen notwendig. Nur der Pfosten in der Mitte soll die Sauen in der Bucht führen“. Durch die Nutzung von viel Holz konnten die Stallausrüstung komplett in Eigenleistung erstellt werden.
Wichtig war aber die Möglichkeit jederzeit in die Ferkelnester zu schauen und die absperren zu können. Daher legten sie die Tittinger gleich an den Kontrollgang, natürlich auch mit Fußbodenheizung ausgestattet.
Auch im Abferkelstall geschieht das Einstreuen automatisch. Gefüttert wird draußen, auch das ohne Trog. Eine erhöhte Betonplatte mit randseitig erhöhten Kanten dient als Futtertisch. Daneben befindet sich die Tränke, auch hier viel Eigenleistung. Die Tränkeschale wurde in den Beton gestempelt und wird von oben direkt aus der Wasserleitung befüllt.
Mastställe mit innenliegendem Auslauf
Auch in den Mastställen wird mit Stroheinstreu gearbeitet (Sommer 1x pro Tag, Winter 2 x pro Tag). Die sehr langen und schmalen Buchten unterteilen sich generell in drei Bereiche. Der Liegebereich ist mit einer hochfahrbaren Abdeckung und einer Fußbodenheizung versehen. Daran schließt sich dann der Fress- und Aktivitätsbereich an, der regelmäßig vom Einstreuroboter eingestreut wird.
Dieser dosiert auch das Raufutter, hier Heu, auf den Boden aus. Auch beim Futter bleiben sich die Tittinger treu und arbeiten ohne Tröge. Auch das Futter wird im Strohbereich auf den Boden ausdosiert, so dass die Schweine den ganzen Tag wühlen und nach Futter suchen können.
Die Buchten sind rechts und links vom zentralen Entmistungsgang angeordnet. Damit sie auch mit Auslauf gewertet werden können, ist der First des Stalles offen. Hier kann Sonnenlicht und Regen in den Stall eindringen. Das führt dann in den Bereichen, die nahe am zentralen Entmistungsgang liegen, natürlich auch zu feuchtem Stroh und Böden, was die Tiere zumeist veranlasst auch dort abzukoten.
Um nicht jeden Tag stundenlang den feuchten Mist händisch aus den Buchten in den zentralen tiefer liegenden Entmistungsgang, der dann wieder den Mist automatisch über einen Schieber in den abführenden Mistgang zwischen den Ställen befördert, schieben zu müssen, hat sich Thomas Harrer etwas einfallen lassen. Denn bei ihm dient die Buchtenabtrennung an der schmalen Seite zum Mistgang hin gleichzeitig als Mistschieber. Dieses erfolgt über Kettezüge, die die gesamte Abtrennung nach hinten und vorne bewegen können. So sind die Ställe innerhalb weniger Minuten täglich gemistet.
Als Mistschieber dienen die Buchtenabtrennungen zum Mistgang hin, die über Kettenzüge bewegt werden.

Dieser Mist ist dann, gemeinsam mit dem angebauten Kleegras, auch Grundlage für die betriebene Biogasanlage. Die Gärreste werden dann auf den eigenen Feldern genutzt bzw. an andere Biobetriebe abgegeben.
„Wir brauchen jedes Jahr etwa 1000 Quaderballen an Stroh für unsere Ställe, wobei der Endmaststall allein 700 davon benötigt. Um unsere Tiere gesund zu erhalte müssen wir besonders auf die Qualität achten und eine optimale Lagerung gewährleisten“ erklärt dazu Thomas Harrer.
Biologische Leistungen noch mit Reserven
ie Harrers waren mit den Leistungen ihrer Herde vor 3 Jahren auf einem guten Weg. 25 Ferkel pro Sau und Jahr sind für Biobetriebe nicht schlecht. Dann kam aber der Einbruch und es waren plötzlich nur noch 20. Ursache war die PRRS. Helene Harrer schildert es so: „Obwohl wir seit 2020 unsere Sauen gegen PRRS geimpft hatten, kam es immer wieder zu Einbrüchen. Erst im letzten Jahr haben wir den Grund gefunden. Es waren wohl immer wieder Reinfektionen aus dem Vormaststall, die wir nicht mitbekommen haben. Seit wir die Vormasttiere auch impfen hat sich die Lage deutlich gebessert. Die 25 Ferkel pro Sau erreichen wir jetzt wieder und ich erwarte auch eine weitere Steigerung in den nächsten Jahren“
Diese Zahlen werden auch benötigt, um ökonomisch mithalten zu können. Wenn auch die Preise für die Mastschweine zum Zeitpunkt des Besuchs im Herbst 2025 nicht schlecht waren. „Wir verkaufen unsere Schweine direkt an den Lebensmitteleinzelhändler Feneberg. Einmal im Jahr setzen wir uns zusammen und verhandeln die Preise fürs nächste Jahr, die sich an unseren Kosten orientieren. So haben wir immer Planungssicherheit für einen längeren Zeitraum.“ Die Abrechnung erfolgt weiterhin nach Maske und das macht den Tittingern momentan etwas Sorgen. „Durch den Einsatz des Duroc-Endstufenebers haben wir massiv Muskelfleischanteile verloren. Früher hatten wir im Schnitt 58 % jetzt gerade noch 53 %. Das Fleischmaß passt, aber das Fettmaß ist mit 22 mm einfach zu hoch.“ Aktuell sind die Muskelfleischanteile aber durch die Anpassung der Futtermischungen durch den Futtermittelberater wieder auf zufriedenstellende 57% gestiegen.
Natürlich ist die Fütterung der Schweine im Biobereich, wo ja keine freien Aminosäuren eingesetzt werden dürfen, deutlich schwieriger und damit auch fehleranfälliger als im konventionellen Betrieb. Dies zeigt auch eine Situation im letzten Jahr im Betrieb. Es traten vermehrt Klauen und Beinschäden auf. Diese konnten zurückgeführt werden auf eine Unterversorgung von Nährstoffen in der Säugezeit, was zu sehr stark abgesäugten Sauen geführt hat. Durch eine Futterstrategieumstellung ist dieses Problem jetzt deutlich in den Hintergrund gerückt worden. Die Sauen sehen nach der Säugezeit deutlich stabiler und besser konditioniert aus und die Symptome sind so gut wie nicht mehr existent.
Das Futter wird im Betrieb selbst gemischt und stammt in erster Linie vom eigenen Betrieb. 800 t können im eigenen Lager aufbewahrt werden. Etwa 550 t werden in der Ernte zugekauft. Diese Betriebe erhalten dann auch Gärreste aus der Biogasanlage, um die Nährstoffkreise wieder zu schließen.
Besonders in der Ferkelfütterung sieht man das Dilemma in der Biofütterung. Selbst mit teuren zugekauften Futtermitteln wie Bierhefe und Sojakuchen kann der Bedarf im Bereich der Aminosäuren nicht gedeckt werden, ohne die Proteinwerte in einen zu hohen Bereich abgleiten zu lassen. Daher ist es hier wichtig, möglichst hohe Absetzgewichte in den 7 Wochen Säugezeit zu erzielen. Aber auch in den Mastmischungen sieht man die Notwendigkeit der hohen Protein- und Phosphorwerte, da keine freien Aminosäuren und Phytasen eingesetzt werden dürfen. Eine N- und P-reduzierte Fütterung, wie sie in der konventionellen Fütterung mittlerweile üblich ist, ist im Biobereich fast nicht möglich.
Tabelle 1: Mischungsanteile (%) und wichtige Inhaltsstoffe in den Futtermitteln der Ferkelproduktion

Zum Schluss bleibt immer die Frage, wie geht es weiter auf dem Hof Harrer. Obwohl das Betriebsleiterehepaar noch einige Arbeitsjahre vor sich hat, zeichnet sich ab, dass mindestens 1 oder 2 der 3 Kinder Interesse haben, auf dem Hof zu bleiben.
Eine Investition im Stallbau ist aber erst einmal nicht geplant. Die Arbeitszeitkapazitäten sind momentan ausgeschöpft.












