Stickstoff- und Phosphorausscheidungen in der ökologischen Putenmast – mit welchen Werten ist zu rechnen?
Einleitung und Problemstellung
Wachsende Puten stellen hohe Ansprüche an die Versorgung mit Nähr-, Mineral- und Wirkstoffen. Unter ökologischen Fütterungsbedingungen erschweren die Vorgaben zur Fütterung die Sicherstellung der Versorgung. Hierbei sind insbesondere der Verzicht auf Extraktionsschrote, freie Aminosäuren sowie Phytase zu nennen. Als Lösungsansatz wird seitens der Anbauverbände die Haltung von langsam wachsenden Genotypen anstelle von schnell wachsenden Herkünften (z. B. „B.U.T. 6“; Aviagen 2018) gefordert. Allerdings liegen bislang für solche langsam wachsenden Herkünfte – wie z.B. „Auburn“ (Aviagen 2020) – keine fundierten Daten zur adäquaten Versorgung vor.
Im Rahmen des Forschungsprojekts „AminoVit“ (Lambertz et al. 2024) sollte diese Lücke geschlossen werden. In einer Reihe von Fütterungs- und Haltungsversuchen wurden systematische Untersuchungen durchgeführt. Für die nachstehend dargestellte Studie sollten folgende Forschungsfragen näher untersucht werden:
Welche biologischen Leistungen können Putenhähne unter den Bedingungen einer 100 %-Öko-Fütterung – bei abgestufter Versorgung mit essenziellen Aminosäuren – realisieren?
Unterscheiden sich schnell und langsam wachsende Putenhähne hinsichtlich Ansatz, Verwertung und Ausscheidung von Stickstoff und Phosphor?
Vorgehensweise
Für den Mastversuch wurden jeweils 240 männliche Eintagsküken der schnell wachsenden Herkunft B.U.T. 6 und der langsam wachsenden Linie Auburn am Versuchs- und Bildungszentrum für Geflügel der Bayerischen Staatsgüter in Kitzingen eingestallt. Die Hähne wurden in fünf Phasen zu je vier Wochen (die Phase 3 umfasste 3 Wochen) mit nährstoffangepassten Alleinfuttermischungen bis zum Mastende in der 19. Woche gehalten. Hierbei wurden die Phasen 1 und 2 als Aufzucht und die Phasen 3 bis 5 als Mast definiert. Die Haltung der Tiere erfolgte in allen Phasen im klimatisierten Stall (mit ausschließlicher Kraftfutterversorgung).
Es wurden vier verschiedene Fütterungsstrategien, respektive Fütterungsgruppen betrachtet, die unterschiedlich ausgestattete Futtermischungen aufwiesen. Die Futtermischungen enthielten durchgängig abgesenkte Gehalte an Energie (AMEN) und abgestufte Aminosäurengehalte (Tabelle 1). Alle Fütterungsgruppen erhielten in der jeweiligen Phase isoenergetische Mischungen. Es wurden jeweils 20 Tiere pro Abteil eingestallt (24 Abteile, 6 Wiederholungen für jede Fütterungsgruppe).
Die Tiere wurden während der Versuchsperiode durchgehend im Feststall ohne Auslauf gehalten. Damit wurde sichergestellt, dass die von den Tieren aufgenommenen Nährstoffe ausschließlich aus den Futtermischungen stammten und somit eine vollständige Nährstoffbilanzierung erfolgen konnte.
Tabelle 1: Versuchsdesign: Angestrebtes Versorgungsniveau (100%-90%-80%) für AMEN (MJ/kg) sowie Lysin- und Methionin-Gehalte (g/kg) in den Alleinfuttermischungen für Mastputen

Die Futtermischungen entsprachen hinsichtlich der Rohstoffauswahl jeweils den Vorgaben einer 100 %-Öko-Fütterung. Es wurden folgende Proteinfuttermittel eingesetzt: Erbsenproteinkonzentrat (78 % Rohprotein (XP)), Erbsen (18 % XP), Rapskernkuchen (29 % XP), Rapskuchen (27 % XP), Sonnenblumenkuchen (45 % XP), Sonnenblumenkuchen (38 % XP), Sonnenblumenkuchen (30 % XP) sowie Sojakuchen (42 % XP) und Maiskleber (60 % XP). Hierbei kamen die Produkte einer Rohstoffgruppe (z.B. Erbsenproteinkonzentrat und Erbsen) mit erhöhtem XP-Gehalt (respektive Aminosäurengehalt) in der ersten Aufzuchtphase zum Einsatz. Sie wurden in der zweiten Aufzuchtphase und in den anschließenden Mastphasen schrittweise durch die entsprechenden Rohstoffe mit geringerem Rohproteingehalt ersetzt.
Zur Klärung der Forschungsfragen wurden Ganzkörperanalysen durchgeführt. Hierzu wurden zum jeweiligen Phasenende aus jedem Abteil Tiere, welche mit ihrer Lebendmasse dem Mittelwert des Abteils entsprachen, entnommen. Während nach Phase 3 bis 5 jeweils ein Tier aus jedem Abteil herangezogen wurde, wurden nach Phase 1 und 2 jeweils zwei Hähne aus jedem Abteil entnommen und zu einer Probe zusammengefasst, um ausreichend Probenmaterial zu gewährleisten. Die Tiere wurden tierschutzgerecht betäubt und getötet. Nach der Entnahme und der Entleerung des Verdauungstraktes erfolgte für die Leerkörper (mit Federn und zurückgeführtem Verdauungstrakt) das Autoklavieren und anschließende Homogenisieren mit einem Kutter. Von jedem Ganzkörper wurde eine Teilprobe entnommen, gefriergetrocknet und vermahlen. Anschließend erfolgte für jede Probe die Trockensubstanzbestimmung und eine Nährstoffanalyse (Rohprotein (Stickstoff), Rohfett, Rohasche (Phosphor)).
Insgesamt lagen 120 Proben für eine statistische Auswertung vor. Es wurden 2-faktorielle Varianzanalysen mit den Faktoren «Genotyp» (G) und «Fütterung» (F) sowie der Interaktion G x F kalkuliert.
Ergebnisse und Diskussion
Der Versuch verlief störungsfrei. Über die gesamte Wachstumsperiode betrachtet, traten vergleichsweise geringe Verluste auf (7,7 %).
Die Ergebnisse der durchgeführten Futtermittelanalysen und die daraus abgeleiteten Energiegehalte (AMEN) sind in Tabelle 2 dargestellt. Die Rohproteingehalte der Futtermischungen lagen – im Vergleich zu den Angaben für die konventionelle Putenmast – auf einem ähnlichen Niveau. So empfiehlt das Zuchtunternehmen Aviagen (2015) für Hähne der Herkunft B.U.T. 6 eine Rücknahme der Rohproteingehalte von 26 – 28 % (Lebenswoche 1 – 3) auf 15 – 18 % (Lebenswoche 15 – 18). Die Phosphor-Gehalte der eingesetzten Futtermischungen waren über allen Phasen hinweg betrachtet höher als in konventionellen Mischungen (Tabelle 2). Da die Öko-Richtlinien den Einsatz von Phytase nicht erlauben, wurden erhöhte Anteile an mineralischem Phosphor eingesetzt.
Tabelle 2: Gehalte an ausgewählten Nähr- und Mineralstoffen (analysiert; in % bei 88 % TS) und Energie (berechnet; AMEN MJ/kg) in Alleinfuttermischungen der Fütterungsgruppen für die Phasen PI – PV

Die Futteraufnahme und die daraus abgeleiteten Aufnahmen an Stickstoff und Phosphor sind in Tabelle 3 dokumentiert. Im Vergleich zu den Angaben der DLG (2014) nahmen die B.U.T. 6-Hähne ähnliche Stickstoff- aber deutlich höhere Phosphormengen (436 g P/Tier versus 353 g P/Tier) auf.
Tabelle 3: Durchschnittliche Futter-, Stickstoff- und Phosphoraufnahme (kg, bzw. g/Tier) in der Aufzucht (Phasen 1 und 2), der Mast (Phasen 3 bis 5) und der gesamten Wachstumsperiode (P 1 bis 5) bei unterschiedlicher Fütterungsintensität (F); (LS-Mittelwerte und Standardfehler)

Die in dem Fütterungsversuch auf alle Versuchstiere bezogenen, erzielten biologischen Leistungen lagen auf einem hohen Niveau. So erreichten die B.U.T. 6-Hähne am Ende der 19. Woche ein Mastendgewicht von 19,7 kg, während die Hähne der Herkunft Auburn 13,7 kg erzielten. Zwischen den Genotypen konnten für die Merkmale Ganzkörpergewicht (Frischmasse) und Ganzkörperzuwachs (Trockenmasse) sowohl am Ende der Aufzucht als auch zum Mastende statistisch gesicherte Unterschiede ermittelt werden (Tabelle 4).
Die Tiere der Herkunft B.U.T.6 zeigten erwartungsgemäß höhere Leistungen als die Auburn-Hähne. Dagegen lagen die Stickstoff- und Phosphorgehalte im Ganzkörper sowohl am Ende der Aufzucht als auch zum Mastende für beide Herkünfte auf gleichem Niveau. Auch für die Fütterungsgruppen ließen sich für die genannten Merkmale keine statistisch gesicherten Unterschiede feststellen (Tabelle 4). Die B.U.T. 6-Hähne wiesen im Vergleich zu den von Hiller et al. (2023) an vergleichbaren Putenhähnen erhobenen Ganzkörper-Daten einen höheren Stickstoff-Gehalt (33,6 g/kg versus 31,7 g/kg Frischmasse) im Ganzkörper auf. Für den P-Gehalt zeigten die B.U.T. 6-Tiere aus der eigenen Studie nur geringfügig höhere Werte (4,9 g/kg versus 4,8 g/kg Frischmasse) im Ganzkörper an.
Tabelle 4: Ganzkörpergewicht (GK), Ganzkörperzuwachs sowie Stickstoff- und Phosphorgehalte im GK von Putenhähnen zum Ende der Aufzucht (P 2) und am Ende der gesamten Wachstumsperiode (P 5); (LS-Mittelwerte und Standardfehler)

Der Stickstoff- und Phosphoransatz im Ganzkörperzuwachs sowie die Stickstoff- und Phosphorverwertung (Ansatz zu Aufnahme (%)) der Putenhähne sind in der Tabelle 5 dargestellt. Am Ende der Aufzucht ergaben sich sowohl für den Stickstoff- als auch den Phosphor-Ansatz deutlich höhere Werte als am Ende der Mast. Zwischen den beiden Herkünften ließen sich für diese beiden Beobachtungszeitpunkte keine statistisch gesicherten Unterschiede für den Ansatz von Stickstoff oder Phosphor erkennen.
Dies traf auch für die Fütterungsgruppen zu. Hinsichtlich der Stickstoffverwertung zeigte sich ein differenziertes Bild. Am Ende der Aufzucht lag die Verwertung für beide Genotypen nahezu gleichauf bei 46 %. Am Ende der Mast sank dieser Wert unter 40 % ab. Hierbei zeigten die B.U.T. 6-Hähne im Vergleich zu den Auburn-Tieren signifikant höhere Werte (39.8 % versus 37,8 %). Damit erreichten die ökokonform gefütterten B.U.T. 6-Hähne nahezu das Niveau von konventionell versorgten Tieren dieser Herkunft (43 %, DLG 2014). Zwischen den Fütterungsgruppen zeigten sich sowohl am Ende der Aufzucht als auch am Ende der Mast deutlich Unterschiede in der Stickstoffverwertung. Die abnehmende Versorgung mit den beiden erstlimitierenden Aminosäuren führte zu einer verringerten Gewichtsentwicklung, aber einem Anstieg der Stickstoffverwertung.
Für die Phosphorverwertung ergaben sich nur am Ende der Mast statistisch gesicherte Unterschiede zwischen den Herkünften. Die B.U.T. 6-Tiere wiesen eine signifikant höhere Phosphorverwertung auf als die Auburn-Hähne. Im Vergleich zu der von der DLG (2014) für B.U.T. 6-Hähne ausgewiesenen Phosphor-Verwertung von 32 % lag dieser Wert für die B.U.T. 6-Tiere der eigenen Studie mit 24 % deutlich niedriger. Somit sind die Phosphor-Ausscheidungen unter ökologischen Fütterungsbedingungen stark erhöht.
Tabelle 5: Stickstoff- und Phosphoransatz im Ganzkörperzuwachs sowie Stickstoff- und Phosphorverwertung (Ansatz zu -aufnahme (%)) von Putenhähnen in der Aufzucht (P 1+2) und über den gesamten Wachstumsverlauf (P 1 – 5); (LS-Mittelwerte und Standardfehler)

FAZIT
Unter öko-konformen Fütterungsbedingungen konnten – bei gezielter Kombination und phasenbezogenem, differenzierten Einsatz von Proteinfuttermitteln – schnellwachsende Putenhähne einen ähnlich hohen Ansatz und eine vergleichbare Verwertung von Stickstoff wie unter konventionellen Fütterungsbedingungen erreicht werden. Die unter ökologischen Fütterungsbedingungen – aufgrund des Verzichts auf Phytase – überhöhte Ausstattung der Alleinfuttermischungen mit mineralischem Phosphor führte dagegen zu einer – gegenüber der konventionellen Fütterung – niedrigeren Verwertungsrate und einer deutlich erhöhten Phosphor-Ausscheidung.
Putenhähne der schnell wachsenden Herkunft B.U.T. 6 zeigten – über die gesamte Wachstumsperiode betrachtet – im Ganzkörperzuwachs sowie in der Stickstoff- und Phosphorverwertung der langsam wachsenden Herkunft Auburn deutliche vorteilhaftere Werte.

