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10 Jahre “Operatives Rahmenziel Schweinemast” in Bayern – TEIL 2
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Wo liegen die Grenzen einer weiteren N-/P-Reduktion?

Wo liegt die Untergrenze beim Rohprotein (CP)?

Die Auswertungen des “Operativen Rahmenziels Schweinemast" verdeutlichen, dass bereits heute ein relevanter Teil bayerischer Schweinemastbetriebe deutlich unter der bislang in der konventionellen Praxis üblichen CP-Konzentration füttert: Rund 20 % der beteiligten Betriebe erreichen eine mittlere gewichtete CP-Konzentration von 136 g pro kg Futter (88 % TM) bei stabilen mittleren Körpermassezunahmen von über 860 g je Tier und Tag. Damit wird das sehr stark N-reduzierte Fütterungsverfahren laut DLG (≤ 144 g CP/kg) nicht nur bereits erfolgreich umgesetzt, sondern deutlich unterschritten.

Regelmäßige Futtermittelanalysen, eine präzise Rationsberechnung sowie der Einsatz qualitativ hochwertiger Futtermittel bilden die Grundlage für die erfolgreiche Umsetzung sehr stark N-/P-reduzierter Fütterungsverfahren.

Vor diesem Hintergrund stellt sich für viele Betriebe die Frage, ob und in welchem Umfang die CP-Konzentration in den Mastrationen weiter abgesenkt werden kann. Ergebnisse aus Forschung und Praxis zeigen, dass bei optimalem Management und hohem Tiergesundheitsstatus auch niedrigere CP-Konzentrationen realisierbar sind. In gut geführten Betrieben lässt sich eine mittlere Konzentration von etwa 130 g CP/kg Futter (88 % TM) umsetzen. Das wohl größte Einsparpotential liegt in der Mast ab einer Körpermasse von 75 kg, da der Muskelansatz bzw. der Bedarf an Aminosäuren deutlich sinkt, während gleichzeitig die Futtermengen je Tier ansteigen.

Eine sehr deutliche Absenkung ist jedoch kein Selbstläufer und stellt hohe Anforderungen an das Fütterungsmanagement. Voraussetzung sind bedarfsgerecht formulierte Rationen, regelmäßig analysierte Einzelfuttermittel, eine konsequent umgesetzte Mehrphasenfütterung sowie der gezielte Einsatz hochwertiger Mineralfuttermittel oder Ergänzer. Neben Lysin, Methionin, Threonin, Tryptophan und Valin können bei sehr niedrigen CP-Niveaus auch Isoleucin und weitere Aminosäuren limitierend wirken. Eine mangelnde Kenntnis über die Nährstoffkonzentrationen der Futtermittel, schwankende Futterqualitäten oder ein unausgewogenes Aminosäurenverhältnis wirken sich dann schneller auf Leistung und Tiergesundheit aus.

Aktuell ist die Marktsituation für freie Aminosäuren entspannt, sodass diese vergleichsweise kostengünstig eingesetzt werden können und sich niedrige CP-Konzentrationen im Futter einfach umsetzen lassen. Weitere Absenkungen setzen jedoch eine verlässliche Verfügbarkeit freier Aminosäuren und stabile Preise voraus. Die Strafzölle auf Aminosäuren aus China im Jahr 2024 haben gezeigt, wie stark Deutschland in diesem Bereich von Importen abhängig ist.

Wo liegt die Untergrenze beim Phosphor (P)?

Auch beim P ist die Richtung klar: Ziel in der Praxis sollte es sein, das sehr stark P-reduzierte Fütterungsverfahren mit ≤ 4,1 g P/kg Futter im Mittel der Mast konsequent umzusetzen. Die Ergebnisse aus dem “Operativen Rahmenziel Schweinemast” zeigen, dass zahlreiche Betriebe diese Grenzen unterschreiten. Ihre Mastrationen enthalten im Mittel rund 3,8 g P/kg Futter – ohne Leistungseinbußen.

Diese Praxiserfahrungen werden durch wissenschaftliche Untersuchungen gestützt. Studien von Preißinger et al. (2021) zeigen, dass bei konsequentem Einsatz mikrobieller Phytase und einer sauber abgestimmten Rationsgestaltung ab der Mittelmast (ab ca. 60 kg Körpermasse) auf mineralischen P im Mineralfutter verzichtet werden kann. Leistung und Schlachtergebnis bleiben stabil, gleichzeitig lassen sich die P-Ausscheidungen um rund 25% reduzieren.

Die Freisetzung phytatgebundenen Phosphors durch mikrobielle Phytase verbessert die Phosphoreffizienz, reduziert den Bedarf an mineralischen Phosphorquellen und senkt die P-Ausscheidungen.

Ein deutschlandweiter P-Ringversuch zeigte, dass bei unterschiedlichen Genetiken auch mit deutlich geringeren P-Konzentrationen im Futter von Ferkeln und Mastschweinen als von der DLG beschrieben keine Beeinträchtigungen der Tiergesundheit und Knochenstabilität auftraten.

Klar ist aber schon heute: Weitere Absenkungen setzen die Kenntnis der P-Verdaulichkeit, ausreichend Phytat-P in den Futtermitteln für eine verlässliche Phytasewirkung sowie eine angepasste Relation von Calcium zu verdaulichem P voraus. Kurz gesagt: Je niedriger die P-Konzentration, desto anspruchsvoller wird die Rationsgestaltung – und speziell für Eigenmischer ist das nicht immer einfach umzusetzen.

FAZIT: Zielklarheit statt Grenzrekorde

Die Ergebnisse aus dem “Operativen Rahmenziel Schweinemast" zeigen klar: Die größten Effekte für Umwelt, Wirtschaftlichkeit, Leistung und gesellschaftliche Akzeptanz liegen nicht im Ausreizen theoretischer Minimalwerte, sondern in der breiten Umsetzung sehr stark N-/P-reduzierter Fütterungsverfahren in der Praxis.

Für die meisten Mastbetriebe gelten diese Zielwerte gut machbar und als sicher:

≤ 144 g CP/kg Futter

≤ 4,1 g P/kg Futter

Wer diese Werte erreicht, hält Leistung und Tiergesundheit stabil und senkt gleichzeitig Emissionen sowie Nährstoffausscheidungen deutlich. Betriebe, die weiter gehen möchten, können dies tun – sollten sich jedoch bewusst sein, dass der Erfolg in direktem Zusammenhang mit gesteigerter Präzision, Managementqualität und Wirtschaftlichkeit steht. Für Betriebe im Geltungsbereich der TA Luft kann insbesondere eine weitere Absenkung der N-Konzentration von Vorteil sein, da diese im Rahmen der Anforderungen der TA Luft berücksichtigt wird.

Damit wird klar: Die Untergrenze von CP und P ist kein fixer rechtlicher bzw. biologischer Wert, sondern eine bewusste betriebliche Entscheidung, die sorgfältig getroffen werden sollte.

DER DIREKTE DRAHT

Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL)
Institut für Tierhaltung, Tierernährung und Futterwirtschaft
Stadtschwarzacher Str. 18
97359 Schwarzach am Main 
E-Mail: Katja.Krebelder[at]lfl.bayern.de 
E-Mail: Elisabeth.Beckmueller[at]lfl.bayern.de

Fachhochschule Südwestfalen
rnährung/Qualität tierischer Produkte
Lübecker Ring 2
59494 Soest
E-Mail: Puntigam.Reinhard[at]fh-swf.de

Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU)
Fakultät Agrarwirtschaft, Volkswirtschaft und Management
Neckarsteige 6-10
72622 Nürtingen
E-Mail: Stephan.Schneider[at]hfwu.de