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Marktbericht KW 08 / 2020
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Im Fahrwasser festerer Rapsterminkurse haben auch die Erzeugerpreise hierzulande wieder den Weg nach oben gefunden. Damit lassen sich, wenn auch sehr vereinzelt, noch einmal Restmengen aus der Ernte 2019 mobilisieren. Doch im Großen und Ganzen ist das Geschäft mit der alten Ernte gelaufen. Erzeuger sind zumeist ausverkauft oder haben jüngste Preisbefestigung zur Abgabe letzter Partien genutzt, während gleichzeitig die Ölmühlen für alterntige Ware nur noch sporadisch als Käufer am Markt auftauchen. Das Geschäft schwenkt nun immer deutlicher auf Lieferungen ex Ernte 2020 um. Verarbeiter sind aufgrund der avisiert weiterhin knappen Inlandsversorgung mit Raps in der Saison 2020/21 früher bzw. stärker als in anderen Jahren daran interessiert, Vorkontrakte abzuschließen. Ex Ernte 2020 scheitert es daher nicht am Kaufinteresse der Ölmühlen, sondern eher an der mangelnden Verkaufsbereitschaft der Erzeuger. Das ist zwar nicht überall der Fall und je näher die Rapsernte 2020 rückt, desto abgabebereiter werden die Landwirte, sodass zuletzt auch einige Abschlüsse in die Bücher geschrieben wurden. Aber im Großen und Ganzen bleibt es ein ruhiger Vorkontrakthandel. Das könnte auch noch eine Weile so bleiben. Denn die Feldbestände haben sich bei mildem Wetter schnell entwickelt und sind damit anfällig für Frost, mit dem noch bis in den April hinein gerechnet werden muss. Solange sich die Landwirte in Deutschland ihrer Erträge nicht sicherer sind, werden sie keine zu großen Mengen vertraglich binden, um nicht Gefahr zu laufen, diese am Ende nicht liefern zu können. Die Rapserzeugerpreise lagen zuletzt bei 380 EUR/t im Bundesdurchschnitt, was einer Steigerung von 4 EUR/t zur Vorwoche entspricht. Die Kontraktpreise liegen bei 372 EUR/t und damit ebenfalls 4 EUR/t höher als zuvor.

Am Rapsschrotmarkt sind die Preise im Vergleich zur Vorwoche gestiegen. Rapsschrot kostete zuletzt mit 225 EUR/t rund 2 EUR/t mehr. Gestützt wurden die Preise durch die festeren Sojaschrot- und Rapsnotierungen. Am Sojaschrotmarkt ist das Kaufinteresse besonders an vorderer Ware momentan eher zurückhaltend. Die Nachfrage der Mischfutterbetriebe konzentriert sich mehr auf spätere Termine. So ist der Markt ruhig und wartet auf richtungsweisende Impulse. Aus Argentinien kommen aufgrund des Ausfalls einer insolventen Ölmühle weiterhin weniger Schiffe mit Importware. Der Fokus vieler Marktteilnehmer richtet sich momentan auf die laufende brasilianische Sojabohnenernte, die bisher in Rekordhöhe avisiert wird. Preisauftrieb bringen neben der Sorge um Angebotsengpässe die festen Sojaschrotkurse in Chicago. Das überträgt sich auf die hiesigen Kassapreise.

Erst zwei Wochen Rückgang, dann zwei Wochen Stagnation – nun haben sich die Rapsölpreise überraschend befestigt. Überraschend deshalb, weil sich fundamental wenig verändert hat. Das Coronavirus sorgt nach wie vor für Verunsicherung was die chinesische, aber auch was die Weltwirtschaftsentwicklung betrifft. Die Aussichten auf die EU-Rapsernte 2020 sind tendenziell etwas besser als im herausragend schwachen Vorjahr, flächenbedingt jedoch keineswegs gut. Auch wenn sich die Rapsfeldbestände bei mildem Wetter bisher gut bis sehr gut entwickelt haben, sind sie dadurch zugleich umso anfälliger für Frost, sodass Erzeuger sehr vorsichtig agieren, wenn es um Vorkontrakte geht. Die Versorgungslage beim Rapsöl für das kommenden Wirtschaftsjahr wird als knapp eingeschätzt, was an den geringen Rohstoffvorräten liegt. Vom Biodieselmarkt kommen ebenfalls keine neuen Impulse, nach lebhaftem Januar-Geschäft ist die Nachfrage im Februar deutlich abgeflaut. All diese Einflüsse sind nicht neu und die anderen Pflanzenöle tendieren schwächer. Die Unterstützung dürfte somit von den Rapsterminkursen in Paris kommen, die sich seit vier Handelstagen im Plus bewegen und zuletzt wieder über die Marke von 400 EUR/t geklettert sind. Das zieht die Rapsölpreise fob Hamburg um 39 EUR/t auf 845 EUR/t und damit auf ein 4-Wochenhoch. Der Sojaölmarkt, international wie auch hierzulande, wird von der Unsicherheit über die Auswirkungen des Coronavirus auf Nachfrage, Logistik und Märkte weiterhin unter Druck gehalten. Fob Hamburg gaben die Preise auf Wochensicht um 22 EUR/t auf 710 EUR/t nach. Schwache Palmölpreise und die Meldung über einen Rückgang der US-Biodieselnachfrage belasten zusätzlich.