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Ist Hochprotein-Sonnenblumenextraktionsschrot auch in der Ferkelfütterung interessant?
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Heutzutage befindet sich immer mehr Schweinefleisch „ohne Gentechnik“ in den Regalen, zumindest bei den Eigenmarken der Unternehmen. Daher wird in Zukunft immer häufiger die Forderung an die Schweinehaltung kommen, auch die Schweine gvo-frei zu füttern und auf den Einsatz von importiertem Sojaschrot zu verzichten. In der Schweinemast ist das heute mit den zur Verfügung stehenden Futtermitteln auch schon machbar, zumindest dann, wenn freie Aminosäuren eingesetzt werden. Aber geht das auch beim Ferkel? Das Ferkel stellt deutlich höhere Ansprüche an das im Futter enthaltene Protein bzw. die enthaltenen Aminosäuren. Der aktuelle Fachbeitrag geht der Frage nach, wie unsere Ferkel ohne Sojaschrot adäquat versorgt werden können.

Obwohl wir heute nachweislich weniger Sojaschrot in der Tierfütterung verbrauchen als vor 10 Jahren, haftet dem Sojaschrot immer noch in gewissen Bevölkerungsteilen das Image des Bösen an. Von Urwaldabholzung für unser importiertes Sojaschrot ist da die Rede. Zahlen belegen zwar für Deutschland das Gegenteil, aber heute wird ja häufig nicht mehr sachlich sondern in erster Linie emotional diskutiert. Beim Punkt Gentechnik ist dies etwas anderes. Zwar herrscht hier auch die emotionale Diskussion vor, denn bewiesen wurde bisher nicht, dass der Verzehr von Fleisch von Tieren, die gentechnisch veränderte Pflanzen gefressen haben, schädlich ist. Aber Tatsache ist, dass der Großteil des in Deutschland verfütterten Sojaschrotes gentechnisch verändert ist.

Sonnenblumen scheinen in der Gunst der Landwirte wieder zuzulegen

Im Zuge dieser Diskussion ändern schon viele Lebensmitteleinzelhandelsunternehmen ihre Verkaufsstrategie. Immer mehr Schweinefleisch „ohne Gentechnik“ findet sich in den Regalen, zumindest bei den Eigenmarken der Unternehmen. Daher wird in Zukunft immer häufiger die Forderung an die Schweinehaltung kommen, auch die Schweine gvo-frei zu füttern und auf den Einsatz von importiertem Sojaschrot zu verzichten. In der Schweinemast ist das heute mit den zur Verfügung stehenden Futtermitteln auch schon machbar, zumindest dann, wenn freie Aminosäuren eingesetzt werden. Durch eine gleichzeitig durchgeführte N-reduzierte Fütterung reduziert sich auch die Menge an Proteinfuttermittel.

Aber geht das auch beim Ferkel? Das Ferkel stellt deutlich höhere Ansprüche an das im Futter enthaltene Protein bzw. die enthaltenen Aminosäuren. Viele Futtermittel, wie Rapsschrot oder Körnerleguminosen können nicht in den Größenordnungen eingesetzt werden wie beim Mastschwein. Wir brauchen also neue Futtermittel, um durch einen Mix von Proteinfuttermitteln auch unsere Ferkel ohne Sojaschrot adäquat zu versorgen.

Benötigt werden Proteinfuttermittel mit einem hohen Protein- bzw. Aminosäuregehalt. Im letzten Jahr hat die Firma Bunge ein entsprechendes neues Futtermittel auf den Markt gebracht. Bei Sunpro 46 handelt es sich um ein Hochprotein-Sonnenblumenextraktionsschrot, das nach dem Ölentzug nochmals gesiebt wird und die feinen Teile dann den hohen Proteinanteil enthalten. Bei der Analyse zeigte sich die Einhaltung der deklarierten (46 %) Rohprotein. Für die Rationsberechnung sind vor allem die Aminosäurengehalte gegenüber dem Sojaschrot zu beachten. Dabei liegt das Lysin um etwa die Hälfte niedriger, die schwefelhaltige Aminosäure Methionin allerdings deutlich über den Gehalten im Sojaschrot. Deutlich höher ist mit fast 16 g pro Kilogramm allerdings der Phosphorgehalt, der Großteil des Phosphors liegt als Phytinphosphor (IP-Phytat) vor. Hierauf ist in Betrieben mit der Notwendigkeit einer starken P-Reduzierung im Futter zu achten. Die beschreibenden Zahlen des neuen Futtermittels sind in der Tabelle 1 aufgeführt.

Tabelle 1: Inhaltsstoffe des überprüften Hochprotein-Sonnenblumenextraktionsschrotes

Momentan greift man noch auf Sonnenblumen aus dem südeuropäischen Raum zurück. Vielleicht entwickelt sich der Anbau von Sonnenblumen in Deutschland, gerade unter dem Hintergrund des deutlich eingeschränkten Rapsanbaues, der klimatischen Entwicklung oder der momentanen guten Wirtschaftlichkeit in den nächsten Jahren deutlich positiver. Die Anbaustatistik (Abbildung 1) und die positiven Erfahrungen vieler Landwirte in 2019 mit den Sonnenblumen lassen dieses sogar vermuten.

Abbildung 1: Anbau von Sonnenblumen in Deutschland ab 2005 (in 1.000 ha)

Der Versuch

Um Erfahrungen mit dem neuen Futtermittel zu sammeln, wurde an der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau in Iden ein entsprechender Versuch in der Ferkelfütterung durchgeführt. Dabei kamen zwei verschiedene Futtermischungen zum Einsatz, jeweils nach dem DLG-Standard für Ferkelfutter konzipiert. Der einzige Unterschied bestand im Proteinfuttermittel. Während in der Kontrollgruppe ausschließlich Sojaextraktionsschrot eingesetzt wurde, enthielt die Versuchsgruppe ausschließlich das HP-Sonnenblumenextraktionsschrot. Die Aminosäurengehalte wurden über freie Aminosäuren auf Basis praecaecaler Verdaulichkeit ausgeglichen. Dies sowohl im Ferkelaufzuchtfutter 1, das vom 1.-21. Tag der Ferkelaufzucht zum Einsatz kam, wie auch im Ferkelaufzuchtfutter 2. Die Komponentenzusammensetzung ist Tabelle 2 zu entnehmen.

Mit HP-Sonnenblumenextraktionsschrot konnten Zunahmen über 500 g erzielt werden

Tabelle 2: Komponentenzusammensetzung der Futtermittel

Insgesamt wurden mit beiden Futtermitteln sehr hohe Zunahmeergebnisse erzielt. Auch die Ferkel, die mit dem Sonnenblumenextraktionsfutter gefüttert wurden, nahmen im Verlauf der Ferkelaufzucht mit durchschnittlich 517 g deutlich über 500 g pro Tag zu. Mit der sojabasierten Ration konnten die Zunahmen nochmals um ca. 30 g pro Tag gesteigert werden (Abbildung 2). Die Steigerung war ausschließlich der höheren Futteraufnahme von ca. 50 g pro Tag zu verdanken (Abbildung 3). Damit erreichten beide Gruppen eine gleiche Futterverwertung (Abbildung 4), brauchten also gleich viel Futter, um ein Kilogramm Körpergewicht zuzulegen.

Da die höheren Gewichte nur durch höhere Futteraufnahmen erzielt wurden, zeigen sich für die Kontrolltiere insgesamt höhere Futterkosten je Ferkel, die je nach Berücksichtigung von Sojapreisen für gvo-Sojaschrot oder gvo-freies Sojaschrot ca. 0,5 und 1 € über den Futterkosten für die HP-Sonnenblumenextraktionsschrot Gruppe liegen. Demgegenüber stehen höhere Verkaufsgewichte von 1,2 kg der Sojagruppe. Da in unserer Maske Gewichte über 30 kg nur mit je 0,5 € pro kg vergütet werden, ergaben sich hier Vorteile von etwa 0,6 €/Tier für die Kontrollgruppe.

Gvo-freie Ferkelfütterung mit Hilfe von HP-Sonnenblumenextraktionsschrot ist auch finanziell interessant

Abbildung 2: Entwicklung der Tageszunahmen

Abbildung 3: Entwicklung der Futteraufnahme

Abbildung 4: Entwicklung des Futteraufwandes

Fazit

Am Ende des Versuchs zeigen sich also minimal bessere finanzielle Ergebnisse der Sojagruppe beim Einsatz von gvo-Sojaschrot gegenüber dem Einsatz von HP-Sonnenblumenextraktionsschrot. Gegenüber dem Einsatz von gvo-freiem Sojaschrot hat das HP-Sonnenblumenextraktionsschrot allerdings leicht die Nase vorne.

Insgesamt konnten wir zeigen, dass das HP-Sonnenblumenextraktionsschrot von den Ferkeln gut gefressen und verdaut wurde. Die Zunahmeleistungen waren zwar leicht geringer als in der Sojagruppe, dies wirkte sich aber auf den Gesamterlös nur minimal aus. Im Vergleich der Nutzung eines gvo-freien Sojaschrotes war das Sonnenblumenschrot sogar vorteilhaft.

DER DIREKTE DRAHT

Dr. Manfred Weber
Klein Schwechten
Tel.: 039388/28423
E-Mail: Manfred.H.Weber(at)gmx.de

Stand: 7/2020