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Marktbericht KW 35 / 2020
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Nach wie vor kommen größere Mengen Raps aus dem Baltikum und der Ukraine an deutschen Häfen an. Vor allem diese Ware wird seit etwa zwei Wochen abgewickelt. Neugeschäfte mit Inlandsraps auf Erzeugerstufe finden derweil kaum statt. Das liegt zum einen an der Zurückhaltung der Ölmühlen, die entweder keinen drängenden Bedarf haben oder aber die Versorgungslücken mit besagter Importware schließen, zum anderen an der mangelnden Abgabebereitschaft der Erzeuger. Zwar haben sich die Preise zuletzt wieder etwas befestigt – 362 EUR/t im Bundesdurchschnitt entsprechen einem Anstieg von knapp einem Euro zur Vorwoche – aber das reicht nicht, um die Verkaufsbereitschaft der Erzeuger zu beleben. Die meisten setzen jetzt darauf, dass die Rapszufuhren aus der Ukraine früher als in der Vorsaison an Tempo verlieren. Doch erneut zeichnet sich ein großes Angebot in Kanada ab und auch Australien dürfte wieder mehr als im schwachen Vorjahr ernten. Die Zufuhren von dort könnten den Rückgang der ukrainischen Rapslieferungen also durchaus kompensieren. Die Hoffnung auf Preissteigerungen könnte daher nicht erfüllt werden. 

Die Rapsschrotpreise haben sich in den vergangenen Handelstagen befestigt. Über das zurückliegende Wochenende kamen 3 EUR/t hinzu, am 25.08. ging es dann um weitere 2 auf 212 EUR/t im Bundesdurchschnitt nach oben – ein Plus von 6 EUR/t zur Vorwoche und das höchste Preisniveau für Rapsschrot seit Anfang Juli 2020. In der laufenden Handelswoche wird von einer spürbar erwachten Ölschrotnachfrage aus der Mischfutterindustrie berichtet, die sich nicht nur auf die vorderen Termine beschränkt. Es werden auch bereits längerfristige Kontrakte bis einschließlich Juli 2021 besprochen und vereinzelt auch abgeschlossen, melden Marktteilnehmer. Die Nachfrage ruft weitere Konsumenten auf den Plan, die sich eindecken wollen, bevor die Preise noch weiter steigen. Die Rapsschrotpreise finden zusätzliche Unterstützung in dem eher begrenzten Angebot auf den vorderen Positionen, zumindest scheint bei den Ölmühlen derzeit kein Vermarktungsdruck zu bestehen. 

Die Rapsölpreise ziehen nach oben, zuletzt wurden 782 EUR/t fob Hamburg festgestellt, die das Vorwochenniveau um 12 EUR/t übertreffen. Verschiedene Einflussfaktoren wirken preisunterstützend. Von der Rohstoffseite her, bringt die schwache EU-Rapsernte 2020 Auftrieb, ebenso die deutlichen Ernterückgänge in der Ukraine, da der Schwarzmeerstaat zur wichtigsten EU-Importherkunft für Raps geworden ist. Die Schätzungen lagen zuletzt bei 2,5 bis 2,6 Mio. t, die das Vorjahr von 3,3, Mio. t daher deutlich verfehlen. Die Zufuhrmöglichkeiten von ukrainischem Raps dürften für die EU-Staaten in der Sasion 220/21 somit geringer ausfallen als in der Vorsaison, sodass es stärker auf kanadische und später im Jahr australische Lieferungen ankommen wird. Grundsätzlich ist von einer eher knappen EU-Rapsversorgung auszugehen, die nicht nur dem Rohstoff, sondern auch den Nachproduktmärkten Preisunterstützung bringt. Der Hauptgrund für die Preisbefestigung beim Rapsöl dürfte jedoch die anziehende Nachfrage am EU-Biodieselmarkt sein. Rapsmethylester (RME), sogenannte Winterware, rückt nun immer stärker in den Fokus der Käufer und wird den Handel, neben dem allzeit gefragten UCOME, in den kommenden Monaten, in Q4 und Q1, dominieren. Schon Mitte September dürften die meisten Beimischer auf die Verwendung von RME umstellen, ab Oktober ist die Beimischung dann verpflichtend, um die Kältestabilität des Spritgemischs zu gewährleisten. Alternativ müssen Frostschutz-Additive eingesetzt werden. 

Die Sojaölpreise fob Hamburg verzeichnen in dieser Woche im Gegensatz zu Raps- und Sonnenblumenöl nur ein leichtes Preisplus von 3 auf 713 EUR/t. Der saisonbedingte Nachfragerückgang nach Sojamethylester in Europa macht sich bemerkbar, die auf Wochensicht leicht festeren US-Sojaölkurse halten jedoch dagegen.