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Wie aus nährstoffangepasster Legehennenfütterung Umwelt, Tierwohl und Leistungsfähigkeit profitieren
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Zum Hintergrund

Der Konsum von Hühnereiern in Deutschland steigt stetig: 2024 lag der Pro-Kopf-Verbrauch bei 249 Eiern – ein neuer Rekord und 10 Eier mehr als im Vorjahr (BLE, 2025). Kein Wunder: Eier zählen zu den wertvollsten Proteinquellen unter den Lebensmitteln. Sie liefern essenzielle Aminosäuren in einem ausgewogenen Verhältnis und gelten mit einer biologischen Wertigkeit von 100 als das Maß der Dinge für hochwertige Proteine in der Humanernährung.

Neben ihrer großen Bedeutung für die Lebensmittelproduktion rücken Umwelt- und Ressourcenschutz in der Legehennenhaltung zunehmend in den Fokus. Deutschland hat sich verpflichtet, die Ammoniakemissionen (NH₃) gemäß der EU-weiten NEC-Richtlinie (National Emission Ceilings Directive) bis 2030 um 29 % gegenüber 2005 zu senken. Dabei spielt – neben technischen und baulichen Maßnahmen – insbesondere die Fütterung eine zentrale Rolle. Denn „viel hilft nicht viel“: Überschüssiges Rohprotein (CP), welches nicht in Eimasse umgewandelt wird, wird als Stickstoff (N) ausgeschieden und kann Tiergesundheit, Tierwohl sowie Luft und Gewässer belasten. Zwischen dem CP-Gehalt der Ration, der N-Ausscheidung und den NH₃-Emissionen besteht somit ein direkter Zusammenhang – ein zentraler Ansatzpunkt für eine nachhaltige, nährstoffangepasste Fütterung.

Die gezielte Reduktion des CP-Gehalts im Alleinfutter von Legehennen gilt als effektive und rechtlich anerkannte Maßnahme, um N-Ausscheidung und NH₃-Emissionen zu senken. Unter dem Nachweis einer N-reduzierten Fütterung kann gemäß TA Luft eine Minderung der NH3-Emissionen um 10 % bei Geflügel angesetzt werden.

Zugleich rückt auch der CO₂-Fußabdruck entlang der gesamten Wertschöpfungskette „Ei“ zunehmend in den Fokus. Besonders die Futterproduktion verursacht erhebliche Emissionen – etwa durch den Anbau und Import von Soja als Proteinquelle, (sogenannte indirekte Emissionen oder „Scope 3“). Da das Futter den größten Anteil an den Treibhausgasemissionen der Legehennenhaltung einnimmt, kann eine gezielte Reduktion von Eiweißfuttermitteln sowohl CO2- als auch NH3-Emissionen deutlich verringern – eine klassische Win-win-Situation.

Nachhaltigkeit und zukunftsorientiertes Handeln erfordern Mut und neue Denkansätze – und den Willen, gewohnte Wege zu verlassen. Auch in der Tierernährung braucht es diesen Mut, denn kleine, konsequente Schritte können große Wirkung entfalten. Eine Langzeitstudie in Bayern zeigt dies eindrücklich: Seit 2015 werden dort Schweinemastbetriebe begleitet, die Sojaextraktionsschrot (SES) bestmöglich durch hochwertige Mineralfuttermittel mit gezielter Ergänzung freier Aminosäuren sowie heimische Eiweißalternativen ersetzen. Das Ergebnis: Von Jahr zu Jahr sanken Soja- und Rohproteingehalte sowie die NH₃-Emissionen deutlich, während die Leistungsfähigkeit der bis dato knapp 28 Mio. Schweine stabil blieb.

Aufbauend auf dieser Erfolgsgeschichte wurde das Konzept nun auch in der Legehennenfütterung geprüft. Die vorgestellte Fütterungsstudie analysierte die Auswirkungen einer CP-Reduktion und den Einsatz heimischer Eiweißalternativen auf Legeleistung, Eiqualität, N- und P-Ausscheidung sowie den CO₂-Fußabdruck.

Aufbau und Durchführung des Fütterungsversuches

Die Untersuchung wurde mit rund 1.300 Legehennen der Herkunft Bovans Brown (Hendrix Genetics) am Versuchs- und Bildungszentrum Geflügel der Bayerischen Staatsgüter (Kitzingen, Deutschland) durchgeführt. Der Beobachtungszeitraum startete mit Beginn der 49. Lebenswoche (LW) und erstreckte sich über 18 Wochen bis zum Ende der 66. LW, womit der zweite Legeabschnitt abgebildet wurde. Die Tiere wurden zu Beginn der Untersuchung nach Lebendmasse (LM) auf zwölf identische Abteile verteilt und drei Futtergruppen zugeordnet. Die Alleinfuttermittel (Tabelle 1) wurden von einem kommerziellen Mischfutterhersteller (Garant-Tiernahrung, Pöchlarn, Österreich) bereitgestellt und orientierten sich an den Nährstoffempfehlungen der Hendrix Nutrition Guideline (2020) sowie dem DLG-Merkblatt 457 (DLG, 2023) für die zweite Legephase.

Folgende Futtergruppen fanden Anwendung (siehe auch Tabelle 1):

  • 17CP (Kontrolle): 17  % CP, 25 % SES; Supplementierung von DL-Methionin und L-Threonin
  • 16CP: 16  % CP, reduzierter SES-Anteil (22 %); Supplementierung von DL-Methionin und L-Threonin
  • 16CPalternative: 16  % CP, vollständiger Ersatz von SES durch heimische Eiweißfuttermittel; Supplementierung von Lysin HCL, DL-Methionin, L-Threonin, L-Tryptophan, L-Isoleucin, L-Valin

Tabelle 1: Zusammensetzung der Alleinfuttermischungen (Angaben in %)

Während der gesamten Untersuchung wurden zahlreiche Leistungsmerkmale erfasst. Dazu zählten Mortalität, Legeleistung, Eigewichtsklassen, Anteil vermarktungsfähiger Eier und B-Ware, mittleres Eigewicht sowie die Eimasse. Zudem wurde der Futterverbrauch je Henne sowie der Futteraufwand je kg Eimasse erhoben. Die LM wurde in LW 66 bei jeweils 50 zufällig ausgewählten Tieren pro Abteil gewogen.

Mittels Massenbilanzierung wurden die N- und P-Ausscheidungen aus der Differenz zwischen N-/P-Aufnahme über das Futter und dem Output über Ei- und LM berechnet (basierend auf DLG-Band 199; DLG, 2014). Zur Beurteilung der Umweltwirkung wurde außerdem der CO2-Fußabdruck (Carbon Footprint, CF, GWP100 nach IPCC 2021) der eingesetzten Alleinfuttermittel und der erzeugten Eimasse mit SimaPro (v10.1) kalkuliert (Datenbanken: Agri-Footprint, Ecoinvent v3). Die Bilanzierung erfolgte „from cradle to farm-gate“ (vom Rohstoffanbau bis zum Hof des Tierhalters) unter ökonomischer Allokation (Emissionen werden proportional zum wirtschaftlichen Wert der Produkte verteilt); Emissionen aus Stallbetrieb, Energie- oder Dieselverbrauch sowie weitere Umweltwirkungen wurden nicht berücksichtigt.

Zu den Ergebnissen

Die analysierten Futterproben bestätigten die kalkulierten Gehalte an CP und Aminosäuren (AA). Der Energiegehalt, der auf Basis der analysierten Rohnährstoffgehalte berechnet wurde, lag etwas niedriger als erwartet, was im Wesentlichen auf die deutlich geringeren analysierten Gesamtfettgehalte zurückzuführen ist (Tabelle 2).

Tabelle 2: Energie- und Nährstoffgehalte der Alleinfuttermischungen (kalkuliert und analysiert)

Auch die Körnung der Futtermittel (= Partikelgrößenverteilung mittels Siebanalyse) entsprach den Empfehlungen: Der Anteil mittlerer Partikel (1–2 mm) lag in allen Alleinfuttermitteln über dem Sollwert von 50 %. Nur in der Variante mit Eiweißalternativen („16CP alternative“) war der Feinanteil etwas höher, während die 17CP-Ration etwas mehr grobe Partikel enthielt. Ein Blick auf die Leistungsdaten in Tabelle 3 zeigt: Legeleistung, Anteil vermarktungsfähiger Eier, täglicher Futterverbrauch und Futteraufwand unterschieden sich zwischen den Futtergruppen kaum – statistisch waren diese Unterschiede nicht nachweisbar.

Ein signifikanter, also statistisch gesicherter Effekt der Fütterung, zeigte sich beim mittleren Eigewicht: Die Eier der Futtergruppe „16CPalternative“ waren im Mittel 1 g leichter als jene der Vergleichsgruppen. Dies spiegelte sich auch in der Eimasse pro Durchschnittshenne wider, die in dieser Gruppe am niedrigsten ausfiel. Gleichzeitig legten die Hennen der „16CPalternative“-Gruppe eine größere Anzahl an M- und weniger XL-Eier.

Die Eiqualität (Schalenstabilität, Haugh-Einheit) blieb in allen Gruppen unverändert. Lediglich die Dotterfarbe war bei der Gruppe „16CPalternative“ kräftiger orange – ein Merkmal, das viele VerbraucherInnen als positiv empfinden.

Bei den Nährstoffausscheidungen zeigten sich klare Vorteile: Durch die Absenkung des Gehaltes an CP konnten die berechneten N-Ausscheidungen um rund 15 % gesenkt werden – und dies ohne Leistungseinbußen. Während die berechneten P-Ausscheidungen bei der „16CP“-Ration geringer waren als in der Kontrollgruppe, lagen sie bei der Futtergruppe „16CPalternative“ aufgrund der höheren P-Gehalte in Raps- und Sonnenblumenfuttermitteln etwas höher.

Ein weiterer positiver Effekt zeigte sich beim CO₂-Fußabdruck: Durch den Einsatz regionaler Eiweißfuttermittel konnte der CO₂-Fußabdruck pro kg Futter und pro kg Eimasse um fast die Hälfte verkleinert werden. So kann die Fütterung nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch unabhängiger von Importen gestaltet werden.

Die Ergebnisse zeigen deutlich: Eine moderate Absenkung des CP-Gehalts von 17 auf 16 % ab der 49. LW wirkt sich bei gezielter Ergänzung mit freien AA nicht negativ auf die Legeleistung aus. Damit bestätigt sich, was auch andere Studien zeigen: Entscheidend ist nicht die Menge an CP, sondern der Gehalt an praecaecal verdaulichen AA und deren Verhältnis zueinander in der Ration. Im Vordergrund steht die Proteinqualität der eingesetzten Eiweißfuttermittel. Alternativen zu SES – wie Rapskuchen oder Sonnenblumenextraktionsschrot – enthalten meist weniger und geringer verdauliche AA als SES. Auch die Verarbeitung der Sojabohnen, etwa beim Toasten, spielt eine zentrale Rolle: Erfolgt sie zu „kalt“ oder zu „heiß“, kann die Verfügbarkeit an Nährstoffen, insbesondere die der Aminosäuren sinken – mit möglichen Auswirkungen auf die Leistung der Legehennen. Zugleich weisen alternative Eiweißfuttermittel häufig höhere Phosphorgehalte auf. Das sollte bei der Rationsgestaltung berücksichtigt werden, insbesondere mit Blick auf die P-Ausscheidung und die damit verbundenen Umweltwirkungen.

Tabelle 3: Lebendmasse und Leistungsdaten sowie Ergebnisse des CO2-Fußabdrucks (CO2-eq) der Futtergruppen 17CP, 16CP und 16CPalternative (Lebenswoche 49 - 66)

FAZIT

Die Ergebnisse zeigen, dass eine bedarfsgerechte Reduktion des CP-Gehalts in Legehennenrationen ein wirkungsvolles Instrument zur Verringerung der N-Ausscheidungen darstellt. Durch die gezielte Ergänzung von AA bleibt die Leistungsfähigkeit der Tiere erhalten, während Umweltbelastungen durch N-Überschüsse deutlich gesenkt werden können. Die vollständige Substitution von SES durch heimische Eiweißalternativen führte in dieser Untersuchung zu geringfügigen Leistungseinbußen, bietet jedoch das Potenzial, die Importabhängigkeit von Sojaextraktionsschrot zu reduzieren und den CO₂-Fußabdruck der Legehennenfütterung deutlich zu verkleinern.

Insgesamt unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung einer präzisen, nährstoffangepassten Fütterung als zentrale Maßnahme für eine nachhaltige und ressourcenschonende Legehennenfütterung. Die gewonnenen Erkenntnisse sind jedoch vor dem Hintergrund des untersuchten Versuchszeitraums von der 49. bis zur 66. Lebenswoche zu interpretieren.

DER DIREKTE DRAHT

Dr. Philipp Hofmann

Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft,
Institut für Tierhaltung, Tierernährung und Futterwirtschaft
Mainbernheimer Straße 101
97318 Kitzingen

E-Mail: Philipp.Hofmann@lfl.bayern.de