Pressemitteilung
27.09.2016

Was fordert eigentlich EDEKA von den Milchbauern?

In 21 Punkten möchte EDEKA Milchbauern vorschreiben, wie sie zukünftig produzieren sollen. Vieles ist längst gängige Praxis, manches jedoch absurd.

Im Sommer veröffentlichte EDEKA einen Kriterienkatalog, in dem der Einzelhändler seinen Molkereien Mindestanforderungen für die Haltung von Milch-kühen präsentierte. Der Katalog soll nach den Vorstellungen von EDEKA das Wohl der Milchkühe während der Milcherzeugung vorantreiben. 

Einige Forderungen, wie etwa der Verzicht auf Schwanzspitzenkürzen oder die Trächtigkeitsuntersuchung vor der Schlachtung, sind hinfällig: Ersteres ist keine, Letzteres hingegen ist bereits gängige Praxis. „In einigen Punkten ist der Katalog nicht zeitgemäß. Er suggeriert anzustrebende Verbesserungen, die bei vielen Landwirten längst Standard sind. Da bekommt die Öffentlichkeit ein falsches Bild vermittelt“, so Prof. Dr. Katrin Mahlkow-Nerge von der Fachhochschule Kiel. 

Widersinnig ist dagegen die Forderung nach einem Rohfaseranteil von 18 Prozent im Gesamtfutter. „Das kann Stoffwechsel- und andere Erkrankungen forcieren, insbesondere bei Kühen in den ersten Wochen nach der Kalbung. Mahlkow-Nerge: „Hier ist die Energiedichte im Futter wichtiger, als ein festgelegter, vorgeschriebener Rohfaseranteil. Eine derartige Forderung würde der Tierwohl-Idee komplett entgegenstehen.“ 

Begrüßenswert ist der Vorstoß, die Anbindung von Kühen abzuschaffen. Seit Jahren ist diese Haltungsform mit einem Anteil von aktuell etwa 25 Prozent rückläufig. Dennoch stellt sie vor allem Kleinbauern aus Süddeutschland vor große Probleme, da viele den Tieren keine ganzjährige Bewegungsmöglichkeit garantieren können.  

Die Kriterien möchte  EDEKA für seine Eigenmarken „gut & günstig“ durchsetzen.   Ein finanzieller Ausgleich für die Milchbauern hat der Einzelhändler bisher nicht ins Spiel gebracht. „Anstatt nur zu fordern, wäre es wünschenswert, wenn EDEKA gemeinsam mit allen Beteiligten über Lösungsvorschläge diskutiert. Nur so können wir das gemeinsam erklärte Ziel verfolgen, unsere Nahrungsmittel auch ihrem Wert entsprechend zu vermarkten“, so Mahlkow-Nerge abschließend.

Hier finden Sie die Pressemitteilung und die Infographik zum Download.