Markt, Futtermittel
19.07.2019

EU-Sojafläche auf 10-Jahreshoch

Die Sojabohnenfläche in der EU ist gegenüber 2018 um 4 % gestiegen und hat sich in den vergangenen 10 Jahren sogar verdreifacht. Die deutlichsten Zuwächse, wenn auch auf niedrigem Flächenniveau, gibt es in Deutschland.

Die EU-Sojaanbaufläche hat sich nach Angaben der EU-Kommission in den vergangenen 10 Jahren auf mittlerweile fast 1 Mio. ha verdreifacht. In Italien werden mit Abstand die meisten Sojabohnen kultiviert. Das dortige Areal macht knapp ein Drittel der gesamten EU-Fläche aus. Zweitgrößter Sojaerzeuger ist mit 173.000 ha Rumänien. Für Deutschland ist ein Anstieg des Anbauumfangs um 25 % gegenüber dem Vorjahr auf 30.000 ha zu verzeichnen. 2015 betrug die Anbaufläche noch 12.000 ha. Den zweitgrößten Zuwachs von 10,3 % verzeichnet Kroatien; dort steht Soja 2019 auf 85.000 ha. Rückläufig war die Sojafläche unter den größten Anbauern nur in Ungarn. Dort ging sie um 6.000 ha zurück.

Nach Angaben der Agrarmarkt Informationsgesellschaft mbH (AMI) werden die großen Flächenzuwächse in vielen Regionen der EU auch steigende Erntemengen zur Folge haben. In Deutschland könnte diese um fast ein Drittel auf 78.000 t steigen. Trotz großem Flächenwachstum in Kroatien dürfte die Ernte dort aufgrund witterungsbedingter Ertragseinbußen 2 % kleiner ausfallen als im Vorjahr. Auch in Rumänien wird voraussichtlich weniger geerntet als 2018, obwohl sich die Anbaufläche vergrößert hat. Die deutlichsten Produktionsrückgänge von 17 % berechnet die EU-Kommission für Ungarn. Aufgrund der Flächenrückgänge von fast 10 % ist das allerdings wenig überraschend.

Erfreulich ist aus Sicht der Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (UFOP) der für Deutschland verzeichnete Anstieg auf 30.000 ha. Die UFOP fordert deshalb einen sachgerechten Ausbau der Förderpolitik für heimische Proteinpflanzen mit dem Ziel, nicht nur Soja, sondern Körnerleguminosen insgesamt als gentechnikfreie Proteinquelle weiterzuentwickeln. Darüber hinaus sollten Körnerleguminosen als essenzielles Element bei der Ausgestaltung regionalspezifischer Fruchtfolgesysteme, im Rahmen der im Herbst 2019 erwarteten Ackerbaustrategie der Bundesregierung, berücksichtigt werden.

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Kritik über die Soja- und Urwaldpolitik der neuen brasilianischen Regierung ist zu hinterfragen, ob die Forderung nach einem entwaldungsfreien Bezug erfüllbar ist, wenn dieser lediglich zu Verlagerungseffekten führt. Die neu entflammte Sojadiskussion führt zu einem erheblichen Imageschaden in der Veredelungswirtschaft. Deshalb kritisiert die UFOP nachdrücklich, dass mit dem Abkommen der EU mit den MERCOSUR-Staaten europäische Standards im Bereich Umweltschutz, aber auch Pflanzenschutz unterlaufen werden und diese zugunsten einer einseitigen Exportpolitik geopfert werden. Größer könne die Widersprüchlichkeit in der Verknüpfung von Klima- und Industriepolitik nicht sein, kritisiert der Verband angesichts der aktuellen Diskussion über die notwendigen Maßnahmen zum Klimaschutz.


Quelle: UFOP e. V.


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