Mischqualität von Milchkuhrationen in der Praxis

27.11.2019 – B. sc. Johanna Wilhelmi und Prof. Dr. Katrin Mahlkow-Nerge, Fachhochschule Kiel, Fachbereich Agrarwirtschaft

Teil 1: Homogenität entlang des Futtertisches

Viele Landwirte gehen davon aus, dass jedes ihrer Tiere auch weitestgehend die berechnete Ration am Futtertisch vorgelegt bekommt und dann auch aufnimmt. Genau dieses wäre der Optimalfall, aber der tritt nur selten bzw. nie ein.

Bereits die Beladung des Futtermischwagens ist entscheidend. Sämtliche Komponenten auf das Kilogramm genau zu laden ist nicht möglich. Auch variiert das tägliche Futteraufnahmeverhalten der Kühe. Demnach müssen täglich die zu ladenden Mengen aller Futtermittel entsprechend angepasst werden. Hinzu kommt der Mischvorgang und mit ihm die Mischqualität, die letztlich darüber entscheidet, wie homogen diese Futterration entlang des gesamten Futtertisches vorgelegt werden kann.

Ist die Ration eben nicht homogen gemischt, so nimmt jede Kuh an jedem Punkt des Futtertisches eine andere Ration auf. Darüber hinaus ist es für die Tiere leichter zu selektieren, was im schlimmsten Fall zu einem unphysiologischen Grobfutter:Kraftfutter-Verhältnis führen kann.

Im Zeitraum März bis Mai 2018 sollte in einer Untersuchung in 10 Milchkuhbetrieben der Frage nachgegangen werden, wie homogen vorgelegte Milchkuhrationen in der Praxis sind. Zum einen wurde dazu die Mischqualität entlang des Futtertisches und zum anderen die Konstanz der geladenen Rationen über eine Dauer von 6 Wochen überprüft. Darüber hinaus, um ebenfalls Aussagen über die Futterselektion der Tiere treffen zu können, erfolgte auch eine Bewertung der Futterreste bezüglich ihrer Zusammensetzung im Vergleich zur vorgelegten Ration.

Wöchentlich wurde in 10 Praxisbetrieben die Mischqualität von Futterrationen für laktierende Kühe mittels der 3-teiligen Pen State-Schüttelbox überprüft.

Datenerfassung in den Betrieben

Zuerst wurden betriebliche Gegebenheiten, technische Daten der Futterentnahme- und -vorlagetechnik sowie das Fütterungsmanagement in einem Erfassungsbogen dokumentiert. Anschließend erfolgte in jedem Betrieb über einen Zeitraum von 6 Wochen (wöchentlich eine Untersuchung) die Erfassung der Mischqualität mittels der 3-teiligen Pen State-Schüttelbox.

Die Vorgehensweise hierfür war stets dieselbe:

  1. vorhandene Futterreste an mehreren Stellen entlang des Futtertisches mit dem „Schaufelgriff“ entnommen, zu einer Mischprobe zusammengefasst und mittels Schüttelbox und dreifacher Wiederholung (je ca. 150 g) durchgeschüttelt; in der Zwischenzeit wurde vom Futtermeister die frische Ration erstellt

  2. entlang des besenreinen Futtertisches an 5 markierten Stellen (in jeder Woche dieselben Stellen) Kunststoffwannen verteilt, in die das frisch vorgelegte Futter hineinfiel

  3. Entnahme einer repräsentativen Probe aus jeder Wanne und Bildung einer Sammelprobe von den 5 Probenahmestellen für die Trockenmassebestimmung der Ration im Labor

  4. Schütteln der 5 Proben mittels Schüttelbox (je mit dreifacher Wiederholung), wie auch bei den Futterresten

Charakteristik der Betriebe

Die 10 ausgewählten Betriebe waren mit 188 Kühen je Betrieb für schleswig-holsteinische Verhältnisse überdurchschnittlich groß und hatten mit ihren überwiegend schwarzbunten Herden ein mittleres Leistungsniveau von 9.460 kg/Kuh und Jahr (Tabelle 1).

Tabelle 1: Charakteristik der Betriebe


Bei nahezu allen Leistungs- und Fruchtbarkeitsmerkmalen waren die Spannweiten zwischen den Betrieben sehr groß.

Fütterungstechnik und Futtervorlage

In 9 der 10 Betriebe kam ein vertikaler, in einem ein horizontaler Futtermischwagen mit einem durchschnittlichen Behältervolumen von 14,4 m3 (12 bis 20 m3) zum Einsatz (Tabelle 2). 7 der 9 Vertikalmischer waren mit 2, die anderen beiden mit einer Schnecke ausgestattet. Der horizontale Paddelmischer verfügte über 4 Paddel.

Tabelle 2: Fütterungstechnik


7 Betriebsleiter gaben an, den Mischwagen stellenweise oder überwiegend zu überladen.

Als Mischdauer je Futterration wurden beim Einsatz des Paddelmischers 15 min, ansonsten von allen anderen Betriebsleitern 20 bis 30 min angegeben. Auch die Anzahl der Schneckenumdrehungen war zwischen den Betrieben sehr unterschiedlich.

Bei der Beladereihenfolge hingegen wurde meistens eine ähnliche Herangehensweise erkennbar: Kraftfutter zuerst, dann die Grobfutterkomponenten und, bis auf einen Betrieb, die Maissilage stets zuletzt.

In 9 der 10 Betriebe erhielten die laktierenden Kühe eine Teilmischration, in einem Betrieb eine TMR. Die Vorlage dieser Rationen erfolgte täglich zweimal (in 5 Betrieben) bzw. einmal (in 4 Betrieben) und in einem Betrieb unterschiedlich häufig (Tabelle 3).

Das Futter wurde entlang des im Durchschnitt 79 m langen Futtertisches i.d.R. vier- bis fünfmal nachgeschoben.

Die Probenahme erfolgte an 5 stets gleichbleibenden Stellen des Futtertisches.
Tabelle 3: Fütterungsmanagement


Im Mittel der Betriebe enthielt die Futterration für die laktierenden Kühe 4,6 kg Kraftfutter je Kuh und Tag. In den 9 Betrieben mit der Teilmischration wurden über die Transponderfütterung durchschnittlich noch max. 7,1 kg je Kuh und Tag verabreicht.

TM-Gehalte der Futterrationen

Im Durchschnitt aller 6 Untersuchungswochen lagen die Trockenmassegehalte der vorgelegten Futterrationen in den jeweiligen Betrieben zwischen 33,2 % und 41,5 %. Die wöchentlichen Differenzen waren in den einzelnen Betrieben aber sehr verschieden (Abbildung 1).

Abbildung 1: Trockenmassegehalte der vorgelegten Rationen


Nur im Betrieb 1 blieben die TM-Gehalte mit 33 bis knapp 34 % von Woche zu Woche nahezu identisch. Ansonsten gab es in allen anderen Betrieben mit Differenzen bis zu 7 %-Punkte mehr oder weniger größere Schwankungen.

Mischqualität auf dem Futtertisch

Die Mischqualität der vorgelegten Rationen wurde mit Hilfe der dreiteiligen Penn State Schüttelbox überprüft. Während des klar definierten Schüttelvorgangs werden die unterschiedlich langen Futterpartikel einer Ration voneinander getrennt, die Futterration also in einzelne Fraktionen „zerlegt“. So verbleiben in dem Obersieb Partikel mit einer Länge über 1,9 cm. Dieses sind i.d.R. Grassilageteile, Strohpartikel und z.T. auch längere Futterstücke der Maissilage. In das darunter liegende mittlere Sieb fallen die Partikel, die eine Länge von 0,8 bis 1,9 cm aufweisen. Das betrifft den Hauptanteil der Maissilage. Das Untersieb fängt alle Kleinstpartikel auf, die zum größten Teil aus dem Kraftfutter stammen.

Das Fraktionieren aller Rationen mittels der Schüttelbox ergab über sämtliche beprobten Stellen am Futtertisch (Anzahl der Probenahmestellen: 5) und über alle 6 Wochen hinweg einen durchschnittlichen Anteil des Futters im oberen Sieb von 26,5 %, im mittleren Sieb von 38,7 % und im unteren Sieb von 34,5 % (immer bezogen auf die Frischmasse) (Tabelle 4). Wie bereits erwähnt, handelte es sich in 9 dieser 10 Betriebe um eine Teilmischration mit unterschiedlichem Kraftfutteranteil.

Tabelle 4: Verteilung der Futterpartikel im Durchschnitt aller 5 Probenahmestellen am Futtertisch und im Durchschnitt der 6 Wochen


Eine der beiden Untersuchungsschwerpunkte dieser Arbeit bildete die Erfassung der Mischqualität bzw. –homogenität entlang des Futtertisches. Damit sollte herausgearbeitet werden, ob über den gesamten Futtertisch hinweg die gleiche Futterration vorgelegt wird oder ob sich diese durch eine sehr ungleichmäßige Mischqualität auszeichnet.

Werden die untersuchten 10 Betriebe und alle Messreihen der 6 Wochen zusammengefasst, sind kaum große Unterschiede in der Mischqualität entlang des Futtertisches zu verzeichnen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Anteile der Futterpartikel im Ober-, Mittel- und Untersieb für alle 6 Wochen, differenziert nach Futtertischentnahmestellen


Der Anteil der gröberen Fraktion im oberen Sieb betrug bei den einzelnen 5 Probennahmestellen entlang des Futtertisches 26,2 % bis 28,1 %. Die Fraktion der mittelgroßen Futterpartikel im mittleren Sieb machte einen Anteil von 38,1 % bis 39,1 % aus, während die feinen Bestandteile im unteren Sieb einen Anteil von 33,8 % bis 35,0 % bildeten.

Bei Betrachtung der einzelnen Betriebe zeigen sich dann gewisse Unterschiede. Diese sollen beispielgebend anhand der Fraktion im oberen Sieb, welche letztlich denjenigen Anteil der Futterpartikel darstellt, von dem die größte Strukturwirkung ausgeht, dargestellt werden (Abbildung 3).

Abbildung 3: Fraktionsanteile im Obersieb im Mittel der 6 Wochen, differenziert nach Futtertischentnahmestellen und Betrieb


In den Betrieben 1 und 6 wiesen die vorgelegten Futterrationen eine sehr homogene Mischqualität über den gesamten Futtertisch hinweg auf. Hingegen wurden besonders im Betrieb 4 entlang des Futtertisches große Schwankungen sichtbar. Hier machte die Fraktion im oberen Sieb zu Beginn des Futtertisches einen Anteil von 37,5 % in der Futtermischung aus, am Ende des Futtertisches aber 21,1 % bzw. 22,9 %. Das zeugt am Futtertischende von einer gänzlich anderen Mischung.

FAZIT

Die Mischqualität einer Futterration ist von vielen Faktoren abhängig, wie z.B. der Beladereihenfolge, Belademenge, Mischdauer bzw. einiger technischer Details des Mischsystems. Jeder einzelne Faktor, besonders aber die Mischzeit, kann einen sehr großen Einfluss auf die Homogenität einer gemischten Ration nehmen.

Im Rahmen dieser Untersuchung wurde in 10 Praxisbetrieben die Zusammensetzung der Futterration für laktierende Kühe anhand einer Fraktionierung mittels der Schüttelbox geprüft. Neben der Vergleichbarkeit der vorgelegten Rationen innerhalb von 6 aufeinanderfolgenden Wochen interessierte die Homogenität der Mischung innerhalb des gesamten Futtertisches. Dafür wurden die frisch vorgelegten Rationen entlang des Futtertisches an 5 verschiedenen Stellen, vom Futtertischanfang bis zum –ende, beprobt.

Oftmals zeigten sich dabei größere Unterschiede hinsichtlich der Mischqualität, so dass nicht davon ausgegangen werden kann, dass an jedem Fressplatz letztlich auch die gleiche Futtermischung lag.

Neben technischen Einstellungen am Futtermischwagen bilden gärqualitativ einwandfreie Silagen eine der Grundvoraussetzungen für eine homogen gemischte Ration. Deutlich wurde, dass bei fast allen Betrieben die Grassilage die “Problemkomponente“ war, entweder aufgrund einer längeren Häcksellänge (z.B. bei Ladewagensilage) oder aber weil sie z.B. Schmierschichten im Silo aufwies.

Im Teil 2, der in der nächsten Ausgabe erscheint, werden die Ergebnisse zur Mischqualität zwischen den einzelnen Wochen dargestellt, um eine weitere Aussage zur Fütterungskonstanz in diesen Betrieben abzuleiten.

DER DIREKTE DRAHT

B. sc. Johanna Wilhelmi
johannawilhelmi(at)web.de


Prof. Dr. Katrin Mahlkow-Nerge
Katrin.Mahlkow-Nerge(at)fh-kiel.de

Fachhochschule Kiel,
Fachbereich Agrarwirtschaft

Stand: November 2019