Der „Pionier“-Landwirt in der Milchkuhfütterung

21.11.2018 - Anna Bouten

Der Milchhof Reeßum, gelegen zwischen Bremen und Hamburg, erzeugt mit 750 Kühen Milch für die naheliegende Molkerei Elsdorf. Frank Cordes führt den Betrieb gemeinsam mit seiner Frau Marina Lindhorst-Cordes und zwei Kommanditisten. Der Hof war lange Zeit eher kleinstrukturiert; 1963 mit einem Tierbestand von gerade einmal drei Kühen und drei Hektar Land.

Die heutige Milchhof Reeßum KG gründete Frank Cordes im Jahr 2011. Die Betriebsgemeinschaft verzeichnet heute einen stolzen Bestand von 1280 Tieren; Milchkühe und weibliche Nachzucht inbegriffen. Eine Besonderheit, welche sich vor Ort auf dem Milchhof widerspiegelt, ist das außergewöhnliche Herdenmanagement: „Unser Team besteht nicht nur aus einem Herdenmanager, sondern gleich fünf“, erklärt Cordes. Die Begründung hierzu erfolgte gleich im Anschluss. „Wir ermutigen und fördern die Weiterbildung und Entwicklung aller beteiligten Personen. Entscheidungen, die getroffen werden, werden stets abgestimmt, damit diese auch wohlüberlegt und genügend abgewägt worden sind. Dabei erhalten alle im Team gleichermaßen Verantwortung, was wiederum deutlich zum Engagement beiträgt“. Zusätzlich zu den fünf Herdenmanagern runden dreizehn weitere Arbeitskräfte das Team ab. Diese kümmern sich um alle Tätigkeiten rund um das Melken, die Biogasanlage und die Außenwirtschaft.

Betriebsleiter Frank Cordes treibt den Milchhof Reeßum durch den Einsatz
innovativer Futtermittel voran, stets den Blick auf das Tierwohl gerichtet.

„Mein Steckenpferd - die Tierhaltung“

Frank Cordes führt den Betrieb voller Herzblut: „Mein Steckenpferd war schon immer die Tierhaltung. Ich bin kein Ackerbauer, weil ich mich voll und ganz den Tieren widmen möchte“. Deshalb habe er die Tätigkeiten, welche außerhalb der Hofstelle anfielen, ausgelagert. Hierbei verweist Cordes auf den Lohnbetrieb seines Vertrauens, welcher die Bewirtschaftung seiner 355 Hektar Land vollständig übernimmt. Diese Flächen bestehen ungefähr zur Hälfte aus Grünland und zur anderen Hälfte aus Ackerland bestellt mit den Früchten Mais, Roggen, Ackergras und Rotklee. Zusätzlichen Mais kauft Cordes ab Feld je nach Bedarf ein.

Ganzheitliches Tierwohl

Bei dem Produktionsziel der Milcherzeugung hat der Tierschutz in Reeßum oberste Priorität: „Wir erfüllen die Bedürfnisse jeder einzelnen Kuh jeden Tag“, statuiert Cordes. Hierzu gehöre die Klauenpflege, welche dreimal im Jahr in Eigenleistung erfolgt, und das dreimalige Melken pro Tag im komfortablen Melkstand. Das sogenannte MidiLine Gruppenmelksystem melkt die Tiere mit einem einfachen Eintrieb und einer guten Positionierung der Kuh. Das integrierte Herdenmanagement unterstützt die Mitarbeiter bei der täglichen Arbeit und gibt einen guten Überblick über alle Daten, die sie benötigen, um die Herde zu führen und die Rentabilität zu erhöhen. Auch die Besamung erfolgt seit 2017 durch das Herdenmanagementteam. „Wir wollen den Kühen so wenig Stress wie möglich zumuten; dies gelingt uns vor allem durch die wiederkehrenden Tagesabläufe im Betrieb und durch den Einsatz von möglichst wenig Fremdpersonal von außen“, erklärt der Betriebsleiter.

Der fast 200 Meter lange Stall besticht nicht nur durch Helligkeit und frische Luft, sondern besonders auch durch die Ruhe, welche vorherrscht.


Dass die Tiere sich mächtig wohlfühlen, spiegelt sich nicht nur in der Ruhe, welche im Stall herrscht, wider, sondern auch in der Milchleistung. Schließlich kann der Betrieb einen gleitenden Durchschnitt von 12.300 kg im Jahr verzeichnen.

Die Kühe fühlen sich in ihrem zweireihigen Boxenlaufstall sichtbar wohl.

Futtermanagement

Mustergültig zeigt sich das Management des Betriebes auch in der Fütterung.
Wieder steht stets das Tierwohl im Vordergrund: „Wir füttern unsere Kühe seit letztem Jahr ausschließlich GVO-frei und verwenden dabei nur Futter mit bester A-Qualität. Nicht hinreichende Qualität findet bei uns nur Absatz in der hofeigenen Biogasanlage“, erklärt Cordes. Die im Jahre 2013 erbaute Anlage vergärt zusätzlich die anfallende Gülle der Kühe, um ein geschlossenes System im Betrieb zu ermöglichen.

Die drei 18 Meter hohen Stahlbehälter vergären die anfallende Gülle und Feststoffe mit einer Leistung von 550 kW.


Um das Tierwohl mithilfe des Futtermanagements abzurunden, spielt nicht nur die Qualität des Futters, sondern auch die Wahl des geeigneten Futtermittels angepasst an den Bestand eine wichtige Rolle. „Wir verwenden Rapsschrot als Eiweißfuttermittel kombiniert mit Sonnenblumenextraktionsschrot als Proteinalternative anstelle von Soja“, beschreibt Cordes. Auch hier spiegelt sich die besondere Fortschrittlichkeit des Betriebes wider. Cordes setzt seit über drei Monaten auf das Futtermittel SUNPRO 46 von Bunge auf Basis von Sonnenblumenextraktionsschrot aus geschälter Saat. „Auch wenn wir bisher die Pioniere mit dem Einsatz von SUNPRO in der Region sind, kann ich nur über positive Erfahrungen mit dem Futtermittel berichten“. SUNPRO ist besonders proteinreich mit 46 % auf HP-Niveau bei gleichzeitig reduziertem Faseranteil. Zudem wird das Produkt den Vorgaben für die „GVO-freie“ Fütterung gerecht.

Wo früher noch das Sojaschrot gelagert wurde, befindet sich nun seit mehr als zwei Monaten das SUNPRO von Bunge.

Näheres zum SUNPRO

„SUNPRO wird durch ein neuartiges, patentiertes Verfahren, das mehrmaliges Mahlen und Separieren beinhaltet, aus klassischem Sonnenblumenextraktionsschrot hergestellt. Dabei entstehen zwei Mehle mit unterschiedlichen Eigenschaften, die für den staubfreien Transport in Pellets gepresst werden“, erklärt Dr. Thomas Schmidt von OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland. Das eine Futtermittel ist proteinreich und ist mit einem Rohproteingehalt (XP) von 46 % auf HP-Niveau, das andere Futtermittel enthält nur 20 % Rohprotein und ist dafür faserreich. 

DER DIREKTE DRAHT

Anna Bouten
bouten@agro-kontakt.de

Fotos: Anna Bouten
Stand: November 2018