TEIL 2: Roggen in der Schweinefütterung – das passt!

16.10.2019 – Dr. Manfred Weber, Klein Schwechten

Roggen in Fütterungsversuchen erprobt

Nachdem in Teil 1 der Roggen hinsichtlich der Inhaltstoffe betrachtet wurde, befasst sich der zweite Teil der Darstellung  vorranging mit der Wirkung auf die Darmgesundheit und der Wirtschaftlichkeit beim Einsatz in der Schweinfütterung.

In den vergangenen Jahren wurden etliche Fütterungsversuche in den Lehr- und Versuchsanstalten der nördlichen Bundesländer durchgeführt. Eine Auswahl ist in Tabelle 3 zu sehen. Die Möglichkeit des Einsatzes hoher Mengen an Roggen (> 50 %) in der Schweinemast konnte in allen Versuchen auf einem hohen Zunahmeniveau bestätigt werden. Es traten keine negativen Auswirkungen auf die Futteraufnahme auf. Im Parameter Futteraufwand zeigen sich tendenziell unterschiedliche Auswirkungen des hohen  Roggeneinsatzes. Die Schlachtkörperqualität wird durch die Verfütterung des Roggens nicht beeinflusst.

Eine negative Wirkung des Roggen auf die Futteraufnahme und in deren Folge der Tageszunahmen, konnte in einem Versuch an Ferkeln ebenfalls negiert werden, so dass Schweinehalter bei Einhalten der von der DLG vorgeschlagenen Obergrenzen von 15 % Roggen im Ferkelfutter, ohne Bedenken Roggen in der Ferkelfütterung einsetzen können.

Tabelle 3: Versuche mit unterschiedlichen Roggenanteilen in der Schweinemast und Ferkelaufzucht

Roggen kann weiter punkten

Lösen wir uns einmal von der althergebrachten Bewertung der Faserstoffe alleinig durch den Parameter Rohfaser, können wir Futtermittel deutlich besser in ihrer Wirkung im Dickdarm beschreiben. Denn die Fermentation im Dickdarm bestimmt auch die Zusammensetzung der Dickdarmflora und somit die Gesunderhaltung des Darmes. Wichtig sind hier die Hemicellulosen (besonders die Arabinoxylane) und Fructane, beides Nichtstärkepolysaccharide, die vom Schwein mit seiner natürlichen Enyzmausstattung nicht verdaut werden können. Sie gelangen somit in den Dickdarm, können da aber von der gewünschten Darmflora verstoffwechselt werden.

Dies in erster Linie zu Buttersäure. Wird die Buttersäure durch die Darmwand ins Blut aufgenommen, kann sie zur Energiegewinnung herangezogen werden. Allerdings werden ihr noch weiter positive Eigenschaften zugeschrieben:

  • Dient der Ernährung der Darmschleimhaut
  • Verlängert den Lebenszyklus der Darmzellen
  • Reduzierung der Entzündungen im Darm
  • Stimulation der Immunzellen

Roggen zeigt gute Leistungen in Fütterungsversuchen und stabilisiert die Darmgesundheit

Reduzierung des Ebergeruchs möglich

Durch die längere Lebenszeit der Darmepithelzellen, werden weniger davon abgestoßen und somit auch weniger Trypthophan zur Verstoffwechselung angeflutet. Ein Stoffwechselprodukt ist das Skatol, das neben dem Androstenon hauptsächlich an der Entstehung des Ebergeruchs beteiligt ist. Verstärkt wird diese geruchsmindernde Leistung noch durch die hohen Fruktangehalte im Roggen. Mit einem Gehalt von 3,6 – 6,4 % der Trockenmasse liegt der Gehalt beim Roggen 3 mal höher als beim Weizen. Auch Fruktane, die vergleichbar sind mit dem Inulin z. B. aus Chicoree, können zu einer Reduzierung des Skatolgehaltes beitragen. Erste Feldstudien zeigen eine solche positive Wirkung in der Ebermast.

Einflüsse auf die Salmonellenbelastung

Neben den schon aufgeführten positiven Wirkungen der Buttersäure im Dickdarm kann diese auch die Vermehrung von Salmonellen beeinträchtigen. Durch weitere Maßnahmen wie eine gröbere Schrotung oder Fermentation des Futters kann dieser Effekt verstärkt werden.

In einer Feldstudie, die unter Leitung der KWS (www.kws.com) in 14 Mastbetrieben (67.000 Mastschweine) durchgeführt wurde, ist eine solche Beeinflussung dargestellt. Die immer wieder genannten 30 % Reduzierung sind dabei aber relativ zu sehen, also von ca. 13 % positiver Befunde auf 10 % zurückgehend. Also in einem Bereich, der immer noch weit von der Kategorie II im Salmonellenmonitoring entfernt ist. Aber immerhin konnten mit der Änderung der Fütterung (mehr Roggen, gröbere Futterstruktur) in einzelnen Betrieben die Salmonenllenprävalenz von 40 auf 20 % reduziert werden.

Es rechnet sich auch

In der Tabelle 4 wird gezeigt, dass die Preiswürdigkeit des Roggens nahe der des Weizens liegt. Für den Praktiker ist die Preiswürdigkeit eines Futtermittels ein wichtiger Grund für dessen Einsatz. Die Preiswürdigkeit wird nach der Austauschmethode ermittelt. Ausgangsbasis sind ein typisches Eiweiß- und ein entsprechendes Energiefuttermittel. In der Schweinefütterung sind dies Sojaschrot und Weizen. Gerechnet wird nach den Kriterien pcv (praecaecal verfügbar)  Lysin und Energie. Für das zu beurteilende Futtermittel wird die Menge an Sojaschrot und Weizen ermittelt, die erforderlich ist, um dessen pcv Lysin- und Energiegehalt zu erreichen. Die Multiplikation der entsprechenden Mengen mit den Marktpreisen ergibt den Nährstoffvergleichspreis des zu beurteilenden Futtermittels.

Immer dann, wenn der Roggen zwischen 0,5 und 1 Euro günstiger am Markt zu haben ist als Weizen, lohnt sich der Einsatz im Schweinefutter. Dagegen spielen die Kosten der Proteinfuttermittel fast keine Rolle.

Tabelle 4: Was darf Roggen (9 % RP) bei einem Preis von Weizen (11 % RP)… und Sojaschrot (43 % RP)… kosten (in €/dt)? (nach Berechnungsprogramm Hollmichel 2017

Gute Karten bei einer stickstoffreduzierten Fütterung

Durch die neuen Vorgaben der Düngeverordnung sind vor allem die flächenknappen Betriebe veranlasst eine Stickstoff- und Phosphor-reduzierte Fütterung durchzuführen. Um im Bereich Protein (Stickstoff) überhaupt auf Gehalte unter 13 oder sogar 12 % im Mittel- bzw. Endmastbereich zu kommen, ist es notwendig Futtermittel mit geringen Proteingehalten einzusetzen. Hier kommt der Roggen ins Spiel, der ja nur ca. 9 % Rohprotein besitzt. Die fehlenden essentiellen Aminosäuren können heute dann recht günstig über freie Aminosäuren ergänzt werden.

Wie eine solche Beispielration für den Eigenmischer aussehen könnte ist Tabelle 5 zu entnehmen.

Tabelle 5: Beispielration einer N-und P-reduzierten Fütterungsstrategie mit hohen Roggenanteilen (in 88 % TM)

FAZIT

Auch wenn es hin und wieder noch Bedenken gibt, aber die Fütterung von Schweinen auch mit hohen Roggenanteilen passt. Werden die neu ermittelten Verdaulichkeiten auch in den Rationsberechnungen verwendet, können mit Roggen bestens stark oder sehr stark N-reduzierte Rationen erstellt werden und dies besonders gut, weil der Roggen einen geringen Rohproteingehalt (bei ähnlichen Aminosäuregehalte) gegenüber anderen Getreiden aufweist.

Neueste Studien weisen auch auf die große Rolle hinsichtlich Darmgesundheit und Faserwirksamkeit hin. Durch den hohen Anteil an Fruktanen und Arabinoxylanen, die der gewünschten Darmflora als Nahrung dienen, werden Salmonellen unterdrückt und der Ebergeruch (Skatol) reduziert. Die Wirtschaftlichkeit des Einsatzes ist eigentlich immer gegeben, da der Gleichgewichtspreis zum Weizen nur ca. 60 Eurocent unter dem Weizenpreis liegt.

Trotzdem ist der Einsatz in der Mischfutterindustrie in den letzten 5 Jahren stetig zurück gegangen, dies liegt allerdings nicht an einer geringeren Vorzüglichkeit des Roggens, sondern am deutlich rückläufigen Anbau (seit 2013 um 30 %), da Weizen im Marktfruchtbau momentan höhere Einnahmen garantiert.

DER DIREKTE DRAHT

Dr. Manfred Weber
Klein Schwechten
Tel.: 039388/28423
E-Mail: Manfred.H.Weber(at)gmx.de

Stand: August 2019