Proteinmarkt Spezial 6: Sojaschrot in der Sauenfütterung

19.09.2018 – Dr. Manfred Weber, Klein Schwechten

Die Schweinefleischproduktion bleibt auch weiterhin in Deutschland auf einem hohen Niveau. Dabei können die notwendigen Energielieferanten im Futter, die Getreidearten, auch in entsprechender Menge hier produziert werden.

Bei der Versorgung der Tiere mit Eiweiß sind wir aber nach wie vor auf Importfutter angewiesen. Hier spielt die Sojabohne und insbesondere das daraus gewonnene Sojaextraktionsschrot eine herausragende Rolle. Der Grund liegt in der hohe Anteil und die hohe Verdaulichkeit der im Sojaschrot enthaltenen Aminosäuren (80-90%). Damit besitzt das Sojaschrot und hier ist es gleich, ob gentechnisch verändert oder GVO-frei, einen entscheidenden Vorteil gegenüber anderen Eiweißfuttermitteln.

Sojaschrot als Proteinquelle verwenden

Empfehlungen zur Energie und Nährstoffversorgung von Sauen

Die Fütterung während der Trächtigkeit hat eine Schlüsselfunktion. Sie beeinflusst nicht nur Geburtsverlauf, Wurfgröße und Wurfgewicht, sondern auch die Leistungen der anschließenden Säugezeit und die nachfolgende Brunstperiode, wahrscheinlich auch die Nutzungsdauer der Sau. Aber auch die Rassen, die Herkünfte, die Haltungsformen und die gestiegenen Leistungen müssen berücksichtigt werden. Daher sind die DLG-Fütterungsempfehlungen (Tabelle 1) als Orientierung anzusehen.

Tabelle 1: Empfehlungen zur Nährstoffversorgung von Ferkeln (DLG 2008)


Bei den Empfehlungen zur Energieversorgung wird von einem LM-Verlust von 15 kg während der Laktation ausgegangen. Ist von anderen LM-Verlusten als den unterstellten 15 kg während der Laktation auszugehen, soll die tägliche Energieversorgung je 5 kg mehr oder weniger LM-Verlust um ± 1,0 MJ ME (± ca. 80 g Futter) angepasst werden. Zusätzlich sind auch noch Zuschläge für kältere Temperaturen zu machen, da dort der Erhaltungsbedarf der Tiere höher ist. In der Einzelhaltung sollten je °C unter 19°C 0,6 MJME pro Tag und Tier veranschlagt werden. In der Gruppenhaltung ab 14° jeweils 0,3 MJME.

Eine vom Bedarf nach oben oder unten deutlich abweichende Versorgung mit ME kann die Reproduktionsleistung, den Geburtsverlauf und die Futteraufnahme während der Laktation negativ beeinflussen.

Zur Aufrechterhaltung einer otpimalen Fruchtbarkeit ist es nötig Sauen so zu füttern, dass sie sich in einer optimalen Körperkondition  befinden. Dies lässt sich – eingeschränkt – mit Hilfe der Konditionsbewertung (Body condition scoring = BCS) beurteilen). Hierbei werden die Noten 1 (sehr mager) bis 5 (sehr fett) vergeben. Die Note 3 entspricht einer mittleren Kondition. Bei Altsauen, die zum Abferkeln kommen, sollte dieser BCS-Wert bei 3,5, bei Jungsauen bei 4 liegen. Doch es muss jedem Sauenhalter klar sein, dass diese subjektive Betrachtung nur eine grobe Schätzung der Fettreserven sein kann.


Die Sauenmilch ist immer noch das beste Futter für die Ferkel.


Da die Sauenmilch immer noch das beste Futter für die Ferkel ist, muss die gesamte Fütterung in der Säugezeit auf Milchbildung (12l pro Tag sind nicht außergewöhnlich) ausgerichtet sein.

Dazu ist es im Gegensatz zu früheren Empfehlungen notwendig, auch um die Geburt und am Geburtstag die Sau mit ausreichend Futter zu versorgen. 1,5-2 kg sollte die Sau auch am Tag der Geburt fressen. Danach kann die Futtermenge langsam (0,5-1kg) pro Tag erhöht werden. Am 10-12. Tag nach der Geburt sollten aber alle Sauen, die mindestens 10 Ferkel haben, eine ad libitum Versorgung erhalten. Die Zahlen aus Tabelle 2 zeigen eine benötigte Energiemenge von durchschnittlich 95 MJ ME für Sauen mit 13-14 Ferkeln. Selbst bei einer hohen Energiedichte im Futter für säugende Sauen von 13 MJ, heißt das eine Aufnahme von durchschnittlich über 7 kg pro Tag.

Zur Aufrechterhaltung einer optimalen Fruchtbarkeit ist es nötig Sauen so zu füttern, dass sie sich in einer optimalen Körperkondition befinden.


Rechnet man den langsamen Anstieg der Futtermenge in den ersten 10 Tagen dazu, müssen diese Sauen in der Spitze über 10-12 kg fressen. Dies ist häufig nicht zu erreichen. Daher kommt es zur stärkeren Mobilisierung von Körperreserven, damit die Milchproduktion aufrecht erhalten werden kann. Bei zu starker Reduktion der Körpersubstanz kann dies negative Folgen für die nächste Trächtigkeit haben. Durch eine zusätzliche Versorgung der Ferkel mit Saugferkelergänzungsfutter kann ein eventuell auftretendes Versorgungsdefizit teilweise ausgeglichen werden. Hauptziel der Beifütterung jedoch ist eine möglichst frühe Angewöhnung der Ferkel an das feste Futter. Aufgrund der nur geringen aufgenommenen Futtermengen durch die Ferkel während der Säugezeit kann eine Entlastung der Sau nur sehr begrenzt stattfinden.

Tabelle 2: Versorgungsempfehlungen für säugende Sauen (DLG 2008)

Rationsgestaltung

Die in Tabelle 3 aufgeführten Inhaltsstoffe sollten in den Mischungen für säugende und tragende Sauen unbedingt eingehalten werden. Zu beachten ist der zur Milchbildung notwendige hohe Bedarf an essentiellen Aminosäuren, der fast doppelt so hoch ist wie im Futter für niedertragende Sauen. Je nach Betriebssituation wird das Futter als Fertigfutter zugekauft, selbst aus einzelnen Komponenten gemischt oder über Zugabe von Getreide zum zugekauften Eiweißergänzer hergestellt.
Eiweißfuttermittel sind bezüglich ihrer Verwendung grundsätzlich nach der Ergänzungswirkung der in ihnen enthaltenen Aminosäuren zu beurteilen. Um die energiereichen und lysinarmen Getreide zur ergänzen, eignen sich daher vor allem Eiweißfutter mit hohem Lysingehalt. Neben dem Sojaextraktionsschrot sind dies die dampferhitzten Sojabohnen, Rapsextraktionsschrot, Erbsen und andere Leguminosen. Die Inhaltsstoffe dieser Futtermittel sind Tabelle 4 zu entnehmen.

Auf Grund der vorzüglichen Ergänzungswirkung seiner Aminosäuren zum Getreideprotein, seiner hygienischen Qualität und seiner hohen Akzeptanz dominiert Sojaschrot als Proteinträger in der Sauenration. Demgegenüber sind die heimischen Proteinlieferanten auf Grund ihrer schlechteren Aminosäuregehalte nur in Grenzen einzusetzen (siehe Tabelle 4).

Tabelle 3: Richtwerte je kg Sauenfutter (88 % Trockenmasse) DLG 2008
Tabelle 4: Ausgewählte Inhaltsstoffe proteinreicher Futtermittel (je kg Originalsubstanz) und Einsatzempfehlungen
Tabelle 5: Eigenmischungen für säugende Sauen (13 MJ ME bzw. 13,4 MJ ME/kg Futter)
Sojaschrot dominiert als Proteinträger in
der Sauenfütterung

DER DIREKTE DRAHT

Dr. Manfred Weber
Klein Schwechten
Tel.: 039388/28423
E-Mail: Manfred.H.Weber(at)gmx.de

Stand: Mai 2018