Beschäftigungsmaterial für Schweine TEIL 2

31.07.2019 – Prof. Martin Ziron, Niklas Eickhoff und Simon Stocksmeier von der Fachhochschule Südwestfalen

Vergleich der Nutzung von Beschäftigungsmaterial in der Ferkelaufzucht

Es wurden vier unterschiedliche Typen von Beschäftigungsmaterialien auf einem Praxisbetrieb getestet. Ein Behälter zur Vorlage von Stroh oder Heu, die Porky´s Fun Box MIDI, Baumwollspielseile sowie der Spieligel und der Spielpropeller. Diese wurden einzeln oder als Wahlmöglichkeit in den Buchten angeboten.

Spielpropeller

Der Spielpropeller wurde von der GFS – Eigenmarke BestFarm entwickelt und wird über den GFS Top-Animal Shop vermarktet. Er lässt sich sowohl in der Ferkelaufzucht als auch in der Schweinemast einsetzen. Mit Hilfe einer Decken-, Buchten- oder Wandhalterung wird er mit einer Kette und einem Karabiner befestigt. Durch den Karabiner kann er entsprechend der Körperhöhe der Tiere angepasst werden. Der Spielpropeller wiegt 1,4 kg und hat einen Durchmesser von 46 cm Durchmesser mit einer Länge von 22 cm. Der aus Natur-Gummi bestehende Propeller ist biegsam und hat vier Arme.

Spielpropeller in der Vormast mit ca. 50 kg schweren Schweinen

Spieligel

Auch der ebenfalls aus Natur-Gummi bestehende Spieligel wurde von der GFS – Eigenmarke BestFarm entwickelt und ist wie der Spielpropeller für die Ferkelaufzucht und Schweinemast geeignet. Er hat einen Durchmesser von 35 cm mit zwölf 11,6 cm langen Stacheln und ein Gewicht von 2,3 kg. Der Spieligel kann in die Buchten gelegt werden und ist sofort spielbereit.

Spieligel in der Vormast mit 50 kg schweren Schweinen

Porky´s Fun Box MIDI

Die Porky´s Fun Box MIDI, im nachfolgenden Text nur noch als Fun Box bezeichnet, wurde von der Firma Meier-Brakenberg entwickelt. Sie kann mit einer Edelstahlhalterung an der Buchtenwand montiert werden. Der Edelstahlbehälter ist an zwei Punkten mit Kettengliedern befestigt und lässt sich mit Hilfe eines Karabiners in der Höhe verstellen. Die Box kann von oben mit Lang-, Kurzstroh oder anderem Raufutter befüllt werden. Der Edelstahlbehälter besitzt einen Durchmesser von 20 cm und hat eine Höhe von 32 cm. Durch vier Öffnungen, die nicht in der Größe verstellbar sind, können die Ferkel das Stroh herausziehen, kauen und fressen. Durch eine mitgelieferte Kugel soll die Strohnachführung gewährleistet werden.

Porky´s Fun Box MIDI in Versuchsbucht 1

Baumwollspielseile

Die als Beschäftigungsmaterial genutzten Spielseile bestehen aus Baumwollbändern, die zu 10 mm dicken Seilen geflochten wurden. Sie werden als Rolle mit einer Seillänge von 250 m angeboten, so dass die verwendeten Seile individuell angepasst werden können. In den Buchten können die Seile freihängend an dem Rohr der Futterkette oder an den Buchtenwänden angebracht werden. Optional gibt es für die Seile einen passenden Spielomat, der mit einer Halterung an die Buchtenwände montiert werden kann. Die Seile dienen den Schweinen als Beschäftigungsmaterial zum Beißen, Kauen und Ziehen.

Praxisbetrieb Ferkelaufzucht

Die Datenerhebung in der Ferkelaufzucht fand in einem Praxisbetrieb mit Ferkelproduktion und -aufzucht statt. Die Versuche wurden in einem Ferkelaufzuchtabteil mit vier Buchten durchgeführt. Jede Bucht hat einen Boden aus Kunststoffspalten. Die Maße der Buchten ist jeweils 3,5m x 2,5m und hat somit eine Fläche von 9 m2. Die Ferkel werden mit dem Aufzuchtfutter Vida Optima 4 von ForFarmers ad libitum über einen Trockenfutterautomaten gefüttert. Die Belüftung der Versuchsställe erfolgt über die Türganglüftung.

Im Bereich der Ferkelaufzucht wurden zwei verschiedene Versuche zur Attraktivität verschiedener Beschäftigungsmaterialien durchgeführt. Es wurden jeweils über drei Tage Aufnahmen mit je zwei Kameras in zwei verschiedenen Buchten aufgenommen, die durch einen Laptop mit dem Aufnahmeprogramm "Mangold VideoSyncPro" ausgewertet wurden. Die Auswertung zur Attraktivität der Beschäftigungsmaterialien beschränkt sich auf die Tageslichtphasen (12 Stunden). Verglichen wurden der Spielpropeller, der Spieligel, Porky´s Fun Box MIDI und Baumwollspielseile.

Porky's Fun Box MIDI (Langstroh) und Propeller in der Ferkelaufzucht

Im ersten Versuch in der Ferkelaufzucht wurden zwei Buchten im Ferkelaufzuchtstall mit jeweils einer Beschäftigungsmöglichkeit ausgestattet. In Bucht 1 wurden den Tieren Fun Box und in Bucht 2 der Gummi-Propeller zur Verfügung gestellt. Die Fun Box wurde zum Absetzzeitpunkt der Ferkel mit 28 Tagen zeitgleich in die Ferkelbucht eingebaut. Die Montage erfolge durch eine Halterung an der Buchtenwand (siehe Bild 5). Als organisches Material für die Fun Box wurde Langstroh verwendet.

Aufnahmebeginn war knapp 30 Tage nach Montage der Fun Box, die Ferkel hatten ein Alter von 57 Tagen. Der Propeller wurde einen Tag vor Aufnahmebeginn an dem Rohr der Futterkette aufgehängt. Beide Beschäftigungsmaterialen hingen auf Kopfhöhe der Tiere.

In den Buchten befanden sich jeweils 25 Ferkel, das entspricht einer Fläche von 0,36 m2 Fläche pro Tier.

Eine Fragestellung war es, wie viele Tiere sich gleichzeitig mit dem angebotenen Spielzeug beschäftigen können. Bei der Fun Box zeigte sich, dass diese sehr intensiv und auch länger zur Beschäftigung genutzt wurde als der Propeller.


Betrachtet man die durchschnittliche Nutzungshäufigkeit pro Tier und Tag in der Bucht mit der Fun Box MEDI (mit Langstroh), so wurde diese 21 Mal und entsprechend 7 Minuten pro Tier und Tag zur Beschäftigung genutzt. Sie bietet häufig von bis zu drei Tieren gleichzeitig Beschäftigung.

Beim Spielpropeller betrug die Nutzungshäufigkeit 12 Kontakte und durchschnittlich eine Minute pro Tier und Tag. Den Propeller nutzte meist nur ein Schwein, aber auch vereinzelt mehrere Tiere gleichzeitig.

Wahlversuche Porky´s Fun Box MIDI (Kurzstroh), Propeller, Igel und Spielseile in der Ferkelaufzucht

Im zweiten Versuch wurden ebenfalls zwei Buchten beobachtet, die jedoch mit jeweils zwei unterschiedlichen Spielzeugen ausgestattet waren. Die Fun Box in Bucht 1 war bei dem Versuch mit gehäckseltem Kurzstroh (3-7cm) gefüllt. Zusätzlich wurde eine Gummimatte untergelegt, um zu vermeiden, dass das kurze Material durch die Spalten fällt. Als zweite Beschäftigungsmöglichkeit wurden zwei Spielseile aus Baumwolle in Bucht 1 an das Rohr der Futterkette gehängt (Abb. 7).

In Bucht 2 wurde der Gummi-Propeller aufgehängt und der Gummi-Igel auf die Spalten gelegt Die Fun Box und der Propeller wurden wie in Versuch 1 befestigt.

Alle Spielzeuge wurden erst zum Aufnahmetag zur Verfügung gestellt. In diesem Versuch gab es keinen Gewöhnungszeitraum. Die Ferkel waren zu diesem Zeitpunkt 48 Tage alt. In den Buchten befanden sich jeweils 35 Ferkel, das entspricht einer Fläche von 0,25m² pro Tier.

Die Ergebnisse der Wahlversuchsbucht der Fun Box MIDI (Kurzstroh) vs. der Baumwollseile zeigte eine deutlich höhere Nutzungshäufigkeit und auch Nutzungsdauer der Seile im direkten Vergleich, pro Seil aber jeweils nur durch ein Schwein, die Nutzungshäufigkeit pro Tier und Tag betrug im Mittel 21 Kontakten und 34 Minuten. Fun Box MIDI kann im Gegensatz zu den Seilen von bis zu drei Tieren gleichzeitig genutzt werden, hier lag die Nutzungshäufigkeit im Mittel bei 18 Kontakten und 18 Minuten pro Tier und Tag.


Bei der zweiten Wahlversuchsbucht, die mit einem hängendem Propeller und einem auf dem Boden befindlichen Spieligel ausgestattet war, zeigte sich  der Spieligel deutlich attraktiver für die Aufzuchtferkel. Dieser wurde häufiger, länger und auch von mehreren Tieren gleichzeitig genutzt. In Zahlen ausgedrückt kam es beim Propeller im Mittel zu 16 Kontakten und einer Nutzungsdauer von 14 Minuten pro Tier und Tag. Im Vergleich dazu waren es beim Spieligel 24 Kontakte und 40 Minuten pro Tier und Tag. 

Zusammenfassung Wahlversuche Ferkelaufzucht

Die Untersuchungen zeigen, dass es große Unterschiede bei der Attraktivität von Beschäftigungsmaterial für Schweine gibt. Organisches Material in Form von Stroh wird meist von den Tieren besser angenommen. Beim Vergleich der organischen Materialien zeigte sich, dass Baumwollseile in der Ferkelaufzucht bei gleichzeitigem Vorhandensein von Stroh deutlich intensiver bespielt werden. Es konnte aber auch deutlich gemacht werden, dass nicht organische Materialien ebenfalls sehr intensiv zur Beschäftigung genutzt werden. Wie schon in verschiedenen Vorversuchen beobachtet wurde der Spieligel bevorzugt. Im Vergleich mit anderen Beschäftigungsmaterialien konnte dort die längste mittlere Nutzungsdauer pro Tier und Tag beobachtet werden.

DER DIREKTE DRAHT

Prof. Dr. agr. habil. Martin Ziron
Fachhochschule Südwestfalen

E-Mail: Ziron.Martin(at)FH-SWF.de
Stand: Juni 2019