Was kann mit Nährstoffreduzierung im Mastfutter erreicht werden?

04.07.2018 - Dr. Manfred Weber, Klein Schwechten

Der sorgsame und nachhaltige Umgang mit knappen Rohstoffen wird die Zukunft der Schweinefütterung noch mehr als zuvor prägen. Dabei steht nicht mehr wie bisher der ökonomische Gedanke an erster Stelle, sondern die strengeren Regeln, die uns die politische Seite und der Lebensmitteleinzelhandel auferlegen werden, bestimmen in Zukunft die Richtlinie des Handelns. Die dann notwendige Reduzierung von z. B. Phosphor (P) und Stickstoff (N) in den Rationen der Schweine wirft allerdings geringere Probleme für die Schweinehalter auf als das drohende Verbot der betäubungslosen Kastration und des Einkürzens der Schwänze.

Insbesondere in Betrieben mit hoher Vieh- aber geringer Flächenausstattung sollte dieses Fütterungsmanagement Standard werden. Die Auflagen der neuen Düngegesetzgebung macht dies unverzichtbar, sollen nicht noch höhere Güllemengen vom Hof exportiert werden müssen, was mittlerweile erhebliche Kosten mit sich bringt, oder zu speziellen Jahreszeiten kaum mehr möglich ist, da auch die Ausbringungszeiten deutlich eingeschränkt wurden. Hinzu kommt noch, dass auch der tierische Organismus dadurch entlastet wird, dass die energieaufwändige Exkretion von N- und P- reduziert wird. Diese Energie steht dem Schwein dann für besseres Wachstum zur Verfügung. Zudem hat gerade die VDLUFA die Richtwerte für Phosphor im Boden abgesenkt, ein Hinweis darauf, dass wahrscheinlich auch im Bereich Phosphorausbringung in Zukunft weitere Verschärfungen nicht auf sich warten lassen.

N- und P-Einsparungen werden vor allem über Wirtschaftsdünger zu erfolgen haben

Jedem Tierhalter wird  in Zukunft freigestellt, eine Nährstoffbilanz für den Gesamtbetrieb zu erstellen und danach die maximal zu haltenden Tiere gerechnet werden. Hier bieten sich für viele Betriebe noch Chancen, wenn sie N- und P-angepasste Rationen verfüttern und so Einsparungen nachweisen können. Diese können dann deutlich unter den wohl in der neuen Gülleverordnung enthaltenen Standardausscheidungen (nach DLG Band 199, 2014) liegen und somit eine höhere Tierzahl erlauben.

Grundsätzlich ist es sicherlich in Zukunft möglich, durch Reduzierungsstrategien im Futter N und P einzusparen. Allerdings sollte Grundlage aller Rationsberechnungen die DLG-Empfehlungen (DLG Kompakt 2010) sein. Diese werden auf Basis der verdaulichen Aminosäuren und des verdaulichen Phosphors gegeben. Diese Werte sollten auch in angepassten Rationen nicht unterschritten werden. Ziel ist es vielmehr, die Bruttowerte für Rohprotein und Phosphor in den Rationen zu senken. Dazu gibt es mittlerweile viele erfolgversprechende Ansätze.

In Schweinerationen wird in Zukunft N- und P- reduziert gefüttert werden müssen

A: Optimierung des Einsatzes freier Aminosäuren

Schon viele Jahre wird zur Optimierung der Aminosäureversorgung der Einsatz von freien Aminosäuren im Schweinefutter praktiziert. Entweder direkt von den Mischfutterfirmen, oder übers Mineralfutter bei Eigenmischern. Der Einsatz dieser freien Aminosäuren (AS) lässt aber weitere Spielräume zu, d.h. durch stärkeren Einsatz solcher AS können Eiweißfutter eingespart und so der Gesamtproteingehalt des Futters abgesenkt werden, was mit geringeren N-Ausscheidungen einhergeht. Wissenschaftler weisen immer wieder darauf hin, dass dadurch theoretisch der Rohproteingehalt im Anfangsmastfutter auf unter 13% und im Endmastfutter auf unter 11% reduziert werden kann. Kommt man in solche Größenordnungen, wirken sich Fehler im Betrieb (Fütterungsgenauigkeit, Tiergesundheit etc.) allerdings sehr stark negativ aus. Daher ist eine solch drastische Absenkung momentan nicht zu empfehlen.  Grundlage der Konzeption von stark N- und P-reduzierten Mischungen sollte immer das Konzept des idealen Proteins sein. Dabei ist ein bestimmtes Verhältnis der essentiellen AS, zumeist im Verhältnis zur erstlimitierenden AS Lysin, einzuhalten.

B: Konzeption der Futtermischungen auf Basis der Nettoenergie

Immer stärker wird in Deutschland auch die Bewertung der Futtermittel auf Basis der Nettoenergie diskutiert. Bisher geschieht die Bewertung auf Basis der umsetzbaren Energie. Für die Nettoenergiebewertung wird auch noch die bei Umsetzungen im Körper frei werdende Wärmeenergie, die dann nicht mehr für die Leistungen wie Zunahmen oder Milchleistung zur Verfügung steht, bewertet. Da aus Protein, das für Energiegewinnung im Körper herangezogen wird, mehr Wärmeenergie frei gesetzt wird, wie dies z. B. bei der Stärke der Fall ist, erhalten Futtermittel, die einen höheren Proteingehalt haben, wie z. B. Sojaschrot oder Rapsschrot, bei der Futteroptimierung einen Abschlag. So wird nach Angabe einiger Futtermittelhersteller, die in Deutschland diese Berechnung jetzt schon als Grundlage ihrer Futtermischungen benutzen, automatisch weniger Rohprotein, man spricht von ca. 1%, in der Ration vorhanden sein. Allerdings gibt es hier auch gegenläufige Meinungen, die diese Möglichkeiten auch im System der umsetzbaren Energie sehen.

Proteinreiche Futtermittel werden im Nettoenergiesystem energetisch schlechter bewertet

C: Einsatz von Phytasen zur Verdaulichkeitssteigerung von Phosphor

Die Verdaulichkeit von P in unseren üblichen Mischfutterkomponenten ist sehr unterschiedlich. Dies hängt mit dem Anteil an Phytat gebundenem P und den, dem Futtermittel eigenen Phytasen, zusammen. Das Schwein kann phytatgebundenes P nicht verdauen, weil es dazu keine eigenen Enzyme (Phytasen) produzieren kann. So ist das P aus Mais nur zu 15% verdaulich, Weizen-P dagegen zu 60 %. Den meisten Schweinefuttermitteln werden heute schon freie Phytasen zugesetzt, um die P-Verdaulichkeit zu steigern. Hier ist aber noch sehr viel Luft nach oben, sprich durch die kontinuierliche und gesteigerte Nutzung von Phytasen, kann deutlich mehr Bruttophosphor im Futter und somit auch in der Gülle eingespart werden. Allerdings ist dabei zu beachten, dass die Wirkung von zugesetzten Phytasen mit je zugesetzter Einheit geringer wird. So setzen nach Herstellerangaben 500 Einheiten einer speziellen Phytase etwa 1,0 g verdaulichen Phosphor frei, aber 2000 Einheiten nur 1,9. Damit stimmt der Grundsatz “Viel hilft viel“ hier nur bedingt.

D: Fermentation von Schweinefutter

Auch die Fermentation von Schweinefutter vor der Verfütterung kann die Verdaulichkeit von Protein und Phosphor erhöhen. Üblicherweise wird heute ein Eiweißfutter/Getreide Gemisch fermentiert. Nutzt man dabei Rapsschrot als Proteinkomponente, kann in der fertigen Ration, zumindest ab dem Mittelmastfutter, auf zusätzlichen mineralischen Phosphor verzichtet werden, da Rapsschrot einen hohen P-Gehalt beinhaltet und dieser durch die Fermentation dem Tier gut verfügbar gemacht wird. Durch die Fermentation wird aber auch das Protein besser verfügbar und somit kann Bruttoprotein in der Ration eingespart werden.

Futterfermentation erhöht die Verdaulichkeit von Eiweiß und Phosphor

E: Versuch an der LLG in Iden

An der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau in Iden haben dazu in jüngster Zeit einige Versuche stattgefunden. Die Ergebnisse des letzten Versuches sollen jetzt im Folgenden kurz geschildert werden.

In die Untersuchung wurden 144 Mastschweine einbezogen. Es handelte sich dabei um Kreuzungsherkünfte (Pi x (DExDL)). Die Tiere wurden in drei Varianten unterteilt und parallel in vier identischen Stallabteilen gemästet (jeweils eine Bucht pro Variante). 5 Tiere erreichten das Prüfungsende auf Grund von Erkrankungen nicht. Im Rahmen des Versuches wurde eine dreiphasige Fütterung durchgeführt. Von ca. 25 bis ca. 60 kg erhielten alle Schweine ein Vormastfutter, von 60 bis 90 kg ein Anfangsmastfutter und anschließend das Endmastfutter bis zu einem Endgewicht von ca. 120 kg. Die Fütterungsvarianten stellten sich folgendermaßen dar:

A: nach DLG-Empfehlungen 18,5/16/15 RP und 0,5-0,45 P,
B: 14,5/13/12 RP mit Isoleucinzusatz und  0,43/0,39/0,36 P (ohne mineralischen P-Zusatz ab der Mittelmast), basierend auf Nettoenergie,
C: 14,5/13/12 RP ohne Isoleucinzusatz und  0,43/0,39/0,36 P (ohne mineralischen P-Zusatz ab der Mittelmast), basierend auf Nettoenergie.

In den Zunahmeleistungen, dem Futterverbrauch und dem Futteraufwand sind zwischen den 3 unterschiedlich gefütterten Gruppen keine signifikanten Unterschiede zu sehen (Tabelle 1). Alle 3 Futtermischungen wurden gleich gut von den Schweinen gefressen. Als Fazit zur Mastleistung lässt sich sagen, dass mit allen 3 konzipierten Futtermischungen die gleichen biologischen Leistungen erzielt worden sind. Auch der Muskelfleischanteil ist in den 3 Gruppen vergleichbar. Die anderen Parameter der Schlachtleistung zeigen ebenfalls keine Unterschiede zwischen den 3 Versuchsgruppen. Betrachtet man die Zahlen zur Fleischqualität, lässt sich leicht erkennen, dass insgesamt keine Fleischqualitätsmängel aufgetreten sind. Keiner der untersuchten Parameter der Fleischqualität zeigt einen signifikanten Einfluss der Fütterungsgruppe.

Einzelfuttermengenerfassung im Versuchsstall Iden

Anhand der  N-und P-Bilanzen der 3 Futtervarianten, zeigt sich, dass die in den Gruppen B  und C vorgestellten Fütterungsalternativen die Stickstoffausscheidungen im Vergleich zur in Deutschland üblichen Praxis deutlich reduzieren konnten. Es trat eine errechnete Reduzierung von annähernd 30% auf. Phosphorausscheidungen konnten mit den Rationen der Versuchsgruppen B und C  um über 35% reduziert werden (Abbildung 1).

Anhand der N-und P-Bilanzen der 3 Futtervarianten, zeigt sich, dass die in den Gruppen B  und C vorgestellten Fütterungsalternativen die Stickstoffausscheidungen im Vergleich zur in Deutschland üblichen Praxis deutlich reduzieren konnten. Es trat eine errechnete Reduzierung von annähernd 30% auf. Phosphorausscheidungen konnten mit den Rationen der Versuchsgruppen B und C  um über 35% reduziert werden (Abbildung 1).

Fazit

Als Fazit lässt sich festhalten, dass die heutigen gesetzlichen, gesellschaftlichen und ökologischen Anforderungen in der Schweinefütterung Widerhall finden müssen. Besonders die Stickstoff- und Phosphorausscheidungen werden reduziert werden müssen. Es gibt dazu erfolgversprechende Ansätze, die in Versuchsvorhaben geprüft wurden und in die Praxis zu überführen sind.

DER DIREKTE DRAHT

Dr. Manfred Weber
Klein Schwechten
Tel.: 039388/28423
E-Mail: Manfred.H.Weber(at)gmx.de

Stand: Juni 2018