Ackerbohnen, Erbsen oder Lupinen im Futter für Aufzuchtferkel, Auswirkungen auf Futteraufnahme und Leistung

06.06.2018 - Wolfgang Preißinger, Günther Propstmeier und Simone Scherb von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft

Landwirten und somit auch schweinehaltenden Betrieben werden Fördergelder für konkrete Umweltleistungen ("Greening") gewährt. Dabei wird u.a. auch das Vorweisen von ökologischen Vorrangflächen gefordert. Diese Vorrangflächen können durch den Anbau von Körnerleguminosen wie z.B. Erbsen, Ackerbohnen oder Lupinen realisiert werden. Diese Variante ist vor allem für Veredelungsbetriebe interessant.

In einem Ferkelfütterungsversuch wurden deshalb Erbsen, Ackerbohnen und blau blühende Süßlupinen (Abbildung 1) jeweils ergänzt mit Sojaextraktionsschrot getestet. In der Kontrollgruppe wurde ausschließlich Sojaextraktionsschrot als Eiweißfutter eingesetzt.

80 Ferkel im Versuch

Der Fütterungsversuch mit 80 abgesetzten Ferkeln wurde am Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum (LVFZ) Schwarzenau durchgeführt und mit folgenden Varianten gefahren:

  • Behandlung A: Kontrolle, keine Körnerleguminosen
  • Behandlung B: Erbsen 6 bzw. 10 % im Ferkelaufzuchtfutter I bzw. II
  • Behandlung C: Ackerbohnen 6 bzw. 10 % im Ferkelaufzuchtfutter I bzw. II
  • Behandlung D: Süßlupinen (blau blühend) 6 bzw. 10 % im Ferkelaufzuchtfutter I bzw. II

Die Ferkel wurden in 8 Buchten zu je 10 Tieren aufgestallt. Dabei war es möglich, die Einzeltierfutteraufnahme zu messen. 

Abbildung 1: Erbsen, Ackerbohnen, Süßlupinen (blaublühend)

Die Versuchsmischungen basierten auf Getreide (Weizen, Gerste), Sojaextraktionsschrot (HP), Mineralfutter mit 5 Aminosäuren, Pflanzenöl und Fumarsäure (Tabelle 1).

Die Erbsen, Ackerbohnen bzw. Lupinen wurden mit jeweils 6 % (FAF I) bzw. 10 % (FAF II) im Austausch gegen Weizen und Sojaextraktionsschrot eingesetzt. Aufgrund der niedrigen Gehalte an Methionin und Threonin und den niedrigen praecaecalen Verdaulichkeiten von Methionin wurde in den Futtermischungen mit Ackerbohnen und Erbsen auf ein Mineralfutter mit erhöhten Gehalten an Methionin und Threonin zurückgegriffen.

Die Futtermischungen enthielten einen sehr hohen Energiegehalt

Durch die hohe Verdaulichkeit der Rohnährstoffe errechneten sich relativ hohe Gehalte an umsetzbarer Energie (Tabelle 2). Gegenüber den Vorgaben der DLG (2008) waren die Gehalte an Rohprotein und Lysin etwas niedriger. Die Gehalte an Methionin und Cystin, Threonin sowie Tryptophan waren bezogen auf die Lysingehalte aber stimmig.

Keine Unterschiede in den biologischen Leistungen

In Tabelle 3 sind LM-Entwicklung, die täglichen Zunahmen, der Futterabruf sowie der Futteraufwand dargestellt. Die Abbildungen 2 und 3 zeigen den Verlauf der LM-Entwicklung und des Futterabrufs.

Während des Versuchs mussten 3 Tiere aus der Lupinengruppe herausgenommen werden. Die Lebendmasseentwicklung der Ferkel verlief nahezu identisch. Die täglichen Zunahmen waren für die Aufzucht an Abrufstationen akzeptabel. Mit 494 g schnitten die Tiere der Ackerbohnengruppe am besten ab. In der Kontroll-, Erbsen- und Süßlupinengruppe wurden im Mittel 473, 459 und 466 g an täglichen Zunahmen erreicht. Mit 706 g hatten die Tiere der Ackerbohnengruppe den höchsten Futterabruf pro Tag, gefolgt von Tieren der Kontroll-, Lupinen- und Erbsengruppe mit 696, 684 und 646 g. Der Futteraufwand pro kg Zuwachs war mit 1,41 kg in der Erbsengruppe am günstigsten, die Ackerbohnengruppe unterschied sich mit 1,43 kg nur unwesentlich. Es folgten die Kontroll- und Lupinengruppe mit einem Futteraufwand von jeweils 1,47 kg/kg Zuwachs. Die errechnete Aufnahme an ME bewegte sich zwischen 9,0 MJ in der Erbsen- und 9,8 MJ in der Ackerbohnengruppe. Pro kg Zuwachs wurden zwischen 19,5 MJ (Erbsengruppe) und 20,6 ME (Kontrolle) aufgewendet.

In der Bewertung der Kotbeschaffenheit wurden keine Unterschiede festgestellt. In allen vier Gruppen wurde die Kotbeschaffenheit mit der Note 2 als normal bewertet.

Es traten keine Unterschiede zwischen Soja- und Körnerleguminosengruppen in den biologischen Leistungen auf

Futterkostenunterschiede traten nur in sehr geringem Umfang auf

Die errechneten Kosten pro dt Futter unterschieden sich nur marginal. Es wurden Preisdifferenzen von 0,2 € (FAF I) bzw. von 0,7 € (FAF II) pro dt ermittelt. Pro kg Zuwachs lagen sie bei ca. 2 Cent. Für Erbsen und Ackerbohnen wurden 18,40 bzw. 17,00 €/dt veranschlagt. Bei Lupinen wurde mit dem Ankaufspreis von 20 €/dt gerechnet. Die bessere Ausstattung des Mineralfutters in der Ackerbohnen- und Erbsengruppe wurde mit 5 €/dt berücksichtigt. Für Getreide und Sojaextraktionsschrot wurden die Notierungen Januar 2017 herangezogen.

Stickstoff-und Phosphorausscheidungen konnten durch den Einsatz von Leguminosen in der Regel gesenkt werden

In Tabelle 4 sind die Stickstoff- und Phosphorausscheidungen der Versuchsgruppen dargestellt. Aufgrund der gegenüber Sojaextraktionsschrot geringeren P-Gehalte der heimischen Körnerleguminosen errechneten sich in den Versuchsgruppen mit den Leguminosen durchgehend niedrigere P-Ausscheidungen. Bei den Stickstoffausscheidungen lag die Gruppe mit den Lupinen mit 15,9 g N pro kg Zuwachs nur geringfügig höher als die Kontrollgruppe mit 15,4 g. Die Gruppen mit Erbsen bzw. Ackerbohnen lagen mit 13,0 bzw. 13,9 g N pro kg Zuwachs etwas günstiger.

Aufgrund der sehr günstigen Futtereffizienz in allen Gruppen lagen die Stickstoff- und Phosphorausscheidungen niedriger als die Angaben der DLG-Broschüre „Bilanzierung der Nährstoffausscheidungen landwirtschaftlicher Nutztiere“ für das entsprechende Produktionsverfahren (DLG, 2014).

Durch den Einsatz von Körnerleguminosen konnten die Stickstoff- und Phosphorausscheidungen leicht gesenkt werden

Fazit

Der Einsatz von Erbsen, Ackerbohnen und Lupinen in Einsatzhöhen von bis zu 10 % in Rationen für Aufzuchtferkel führte zu keinen negativen Auswirkungen auf Leistung, Futterverbrauch und Futteraufwand gegenüber einer Kontrollration mit ausschließlich Sojaextraktionsschrot als Eiweißträger. Wichtig ist, dass bei Einsatz von Erbsen und Ackerbohnen ein Mineralfutter mit erhöhtem Gehalt an Methionin und gegebenenfalls auch an Threonin verwendet wird. Die Futterkosten und die Ausscheidungen an Stickstoff und Phosphor unterschieden sich nur geringfügig.

DER DIREKTE DRAHT

Dr. Wolfgang Preißinger
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Tierernährung und Futterwirtschaft
Dienstort Schwarzenau
D-97359 Schwarzach a. Main
Stadtschwarzacher Str. 18
E-Mail: Wolfgang.Preissinger(at)LfL.bayern.de

Stand: Mai 2018