Betrieb Leicht – Leguminosen wieder out

15.05.2019 - Dr. Manfred Weber, Klein Schwechten


Im nördlichen Teil des Kreises Biberach, in Obersulmetingen, betreiben Angelika und Rainer Leicht ihren landwirtschaftlichen Betrieb. Geprägt wird der Betrieb durch Ackerbau, Schweine- und Hähnchenmast. Angebaut werden in erster Linie Mais (Körner- und Silomais), Gerste (Sommer- und Wintergerste), Raps und Weizen.

Erbsen wegen Pflanzenschutzverbot nicht mehr angebaut

Bis im letzten Jahr der Pflanzenschutz auf ökologischen Vorrangflächen des Greenings verboten wurde, erweiterten auch Erbsen noch die Fruchtfolge. „Ohne Pflanzenschutz sind die Bestände nicht ordentlich zu führen“ begründet Rainer Leicht den Verzicht auf den Körnerleguminosenanbau seit 2018, obwohl die Erbsen auch gut ins Schweinfutter gepasst haben. Neben dem Ackerbau betreiben die Leichts auch noch eine Biogasanlage. Sie wurde schon vor dem in Kraft treten des EEG gebaut. Zur Zeit wird damit aber noch der gesamte Hof geheizt. Ein entsprechendes Fernwärmenetz wurde errichtet und jetzt schon über viele Jahre genutzt.

Der Betrieb Leicht wird geprägt von Ackerbau, Schweinehaltung und Hähnchenmast

Beim Neubau kam nur zukunftsfähiger Stall in Frage

Die Mast von Hähnchen und Schweinen komplettiert den Betrieb. Bis vor wenigen Jahren standen auch noch Sauen auf dem Hof. Hierin sah der Betriebsleiter aber keine Zukunft mehr. Daher konzentrierte man sich in Obersulmetingen dann auf die Schweinemast. Wo zunächst nur 300 Mastplätze in einem alten Stall zu finden waren, können heute knapp über 1200 Mastschweine gehalten werden. Im Jahr 2001 entschied man sich bei den Leichts, einen neuen Maststall, der heute  924 Mastschweinen Platz bietet, zu bauen. Es war nicht leicht sich für ein System zu entscheiden. „Ich wollte schon damals einen Stall, der zukunftsträchtig ist und der annähernd dem Verbraucherwillen entspricht“, erinnert sich Rainer Leicht. Da er mit dem alten Stall, in dem die Tiere in 12er Gruppen in langen schmalen Buchten stehen, recht zufrieden war, sollte der neue ähnlich aussehen.

Im alten Stall ist die Liegefläche vollperforiert und fast immer trocken

Liegebereich planbefestigt mit Minimaleinstreu

Dieser neue Stall unterscheidet sich aber in zwei sehr wichtigen Details vom alten Stall. Zunächst ist da die Liegefläche. Diese ist im neuen Stall planbefestigt. „Damit wollte ich den Tieren einen höheren Liegekomfort bieten“ so der Betriebsleiter. Hinzu kommt eine Minimaleinstreu über Strohraufen. Der Kotbereich liegt leicht höher und ist mit Betonspalten ausgelegt. Prinzipiell wird der Kotbereich auch als solcher angenommen. Trotz des geringen Stroheintrages in den Güllekanal hatte man auf dem Josefhof noch keine Probleme mit dem Gülleabfluss. „Allerdings muss man sagen, dass die palmbefestigte Fläche nicht so schön sauber gehalten wird, wie im alten Spaltenbodenstall.

Im neuen Stall ist die Liegefläche planbefestigt mit leichter Einstreu


Im Winter habe ich mit maximal 5 % der Buchten Probleme und muss sie manuell reinigen. Im Sommer kann das aber schnell mal 10-20 % der Buchten treffen.“ resümiert der Betriebsleiter die Sauberkeit der Buchten. Dies hat sicher auch ein wenig mit dem hohen Platzangebot zu tun, dass den Tieren gewährt wird. 1,1 m² stehen jedem Mastschwein zur Verfügung, damit also 40 % mehr als eigentlich gefordert. Damit hat er die alten Vorgaben der Initiative Tierwohl eingehalten und ist auch nach dem Wegfall der 40 % Klasse dabeigeblieben. Heute bekommt Rainer Leicht für seine verkauften Schweine über die Initiative Tierwohl 5,10 € als Bonus ausgezahlt. Gleichzeitig beteiligt er sich auch an dem Baden-Württembergischen Tierwohl Programm FAKT. Er nutzt dabei die Einstiegsstufe (+9 € pro Mastschwein), bei der u.a. folgende Voraussetzungen gelten:

  • Liegebereich planbefestigt
  • Minimaleinstreu oder verformbare Matte im Liegebereich
  • Je 12 Tier mind. 1 Platz am Beschäftigungsautomat mit Stroh + weiter org. Materialien
  • Unterstützung der Thermoregulation an heißen Tagen

10-20% der planbefestigten Bereiche sind im Sommer stark verschmutzt

Kühlung der Luft erfolgt über Erdwärmetauscher und Kühlpad

Auch beim Punkt „Unterstützung der Thermoregulation“ kommt ihm seine Weitsicht zugute. Denn schon beim Bau des Stalles in 2001 war es ihm wichtig, die Stalltemperaturen im Sommer so niedrig wie möglich zu halten. Dazu wurde die Zuluftführung  als Erdwärmetauscher ausgeführt. Die eingesaugte Luft wird hierbei über viele PE-Rohre und einen Sammelkanal in den zentralen Zuluftkanal des Stalles geführt.  So kann die Zuluft im Sommer gekühlt und im Winter leicht angewärmt werden. Untersuchungen der Uni Hohenheim belegen diese Tatsachen.

Die Zuluft im neuen Stall wird über einen Bodenwärmetauscher und Kühlpads angesaugt


Allerdings war der Betriebsleiter anfangs nicht so überzeugt von seinem Stallklima. „Trotz guter Verteilung der Zuluft über Rieselkanäle, die wir über Nebelversuche nachweisen konnten, war ich mit dem Erfolg der Kühlung noch nicht zufrieden“ sagte Rainer Leicht. Und tatsächlich stellte sich bei einer Nachberechnung der Luftraten heraus, dass die über die Rohre angesaugte Frischluft für die Sommerluftrate nicht ausreichte (Planungsfehler). Weitere Ansaugrohre zu verlegen kam aber nicht mehr in Frage. Daher entschied man sich für einen anderen Weg. Dort wo der Sammelkanal in den Zuluftkanal des Stalles übergeht, hat man ein zusätzliches Kühlpad (Lamellen, die mit Wasser befeuchtet werden) eingebaut und kann darüber weitere gekühlte Luft in den Stall hinein ziehen. Eine gute Alternative bei hohen Temperaturen. Seit dem ist man mit dem Stallklima auf dem Josefhof zufrieden.

Viele PE-Rohre mussten im Vorfeld im Boden zur Zuluftansaugung verlegt werden

In der Fütterung noch große Reserven

Gefüttert werden die Schweine am langen Trog, also einem tierfreundlichen Tier-Fressplatzverhältnis von 1:1. Hierbei wird die Schauer-Spotmix- Anlage genutzt. Dabei kommt das trockene Futter und das Wasser für die flüssige Futtervorlage getrennt bis zum Abteil und wird dort erst gemischt. Hygieneprobleme in den zuführenden Futterleitungen sind hier nicht zu befürchten.

Für den neuen Stall pflegt Rainer Leicht eine feste Handelsbeziehung zu einem Ferkelerzeuger, wobei die Abteile im zweiwöchigen Rhythmus im Rein-Raus-Verfahren belegt werden. Die mit Pietrain angepaarten Topigs-Ferkel machen sich im Betrieb ganz gut. Mit knappen 800 g Tageszunahmen und einem Magerfleischanteil von über 59,5 % ist der Betriebsleiter sehr zufrieden. Auch die Verluste liegen deutlich unter 2 %.

Die Fütterung der Mastschweine erfolgt in drei Phasen. Die erste Phase läuft von 30–45 kg, die zweite von 40–75 und die dritte dann ab 75 kg Lebendgewicht der Schweine. Bis 2018 Jahr wurden auch noch Erbsen in der Fütterung eingesetzt (Tabelle 1, alt), die sind aber mittlerweile aus der Ration verschwunden, da keine eigenen Erbsen mehr angebaut werden. Die aktuellen Rationen sind auch der Tabelle 1 (neu) zu entnehmen.

Tabelle 1: Aktuelle Rationen


In den Futterrationen sind sowohl in Bezug auf Nährstoffeinsparung, wie auch finanziell noch deutliche Reserven vorhanden. Das geben auch Rainer Leicht und sein Berater Thomas Gaißmayer vom LKV zu. „Die Umstellung auf eine N- und P-reduzierte Fütterung wird in Kürze erfolgen. Damit im Betrieb auch keine Probleme bei der Erstellung einer Stoffstrombilanz, wie sie ja mittlerweile gesetzlich gefordert wird, entstehen“, so der Berater.

Rainer Leicht (rechts) berät sich regelmäßig mit Berater Thomas Gaissmayer vom LKV


Dabei sollten die Rationen so konzipiert werden, dass sowohl zu Beginn wie am Ende der Mast der Rohproteingehalt um 2 % geringer ausfällt. Reduzierte biologische Leistungen sind da nicht zu erwarten. Auch im Bereich Phosphor kann tüchtig eingespart werden. Zu Mastbeginn kann die Ration locker 0,5 g und am Ende gut 1 g verdaulicher Phosphor weniger enthalten. Das würde die Ration dann bis zu 1,5 g Gesamtphosphor pro kg Futter entlasten und damit natürlich auch die Phosphorbilanz des Betriebes.

Mitgliedschaft im Erzeugerring bringt den Betrieb weiter

Um solche Änderungen nicht im Alleingang umsetzen zu müssen, setzt Rainer Leicht auf die Mitgliedschaft im Erzeugerring. „Durch die immer gut informierten Berater lassen sich aktuell anstehende Änderungen schnell verbreiten und zeitnah umsetzen“ so der Landwirt. Auch die Diskussion mit Berufskollegen wird von ihm geschätzt. Daher hat er sich auch entschlossen, den Vorsitz des Erzeugerringes anzunehmen und ihn entsprechend weiter zu entwickeln.

DER DIREKTE DRAHT

Dr. Manfred Weber
Klein Schwechten
Tel.: 039388/28423
E-Mail: Manfred.H.Weber(at)gmx.de

Stand: März 2019