Fasermixe mit unterschiedlicher Zusammensetzung – Auswirkungen auf Futterverbrauch, Lebendmasseentwicklung und Zuchtleistung

15.04.2020 – Dr. Wolfgang Preißinger, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft Institut für Tierernährung und Futterwirtschaft

Um die Vorgaben der Tierschutz-Nutztierverordnung einhalten zu können, werden in der landwirtschaftlichen Praxis häufig sogenannte „Fasermixe“ eingesetzt. Hauptbestandteile dieser rohfaserreichen Ergänzungsfuttermittel für Zuchtschweine sind Apfeltrester, Sojabohnenschalen, Trockenschnitzel, Grünmehl, Mühlennachprodukte und viele andere mehr. Entsprechende ihrer Zusammensetzung unterscheiden sie sich im Preis. Differenzen von 7 Euro pro Dezitonne und mehr sind keine Seltenheit. In einem Fütterungsversuch mit tragenden und ferkelführenden Sauen wurde geprüft, ob sich Fasermixe unterschiedlicher Zusammensetzung auf Futteraufnahme, Lebendmasseentwicklung und Zuchtleistung auswirken. In einem vorausgegangenen Versuch zum Einsatz von Fasermixen zur Erhöhung des Fasergehaltes im Futter von Ferkeln zeigten sich positive Auswirkungen auf die Aufzuchtleistung bei Einsatz eines preiswerten Produktes ohne Apfeltrester.

Vor allem bei strohloser Haltung können Fasermixe die Darmgesundheit von Sauen stark fördern

Versuchsdurchführung

Der Versuch wurde am Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Schweinehaltung in Schwarzenau durchgeführt. Insgesamt wurden 89 Produktionszyklen von Sauen für den Versuch berücksichtigt. Folgende Behandlungsgruppen wurden getestet:

  • Kontrolle: Fasermix I, mit Apfeltrester (Schwarzenauer Standard)
  • Testgruppe: Fasermix II ohne Apfeltrester (preiswert)

Aus nachfolgender Tabelle geht die Zusammensetzung beider Fasermixe hervor. Zu Versuchsbeginn betrug die Preisdifferenz zwischen beiden Fasermixen exakt 7 Euro pro Dezitonne.

Futterverbrauch der Sauen (Kilogramm pro Tier und Tag) in den einzelnen Versuchsabschnitten

Ergebnisse

Futterverbrauch

In nachfolgender Tabelle ist der Futterverbrauch der Sauen während der Trächtigkeit und Laktation dargestellt. Signifikante Unterschiede traten dabei nicht auf. Lediglich in der Woche vor dem Abferkeln ergab sich aufgrund der geringen Streuung in diesem Abschnitt ein absicherbarer Unterschied.

Die beiden Fasermixe wurden parallel an tragende und säugende Sauen verabreicht
Futterverbrauch der Sauen (Kilogramm pro Tier und Tag) in den einzelnen Versuchsabschnitten

Lebendmasseentwicklung

In nachfolgender Tabelle ist die Lebendmasseentwicklung der Sauen während der Trächtigkeit und Laktation dargestellt. Signifikante Unterschiede traten nicht auf.

Lebendmasseentwicklung (Kilogramm) der Sauen in den einzelnen Versuchsabschnitten

Geburtsverlauf, Sauengesundheit und Zuchtleistungen

Der Geburtsverlauf, der Gesundheitsstatus sowie die Zuchtleistungen sind in nachfolgender Tabelle zusammengestellt. Mit Ausnahme des Wurfgewichtes und der abgesetzten Ferkel konnten zwischen den Gruppen keine signifikanten Unterschiede festgestellt werden. Bei diesen Parametern schnitt die Testgruppe mit dem preiswerten Fasermix besser ab. Die Zusammensetzung des Fasermix zeigte keinen Einfluss auf die Körpertemperatur der Sauen während der ersten drei Tage nach der Geburt sowie auf die Häufigkeit von Anomalien bei Ferkeln (Binneneber, Bruchferkel, Mumien).

Die Anzahl abgesetzter Ferkel war beim günstigen Fasermix sogar leicht höher

Gewichtsentwicklung der Ferkel und Aufzuchtleistungen der Sauen beider Versuchsgruppen

ZUSAMMENFASSUNG UND FAZIT

Der Einsatz des preiswerteren Fasermix ohne Apfeltrester zeigte im Versuch keine negativen Effekte auf Futteraufnahme und Lebendmasseentwicklung der Sauen sowie auf die Zuchtleistung. Berücksichtigt man die Preisdifferenzen von 1,25 Euro für das Trage- und 0,35 Euro für das Laktationsfutter, so reduzieren sich bei einem unterstellten Futterverbrauch von 700 bis 850 Kilogramm Tragefutter und 350 bis 500 Kilogramm Säugefutter pro Sau und Jahr die Futterkosten um rund 10 bis 12,5 Euro pro Sau. Bei 250 Sauen sind dies 2.500 bis 3.100 Euro pro Jahr.

DER DIREKTE DRAHT

Dr. Wolfgang Preißinger
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Tierernährung und Futterwirtschaft
D-97359 Schwarzach a. Main

E-mail: Wolfgang.Preissinger(at)LfL.bayern(dot)de