Fast jedes dritte Schlachtschwein in den USA stammt aus Iowa

28.03.2018 - Dr. Andreas Frangenberg, Redaktionsteam proteinmarkt.de

Den in den 1930er Jahren gegründeten Verband der Schweineproduzenten in Iowa (Iowa Pork Producers Association, IPPA) gibt es aus gutem Grund: Knapp ein Drittel aller heute in den USA produzierten Schweine stammt aus diesem Bundesstaat. Die Lage im sogenannten Corn Belt, in dem vorzugsweise Mais und Sojabohnen angebaut werden, schafft dafür die Grundlage. Ein Besuch bei der IPPA gibt Einblicke in einen starken Sektor.

Das Selbstverständnis der Iowa Pork Producers Association (IPPA) spiegelt die Stärke des Sektors wider: Mit annähernd 45 Millionen erzeugten und vermarkteten Schweinen pro Jahr ist Iowa in diesem Sektor klar die Nummer 1 in den USA.

Die IPPA vertritt insgesamt über 4.400 Schweinehalter sowie weitere rund 1.000 Personen und Organisationen aus den vor- und nachgelagerten Bereichen als assoziierte Mitglieder. Sie ist "das Sprachrohr einer nachhaltigen, sozial verantwortlichen, profitablen und global wettbewerbsfähigen Schweinehaltung", sagt Joyce Hoppes, die bei der Organisation für die Verbraucherinformation verantwortlich ist.

Konzentrationsprozesse auch hier

In den 1970er Jahren, so berichtet Joyce Hoppes, wurden auf den meisten landwirtschaftlichen Betrieben in Iowa noch Schweine gehalten. Diese Zeiten sind lange vorbei; im Jahr 2016 waren unter den insgesamt rund 87.000 Betrieben in Iowa nur noch 6.266 Schweinehalter.

Auch bei der Gesamtzahl der in Iowa gehaltenen Schweine war ein Konzentrationsprozess zu beobachten: Nachdem 1970 erstmals ein Bestand von 16,0 Millionen Tieren überschritten wurde, stieg die Zahl mit einem kurzen Einbruch auf 15,0 Mio. im Jahr 2001 über 19,8 Mio. im Jahr 2011 auf den Rekordwert von 21,8 Mio. im Juni 2017 - und damit auf einen Anteil von 30,7 % aller zu diesem Zeitpunkt in den USA gehaltenen Schweine.

Blick in eine typische Stalleinheit in Iowa für insgesamt 2.500 Mastschweine

Die Rahmenbedingungen ändern sich, kurze Wege bleiben

Nicht nur die Lage im sogenannten Maisgürtel (Corn Belt) der USA schafft eine hervorragende Ausgangsposition für die Schweinehalter in Iowa. Auch die inzwischen gewachsenen Vermarktungsstrukturen sorgen für kurze Wege. In 13 Schlachthöfen werden mit 116.050 Tieren allein in Iowa 25 Prozent aller in den USA pro Tag geschlachteten Schweine verarbeitet. 152.025 Tiere, und damit weitere 35 Prozent, gehen täglich in die Schlachthöfe der umliegenden Bundesstaaten – und machen den Corn Belt damit eigentlich auch zu einem "Pork Belt". Die Schweinehaltung in Iowa allein sorgt so nicht nur für etwa 142.000 Jobs, sondern auch für kräftige Steuereinnahmen auf lokaler und regionaler Ebene sowie für Absatz und Veredlung von rund einem Viertel der gesamten Mais- und Sojabohnenerzeugung von Iowa.

Allerdings waren und sind die heute noch verbliebenen Schweinehalter tiefgreifenden Veränderungen unterworfen. Dazu gehört etwa, dass das Eigentum an Stallgebäuden und Tieren sowie die Betreuung heute häufig in drei verschiedenen Händen liegen: Ein Landwirt stellt die Gebäude, ein anderer Landwirt oder ein großes Unternehmen stellt die Tiere, und ein "Caretaker" kümmert sich täglich um Tiere und Stallanlage. Darüber hinaus verlangen die meisten Schlachthöfe bzw. Verarbeitungsbetriebe von den Mästern heute eine externe und unabhängige Zertifizierung der Zucht- und Mastbetriebe nach dem "Common Swine Industry Audit" sowie die Teilnahme an dem Qualitätsprogramm "Pork Quality Assurance Plus" (PQA). Dabei liegt der Schwerpunkt auf dem Einsatz von Antibiotika sowie auf Lebensmittelsicherheit und Tierwohl. Allein in Iowa waren mit Stand September 2017 insgesamt 19.905 Personen und 7.374 Produktionsstätten nach PQA zertifiziert.

Auch in die Produktionstechnik wird eingegriffen: Während in einigen Bundesstaaten die Nutzung von Kastenständen für Sauen bereits verboten ist, können sie in Iowa derzeit noch genutzt werden. Erste Schlacht- und Verarbeitungsbetriebe haben aber bereits Änderungen der bisherigen Praxis angekündigt.

Zentrale der IPPA in Clive, Iowa

Finanzierung über den Pork Checkoff

Seit 1986 ist er mit dem "Pork Act Law" gesetzlich geregelt - der "Pork Checkoff" in Höhe von 40 US-Cent pro 100 kg verkauftem Schwein. Jeder Mäster ist verpflichtet, diese Abgabe bei dem Verkauf seiner Tiere zu leisten. Von dem eingenommenen Gesamtbetrag gehen 83,5 Prozent an das "National Pork Board" Förderprogramm, während die restlichen 16,5 Prozent bei der IPPA in Iowa verbleiben. Sowohl hier als auch auf nationaler Ebene fließt das Geld in Werbemaßnahmen, in die Verbraucherinformation sowie in Forschungsprogramme zu Zucht, Mast und Haltung.

Entsprechend der Maxime "Tue Gutes und rede darüber" ist es wichtig für die IPPA und ihre Mitglieder, die Nachhaltigkeit vom Anbau des Futters über Fütterung und Haltung der Tiere bis hin zur Qualität der Produkte auf dem Tisch der Verbraucher zu kommunizieren und so zu Erhaltung und Verbesserung des Branchenimages beizutragen. Im Rahmen der Verbraucherinformation geht es deshalb beispielsweise um Themen wie Ethik, Lebensmittelsicherheit, Wasserqualität, Tierwohl, Verbrauchergesundheit und verantwortliche Ressourcennutzung – und gerne werden auch griffige Zahlen dazu genannt, wie sich die Umweltbilanz der Schweinemast in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Nicht ohne Stolz verweist Joyce Hoppes beispielsweise darauf, dass auf Basis der Daten aus Iowa in den letzten 50 Jahren der Wasserverbrauch pro kg Schlachtkörpergewicht um 41 Prozent, der Landverbrauch um 78 Prozent und die Kohlenstoffbilanz um 35 Prozent verringert bzw. verbessert werden konnten.

Links: Joyce Hoppes ist bei der IPPA für den Bereich Verbraucherinformation zuständig; Rechts: Testimonials zur Verbraucheransprache – auch in den USA ein wichtiges Instrument

Hauptsächlich Mais und Sojabohnen

Die hohen Anteile von Mais und Sojabohnen in den Futterrationen schaffen den Markt für rund ein Viertel der Gesamterzeugung beider Kulturen in Iowa. Nach Aussagen der Iowa Pork Producers Association liegt das Verhältnis von Mais zu Sojabohnen in den Rationen für Ferkel etwa bei 65 : 25, in der mittleren Mastphase von 20 bis knapp 70 kg Körpergewicht bei 60 : 15 und in der Endphase bis zu einem Schlachtgewicht von etwa 130 kg bei 55 : 10.

Als weitere Bestandteile der Futterrationen kommen je nach den betrieblichen Gegebenheiten beispielsweise Getreide wie Gerste und Hafer, Nebenprodukte aus der Destillation sowie Mineralien, Vitamine und natürlich Wasser zum Einsatz.

DER DIREKTE DRAHT

Dr. Andreas Frangenberg,
Redaktionsteam proteinmarkt

Stand: Dezember 2017