Maissilage für tragende Zuchtsauen

20.03.2019 - Dr. Wolfgang Preißinger, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Tierernährung und Futterwirtschaft

Laut Tierschutz-Nutztierverordnung müssen tragende Sauen täglich mindestens 200 g Rohfaser aufnehmen können bzw. ihr Alleinfutter muss mindestens 8 % Rohfaser in der Trockenmasse enthalten. In der Praxis werden deshalb Fasermixe eingesetzt, deren Preise aber in den letzten Jahren deutlich gestiegen sind. Dadurch wird der Einsatz von Maissilage, der bis vor ca. 20 Jahren durchaus noch üblich war, wieder interessant.

Insbesondere aus arbeitstechnischen Gründen wurde Maissilage in den vergangenen Jahren nur wenig bei Zuchtsauen eingesetzt. Neue technische Entwicklungen wie Fütterungsroboter, neuartige Futterbänder oder pneumatische Futtertransportsysteme machen Maissilage als Faserträger und als „Beschäftigungsfutter“ für Zuchtsauen wieder interessant. Auch in das Flüssigfutter lässt sich Maissilage mittlerweile gut integrieren. Dabei wird die Maissilage durch spezielle technische Vorrichtungen aufbereitet. 

Die Vorlage der Maissilage erfolgte per Hand

Fütterungsversuch am Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum (LVFZ) in Schwarzenau

In einem umfangreichen Fütterungsversuch wurde getestet, wie sich das Füttern von Maissilage an tragende Sauen auf Futteraufnahme und Lebendmasseentwicklung in der Trage- und Säugezeit sowie auf die Zuchtleistungen auswirkt. Für den Versuch standen 3 von 7 Sauengruppen zur Verfügung. Jeweils eine Sauengruppe wurde der Kontroll- und der Maissilagegruppe zugeordnet. Eine dritte Gruppe wurde aus technischen Gründen im Verlauf des Versuchs in den einzelnen Produktionszyklen abwechselnd mit und ohne Maissilage versorgt. Folgende Behandlungsgruppen standen zur Auswertung an:

  • Maissilagegruppe: 2 kg Maissilage (Frischmasse) pro Tier und Tag ab dem 28. Trächtigkeitstag bis eine Woche vor dem Abferkeln
  • Kontrollgruppe: keine Maissilage während der Tragezeit
  • Wechselgruppe: Wechsel zwischen Maissilage- und Kontrollfütterung nach jedem Produktionszyklus

Aufgrund technischer Gegebenheiten mussten die Behandlungen zeitlich versetzt geprüft werden.

Die Maissilage war in Rundballen einsiliert. Sie wurde in einem separaten Trog im Auslauf von Hand vorgelegt.

Zur Vermeidung von Futterverlusten wurde vor dem Trog noch eine Gummimatte angebracht

Der Verbrauch an Maissilage wurde täglich pro Gruppe bestimmt. Alle 3 Wochen wurde eine Konditionsbeurteilung der tragenden Sauen nach dem Body-Condition Score von 2 (zu gering) bis 5 (überkonditioniert) durchgeführt. Entsprechend diesen Beurteilungen wurden die Mengen an Tragefutter (Tab. 1) angepasst. 

Tabelle 1: Zusammensetzung und analysierte Inhaltsstoffe der eingesetzten Futtermischungen (Angaben bei 88 % TM)

In Abrufstationen wurden die Sauengewichte sowie die aufgenommene Menge an Tragefutter täglich ermittelt. Weiterhin wurden die Sauen bei Einstallen ins Abferkelabteil kurz vor und nach dem Abferkeln sowie nach jeder Laktationswoche gewogen. In der Säugezeit erhielten die Sauen ein Laktationsfutter (Tab. 1). Die Zuteilung erfolgte tierindividuell über eine pneumatische Wiege- und Transporteinrichtung (Spotmix). Die Lebendmassen der Ferkel wurden als Wurfgewichte nach der Geburt, bei der Wurfbehandlung sowie nach jeder Säugewoche erfasst. Zusätzlich wurden im Abferkelstall die Geburtsdauer, der Gesundheitsstatus der Sauen sowie die Ferkelverluste festgehalten.

Die Futterzuteilung der Sauen wurde in der 1. Säugewoche in Schritten von 0,5 kg pro Tag hochgefahren. Während der 2. Säugewoche wurde auf ad libitum Fütterung umgestellt. Ab der 2. Lebenswoche wurde ein Saugferkelbeifutter (Prestarter) eingesetzt. 

Tabelle 2: Lebendmasseentwicklung der Sauen im Abferkelbereich (LS-Means)

Gewichtsentwicklung und Futteraufnahme bei tragenden Sauen

Während des etwa 80-tägigen Aufenthalts im Stall für tragende Sauen nahmen die Tiere aller Gruppen das zugeteilte Sauenfutter nahezu vollständig auf. Im Mittel verbrauchten die Tiere etwa 3 kg Futter pro Tag. Der Verbrauch lag in der Kontrollgruppe mit knapp 3,1 kg pro Tier und Tag um etwa 0,1 kg höher als in den Gruppen mit Maissilagefütterung (Abb. 1). Dieser Unterschied war statistisch signifikant.

Abb. 1: Verlauf des Kraftfutterverbrauchs während der Trächtigkeit


Durch das Anbringen von Beschäftigungsmöglichkeiten mit Strohfüllung wurde sichergestellt, dass die Tiere in den Gruppen ohne Maissilagevorlage die geforderten 200 g Rohfaser aufnehmen konnten.

Die Fütterung der Maissilage zeigte keinen Einfluss auf die Gewichtsentwicklung der tragenden Sauen. Im Mittel aller Gruppen nahmen diese um rund 50 kg zu (vgl. Abb. 2).

Abb. 2: Lebendmasseentwicklung während der Trächtigkeit


Beim Umstellen ins Abferkelabteil wurde Kot von einzelnen Sauen gesammelt und auf ihren Trockenmassegehalt (TM) untersucht. Der Kot von Sauen, die mit Maissilage gefüttert wurden, enthielt mit 22 % TM deutlich mehr Wasser als der der Kontrolltiere mit 26 %. Bild 3 zeigt den Kot nach Fütterung von Maissilage.

Kot von Sauen nach Maissilagefütterung

Kein höherer Futterverbrauch nach Maissilagefütterung

Der Futterverbrauch während der Laktation geht aus Abb. 3 hervor. In der Woche vor dem Abferkeln nahmen die Sauen zwischen 2,8 bis 2,9 kg Futter auf. Auch in der 1. Laktationswoche war der Futterverbrauch mit Werten zwischen 3,2 und 3,3 kg in allen Gruppen nahezu gleich. Ab der 2. Säugewoche zeigten die Tiere der Maissilagegruppe gegenüber den Kontrolltieren durchgehend bis zum Absetzen einen signifikant niedrigeren Futterverbrauch. Für die einzelnen Säugewochen betrug die Differenz zwischen 0,5, und 1,1 kg pro Tier und Tag. Von einer niedrigeren Futteraufnahme in der Laktation nach Fütterung von Maissilage in der Tragezeit wird auch in einer Untersuchung der Tierärztlichen Hochschule Hannover aus dem Jahr 2013 berichtet.

Abb. 3: Futterverbrauch (kg/Tag) der Sauen während des Aufenthalts im Abferkelstall


Rund um die Geburt verloren die Sauen im Mittel etwa 27 kg an Lebendmasse einschließlich Ferkel und Konzeptionsprodukte. Während der sich anschließenden vierwöchigen Säugezeit hatten die Sauen im Mittel weitere 22 kg an Körpermasseverlusten zu beklagen. Der geringste Körpermasseabbau wurde in der Kontrollgruppe mit 17 kg registriert. Mit 26 und 24 Kilogramm lagen die Werte in der Maissilage- und Wechselgruppe deutlich höher. In diesen Gruppen war wie o. a. der Futterverbrauch entsprechend niedriger.

Die Aufzuchtleistungen der Sauen sind in Tab. 3 dargestellt. Bei den lebend geborenen Ferkeln konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen abgesichert werden. Numerisch schnitt die Maissilagegruppe mit 13,6 Ferkeln am besten ab. Signifikante Unterschiede traten bei den abgesetzten Ferkeln und beim Wurfzuwachs auf. So wurden in der Wechselgruppe etwa 0,5 Ferkel weniger abgesetzt und der Wurfzuwachs fiel um 0,2 Kilogramm pro Tag niedriger aus. Diese Unterschiede waren sowohl gegenüber der Maissilage- als auch der Kontrollgruppe statistisch signifikant. Auch hier lag wieder die Maissilagegruppe numerisch mit 11,6 abgesetzten Ferkeln vorn.

Auf die Geburtsdauer und den Einsatz von Geburtshilfemaßnahmen hatte die Fütterung während der Tragezeit keinen Einfluss. Beim Medikamenteneinsatz wurde bei Tieren der Maissilage- bzw. der Kontrollgruppe mit 1,0 bzw.1,1 Tagen gegenüber 1,5 Tagen bei der Wechselgruppe eine signifikant kürzere Anwendungsdauer festgestellt. Das Füttern von Maissilage zeigte hier ebenfalls einen leichten Vorteil. Die Körpertemperaturen der Sauen waren in den ersten Tagen nach dem Abferkeln in der Maissilage- und Kontrollgruppe nahezu gleich hoch. In der Wechselgruppe wurden im Mittel um 0,3-0,5 Grad höhere Temperaturen gemessen. Die Unterschiede waren statistisch signifikant.

Tabelle 3: Zuchtleistungen der laktierenden Sauen (LS-Means)

Möglichkeiten der Maissilagevorlage

Steht den Sauen ein Auslauf zur Verfügung, so kann dort die Maissilage am einfachsten mit Hilfe eines frontladergeführten Entnahme- und Vorlagegerätes vorgelegt werden. In Schwarzenau sind im Bereich des Auslaufs jedoch Versorgungsleitungen verlegt, so dass die Vorlage noch von Hand erledigt werden musste.

Ist die Vorlage per Frontlader oder Hofschlepper nicht möglich, bieten sich die aus der Rinderfütterung bekannten schienengebundenen Fütterungsroboter oder Futterbänder an. Auch pneumatische Fördersysteme sind in der Entwicklung. Damit letztere Systeme optimal funktionieren, sind eine kurze und einheitliche Häcksellänge sowie ein einheitlicher Trockenmassegehalt der Maissilage erforderlich. Bei pneumatischer Vorlage wird derzeit noch empfohlen, die Maissilage zusammen mit Getreideschrot durch die Leitungen zu blasen. Die genannten Vorlagetechniken sind jedoch mit relativ hohen Kosten verbunden. Deshalb wird auch der Einsatz von Maissilage über das Flüssigfutter diskutiert und erfolgreich praktiziert. Dabei wird die Maissilage vorzerkleinert.

Vorrichtung zur Zerkleinerung von Maissilage bei Flüssigfütterung


Von Nachteil ist, dass bei dieser Vorlage die Möglichkeit zum Wühlen im Futter für die Sauen verloren geht.

Maissilagefütterung und Gülle

Durch das Verfüttern von Maissilage an Sauen ergaben sich im Versuch Auswirkungen für das Güllemanagement. So verstopften bei Maissilagefütterung die Spalten im Auslauf sowie im Laufbereich durch den veränderten Kot relativ schnell (Bild links). Eine entsprechende Pflege des Bodens ist deshalb sehr wichtig. Auch bildeten sich auf der Gülle Schwimmschichten, die sich aber mit einem Güllemixer (Bild rechts) gut zerkleinern ließen. Sollen faserreiche Futtermittel wie Maissilage bei Zuchtsauen eingesetzt werden, so ist dies bei einem Stallneubau (Stallachsen, Futtervorlage, Entmistung) mit einzuplanen. Was das Güllemanagement betrifft, so ist möglicherweise die Gabe von Maissilage bei Flüssigfütterung durch die Vorzerkleinerung weniger problematisch.

Bild links: Verstopfte Schlitze der Spaltenböden bei Fütterung von Maissilage

Bild rechts: Zerkleinerung von Schwimmdecken in der Gülle nach Fütterung von Maissilage mittels Güllemixer

FAZIT

Aus Sicht der Fütterung beziehungsweise des Tierwohles scheint die Vorlage von Maissilage an tragende Sauen von Vorteil zu sein. Die Sauen wühlten nach Vorlage der Maissilage im Futter und konnten ihrem Wühltrieb bei der Nahrungssuche bzw. -aufnahme nachkommen. Es wurden geringfügig mehr lebend geborene Ferkel registriert als in der Kontrollgruppe. Auch die Dauer, in der die Sauen tiermedizinisch behandelt werden mussten, war etwas kürzer. Insgesamt waren die Unterschiede in den Zuchtleistungen gering. Eine höhere Futteraufnahme in der Laktation nach Vorlage von Maissilage in der Tragezeit konnte nicht gezeigt werden. Sehr ungünstig sowohl bei den Zuchtleistungen als auch bei den tierärztlichen Anwendungen schnitt die aus technischen Gründen mitgeführte Wechselgruppe ab. Der häufige Wechsel der Fütterungsstrategie während der Trächtigkeit bekam den Sauen weniger gut.

DER DIREKTE DRAHT