Schweine aktuell: Wasser ist nicht nur zum Kühlen da!

06.03.2019 – Christian Meyer, Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein

Schweinesuhle

Aus der Outdoorhaltung ist die Schweinesuhle bekannt, das so genannte Schlammbad. Die Schweine haben eine sehr empfindliche Haut, doch der Schlamm wirkt wie eine Sonnencreme und schützt auch gleichzeitig gegen Stechmücken oder ähnlichen Insekten. Der getrocknete Schlamm auf der Haut wird anschließend an einem Zaunpfosten oder einem Baum wieder „abgerubbelt“. So werden die Schweine auch die Stechmücken und andere Krabbeltiere los. Schweine werden oft als dreckige Schweine bezeichnet, sind aber durch ihre eigene Fürsorge zur Körperpflege eigentlich sehr saubere Tiere. Übrigens: Auch Elefanten und Nilpferde suhlen sich gerne zum gleichen Zweck, aber bei diesen großen Tieren spricht keiner von dreckigen Unarten. 

In der Ferkelaufzucht ist die Ablenkung über das Wasser besonders wichtig, um so dem Schwanzbeißen vorzubeugen.

Thermoregulierung

Schweine können nicht schwitzen, denn sie besitzen keine Schweißdrüsen. In dem Punkt ähneln sie eher dem Hund: Um sich abzukühlen, hecheln sie wie ein Hund und werden so über die Zunge etwas Hitze los. In der Outdoorhaltung können die Schweine eine primäre Körperkühlung nur dann bekommen, wenn sie sich in dem Schlammbad aufhalten oder der nasse Schlamm dann langsam auf dem Schweinerücken trocknet. Eine weitere und natürliche Form der Körperregulierung stellt der ganz normale Regen dar.

Mikrosuhle

Die Firma „hdt Anlagenbau“ hat sich eine ganz besondere Technik ausgedacht, damit die Schweine im Stall zu einer aktiven Thermoregulierung kommen können. Eine Kunststoffwasserleitung mit einem Innendurchmesser von nur 9 mm wird oberhalb der Buchten gelegt. In jeder Bucht, je nach Größe und Tierzahl, wird ein Abzweiger (T. Stück) gesetzt. Am Ende des Abzweigerrohres ist dann der besondere Sprühkopf installiert. In der verlegten Leitung sollte  dann ein Druck von 1,6 bar sein. Eine zusätzliche Kettenhalterung für den Sprühkopf ist nicht erforderlich. 

Die Steuerungseinheit für die Mikrosuhle; neben dem Hauptsteuerungsgerät ist der Feuchtesensor und der Druckminderer zu sehen.

Wie funktioniert der Sprühkopf?

Der Sprühkopf gebraucht keinen elektrischen Impuls, sondern arbeitet ausschließlich über den Wasserdruck. Durch einen Magnetschalter wird die Leitung frei geschaltet, der entsprechende Druck aufgebaut und der Sprühkopf fängt an zu arbeiten. Kleine Löcher am Sprühkopf ermöglichen feine dünne Wasserstrahlen, welche dann einen Sprühkreis in der Ferkelaufzucht von ca. 60 cm und in der Mast von ca.100 cm ergeben. 

Auslösung des Sprühkopfes durch Steuerungsparameter

Die Mikrosuhle nur über eine Zeitautomatik laufen zu lassen, hat sich nicht bewährt. Die Anlage kann entweder über die vorhandene Klimasteuerung oder durch ein zusätzliches  Regelgerät gesteuert werden. Der Regler ist in der Lage, die Zulufttemperatur und Feuchte zu berücksichtigen. Dadurch werden eine Überfeuchtung von Abteilen verhindert, aber auch in trockenen Phasen gegebenenfalls die Sprühzeiten erhöht. Gleichzeitig werden die aktiven Verhaltensweisen für die zu steuernden Schweine eingegeben. Oft sind die aktiven Phasen in den Schweinestallungen in den Nachmittags- und Abendstunden. Je nach Fütterungssystem, Lichteinfluss usw. kann sich der Tageszyklus verschieben. Mit der endsprechenden Steuerung können auch gedachte Wachstumskurven und dafür die gewünschten Temperaturverläufe, ob für den Winter oder Sommer, festgehalten werden.

Lauf- und Pausenzeiten

Am Anfang der Ferkelaufzucht werden ca. 5 bis 10 sec. Sprühzeiten eingestellt und Pausenzeiten von ca. 60 bis 120 min. Bis zum Ende der Ferkelaufzucht werden die Sprühzeiten auf 10 bis 30 sec. gesteigert und die Pausenzeiten auf 30 bis 70 min. verringert. Während der Vormast liegen die Sprühzeiten bei 20 bis 40 sec., in der Endmast bei 25 bis 45 sec., die Pausenzeiten bleiben bei 30 bis 70 min. Diese Daten sind nur leichte Annäherungswerte, müssen aber für jede Anlage einmal eingestellt werden. Die gewünschten Frequenzen ergeben sich auch aus dem Verhalten der Schweine und aus den Daten der Sensoren für die Raumtemperatur und der gewünschten Luftfeuchtigkeit. In der Praxis wird die Mikrosuhle hauptsächlich in der Ferkelaufzucht und Mast eingesetzt, auch am Lehr- und Versuchsgut Futterkamp ist die Mikrosuhle in diesen Bereichen im Einsatz. Durch die Erfahrungen und Erfolge in den genannten Einsätzen wird die Mikrosuhle nicht nur in Futterkamp, sondern auch weiter in der Praxis in die Gruppenhaltung der Sauen integriert.

Wo passt die Mikrosuhle?

Die Mikrosuhle passt in fast jede Schweinebucht. Die gesetzlich vorgeschriebenen Flächen in der Schweinehaltung lassen genügend Platz für die Mikrosuhle. Buchten, die eine gute Buchtenstruktur aufweisen, sind deutlich im Vorteil, denn gerade da hat die Mikrosuhle ihre großen Vorzüge. Die Anbringung muss mind. so hoch sein, dass das größte Schwein nicht an den Sprühkopf kommen kann. Die Bodenfläche, auf die der Sprühkopf Wasser rieseln lässt, sollte perforiert sein. Die Fläche muss genügend Abstand zur Ruhezone besitzen und sollte in die Aktivzone zum Übergang in den Kotbereich kommen. Der große Vorteil ist dann noch, dass die Abgrenzungen in den Buchtenstrukturen besser eingehalten werden. In den Fütterungsbereich darf selbstverständlich kein Wasser kommen, denn die Nachteile sind unzulänglich bekannt. 

Auch bei den Mastschweinen wird die Mikrosuhle gut angenommen.

Was bewirkt Mikrosuhle?

Die Mikrosuhle soll die Raumluft abkühlen und neben der aktiven Thermoregulierung die Schweine animieren, beim leichten Sprühvorgang noch zusätzlich spielerisch Wasser aufzunehmen. Dieses machen sie auch sehr gerne, die Anlagen sollen aber keine Tränken ersetzen. Das bedeutet, dass die Schweine mit der Wasseraufnahme gerne beschäftigt und dadurch stark von anderen Artgenossen abgelenkt sind. Ist den Schweinen zu warm, lassen sie auch gerne den leichten Sprühstrahl über den Kopf und Rücken laufen. Jede Ablenkung ist im Tierbereich herzlich willkommen; gerade im Hinblick auf das Schwanzbeißgeschehen ist dieses System von den Praktikern als sehr gut eingestuft worden.

Mit der Wärmebildkamera werden die unterschiedlichen Bodenstrukturen sehr gut dargestellt.

Wann sollte die Mikrosuhle nicht aktiviert werden?

Ist die generelle Klimaführung im Stallabteil nicht in Ordnung, sollte auch die Mikrosuhle nicht eingeschaltet werden, denn dann kann es noch weitere negative Einflüsse auf die Schweine geben. Wichtig ist auch, die Schweine bei der täglichen Tierbeobachtung zu beurteilen, wie die Suhle angenommen wird. Unabhängig vom Stallklima gibt es Situationen, in der die Suhle nicht frequentiert wird. Fühlen sich die Schweine unwohl, zeigen sie es schnell, wie z.B. nach dem Einstallen in der Ferkelaufzucht durch eine Haufenbildung, oder im Extremfall durch ein längeres Haarkleid bei zu kühlen Temperaturen, aber auch bei Fressunlust.  Wichtig ist, dass durch den Einsatz der Mikrosuhle keine gesundheitlichen Einschränkungen bei den Schweinen entstehen.

Aspekte

Die Mikrosuhle zählt zu den Kühlsystemen, die anerkannt sind und dadurch auch in den verschiedensten Haltungs-und Vermarktungsprogrammen mit integriert werden können. Bei einem richtigen gezielten Einsatz der Mikrosuhle kann es das Wohlbefinden der Schweine nur positiv beeinflussen. Ist die Mikrosuhle im Stall eingebaut und in dem vorhandenen Lüftungssystem integriert, hat das System kaum noch einen Anspruch auf zusätzliche Arbeit.  Selbstverständlich gebraucht die Mikrosuhle Wasser, aber das Wasser, welches die Schweine aus dem leichten Strahl saufen, wird aus der Tränke nicht abgenommen. Das Wasser, das letztendlich in die Gülle läuft, dient zur Thermoregulierung der Schweine und zur Klimagestaltung des Stallabteiles und der besseren Abgrenzungen für die Buchtenstruktur. Der weitere und größere Aspekt ist die Beschäftigung der Tiere, um eine Verminderung des Schwanzbeißgeschehens  zu erreichen.  

Neben dem Hauptverkauf der Firma „hdt Anlagenbau“, hat die „GFS - Genossenschaft zur Förderung der Schweinehaltung eG.“ den Verkauf der Mikrosuhlen übernommen. Die Kosten dieser Anlagen können bei den entsprechenden Firmen erfragt oder auf den jeweiligen Internetseiten erkundet werden.

FAZIT

Im Schweinestall sind die Schweine vor Sonnenbrand und Stechfliegen geschützt, es wird keine Schlammsuhle benötigt - im Stall sind die Schweine sauber.

Eine Mikrosuhle soll die Abteilluft  kühlen und die aktive Thermoregulierung der Schweine ankurbeln. Die spielerische Wasseraufnahme und die Beschäftigung mit dem Wasser kann das Schanzbeißgeschehen senken.

DER DIREKTE DRAHT

Christian Meyer
Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein
Tel.: 0 43 81-90 09-27
E-Mail: cmeyer(at)lksh.de

Fotos (Christian Meyer)
Stand: Februar 2019