In der kalten Jahreszeit mehr Tränken!

21.02.2018 - Dr. Christian Koch, Lehr- und Versuchsanstalt für Viehhaltung, Hofgut Neumühle

In den Wintermonaten bei kälteren Außentemperaturen müssen Kälber für die Wärmeproduktion mehr Energie aufwenden, als bei gemäßigten Temperaturen. Werden Kälber in den Wintermonaten mit zu wenig Nährstoffen versorgt, verlieren die Tiere Tageszunahmen, da sie Nährstoffe zur Wärmeproduktion nutzen. Welche langfristigen Auswirkungen diese Unterversorgung haben kann, lesen Sie im nachfolgenden Beitrag von Dr. Christian Koch vom DLR Westpfalz, Hofgut Neumühle.

In den kühlen Herbst- und Wintermonaten ist den Kälbern eine größere Tränkemenge (mehr Vollmilch bzw. Milchaustauschermenge) zur Verfügung zu stellen.

Die thermoneutrale Zone oder Wohfühltemperatur von Kälbern liegt zwischen 15 und 20°C. Fällt die Außentemperatur darunter, müssen die Tiere ihre Wärmeproduktion steigern um ihren Grundumsatz aufrechterhalten zu können. So steigt die Wärmeproduktion bei einem Temperaturabfall von 25 °C auf 0 °C um ca. 30 % an (vgl. Tabelle 1). Wird von der täglichen Gesamtnährstoffaufnahme ein größerer Anteil in die Wärmeproduktion gesteuert, so fehlen diese Nährstoffe für Lebendmassewachstum, wodurch sehr häufig in den Wintermonaten die Tageszunahmen von Kälbern zurückgehen.

Werden Kälber unabhängig von der Jahreszeit mit der gleichen Tränke- bzw. Milchaustauschermenge (MAT) gefüttert, kann dieses Tränkeregime in den Wintermonaten zu deutlichen Wachstumseinbrüchen führen. Da das Immunsystem im Falle einer Erkrankung ebenfalls einen höheren Nährstoffbedarf hat, kann eine reduzierte Nährstoffversorgung, speziell im Winter, zu einer erhöhten Krankheitsanfälligkeit bei Kälbern führen (siehe Tabelle 2).

In der genannten Studie von Godden et al. (2005) stieg die Krankheitshäufigkeit bei niedrigem Ernährungsniveau im Winter verglichen mit dem Sommer von 12,7 % auf 52,4 % an. Wurden die Kälber jedoch mit mehr Nährstoffen versorgt, so veränderte sich die Krankheitsanfälligkeit nur von 4,4 % auf 20,4 %. Diese Ergebnisse zeigen sehr eindrücklich, dass unterversorgte Kälber im Sommer und im Winter häufiger krank sind, im Vergleich zu intensiv ernährten Kälbern. Werden Kälber unterversorgt, so kann dies auch langfristige, negative Auswirkungen für das gesamte Leben und die spätere Leistungsfähigkeit haben.

Im Rahmen einer Studie (Soberon et al., 2012) wurden Kälber von der Geburt bis zur Kalbung sowie über die erste Laktation beobachtet. Alle Kälber wurden von Januar bis Dezember täglich mit der gleichen Nährstoffmenge versorgt. Für die Auswertung wurden die Kälber nach der Umgebungstemperatur bei ihrer Geburt gruppiert und dieser Effekt auf die Milchleistung in der ersten Laktation untersucht. Das Ergebnis zeigte, dass Kälber, die bei niedrigeren (0,2 °C) im Vergleich zu höheren (16,3 °C) Umgebungstemperaturen geboren wurden, 530 kg weniger Milch in der ersten Laktation produzierten (vgl. Abbildung 1).

Fazit

Die Energieversorgung von Kälbern hat einen großen Einfluss auf das Wachstum und auf die Krankheitsanfälligkeit. Da Kälber zügig und sehr gesund aufwachsen sollen, spielt die Nährstoffversorgung hier eine sehr wichtige Rolle. Vor allem bei niedrigen Umgebungstemperaturen in den Wintermonaten nutzen die Tiere mehr Nährstoffe für die Wärmeproduktion, welche dann nicht mehr für das Wachstum bzw. des Immunsystem zur Verfügung stehen. Darüber hinaus können niedrige Umgebungstemperaturen bei gleichzeitiger Nährstoffunterversorgung der Kälber negative Auswirkungen auf die spätere Milchleistung der Tiere haben.

Bei niedrigen Umgebungstemperaturen müssen die Kälber deutlich mehr Energie für die Thermoregulation aufwenden.

Für die Praxis bedeutet dies, dass die Energieversorgung ab 0°C um ca. 30 % angehoben werden sollte. Wenn Sie üblicherweise täglich 1000 g MAT je Kalb füttern, dann sollten Sie die Energieversorgung in den kühlen Herbst- und Wintermonaten mindestens um 30 % auf 1300 g MAT je Kalb und Tag anheben.

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