Einsatz von Rapsextraktionsschrot bei weiblichen Mastschweinen

20.02.2019 - Bernhard Zacharias, Hansjörg Schrade & Tanja Zacharias, LSZ Boxberg; Ralph Schemmer, Deutsche Tiernahrung Cremer

Sojaextraktionsschrot gilt nach wie vor als Standardfuttermittel zur Sicherstellung der Proteinversorgung in der Schweinefütterung. Allerdings wird die Fütterung landwirtschaftlicher Nutztiere zunehmend von den sich ändernden gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen beeinflusst. GVO-haltige Futtermittel aus Importen werden vom Verbraucher weitgehend abgelehnt.

GVO-freie Futtermittel aus Europa, idealerweise Futtermittel aus Anbaugebieten, die in unmittelbarere Nähe zum schweinehaltenden Betrieb liegen, gewinnen an Bedeutung. Ihr Einsatz gilt als nachhaltig und ressourcenschonend. Neben Ackerbohnen, Erbsen oder Lupinen bietet sich hier die Verwendung von Rapsextraktionsschrot an.

Rapsextraktionsschrot ist ein hervorragendes, regional erzeugtes Mastschweinefutter

Im vorliegenden Versuch wurde druckhydrothermisch behandeltes Rapsextraktionsschrot bei weiblichen Mastschweinen eingesetzt. Die Behandlung erfolgte durch das patentierte opticon®-Verfahren, bei dem die Faser des Rapsextraktionsschrotes aufgeschlossen und somit quellfähiger wird. Zudem wird eine Halbierung des Glukosinolatgehaltes erreicht, wodurch die Schmackhaftigkeit des Futters erhöht wird.

Material und Methoden

Für den Versuch standen 100 weibliche Tiere (German Genetic; Pi x (LW x DL)) als Masthybriden zur Verfügung. In der „Sojaration“ (50 Tiere) wurde 19 % gentechnikfreies Importsoja in der Vormast (30 kg bis 70 kg) und 16 % in der Endmast (70 kg bis 120 kg) eingesetzt. In die „Rapsration“ (50 Tiere) wurde demgegenüber 14 % aufgeschlossenes Rapsextraktionsschrot in der Vormast und 21,5 % in der Endmast eingemischt (optiraps, Deutsche Tiernahrung Cremer). Tabelle 1 zeigt die Zusammensetzung der Rationen.

Tabelle 1: Zusammensetzung der Rationen

Um eine Vergleichbarkeit der Rationen zu gewährleisten, wurde in allen Mischungen ein einheitliches Lysin : Energie-Verhältnis und ein einheitliches Verhältnis von Lysin : Methionin und Cystein : Threonin : Tryptophan von 1: 0,55 : 0,65 : 0,18 entsprechend den Empfehlungen der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE, 2006) bzw. der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG, 2010) eingestellt.

In Tabelle 2 sind die gemessenen Inhaltsstoffe der Rationen angegeben.

Tabelle 2: Analysierte Inhaltsstoffe der Rationen (alle Angaben auf 88 % Trockensubstanz bezogen)


Von allen Tieren wurden Parameter der Mast- und Schlachtleistung sowie der Fleischqualität erhoben. Gleichzeitig wurde eine ökonomische Bewertung der Rationen anhand des Auszahlungspreises je kg Schlachtgewicht und der Futterkosten vorgenommen. Bis auf den Futteraufwand und den Futterverbrauch wurden alle Parameter auf Basis des Einzeltieres erfasst. Für den Futteraufwand und den Futterverbrauch wurde die Bucht als statistische Einheit herangezogen.

Die Auswertung der Daten erfolgte über ein lineares gemischtes Modell (proc mixed, SPSS ver. 23).

Die Mittelwerte der Mastleistung (Tabelle 3), der Schlachtleistung und der Fleischqualität (Tabelle 4) sowie der ökonomischen Bewertung (Tabelle 5) sind als Least Square Means (LS-Means) angegeben.

Ergebnisse und Diskussion

Die bei der Kalkulation der Rationen angestrebten Zielwerte wurden durch die Futtermitteluntersuchung weitgehend bestätigt. Im Vordergrund steht hier ein einheitliches Verhältnis von Lysin und umsetzbarer Energie, das im Wesentlichen eine Vergleichbarkeit der Versuchsrationen gewährleistet. Dies ließ sich über Mineralfutter erreichen, die im Handel verfügbar sind (Gelamin Urvis Profimast, Gelamin Urvis Rapsmast).

Bei keinem der geprüften Parameter traten Unterschiede zwischen den beiden Fütterungsgruppen auf (p>0,05). Im Mittel lagen die täglichen Zunahmen für beide Versuchsgruppen bei 874 g. Dabei ergab sich ein mittlerer Futteraufwand von 1 : 2,57 bei 104 Masttagen (Tabelle 3). 

Die mit Raps gefütterten Schweine zeigten die gleichen Leistungen wie die Sojagruppe
Tabelle 3: Mastleistungen

Bei einer mittleren Ausschlachtung von 82 % wurden in beiden Gruppen 61 % Muskelfleischanteil bei vergleichbaren Speckmassen erreicht. Beim Fleischmass lag der p-Wert für den Vergleich der beiden Fütterungsgruppen mit 0,057 jedoch in der Nähe der Signifikanzschranke. Die Tiere, die die Sojaration erhielten, wiesen tendenziell ein höheres Fleischmass auf (Tabelle 4).

Tabelle 4: Schlachtleistungen und Fleischqualität

Die ökonomische Bewertung der Rationen auf Basis der aktuellen Futterpreise und der Erlöse je kg Schlachtgewicht im Versuchszeitraum zeigt Tabelle 5. Sowohl der Auszahlungspreis als auch die Futterkosten je kg Schlachtgewicht lagen auf einem vergleichbaren Niveau. Somit sind bei Einsatz von aufgeschlossenem Rapsextraktionsschrot unter den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Versuchszeitraum keine Nachteile für den Mäster zu erwarten.

Tabelle 5: Ökonomische Bewertung des Einsatzes von Mastrationen mit unterschiedlichen Proteinträgern

Abschließend steht jedoch die Frage nach einer bedarfsgerechten Nährstoffversorgung der Tiere im Vordergrund. Rapsextraktionsschrot ist ein wertvolles Proteinfuttermittel, das als Alternative zu Sojaextraktionsschrot zur Verfügung steht. Allerdings sind einige Besonderheiten zu beachten:

Rapsextraktionsschrot enthält weniger Rohprotein und ist schlechter verdaulich als Sojaschrot. Dazu kommt ein geringerer Energiegehalt. Auch die absoluten Gehalte an Aminosäuren sind geringer als im Sojaextraktionsschrot. Dem stehen hohe Gehalte an Calcium und Phosphor gegenüber. Der hohe Fasergehalt ist in Hinblick auf die diätetische Wirkung der Faser positiv zu bewerten.

Die im Raps vorhandenen Glukosinolate, die sich negativ auf die Futteraufnahme und die Stoffwechselfunktionen auswirken können, wurden durch Züchtungsmaßnahmen in den letzten Jahren deutlich abgesenkt. Zudem haben verschiedene druckhydrothermische Behandlungsverfahren einen positiven Einfluss auf den Glukosinolatgehalt und auf die Verdaulichkeit der Nährstoffe.

In Kenntnis der futtermittelspezifischen Eigenschaften des Rapsextraktionsschrots, kann dieser Proteinträger in der Fütterung von Schweinen problemlos eingesetzt werden. Dies zeigen zahlreiche Versuche die bislang zu dieser Fragestellung durchgeführt wurden. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen werden auch im vorliegenden Versuch bestätigt.

Bei Einsatz eines geeigneten Mineralfutters, das die relativ hohen Phosphorgehalte im Rapsextraktionsschrot berücksichtigt und eine angepasste Ergänzung mit freien Aminosäuren sicherstellt, kann dieser heimische Proteinträger wesentlich zu einer bedarfsgerechten Nährstoffversorgung von Schweinen beitragen.

 

 

Bei höheren Mengen an Rapsschrot muss die Phosphorergänzung über das Mineralfutter angepasst werden

FAZIT

Aufgeschlossenes Rapsextraktionsschrot kann bei Verwendung eines geeigneten Mineralfutters ohne ernährungsphysiologische Nachteile bei Mastschweinen eingesetzt werden. Eine ökonomische Bewertung sollte anhand aktueller Preise und unter Berücksichtigung der gegenwärtigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erfolgen.

 

 

DER DIREKTE DRAHT

Dr. Bernhard Zacharias
Landesanstalt für Schweinezucht Boxberg
Tel.: 07930-9928-131
Bernhard.zacharias(at)bwl.de

Stand: Februar 2019