Markt
19.06.2019

Verbesserte Biosicherheit mindert ASP-Eintragsrisiko in Schweinebestände

Heute Mittag hat die Universität Vechta zusammen mit dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) und der QS Qualität und Sicherheit GmbH im Rahmen einer Fachtagung die neu entwickelte ASP-Risikoampel vorgestellt.

Das ab sofort zur Verfügung stehende Online-Tool bietet Landwirten die kostenfreie Möglichkeit, die individuelle betriebliche Biosicherheit zum Schutz vor der Afrikanischen Schweinepest (ASP) freiwillig und anonym bewerten zu lassen. Dadurch können Betriebe noch besser Vorsorgemaßnahmen zum Schutz des eigenen Schweinebestandes treffen, um so das Seucheneintragsrisiko weiter zu senken und für den Ernstfall besser gerüstet zu sein. Die fachliche Basis der Ampel lieferten 23 Experten aus Wissenschaft, tierärztlicher und landwirtschaftlicher Praxis sowie Behördenvertreter aus ganz Deutschland.

„Die Risikoampel beinhaltet 111 Fragen, die den Bereichen Sicherung des Betriebs, Sicherung des Stalls und Arbeitsabläufe zugeordnet sind“, erläuterte Projektleiterin Dr. Maria Gellermann. Besonderer Wert sei dabei auf Praxisrelevanz für die Landwirt*innen gelegt worden. 

Dr. Barbara Grabkowsky, Geschäftsführerin der an der Uni Vechta angesiedelten Transformationsstelle agrar Niedersachsen und wissenschaftliche Leiterin des Gesamtprojektes „Risikoampel“, erläuterte bei der Fachtagung die Funktionalität der neuen Risikoampel. Über ein Multiple-Choice-System beantworten die Landwirte die Fragen, wobei das Tool in einem zweistufigen Verfahren automatisch bewertet, wie stark jeder Aspekt das Risiko eines ASP-Eintrags verringert oder erhöht. „Das Ergebnis ist ein nach Ampelfarben visualisiertes Ergebnis, das Auskunft über die erreichte Risikoklasse gibt“, erklärte Dr. Grabkowsky – und das hat einen ganz konkreten praktischen Nutzen für den Landwirt: „In einer Optimierungsanalyse werden alle identifizierten Risikofaktoren ihrer Bedeutung gemäß aufgelistet und konkrete Hinweise zur Umsetzung im Betrieb gegeben. Mit diesem Ampelsystem kann jeder Schweinehalter regelmäßig überprüfen, ob das eigene Biosicherheitskonzept den Betrieb noch optimal schützt.“

Vorsorgen ist besser als Räumen
Dr. Hermann Josef Nienhoff, Geschäftsführer der QS Qualität und Sicherheit GmbH, betonte, dass durch die sehr anwenderfreundliche ASP-Risikoampel die Landwirte jetzt die Möglichkeit haben, selbständig die Biosicherheitslage ihres Betriebes bewerten zu können. „Gemeinsam mit dem Tierarzt oder Berater sind sie in der Lage präventiv notwendige Verbesserungen vorzunehmen. Damit ist die ASP-Risikoampel für Tierhalter ein Tool für die Selbstkontrolle in puncto Hygiene und Biosicherheit“, lobte Dr. Nienhoff das Projektergebnis, das bereits sechs Monate nach Start des Projekts vorliegt.

Vorfahrt für Biosicherheit gewährleisten
Prof. Dr. Franz Josef Conraths, Vizepräsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) und Leiter des Instituts für Epidemiologie des FLI, erläuterte die jüngste Risikobewertung des FLI zur globalen ASP-Situation. „Durch das Auftreten der Tierseuche im Südosten Belgiens ist das Risiko eines Übergreifens der ASP auf deutsches Gebiet auch durch migrierende infizierte Wildschweine deutlich gestiegen. Der beste Schutz besteht darin, die Biosicherheit auf den Betrieben weiter zu verbessern.“ Er betonte, dass die gemeinsam erarbeitete Risikoampel eine auf die Eintragswege der ASP fokussierte Einschätzung gebe. „Die Verbesserung der Biosicherheit bietet eine gute Grundlage, um das Risiko eines Eintrags des ASP-Erregers zu senken und damit auch Bestandstötungen zu vermeiden. Die in der Risikoampel abgedeckten Bereiche sind wissenschaftlich fundiert.“

Konsequenz und Disziplin als elementare Grundlage
Die auf der Tagung anwesenden Fachleute waren sich einig: Für die Senkung des Seuchenrisikos sind die Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter der Schweine haltenden Betriebe maßgeblich verantwortlich, die aber vor zunehmenden Herausforderungen stünden. Schweinefachtierarzt Dr. Georg Bruns der Tierarztpraxis Dümmerland in Steinfeld führte dazu aus: „Probleme im Management von Mitarbeitern, Arbeitsabläufen, wirtschaftliche Schwierigkeiten, neue Haltungsformen und auch der Umgang mit der Öffentlichkeit stellen Schweinebetriebe oftmals vor unübersichtlich viele Aufgaben, was zu Fehlern führt.“ Bruns erläuterte weiter: „40 Jahre tierärztliche Praxis mit leider auch vielen Tierseuchen-Ausbrüchen haben mich gelehrt, dass es selten die großen Fehler sind, die zu Problemen führen. Deshalb müssen Biosicherheit in allen Betriebsabläufen und –situationen „in Fleisch und Blut übergehen“, damit möglichst alle Schlupflöcher für einen ASP-Eintrag vermieden werden.“ 

Risikomanagement ganzheitlich denken

Alle Vortragenden waren sich einig, dass zum Risikomanagement auch das Schulen des Personals in den Betrieben und die Kommunikation mit Behörden und Öffentlichkeit gehört - genauso wie die betriebliche Absicherung der finanziellen Risiken, die mit einem möglichen Seuchenausbruch verbunden sind. 
Dr. Ursula Gerdes, Geschäftsführerin der Niedersächsischen Tierseuchenkasse erklärte dazu:
„Aufgrund einer amtlichen Tötungsanordnung hat ein betroffener Tierhalter einen Anspruch auf die Entschädigung des gemeinen Wertes der Tiere sowie auf die Übernahme der Kosten für deren Tötung und Beseitigung. Dies ist allerdings nur dann der Fall, wenn der Tierhalter sich im Vorfeld und im Rahmen der Bekämpfungsmaßnahme rechtskonform verhalten und seinen Tierbestand korrekt gemeldet hat. Damit soll die aktive Mitwirkung an einer effizienten Tierseuchenbekämpfung sichergestellt werden.“, so Gerdes.

Wissenschaftsbasierte und praxisorientierte Entwicklung als Grundlage der Ampel

Das Projekt „ASP-Risikoampel“ wurde von der Universität Vechta zusammen mit dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) durchgeführt. Die wissenschaftliche Grundlage für die Wichtung der Risikofaktoren hat eine Expertengruppe aus der Tierärztlichen Hochschule Hannover, dem Friedrich-Loeffler-Institut, das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, der Niedersächsischen Tierseuchenkasse, dem Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES), dem Veterinäramt des Landkreises Cloppenburg und des Landkreises Vechta, der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, verschiedenen Tierarztpraxen aus Deutschland, und Praktikern der Branche besetzt ist. 

Finanziell unterstützt wurde das Projekt an der Universität Vechta vom Wissenschaftsfonds der QS Qualität und Sicherheit GmbH, der Oldenburgisches Industrie- und Handelskammer, der Niedersächsischen Tierseuchenkasse, der Tierärztlichen Praxis Dümmerland, der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, den Landkreisen Cloppenburg und Vechta und sowie von Unternehmen aus der Region Vechta.

Die ASP-Risikoampel kann im Internet unter dem Link www.risikoampel.uni-vechta.de aufgerufen werden. Die Benutzung ist anonym und gebührenfrei.

Quelle: Verbund Transformationsforschung agrar Niedersachsen


Foto: Fotolia/Universität Vechta