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Unterschiedliche Ca-Gehalte im Mineralfutter bei phosphorreduzierter Fütterung in der Schweinemast
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Aufgrund der aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen (Dünge- und Stoffstrombilanzverordnung) ist es für Schweinemäster immens wichtig, die Stickstoff (N)- und Phosphor (P)-Ausscheidung ihrer Tiere zu reduzieren.

Die P-Ausscheidungen lassen sich durch die Reduzierung des mineralischen Phosphors in den Rationen bei gleichzeitiger Zulage von mikrobieller Phytase realisieren. Neben der Freisetzung von Phytinphosphor setzen Phytasen vor allem Kalzium (Ca) (Pallauf und Rimbach, 1997; Kornegay, 2001), aber auch weitere Nährstoffe wie Aminosäuren, Spurenelemente und weitere Mineralstoffe frei. Durch die Weiterentwicklung der Phytasen dürfte sich dieser Effekt noch verstärken. Ziel ist ein Verhältnis von Ca zu verdaulichem P von 2,2 bis 2,6 zu 1. Bei niedrigem Gesamtphosphorgehalt ist ein noch engeres Verhältnis von 2,0 zu 1 anzustreben. In vorliegender Untersuchung wurden deshalb Mineralfutter mit gleichen niedrigen P-, aber unterschiedlichen Ca-Gehalten getestet.

Calciumgehalte im Mineralfutter wurden reduziert

Der Mastversuch wurde am Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum (LVFZ) für Schweinehaltung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) in Schwarzenau durchgeführt. Dazu wurden 96 Mastläufer der Rasse Pi x (DL x DE) nach Lebendmasse (LM), Abstammung und Geschlecht ausgewählt und gleichmäßig auf folgende Versuchsgruppen aufgeteilt:

  • Gruppe A: 20 % Ca, 1,5 % P im Mineralfutter
  • Gruppe B: 18 % Ca, 1,5 % P im Mineralfutter
  • Gruppe C: 16 % Ca, 1,5 % P im Mineralfutter
  • Gruppe D: 14 % Ca, 1,5 % P im Mineralfutter

Gruppenhaltung mit Einzelfutteraufnahmemessung in den Fütterungsversuchen ist mittlerweile üblich

Die Mastschweine wurden in 8 Buchten zu je 12 Tieren auf Betonspalten ohne Einstreu gehalten. Pro Gruppe wurden 2 Buchten gemischtgeschlechtlich aufgestallt. Der Versuch gliederte sich in 3 Mastphasen. Die Futterzuteilung erfolgte über Abrufstationen mit integrierter Futterverwiegung für das Einzeltier (Compi-dent MLP, Schauer Agrotronic, GmbH).

Die Versuchsrationen basierten auf Getreide, Sojaextraktionsschrot und Mineralfutter. Die Zusammensetzungen und kalkulierten Inhaltsstoffe der Versuchsrationen sind in Tabelle 1 zusammengestellt.

Tabelle 1: Zusammensetzung und kalkulierte Inhaltsstoffe der Versuchsrationen

Keine Unterschiede in den täglichen Zunahmen

Die Mastleistungen sowie der Futteraufwand können Tabelle 2 entnommen werden. Bei den täglichen Zunahmen konnten im Mittel der Mast keine signifikanten Unterschiede zwischen den Versuchsgruppen festgestellt werden. So hatten die Tiere der Gruppen A, C und D im Mittel mit 761, 756 und 758 g nahezu gleich hohe tägliche Zunahmen. Die Tiere der Gruppe B erzielten mit 732 g eine etwas niedrigere Leistung. Da die Tiere mit knapp 26 kg in die Mast gingen, lag das Zunahmeniveau niedriger als in vorausgegangenen Versuchen. Den Verlauf der LM-Entwicklung zeigt Abbildung 1.

Abbildung 1: Entwicklung der Lebendmasse während des Versuchs

Höherer Futteraufwand bei geringen Calciumgehalten

Mit 2,0 bis 2,1 kg wurde in allen vier Gruppen im Mittel des Versuchs ein niedriger Futterabruf pro Tier und Tag festgestellt. Für Abruffütterungsstationen mit Trockenfütterung und schrotförmiger Futtervorlage ist dies ein noch akzeptabler Wert für einen Mastbeginn bei ca. 26 kg LM. In den Gruppen errechnete sich ein Futteraufwand zwischen 2,60 und 2,77 kg je kg Zuwachs. Gegenüber der Gruppe A mit (20 % Ca im Mineralfutter) ergab sich in den Gruppen C und D mit 16 % bzw. 14 % Ca im Mineralfutter ein signifikant höherer Futteraufwand je kg Zuwachs.

Geringere Ca-Gehalte führten zu schlechteren Futterverwertung

Tabelle 2: Tägliche Zunahmen, Futterverzehr sowie Futter- und Energieaufwand (LSQ-Mittelwerte)

Keine Unterschiede in den Schlachtleistungen

Die Schlachtleistungsparameter sind in Tabelle 3 dargestellt. Dabei zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Versuchsgruppen. Das bezahlungsrelevante Merkmal Muskelfleischanteil war mit Werten zwischen 59,8 % (Gruppe A) und 60,5 % (Gruppe D) im Geschlechtermix als hoch einzustufen. Gleiches galt auch für den Fleischanteil im Bauch mit Werten zwischen 59,0 und 60,2 %.

Tabelle 3: Schlachtleistungsparameter (LSQ-Mittelwerte)

FAZIT

Bei einem niedrigen Gehalt an mineralischem Phosphor im Mineralfutter (1,5 %) und Einsatz von Phytase führte die Reduzierung des Ca-Gehalts im Mineralfutter von 20 % auf 14 % zu keinen negativen Effekten auf die Mast- und Schlachtleistung. Ziel ist ein Verhältnis von Ca zu verdaulichem P von 2,2 bis 2,6 zu 1. Wird der Gesamtphosphor weiter abgesenkt, so ist über ein noch engeres Verhältnis von 2,0 zu 1 nachzudenken.

DER DIREKTE DRAHT

Dr. Wolfgang Preißinger
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Tierernährung und Futterwirtschaft
Dienstort Schwarzenau
D-97359 Schwarzach a. Main
Stadtschwarzacher Str. 18
E-Mail: Wolfgang.Preissinger[at]LfL.bayern.de

Stand: 10/2020