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Erfährt Sonnenblumenextraktionsschrot eine Renaissance?
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Neben Soja, Raps, Baumwolle und Palmen zählt die Sonnenblume zu den 5 bedeutsamsten Ölpflanzen weltweit. Nach OVID (2020) entfielen im Jahr 2019 63 % der globalen Anbaufläche aller Ölpflanzen auf Sojapflanzen, 13 % auf Raps, 9 % auf Sonnenblumen, 7 % auf Baumwolle und die verbleibenden 8 % auf Palmen, Erdnüsse, Kopra, Lein, Sesam und Rizinus.

Die Sonnenblume wurde im Jahr 2018/2019 weltweit auf ca. 26 Mio. ha angebaut und ist damit die viertwichtigste Ölpflanze für die Gewinnung von Pflanzenöl (STATISTA, 2020).

Die bei der Ölgewinnung als Nebenprodukte anfallenden Extraktionsschrote und Expeller bzw. Kuchen lassen sich vielfach in der Tierfütterung einsetzen. So wurden in Deutschland im Jahr 2017 rund 4,3 Millionen Tonnen Rapsextraktionsschrot und ca. 3,7 Millionen Tonnen Sojaextraktionsschrot vor allem bei den landwirtschaftlichen Nutztieren Rindern, Schweinen und Geflügel eingesetzt (OVID, 2018).

Auch wenn sich konventionelles Sonnenblumenextraktionsschrot, also aus zuvor ungeschälter Saat, aufgrund seines höheren Rohfasergehaltes von ungefähr 24 % (in der Frischmasse) am ehesten in der Wiederkäuerfütterung einsetzen lässt, zeugt der eher niedrige Verbrauch in Deutschland im Jahr 2017 von gerade einmal ca. 450.000 Tonnen von keiner großen praktischen Bedeutung dieses Futtermittels.

Durch ein vorhergehendes Entschälen der Sonnenblumensaat ist ein deutlich höherer Futterwert im Sonnenblumenextraktionsschrot zu erreichen.

Das könnte sich womöglich aber etwas ändern, gerade weil weiterhin nach gentechnikfreien Alternativen zum Sojaextraktionsschrot gesucht wird, da zum einen die Rapsanbaufläche aus Fruchtfolgegründen begrenzt ist und demnach auch die verfügbare Menge an Rapsextraktionsschrot und zum anderen auch dem Einsatz von Körnerleguminosen durch ackerbauliche Schwierigkeiten Grenzen gesetzt sind.

Wenn darüber hinaus das angebotene Sonnenblumenextraktionsschrot von vergleichsweise hoher Qualität ist, also einen sehr guten Futterwert aufweist, kann dessen Einsatz damit womöglich gesteigert werden. Eine Möglichkeit zur Qualitätsverbesserung besteht darin, die Sonnenblumensaat vor der Verarbeitung entsprechend zu entschälen (Tabelle 1).

Tabelle 1: Ausgewählte Inhaltsstoffe ungeschälter und teilentschälter Sonnenblumenextraktionsschrote im Vergleich zu Raps- und Sojaextraktionsschrot

In jüngster Zeit wird von dem Futtermittelhersteller Bunge ein GVO-freies Futtermittel aus entschälten Sonnenblumenkernen, unter dem Namen „SunPro 46“, angeboten.

SunPro 46

Die Bezeichnung „SunPro 46“ steht für ein Hochprotein-Sonnenblumenextraktionsschrot mit 46 % Rohprotein. Durch das vorherige Entschälen der Sonnenblumenkerne und folglich das komplette Absieben der Schale ist der Rohfasergehalt nach Herstellerangaben mit nur 80 g/kg in diesem Extraktionsschrot deutlich geringer als bei den Extraktionsschroten aus nicht oder teilentschälter Sonnenblumensaat. Damit erhöhen sich die Verdaulichkeit und der Energiegehalt im Schrot.

Zudem wird dieses Extraktionsschrot für eine weitere Erhöhung der Verdaulichkeit noch einem druckhydrothermischen Prozess unterworfen.

SunPro 20

Neben dem SunPro 46 bietet die Firma Bunge auch ein Sonnenblumenextraktionsschrot an, dem ein größerer Schalenanteil zugesetzt wurde, das SunPro 20. Dieses weist einen wesentlich höheren Rohfaser- und damit deutlich niedrigeren Energie- und auch Eiweißgehalt (von 20 %) auf.   

Durch wiederholtes Mahlen, Sieben und Separieren der Ausgangskomponente sollen laut Herstellerangaben die futterwertbestimmenden Parameter der Endprodukte SunPro 46 und SunPro 20 exakt eingestellt werden.

Verdaulichkeitsmessungen

Um den energetischen Futterwert dieser beiden Sonnenblumenextraktionsschrote SunPro 46 und SunPro 20 zu bestimmen, führte die Landwirtschaftskammer Nordrhein Westfahlen im Versuchs- und Bildungszentraum Haus Riswick vom 21.02. bis 14.03.2019 Verdaulichkeitsbestimmungen durch (Pries und Denißen, 2019).

Dafür wurde das jeweilige Extraktionsschrot im Differenzversuch – entsprechend der Vorgaben der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE, 1991) – an 4 Hammeln geprüft. Da bei Wiederkäuern Kraftfutter niemals alleine in einem Direktversuch auf dessen Verdaulichkeit hin untersucht werden kann, da ansonsten die Wiederkäuergerechtheit dieser Ration keinesfalls mehr gegeben ist, muss es immer in Kombination mit einem Grobfuttermittel gefüttert werden. In diesem Fall war es Heu. Dieses wurde zuvor an 4 Hammeln auf seine Verdaulichkeit hin untersucht. Dafür bekamen sie 1000 g Heu je Tier und Tag. Anschließend bildeten dann 500 g von diesem Heu und 500 g des jeweils zu prüfenden Extraktionsschrotes die Tagesration der Hammel im Differenzversuch.

In jedem Versuch erfolgten nach einer zweiwöchigen Anfütterung die quantitative Erfassung der aufgenommenen Futtermengen sowie die Kotsammlung.

Die Futter- und Kotanalysen wurden in der LUFA NRW, Münster, vorgenommen. Aus den verdaulichen Rohnährstoffen ließen sich zuletzt die Gehalte an umsetzbarer Energie und Nettoenergie Laktation errechnen.

Akzeptanzprobleme mit beiden Extraktionsschroten gab es nicht.

Ergebnisse

Beim SunPro 46 wurde ein Rohproteingehalt von fast 46 % in der Frischmasse mit einer sehr hohen Proteinverdaulichkeit von fast 90 % ermittelt. Auch der Rohfasergehalt war mit unter 8 % i.d.TM wie gewünscht. Mit einer Verdaulichkeit der organischen Masse von mehr als 85 % (Tabelle 2) und einem aus den Verdaulichkeiten der Rohnährstoffe berechneten Energiegehalt von 7,76 MJ NEL/kg TM erwies sich dieses Sonnenblumenextraktionsschrot als energiereicher als das von der DLG angegebene entschälte Sonnenblumenextraktionsschrot und ebenfalls als das Rapsextraktionsschrot (siehe Tabelle 1: 6,4 MJ NEL/kg) und ebenfalls als das Rapsextraktionsschrot (siehe Tabelle 1: 6,4 MJ NEL/kg bzw. 7,3 MJ NEL/kg TM).

Tabelle 2: Rohnährstoffgehalte, in vitro-Parameter, Verdaulichkeiten und Energiegehalte der in den Verdauungsversuchen geprüften Futtermittel SunPro 46 und SunPro 20 (Pries und Denißen, 2019)

Auffallend ist der deutlich höhere P-Gehalt im Vergleich zum Rapsextraktionsschrot.

Im Gegensatz dazu enthält das SunPro 20 einen sehr hohen Schalenanteil und damit einen analysierten Rohfasergehalt von 415 g/kg TM. Bedingt durch die sehr niedrige Verdaulichkeit der Faserbestandteile ist der Energiegehalt dieses Futtermittels ebenfalls sehr niedrig, aber höher als der von reinen Sonnenblumenschalen und ebenfalls etwas höher als der von Getreidestroh, aber mit einem Rohproteingehalt von 22 % i.d.TM, womit der deklarierte Eiweißgehalt eingehalten wurde.

Darüber hinaus wurden im Anschluss an die Verdauungsversuche Untersuchungen zur Bestimmung der Proteinlöslichkeit und des Eiweißabbaus durchgeführt. Diese erfolgten bei der Landwirtschaftlichen Kommunikations- und Service GmbH (LKS), Lichtenwalde.

Dabei zeigten sich beim SunPro 46 eine mit 49 % hohe Proteinlöslichkeit (Tabelle 3).

Das pepsinunlösliche Rohprotein ist ein Merkmal für die Beurteilung einer eventuellen Eiweißschädigung durch z. B. zu hohe Temperaturen bei den Bearbeitungsverfahren. Mit nur 10 % ist beim SunPro 46 der Anteil an pepsinunlöslichem Rohprotein wünschenswert gering. Der größte Anteil des Rohproteins in diesem Futtermittel zeichnet sich durch eine hohe ruminale Abbaubarkeit aus.

Tabelle 3: Rohproteinfraktionierung der Futtermittel SunPro 46 und SunPro 20

Unter Berücksichtigung eines UDP 5-Anteils von 10 % (bei einer Passagerate von 5 %/h) beim SunPro 46 ergab sich bei diesem Futtermittel ein Gehalt an nXP von 187 g/kg TM.

Im Vergleich dazu kann beim Rapsextraktionsschrot mit einem UDP-Anteil von 35 % gerechnet werden, wodurch sich ein nXP-Gehalt in Größenordnung von 200 bis 235 g/kg TM ergibt. Beim normalen Sojaextraktionsschrot (mit 44 % XP) liegt bei einem unterstellten UDP-Anteil von 30 % der Wert für nXP ca. bei 290 g/kg TM.

Das SunPro 20 ist auch hier gänzlich anders zu beurteilen.

FAZIT

Mit dem neu angebotenen Futtermittel SunPro 46 steht ein sehr energie- und eiweißreiches GVO-freies Kraftfutter für die Fütterung zur Verfügung. Damit könnte dieses eine weitere Alternative zum Einsatz von Soja-, aber auch Rapsextraktionsschrot sein, wahrscheinlich weniger als vollständiger Ersatz, sondern vielmehr in Kombination mit diesen.

Das SunPro 20 hingegen dürfte sich zumindest für die energetische Aufwertung von Rationen hochleistender Kühe weniger eignen, aber womöglich kann es einen Beitrag zur Faserversorgung von Kühen liefern.

DER DIREKTE DRAHT

Prof. Dr. Katrin Mahlkow-Nerge
Fachhochschule Kiel, Fachbereich Agrarwirtschaft
Tel.: 04331/845138
Email: katrin.mahlkow-nerge(at)fh-kiel.de

Stand: 7/2020
Foto (Katrin Mahlkow-Nerge)
 

Literatur: M. Pries und J.Denißen, 2019: Versuchsbericht „Bestimmung der Verdaulichkeit von Sonnenblumenextraktionsschrot“, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Bad Sassendorf, Mai 2019