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Marktbericht KW 28 / 2020
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Vereinzelt hat die Rapsernte in Deutschland begonnen, im Raum Halle beispielsweise wurde jüngst der erste lagertrockene Raps gedroschen. Teilweise werden sehr unterschiedliche Rapserträge innerhalb einer Region gemeldet, zum Beispiel im Raum Südbaden, wo je nach Standort zwischen 34 und 54 dt/ha geborgen werden. Große Heterogenität ist auch 2020 wieder ein großes Thema zur deutschen Rapsernte. Die Verkaufsbereitschaft der Erzeuger für die angelaufene oder bald beginnende Ernte ist nach wie vor sehr zurückhaltend, daran können auch die gegenüber Vorwoche leicht festeren und über den Niveaus der vergangenen beiden Jahre verlaufenden Preise nichts ändern. Die Vorkontaktpreise liegen bei 367 EUR/t im Bundesdurchschnitt, womit sie das Vorwochenniveau um 4 EUR/t übertreffen. Dem zurückhaltenden Angebot aus der Landwirtschaft steht eine ähnlich verhaltene Nachfrage der Ölmühlen gegenüber. Obwohl sich für die EU eine unterdurchschnittliche Rapsversorgung und entsprechender Importbedarf abzeichnet, werden sie bisher nicht nervös. Deutsche Verarbeiter sind längst darauf eingestellt, auch in der Saison 2020/21 wieder größtenteils Importware zu verwenden, die 2019/20 reichlich, vor allem aus der Ukraine und Kanada, angeliefert wurde.

Die Erwartung eines lückenschließenden Importangebotes an Raps in den kommenden Monaten nimmt den Notierungen in Paris und letztlich auch den deutschen Kassapreisen bis auf Erzeugerstufe den Spielraum nach oben. Unerfüllte Preisvorstellungen in Kombination mit geringen Ernteerwartungen sind laut Marktteilnehmern bereits seit Wochen Hauptgrund für die geringe Abgabebereitschaft von Erzeugern. 

Der Rapsschrotmarkt ist in der Berichtswoche etwas in Bewegung gekommen. Rapsschrot zur Lieferung im Juli wurde je nach Standort wieder mehr nachgefragt als in den Vorwochen. Besonders das Kaufinteresse an kleineren Ölmühlen hat sich auf diesen Terminen belebt. Das Angebot fällt dort im Übergang auf die neue Ernte eher knapp aus. Das Kaufinteresse bei größeren Ölmühlen in Westdeutschland hat sich nicht so stark belebt und die Anfragen können problemlos bedient werden. Auf Lieferterminen ab August sieht die Situation hingegen etwas anders aus, es wird kaum physische Ware nachgefragt.  

Getrieben von den auf Wochensicht deutlich festeren Sojaschrotkursen in Chicago, sind auch die Sojaschrotpreise am hiesigen Kassamarkt gestiegen. Die Notierungen verzeichnen ein Plus von umgerechnet 4,50 auf 286 EUR/t, während sich deutsches Sojaschrot mit 49 % ProFett-Gehalt um 8 auf 325 EUR/t und Sojaschrot mit 44 % ProFett-Gehalt sogar um 9 auf 300 EUR/t verteuert hat.  

Die festere Tendenz der Notierungen für Sojabohnen und Nachprodukte hat auch die deutschen Kassamärkte erreicht. Sojaöl fob Hamburg hat sich binnen einer Woche kräftig um 43 auf 673 EUR/t verteuert. Ausschlaggebend für den Kursauftrieb in Chicago, von dem sich die hiesigen Kassapreise mit nach oben ziehen ließen, ist die Aussicht auf trocken-heiße Witterung in US-Sojabohnen-Anbaugebieten. Die US-Ernte 2020 könnte dadurch kleiner ausfallen als gedacht. Bisher waren die Witterungsbedingungen sehr günstig gewesen, nun könnte doch noch alles anders kommen. US-Erntebeginn für Sojabohnen ist im September. Bis dahin kann von einem Wettermarkt gesprochen werden, der in den kommenden Wochen noch einige größere Kursausschläge in beide Richtungen bereithalten könnte. Entsprechend volatil könnte sich, daran angelehnt, auch die Entwicklung der Sojaölpreise hierzulande gestalten. Doch vorerst sind die Vorgaben vom internationalen Markt bullisch und es kommen fundamental preisunterstützende Einflüsse hinzu. Darunter vor allem die lebhafte Biodieselnachfrage. In Deutschland wurde das Vor-Corona-Preisniveau jüngst wieder hergestellt und die Tendenz ist weiterhin fest. Soja- und Palmöl profitieren davon besonders, da in den Sommermonaten, also noch bis Ende September vorrangig Soja- und Palmölmethylester beigemischt werden. 

Rapsöl schafft auf Wochensicht nur einen leichten Preisanstieg von 3 auf 765 EUR/t fob Hamburg. Treibende Kraft sind die festeren Rapsterminkurse in Paris, die zuletzt wieder die Marke von 380 EUR/t in Angriff nahmen. Die insgesamt festere Kurs- und Preistendenz bei Raps und Nachprodukten ist im Wesentlichen auf die Prognose einer kleinen EU-Rapsernte 2020 zurückzuführen. IGC und EU-Kommission avisieren 16,7, Strategie Grains sogar nur 16,5 Mio. t. 

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