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Marktbericht KW 01 / 2021
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Am deutschen Rapsmarkt hat das neue Jahr begonnen wie das alte aufgehöhrt hat: mit geringem Handelsinteresse auf beiden Seiten. Die Ölmühlen sind zumeist gut gedeckt, die Lager gefüllt und der Nachschub für die kommenden Wochen über Kontrakte gesichert. Nur vereinzelt wird Raps gekauft, wohl um kurzfristige Versorgungslücken zu schließen, aber diese Geschäfte beschränken sich angesichts der hohen Preise auf Kleinstmengen für den dringenden Bedarf. Gleichzeitig ist aber auch das Verkaufsinteresse am Rapsmarkt zurückhaltend, obwohl die Preise aus Anbietersicht auf einem attraktiven Niveau liegen.

Das liegt daran, dass sich die meisten Erzeuger bereits im November 2020 zu festen Preisen umfangreich von Ware der alten Ernte getrennt hatten. Der Vermarktungsstand der Ernte 2020 ist damit ungewöhnlich hoch, regional sollen bereits nur noch Restmengen von deutlich unter 10 % der Erntemengen unverkauft in den Lagern liegen, was neben Raps im Übrigen auch für Weizen und Gerste gilt. Neugeschäfte mit alterntigem Raps sind damit in den meisten Regionen kaum noch möglich. Auch der Vermarktungsstand ex Ernte 2021 soll schon weit vorangekommen sein. Auch hier hatten Erzeuger die Preissteigerungen im November 2020 genutzt.

Dass mittlerweile schon so viel verkauft ist – alt- wie neuerntig – hat aber noch einen weiteren Grund: die Unsicherheit über den Preisverlauf in der zweiten Wirtschaftsjahreshälfte. 2019/20 hat gezeigt, dass die Preise überraschende Entwicklungen nehmen können. Trotz sehr geringer deutsche Rapsernte 2019 brachen seinerzeit die Preise in der zweiten Wirtschaftsjahreshälfte ein. Schwache Terminkurse und das große Angebot belasteten zunächst, bis dann auch noch die erste Corona-Welle einschlug. Weil die Pandemie Anfang Januar 2021 weiterhin nicht vom Tisch und noch keineswegs gebannt ist und in den USA ein politischer Machtwechsel ansteht, bleiben viele Marktteilnehmer vorsichtig und waren wohl froh, im November 2020 zu vernünftigen Preise bereits größere Mengen Raps vermarktet zu haben. So lässt es sich nun entspannter auf die Monate bis zur neuen Ernte blicken und mit Restmengen von unter 10 % fällt das Spekulieren leichter als wenn noch ein Drittel alterntiger Raps unverkauft im Lager liegen würde. 

Der Handel mit Rapsschrot läuft zum Jahresauftakt in ruhigen Bahnen. Mischfutterhersteller fragen zumeist nur Ware für den dringenden Bedarf nach. Sie warten die weiteren Entwicklungen ab, bevor sie längerfristig vorsorgen. Die ruhige Nachfrage kann durch das Angebot der Ölmühlen überwiegend gedeckt werden. Allerdings sind die Offerten regional unterschiedlich. Während die Ölmühlen im Osten Deutschlands auf den vorderen Positionen Rapsschrot im Angebot haben, sehen die Offerten an anderen Standorten eher dünn aus.  

Mit kräftiger Unterstützung von den Sojaschrotkursen in Chicago, haben sich die Sojaschrotpreise hierzulande befestigt. Ein weiterer treibender Faktor sind die geringeren Importe. Aus Argentinien kommt weniger Ware an, da die dortigen Streiks und das geringere Angebot bis zur neuen Sojabohnenernte die Ausfuhren begrenzen. Besonders das Angebot an hochproteinreichem Sojaschrot ist im Januar und Februar sehr gering. Gleichzeitig wird eine steigende Nachfrage erwartet. 
Die Rapsölpreise zeigen im Vergleich zu den anderen Pflanzenölen den geringsten Preisanstieg, 885 EUR/t fob Hamburg entsprechen einem Plus von 10 EUR/t oder 1,1 % gegenüber dem Stand vor zwei Wochen. Zwar bringt die Befestigung beim Palmöl Unterstützung und auch die festen Rapsnotierungen in Paris wirken sich an den Kassamärkten preissteigernd auf die Nachprodukte aus, doch limitiert wird der Auftrieb von mangelnder Rapsölnachfrage von EU-Biodieselherstellern, die geringe Margen beklagen. Obwohl das allzeit begehrte UCOME Lockdown-bedingt knapp ist und Rapsöl bzw. aus Sicht der Verwender Rapsmethylester damit derzeit die einzige Alternative zur Beimischung im Dieselkraftstoff ist, bleibt die Nachfrage verhalten. Sojaöl legt um 13 EUR/t oder 1,5 % auf 898 EUR/t zu und erreicht damit das höchste Niveau seit Ende November 2020. Vor allem die trockenheitsbedingten Erntesorgen in Südamerika bringen weitere Unterstützung.