Eiweißfuttermittel, Markt
09.10.2019

UFOP-Perspektivforum diskutiert Zukunftsfähigkeit des Raps- und Körnerleguminosenanbaus

Die spürbaren Folgen des Klimawandels sowie die weiter steigenden Anforderungen der Düngeverordnung, des Insektenschutzes und der Pflanzenschutzmittelzulassung stellen die Zukunft des Ackerbaus infrage. Dies stellte der Vorsitzende der Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (UFOP), Wolfgang Vogel, anlässlich des UFOP-Perspektivforums in Berlin fest. Zugleich betonte er die Bereitschaft des Verbandes, die Herausforderungen und den Anpassungsdruck anzunehmen, den jeder Betrieb im Rahmen der zukünftigen Ackerbaustrategie für sich stemmen müsse. Gerade jetzt seien Raps und Körnerleguminosen als „Multitalente“ unverzichtbare Elemente erweiternder Fruchtfolgesysteme zur Verbesserung der Biodiversität, des Humusgehaltes, der Produktivität der Böden und schließlich für den Klimaschutz.

Vor mehr als 100 Teilnehmern betonte der UFOP-Vorsitzende, dass der Klimawandel an den Erträgen der letzten zwei Jahre deutlich ablesbar sei. Gleichzeitig müsse sich der Ackerbau dem globalen Wettbewerb stellen. Vogel richtete deshalb an die Politik das Angebot und zugleich die Forderung, diese Herausforderungen mit dem Berufsstand zu diskutieren und gemeinsam Strategien zu entwickeln. Unter Hinweis auf die angekündigte Ackerbaustrategie stellte Vogel fest, dass eine solche Strategie von Bund und Bundesländer begleitet werden müsse. Die Landwirte arbeiteten bei unterschiedlichsten Standortbedingungen in komplexen biologischen Systemen. Innovationsfortschritte seien deshalb ein langer Prozess. Die Forschungsbegleitung und die Umsetzung der Ergebnisse in die Praxis  müssten von einer intensiv geförderten Züchtungs- und Landbauforschung sowie Betriebsberatung begleitet werden. Es gehe darum, den erzielten Züchtungsfortschritt möglich schnell auf den Acker zu bringen bzw. in die Fruchtfolgesysteme zu integrieren.

Dr. Peter Oswald, Referatsleiter im Bundeslandwirtschaftsministerium, umriss die Eckpunkte der anstehenden Verschärfung des Düngerrechts sowie zur Ackerbaustrategie, die alle Maßnahmen und ordnungsrechtlichen Anforderungen zur Erfüllung der Umwelt- und Klimaschutzziele integrieren solle. Dr. Oswald verwies auf den enormen Handlungsdruck durch die von der EU-Kommission angedrohten Strafzahlungen in Höhe von 850 Tsd. EUR täglich. Zu diesen Strafzahlungen werde es nicht kommen, so seine Einschätzung. Geprüft werde die mit dem Umstellungsprozess zu erwartende wirtschaftlich schwierige Situation für den Ackerbau. Die Gesellschaft müsse diese erhöhten Anforderungen gegebenenfalls kompensieren. Die sei möglicherweise ein Ergebnis der angekündigten Begleitforschung.

Im Themenblock zu den betrieblichen Anpassungsstrategien in Ackerbausystemen stellten Detlef Dölger, hanse agro, Dirk Schulte-Steinberg, Fachhochschule Südwestfalen und Dr. Christian Kleimeier, Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein Anpassungsoptionen sowie Grenzen der Bodenbearbeitung und der betrieblichen Optimierung der N-Düngung vor. Die Referenten kamen insgesamt zu dem Ergebnis, dass der produktionstechnische Aufwand infolge des Wegfalls von Pflanzenschutzmitteln bei der Unkrautbekämpfung zunehmen werde, wie auch das Risiko in der Bestandesführung, wenn bspw. der Stickstoff nicht passend zum Pflanzenbedarf zur Verfügung stehe. Den Referenten gemeinsam ist die Feststellung, dass grundsätzlich ein Umdenken in der Gestaltung der Fruchtfolgesysteme erforderlich sei, um schließlich auch über eine Diversifizierung und Fruchtfolgeerweiterung das Risiko zu minimieren.

Prof. Dr. Frank Ordon, Präsident des Julius Kühn-Institutes, stellte in seinem Vortrag den zunehmenden Befallsdruck durch Pilze und invasive Insekten als neue Virusüberträger heraus. Ursache sei die Verschiebung wärmerer Klimazonen in Richtung Norden. Prof. Ordon stellte eine Vielzahl von Maßnahmen zur Beschleunigung der Züchtung vor, um gezielt Resistenzeigenschaften gegen Krankheiten zu verbessern, die Trockenheitstoleranz zu erhöhen und die N-Nutzungseffizienz zu steigern. Die Nutzung genetischer Ressourcen ergänze den umfassenden Instrumentenkasten der modernen Pflanzenzüchtung. Hierzu gehöre auch die Verbesserung der Kältetoleranz zum Beispiel der Winterackerbohne. Prof. Ordon bedauerte, dass neue Züchtungsmethoden wie CRISPR, die ebenfalls die Züchtung beschleunigen könnten, als Ergebnis des EuGH-Urteils vom Juni 2018 nicht zur Verfügung stehen.

Im abschließenden Themenblock zu den zukünftigen Herausforderungen und Chancen wurde der Blick über den Tellerrand gewagt. Bernhard Osterburg, Stabsstelle Klima des Thünen Institutes, stellte die Eckpunkte der Emissionsberichterstattung im Zusammenhang mit der Erfüllung der Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens vor. Dr. Daniela Dressler, Technologie-und Förderzentrum, Straubing, erläuterte die unterschiedlichen Systemgrenzen zur Berechnung der Treibhausgasbilanz von Rapsöl als Kraftstoff. Die Anrechnung des bei der Rapsölgewinnung hergestellten Rapskuchens verbessere die Treibhausgasbilanz enorm, wenn für diese Menge Futterprotein keine äquivalente Menge Soja angebaut und zu Sojaschrot verarbeitet wird.

Dietmar Brauer, stellvertretender Vorsitzender der UFOP, betonte abschließend, dass jedes einzelne der anstehenden Vorhaben – Klimaschutzgesetz, Ackerbaustrategie, Insektenschutz oder die Änderungen im Düngerecht – eine gewaltige Herausforderung für die Landwirtschaft insgesamt und den Ackerbau im Besonderen bedeute. Er stellte heraus, dass die Pflanzenzüchtung gar nicht so schnell neue Ergebnisse bringen könne, wie sich die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft derzeit änderten und forderte eine stärkere Verlässlichkeit ein. Er hoffe, dass die Inhalte und Ergebnisse des UFOP-Perspektivforums nun auch Eingang in die fachlichen und politischen Beratungen der anstehenden Gesetzesvorhaben oder Strategien finden.

Das gesamte Tagungsprogramm und die Beiträge als Download finden Sie unter: https://www.ufop.de/forum19

Quelle: UFOP e. V.


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